Jaime Bofill – Hemingways kubanischer Kumpan
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Photo – Vorderseite

Mir fällt ein merkwürdiges Photo mit Ernest Hemingway in die Hände. Vorne Photo, hinten ein Brief. Denn auf der Rückseite des Photos ist ein langer Gruß geschrieben. Was hat es damit auf sich?

Das Photo muss in Havanna so um das Jahr 1954 aufgenommen sein, bei Hemingway sieht man noch die kurzen Haare, die auf die medizinische Behandlung seiner Verletzung durch die beiden Flugzeugabstürzen in Afrika zurückzuführen sind. Das Photo zeigt Ernest Hemingway seitlich von hinten, bei einem Umtrunk, er hält einen Drink in der rechten Hand, wahrscheinlich ein Daiquirí. Mitten im Photo steht ein kleingewachsener Mann, jener, der auch den Brief auf der Rückseite des Photos geschrieben hat. Sein Name: Jaime Bofill.

Wer ist dieser Bofill? Jaime Bofill, ein Rechtsanwalt, wird auf Kuba zu einem engen Freund von Hemingway über viele Jahre. Bofill betreibt in Havanna einen Aktienhandel, er und der Amerikaner gehen oft zusammen Fischen.

Bofill schreibt per Hand an einen alten Freund nach Lima, an Juan Aguilar Derpich. Aguilar Derpich, ein Journalist und Politiker aus Callao, dem staubigen Hafendistrikt der peruanischen Hauptstadt, ist ein Mann, der den Ideen der linkspopulistischen APRA-Partei nahesteht.

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Photo – Rückseite

Der Text ist eine ziemliche Schwafelei zweier Salon-Sozialisten, von revolutionärem Kampf und Pathos ist die Rede, und in einem letzten Abschnitt dankt Jaime Bofill seinem peruanischen Brieffreund für eine Einladung, die er annimmt. Interessant wird es dann im Postskriptum.

Denn Jaime Bofill und Ernest Hemingway verbindet ein Ereignis, wie der Photobrief am Ende andeutet. Beide sind im Spanischen Bürgerkrieg gewesen. Ernest als Kriegsberichterstatter, Jaime als Freiwilliger.

Was man nicht unbedingt weiß: In den Internationalen Brigaden kämpfen auch viele Kubaner an der Seite der republikanischen Truppen. Unter den Kubanern in Spanien befinden sich bekannte Leute wie der surrealistische Maler Wifredo Lam, der der 11. Division angehört, der Musiker Julio Cuevas, der in Kuba aufgewachsene Spanier Enrique Lister, einer der militärischen Führer der Republikaner und eben auch Jaime Bofill, der der 46. Division zugeordnet ist.

Jaime Bofill ist Hemingway-Forschern auch aus einem anderen Grund bekannt. Er hat dem Nichtraucher Hemingway 1952 einen kleinen braunen Zigarettenkasten geschenkt, den man heute im Museum der Finca Vigía bestaunen kann. Ernest Hemingway – Gran Amigo de Cuba kann man im Innendeckel lesen. Darunter der Name des Schenkenden: Jaime Bofill.