Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Kategorie: Allgemein (Seite 1 von 2)

Ernest Hemingway hat keine Universität von innen gesehen

Stanford Universität

Stanford University, Palo Alto/Kalifornien Photo by W. Stock

Direkt nach der High School fängt Ernest Hemingway als Journalist bei einem Regionalblatt an, beim Kansas City Star, da ist er gerade Achtzehn. Auch später wird Hemingway nicht studieren, er zählt zu den Nobelpreisträgern, die keine Universität von innen gesehen haben. Scheinbar ist der junge Kerl ein Naturtalent. Oder nicht?

Zur akademischen Welt hält der Schriftsteller zeitlebens spürbare Distanz. Obwohl er einer gutbürgerlichen Familie entstammt, der Vater ist Arzt in Chicago, zieht es ihn nicht hin zu hoher formaler Bildung. Die Feuilletonisten der New York Times verachtet er, ihn ödet das Geschwätz all dieser Schreibtisch-Schreiber an. Sicher, du kannst auch aus Büchern lernen oder auf der Schulbank. Aber um das Leben richtig zu begreifen, musst du hinaus in die Welt.

Ein guter Journalist oder ein erfolgreicher Autor muss sich umschauen und zu den Menschen gehen. Man könne nur richtig begreifen, was man mit eigenen Augen gesehen hat. Ich schreibe nur über das, was ich kenne, und deshalb schreibe ich ehrlich. Bücher sollten von den Leuten handeln, die du kennst, die du liebst oder hasst, nicht von Leuten, die du erst studierst.

Dieser Kraftbolzen Ernest Hemingway braucht

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Ernest Hemingway folgt mir

HemTwitter

Ernest Hemingway folgt mir auf Twitter

Man mag es kaum glauben, aber die Nachricht ist unmissverständlich: Ernest Hemingway folgt Dir jetzt auf Twitter!, steht da. Auf meinem Twitter. Einer von 223.

Wunderbar, denke ich. Das gefällt mir. Denn bisher war es doch umgekehrt. Ich folge Ernest Hemingway.

Ernest Hemingway und die Freundschaft

Cabo Blanco Peru

Ernest Hemingway und Freunde in Cabo Blanco, Peru 1956

Ernest Hemingway ist glücklich, wenn er seine Freunde um sich scharen kann. Für einen Mann, der sich für einsam hält, habe ich doch viele Freunde, sagt der Schriftsteller einmal. Ernest Hemingway liebt es, Menschen um sich zu haben.

Ernest Hemingway, und das mag bei einen Schriftsteller zunächst erstaunen, hasst die Einsamkeit. Er kann nicht alleine sein, er muss Leute und Trubel um sich spüren. Tief in ihm brodelt die Angst vor der Verlorenheit. Diese alltäglichen Vorboten der Verlassenheit kommen Ernest Hemingway wie ein kleiner Tod vor. Andersherum gesagt, wenn er sich in der Gemeinschaft von Menschen befindet, von Menschen, die er mag, dann lebt er. Er lebt und er lebt auf. Denn das braucht er.

Um in den inneren Freundeskreis des Ernest Hemingway vorzudringen, bedarf es mindestens drei Grundvoraussetzungen: man muss gut saufen können und der Jagd auf lebende Tiere etwas abgewinnen können. Und drittens, den Schriftsteller ein wenig anzuhimmeln, kann nun auch nicht gerade schaden.

Ein wenig anhimmeln, ein schönes Bild. Manchmal, wenn

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Hemingway, Kartoffel, Papst oder auch gar nichts

Papa Ernest Hemingway

A. E. Hotchner, Papa Hemingway

Warum lässt ein kerniger Mann, der mit Familie und Kindern nicht so viel am Hut hat, sich eigentlich Papa rufen? Auf Kuba, wo Ernest Hemingway über 20 Jahre gelebt hat, nennt ihn die halbe Insel so. Papa heißt er für gute Freunde, Mister Papa für jene, die ihm nicht so nahe stehen.

Mr. Hemingway sagt so gut wie keiner. Eher Señor Hemingüey oder, ebenfalls kubanisch verballhornt, Mister Güey. Auch hört man gelegentlich Mister Way oder manchmal bloß Ernesto – aber Papa, dieses Papa, das bleibt sein klarer Favorit.

Im Spanischen bedeutet Papa allerlei. La papa, feminin, ist die Kartoffel. El Papa wiederum, maskulin, steht für Papst, jenen in Rom. Womit wir der Sachen schon ein wenig näher kommen. Papá, Betonung auf dem zweiten Vokal, umschreibt den Vater der Kinder.

Wenn man bei uns in Deutschland Bahnhof versteht, sagt man auf Kuba oft yo no entiendo ni papa. Ich versteh’ nicht mal Kartoffel. Wenn man also rein gar nichts kapiert. Nichts, nada, Kartoffel.

In Lateinamerika kann man schon mal einen alten Kumpel mit einem hola Papa begrüßen. Also einem hey Alter, was dem Buddy oder Bro’ im Neu-Englischen sehr ähnlich kommt.

Wie auch immer, das väterliche und päpstliche Papa besitzt schon vom Klang her etwas Patriarchalisches. Das Oberhaupt der Familie oder der Glaubensgemeinschaft, das trifft es am besten. So mag sich Ernest Hemingway sehen, jedenfalls wenn er Kleidung anhat.

Dieser Mann mit dem himmlischen Bart inszeniert sich für

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Hemingway – ein Linker oder ein Rechter?

5thcolumnErnest Hemingway ist kein politischer Schreiber. In Sachen Politik ist er eigentlich ein dummer Kerl. Politik interessiert ihn, den Anti-Intellektuellen, nur am Rande. Man muss ihn – nicht nur politisch – als Bauchmenschen bezeichnen.

Mit dem Bauch, nicht mit dem Verstand, bezieht er Position. So im Spanischen Bürgerkrieg, so bei der kubanischen Revolution. Seine Standortbestimmung ist meist intuitiv, emotional oder an Personen geknüpft. Und wehe, man steht auf der falschen Seite, von Hemingway aus gesehen, natürlich.

Wenn Hemingway in seinen Werken politisch wird, beispielsweise in seiner Sammlung The fifth column mit den Stories aus und einem Bühnenstück über den Spanischen Bürgerkrieg, dann ist das von sympathischer Ungelenkheit im Dogma und immer nur auf der persönlichen und menschlichen Ebene. Das, allerdings, muss ja nicht unbedingt verkehrt sein.

Auch wenn dieser Ernest Hemingway eher unpolitisch daher kommt, so besitzt er doch seine Grundüberzeugung. Grundwerte, die sich aus seinem Leben, seiner Erfahrung und seinem Temperament ableiten. Sein Verständnis als Schriftsteller beschreibt Hemingway 1935 in einem Brief an Iwan Kaschkin. Jeder versucht einen jetzt mit der Behauptung einzuschüchtern, wenn man nicht Kommunist werde oder einen marxistischen Standpunkt einnehme, wird man keine Freunde haben und allein sein. Ich kann jedoch kein Kommunist werden, weil ich nur an eines glaube: an die Freiheit.

Ein Haudegen wie Hemingway kann den Freiheitsbegriff politisch

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Der ewige Hemingway

DeralteMannund das MeerErnest Hemingway scheint immer noch unter uns zu sein. Menschen, die sonst selten ein Buch in die Hand nehmen, haben seine Geschichten verschlungen. Warum? Weil sie sich darin wiederfinden. Ihr Leben, ihre Träume, ihre Ängste.

Es lässt sich wohl weit und breit kein Schriftsteller aufspüren, der sich so einprägsam in den Hirnen und Herzen der Menschen verewigt hat wie dieser Ernest Hemingway aus Oak Park, Illinois.

Obwohl vom Naturell den Genüssen dieser Welt – Frauen, Promille, Boxen – nicht abgeneigt, war Hemingway Zeit seines Lebens ein fleißiger und ehrgeiziger Schreiber. Ein knappes halbes Dutzend seiner großen und kleinen Werke gehört mit zum besten, was im vorigen Jahrhundert zu Papier gebracht wurde. Unerreicht seine Erzählung Der alte Mann und das Meer, ein fast biblisches Gleichnis über die Niederlage im Sieg, eine einfache Parabel menschlicher Existenz und Begrenzung.

Der Mann ist unvergessen: Barkeeper, die ihm vor 60 Jahren Drinks gemixt haben, erinnern sich noch heute an ihn, so als sei es gestern gewesen. Photographen, die ihn porträtiert haben, schwärmen noch heute von seiner Aura. Hotels, in denen er übernachtet haben soll, werben kräftig mit ihm. Und in jede Kneipenecke, in die er gekotzt hat, hat man ihm eine Gedenkplakette angebracht.

Manchmal wird die

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Hemingway, einer von uns

Ernest Hemingway StilEs bleibt ein bemerkenswerter Umstand, dass dieser Nobelpreisträger seine Spuren hinterlassen hat und gerade auch von einfachen Menschen mit großer Passion gelesen wird. Selbst Leute, sonst keine Leseratten, kennen und schätzen ihn, erliegen der Faszination seiner Stories und Romane.

Dafür muss es Gründe geben. Ernest Hemingway beherrscht wie kein anderer Autor die Kunst des knappen Satzes. Jene schnörkellose Prosa, die sich kurz und flott erliest, jedoch in jeder Zeile auch die Muskeln spielen lässt. Diese Kühle der Sprache passt nicht nur zu Hemingways Helden, sondern drückt zugleich das Lebensgefühl vieler Generationen im Daseinskampf aus.

Hemingways Sprache ist einfach und verständlich. William Faulkner meint, leicht zänkisch, über Hemingways Wortwahl: He has never been known to use a word that might send a reader to the dictionary. Es ist nicht bekannt, dass er jemals ein Wort benutzte, das der Leser im Wörterbuch hätte nachschlagen müssen. Oha. Merkwürdiger Vorwurf.

Und so ließ Hemingways Konter

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Die Welt mit eigenen Augen sehen

Ernest Hemingway, 1956; Photo by Modeste von Unruh

Ernest Hemingway, 1956;
Photo by Modeste von Unruh

Ich vermute, dass es auf der ganzen weiten Welt kein Autor zu finden ist, dem mehr Denkmäler, Dankesplaketten, Ausstellungen, Poster, Büsten, Skulpturen, T-Shirts und dergleichen gewidmet wurden, wie diesem Ernest Hemingway.

Und dies nicht nur an einem Ort, seinem Geburtsort meinetwegen, nein, sondern verstreut über alle Kontinente. In Spanien, in den Alpen, in der Karibik, in den USA oder auch in Afrika wird man entsprechend fündig. Dieser Mann hat sein Wirken weit gestreut.

Ernest Hemingways Revier war die Welt, er hielt sich mit Vorliebe dort auf, wo es etwas zu erleben gab: an vorderster Frontlinie im Ersten Weltkrieg, im Spanischen Bürgerkrieg, im Paris, als die deutschen Besatzer verjagt wurden, in den Steppen Afrikas, bei Castros kubanischer Revolution.

Hemingway ging raus, dort hin, wo sich das Leben zutrug. Als Autor war er das schiere Gegenteil eines desk editors, eines Schreibtischschreibers, im Gegenteil, für die literarischen Bettnässer in den feinen Feuilletons hatte er nur Verachtung übrig. Das war nicht seine Sicht der Dinge. Du kannst eine Sache nicht richtig begreifen, wenn du sie nicht mit eigenen Augen gesehen hast, meinte er – und er musste die Welt mit eigenen Augen sehen.

Es gibt wohl keinen anderen Schriftsteller weltweit, der

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Gespräche über Hemingway

Photo by W. Stock

Die Leute, meist Männer, aber auch viele Frauen, mit denen ich gesprochen habe, mögen Ernest Hemingway. Einfache Fischer, Kellner, Farmer und Besitzer von Restaurants und Kiosken. Man braucht den Namen Hemingway nur zu erwähnen, und schon hat man eine Geschichte.

Die Menschen, vor allem die Menschen. Ernest Hemingway hat in der Begegnung mit seinen Zeitgenossen einen solchen Eindruck hinterlassen, als Person und Literat, dass es aus den Menschen nur so heraus sprudelt.

Wenn man die Menschen trifft, die Hemingway kannten und mit ihm zu tun hatten, so reden sie wie ein Wasserfall, über den Autor, seine Eigenarten, sein Werk, sie hören gar nicht mehr auf zu reden, sie breiten Intimes und Innersten aus, obwohl man sich erst seit ein paar Minuten kennt.

Hemingway ist ein mentaler Türöffner, ein Motiv, ein Stimulus, man kann Stunde um Stunde über diesen Mann reden, und irgendwie weiß man danach nicht so recht, ob man über den bärtigen Literaten, eine Verklärung oder gar über die eigenen Wünsche und Träume fabuliert hat. Man muss lange suchen, um in der Literaturlandschaft ein ähnliches Phänomen zu finden.

Wie ist diese für einen Literaten doch unübliche Nähe zum gemeinen Volk zu erklären? Wohl weil

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Ernest Hemingway, der Autor des Jahrhunderts

HemingwayLife1Die Erinnerung an das 20. Jahrhundert der Menschheit fällt ein wenig zwiespältig aus. Es waren hundert Jahre, die zwei schreckliche Weltkriege erlebt haben, Hyperinflation und Depression, Grausamkeiten, ein Jahrhundert mit Verbrechern und Diktatoren aller Couleur. Aber auch die Erfindung einer langgestreckten Blechdose gab es zu vermelden, ein Mysterium, das mit 300 Menschen an Bord durch die Lüfte fliegt. Oder die Erfindung einer kleinen Box, die flinker rechnen kann als Albert Einstein, und die auch sonstige Wunderdinge vollbringen kann. Und es war ein Jahrhundert, das etwas schier Unglaubliches vollbracht hat, es hat einen Menschheitstraum Wirklichkeit werden lassen: Es hat den Mann im Mond gesehen.

Die vielfältigen Ereignisse, diese dunklen wie auch sonnigen Seiten der Historie dieses zwanzigsten Jahrhunderts vor Augen: Wer ist der Schriftsteller, der für diese hundert Jahre steht? Wer ist – aus Weltsicht – der Autor dieses Jahrhunderts? Thomas Mann? Wahrscheinlich der deutsche Meister. Kafka? Zu düster. Hesse? Eine Spur zu schrullig. James Joyce? Ein Eierkopf. Maxim Gorki? Zu russisch. Gabriel García Márquez? Zu lebendig. Nach ein wenig Grübeln bleibt da nur noch Old Hem übrig.

Hemingway beherrscht

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