Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Kategorie: Deutschland

Hemingway-Burger auf Sylt

Hemingway'sSyltkorrek

Westerland auf Sylt; Photo by W. Stock

Westerland auf Sylt, im Spätsommer 2014

Ernest Hemingway kommt nach Sylt. Nicht richtig. Denn eher kommt Sylt zu Hemingway. Bekannterweise hat Ernest Hemingway die schöne Insel in der Nordsee nie besucht. Er war fast überall, aber hier war er nie.

Also kommt Sylt zu Hemingway. Seit einiger Zeit gibt es ein Hemingway’s auf der Insel. Im Industrieweg 10, hinterm Bahnhof, als Lokalität eines Bowling Centers. Und auch der Bundesliga-Fussball auf sky wird hier gezeigt.

Im Restaurant selbst gibt es dann einen Hemingway-Burger für 9, 90 Euro, mit Pommes. Und als Variante auch einen Hemingway-Burger light, diesmal mit Hähnchen.

Ernest Hemingway, der Hemingway-Burger und die

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Hemingways Frühstück

Sylt, im Spätsommer 2014 Photo by W. Stock

Sylt, im Spätsommer 2014
Photo by W. Stock

Westerland auf Sylt, im August 2014

Im Café Extrablatt in Westerland auf Sylt, das Café mit dem gewissen Extra, so der etwas mutige Slogan. Alles nur einen Steinwurf vom Strand und der wilden Nordsee entfernt.

Ich nippe des nachmittags an einem mittelprächtigen Espresso. Dann doch noch ein Blick in die lange Karte. Verschiedene Frühstücksvarianten werden dort angeboten. American, Italiana, Vital – so weit, so gut. Alles wie nebenan soweit.

Doch dann fällt mein Auge auf eine besondere Speise: Frühstück Hemingway. Für 8,95 Euro. Was um Himmels Willen ist das bloß?

Die Auflösung steht direkt darunter. Man bekommt bei Hemingways Frühstück für sein Geld: Kaffee, Brötchen, Croissant, Marmelade, Käse, Frischkäse, gekochter Schinken, Serrano-Schinken, Salami, Melone. Auf Wunsch auch nur mit Käse.

Also von allem etwas. Frankreich, Spanien, Tropen. Weltweites Allerlei. Also

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Papas falscher Koffer

PapasKofferWelch eine hübsche Idee für einen Roman! Ernest Hemingway, so ging das Gerücht in den Literaturzirkeln, hatte in den Zwanziger Jahren einen Koffer im Pariser Hotel Ritz zurückgelassen, voll mit Manuskripten und Aufzeichnungen. Doch, wo war dieser Koffer abgeblieben? Die Jagd nach dem Koffer roch nach Abenteuer und Krimi. Auch literarisch.

Deshalb nahm ich mit Vorfreude das Buch von Gerhard Köpf mit dem Titel Papas Koffer in die Hand, als es im Jahr 1993 erschien. Nicht irgendeine Klitsche hatte den Titel verlegt, sondern der traditionsreiche Luchterhand Verlag, wo einst auch Günter Grass zu publizieren pflegte. Als Lektor des Buches zeichnete Klaus Siblewski, einer der großen Lektoren hierzulande, heute ein Professor für Literaturwissenschaft. Und auch der Autor Gerhard Köpf war nicht irgendwer. Der Mann besaß einen guten Namen als fleißiger Schreiber, er hatte Dutzende Bücher verfasst und war zudem auch Professor.

Als ich jedoch, damals vor zwei Jahrzehnten, das kleine Büchlein von knapp 190 Seiten in die Hand nahm, zu lesen begann, verflog meine Vorfreude ziemlich schnell und wurde durch tiefen Ärger abgelöst. Denn seitenlange Passagen des Buches hatte ich schon einmal gelesen, ganze Abschnitte des Buches kamen mir sehr bekannt vor. Sie

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Ernest Hemingway und Heinrich Böll

Photo by W. Stock

Ernest Hemingway war der Autor meiner Jugend. Wir Jungs, mit vielen Fragen im Kopf und wenig Antworten im Leben, haben seine Werke verschlungen. Und da gab es dann noch andere Schriftsteller, die wir verehrten. J. D. Salinger beispielsweise, diesen skurrilen Kumpan der Jugend, oder Heinrich Böll, den rheinischen Moralist.

Letzterer, auch Nobelpreis-Kollege, ist heute literarisch fast vergessen. Zu sehr hat er für seine Zeit geschrieben und innerhalb seiner rheinischen Scholle gewirkt.

Hemingway ist da aus ganz anderem Holz geschnitzt: Die Jahre haben ihm literarisch wenig anhaben können, die große Welt war sein Revier. Im Gegensatz zu Böll, der durch den linkschristlichen Glauben geprägt war, hat Ernest Hemingway seine Weltanschauung daraus bezogen, dass er sich die Welt angeschaut hat. Er ist hinaus ins Getümmel, hat miterlebt und mitgefiebert. Der Amerikaner, kein Ideologe, stand mit beiden Füssen im Leben.

Merkwürdigerweise – diese Fussnote muss bei Hemingway, Salinger und Böll erzählt werden – schnitten sich die Lebenslinien der drei Autoren.

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