Hemingways Welt

Großmaul, Schnapsnase, Schürzenjäger – an den Fersen eines Jahrhundertautors

Kategorie: Familie Seite 1 von 2

Ernest Hemingway als Schüler: so clever wie keiner

Die Schulzeitung über Ernest Hemingway: „Man wird keinen finden, der cleverer ist als Ernie.“

Von 1913 bis 1917 besucht Ernest Hemingway die Oak Park and River Forest High School in Oak Park, einem Vorort von Chicago. Ernest ist ein hochgewachsener Bursche, der schnell viele Sympathien auf sich zieht. Er begeistert sich für den Sport, fürs Schwimmen, Boxen und den Football vor allem, und spielt zwei Jahre im Schulorchester. 

Der junge Schüler schreibt erste Artikel für The Trapeze, die Schulzeitung, und für das Jahrbuch der Schule, mit Namen Tabula. Insgesamt veröffentlicht Ernest während seiner Schulzeit 18 Artikel in The Trapeze und drei Gedichte in Tabula. Im Impressum von The Trapeze steht – neben den schulischen Informationen – eine kurze Charakterisierung eines jeden Mitarbeiters. Bei dem jungen Ernest Hemingway kann man lesen: „Man wird keinen finden, der cleverer ist als Ernie.“

Seine besten Leistungen erzielt er im Englischunterricht, wo er mit den Werken der modernen Literatur und auch mit dem Journalismus in Berührung kommt. Angetan ist er besonders von dem volkstümlichen Schriftsteller Mark Twain, der zu seinem literarischen Idol werden sollte. Hinter den kurzweiligen Lausbubengeschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn versteckt der in den USA viel gelesene Twain einen tiefen Humanismus.

Mit genauer Beobachtungsgabe entlarvt der scharfzüngige Mark Twain den alltäglichen Rassismus und die Bigotterie der weißen Mittelschicht im amerikanischen Süden. „Die gesamte amerikanische Literatur stammt von einem Buch von Mark Twain namens ‚Huckleberry Finn‘ ab. Vorher gab es nichts. Und seitdem gab es nichts, was dem gleichkommt“, würdigt Ernest Hemingway im Jahr 1935 das Vorbild.

An der High School wird Ernest schnell von den

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Bridget Hemingway, die Tochter

Zu verkaufen: Babyschuhe, ungetragen.
Ernest Hemingways Versuch aus den 1920er Jahren, die kürzeste Kurzgeschichte aller Zeiten zu schreiben. Die Wirklichkeit holt ihn zwei Jahrzehnte später ein.

In einer schlichten Zeremonie heiraten Ernest Hemingway und Mary Welsh am 14. März 1946 im Vedado, einem vornehmen Stadtteil der kubanischen Hauptstadt. Eine weitere schöne Nachricht ist im Juli zu vermelden: Mary ist schwanger. Das frisch vermählte Paar freut sich auf den Nachwuchs. Für Mary soll es das erste Kind sein, und der Schriftsteller ersehnt sich nach drei Söhnen endlich eine Tochter.

Auch ein Name ist schon ausgesucht. Bridget. Bridget Hemingway. Ernest kauft seiner Mary in guter Hoffnung einen Ring mit viereckig geschliffenen gelben Brasiliendiamanten. Der Autor, außer sich vor Freude, plant eine Urlaubsreise ins Sun Valley. Vielleicht keine so gute Idee, nicht nur weil er dort schon mit seiner vorherigen Ehefrau Martha Gellhorn die Flitterwochen verbracht hat.

Von Kuba setzt das Ehepaar nach Palm Beach über und fährt mit seinem Lincoln Richtung Norden nach Idaho. Es wird eine endlose Reise, durch Florida, Georgia, Tennessee, Kentucky, Missouri, Kansas und Nebraska, als sie in Wyoming in einer kleinen Stadt namens Casper im Mission Motor Court übernachten.

Es ist ein extrem heißer Sommertag im August 1946 gewesen, das Ehepaar nimmt nach der langen Autofahrt noch ein kräftiges Steak zum Abendessen, Kartoffeln und ein paar Bier. Mary fühlt sich nicht wohl und geht früh zu Bett. Ernest Hemingway besucht noch ein, zwei Kneipen im Ort.

Am nächsten Morgen, gegen sieben Uhr, Ernest lädt gerade die Koffer ins Auto, da hört er einen dumpfen Schrei, die schwangere Miss Mary ist im Hotelzimmer

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Ernest Hemingways Familie

Die Familie Hemingway in Oak Park, im Jahr 1906: Die Schwestern Marcelline und Madelaine, Vater Clarence, Mutter Grace, Schwester Ursula und Ernest. (v. l. n. r.); Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Ernest Miller Hemingway wird um acht Uhr morgens geboren, am 21. Juli 1899 in Oak Park, Illinois, einem Vorort von Chicago. Der konservative Wohngürtel um die Großstadt mit den vielen Kirchen und Kapellen hat so gar nichts am Hut mit dem liberalen Geist der Handelsmetropole. Die liegt zwar nur zehn Meilen von Oak Park entfernt, doch bewegt sich dort das Leben mental wie auf einem anderen Planeten.

Im Grunde genommen blicken die gutbürgerlichen Bewohner des Stadtrandes voller Verachtung nach Norden auf das Lotterleben Chicagos. In der Großstadt prägen Wirtschaftskrisen, soziale Konflikte, ein kaum versteckter Rassismus und die allgegenwärtige Mafia den Alltag, damit will man im wohlhabenden Speckgürtel nichts zu tun haben. 

Ernest wächst auf in einer angesehenen Familie, die nach außen wie ein Tugendhort erscheint. Die Hemingways gehören zur oberen Mittelschicht, der Vater arbeitet als praktizierender Mediziner, die Mutter ist Opernsängerin und Malerin. Die Familie besitzt ein dreistöckiges herrschaftliches Haus an der Oak Park Avenue, materiell fehlt es der Familie Hemingway an nichts.

Ernest hat fünf Geschwister, den jüngsten Bruder Leicester und die vier Schwestern Marcelline, Madelaine, Ursula und Carole. Es wird viel kammermusiziert in der Familie, jedes Familienmitglied spielt ein Instrument, Ernest bekommt das Cello zugewiesen. Nur mit Widerwillen nimmt er an den Konzerten, auch den öffentlichen, in ihrem Bezirk, teil.

Von 1913 bis 1917 besucht Ernest die Oak Park and River Forest High School. Er ist ein hochgewachsener Bursche, der viele Sympathien auf sich zieht. Er begeistert sich für den Sport, speziell fürs Boxen, das Schwimmen und den Football, und er spielt zwei Jahre im Schulorchester. Auch bei den Mädchen der Schule hat er einen Schlag, es gibt schon den einen oder anderen Schwarm.

Seine besten Leistungen verbucht er

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Ernest Hemingway & Hadley Richardson

Die Hochzeit in Horton’s Bay, Michigan, am 3. September 1921. Die Schwestern Carol und Ursula, die Braut Elizabeth Hadley Richardson, Bräutigam Ernest Hemingway, Mutter Grace, Bruder Leicester und Vater Clarence (v. l. n. r.); Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Im Dezember 1921 treffen Ernest und Hadley Hemingway auf dem französischen Atlantikkreuzer Leopoldina in Europa ein. Der 22-jährige Ernest Hemingway und die acht Jahre ältere Elizabeth Hadley Richardson haben drei Monate zuvor im Kreise der Familie in Horton’s Bay, in Michigan, geheiratet. Das junge Ehepaar will sich für einige Jahre im quicklebendigen Paris niederlassen und mietet zunächst ein Zimmer im Hotel Jacob et l’Angleterre in der Rue Jacob im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés.

Die rothaarige Hadley ist eine pausbäckige herbe Schönheit und bewundert ihren Ernest, als Ehemann und als Schreiber. Seinen Wunsch, nach Paris überzusiedeln, trägt sie ohne Umschweife mit. Sie hatte ein reizend geformtes Gesicht, und ihre Augen und ihr Lächeln leuchteten bei Entschlüssen auf, als seien es kostbare Geschenke. „Wann sollen wir aufbrechen?“.

Der Sohn John kommt im Oktober 1923 bei einem Aufenthalt in Kanada in Toronto zur Welt. Mit Hadley und Bumby reist der angehende Schriftsteller zurück nach Paris, wo die kleine Familie mittlerweile im Quartier Latin in einer Wohnung in der Rue du Cardinal Lemoine 74 lebt. Es ist eine einfache Wohnung, mit Bad im Zwischengeschoss, sehr preiswert, denn die Familie muss mit dem wenigen Geld haushalten.

Als freier Korrespondent der kanadischen Tageszeitung Toronto Star soll sich Hemingway in Europa umschauen, es ist ein Kontinent, der durchgerüttelt wird von politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen. Hadley und Ernest erkunden Europa, sie entdecken Spanien für sich, die Hemingways reisen nach England, in die Schweiz und nach Italien. Der Korrespondent schickt scharfsinnige Reportagen an den Toronto Star aus Griechenland, aus Bulgarien oder aus dem Ruhrgebiet.

Ernest, bei seiner Hochzeit gerade einmal 22 Jahre alt, ist trotz großer Klappe doch ziemlich ahnungslos in Liebesdingen. Die Liebe zu Hadley erfüllt ihn, ebenso die Geburt des Sohnes. Ich habe dich gesehen, Schöne, und jetzt gehörst du mir, auf wen auch immer du wartest, selbst wenn ich dich niemals wiedersehe, dachte ich. Du gehörst mir, und ganz Paris gehört mir, und ich gehöre diesem Notizbuch und diesem Bleistift.

Der junge Ernest Hemingway, seinem strengen Elternhaus entflohen, wird in Frankreich zum

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Ernest Hemingways Vater

Dr. Clarence Hemingway mit seinem Sohn Ernest zu Hause in Oak Park, Chicago, im Jahr 1918.

Dem geliebten Familienoberhaupt will der junge Ernest Hemingway imponieren. Seinem Vater Clarence schreibt er am 9. Juni 1918 aus dem italienischen Mailand eine Postkarte nach Chicago: Alles bestens. Morgen geht es an die Front. Ernest Hemingway ist erst 18 Jahre alt, ein großer Kerl zwar, aber noch ziemlich grün hinter den Ohren.

Am gleichen Tag schreibt der Rotzlöffel eine Postkarte an einen Freund nach Kansas City: Having a wonderful time!!!. Mit drei Ausrufezeichen. Da steht ein unbedarfter Arztsohn aus dem mittleren Westen Amerikas vor den bluttriefenden Schlachtfeldern in Europa und freut sich auf das Kriegsgemetzel. Was ist da schief gelaufen? 

Zur Mutter bleibt das Verhältnis Zeit seines Lebens angespannt, zum Vater jedoch entwickelt Ernest Hemingway eine enge Beziehung. Es ist der Vater, der den Sohn prägt, es ist Clarence, der Ernest ins Leben führt. Der Vater hat ihn früh in die Natur mitgenommen und ihm an den Bächen und Flüssen um den Lake Michigan das Fischen beigebracht. Die Hemingways besitzen das Sommerhaus Windemere am Walloon Lake im Norden Michigans und die Eltern verbringen dort mit den Kindern die Sommermonate.

An Gewässern, an den Bachläufen oder am Meer fühlt Ernest Hemingway sich der Schöpfung nahe, er empfindet dort eine tiefere Aufmunterung als in der Stadt. „Porqué me trajiste, padre, a la ciudad?“ Warum nur, mein Vater, hast du mich in die Stadt gebracht, klagt der große Poet Rafael Alberti in Marinero en tierra im Jahr 1925. Und der Volksbarde aus El Puerto de Santa María, ganz im Süden Spaniens, meint damit im Grunde: Vater, warum hast du mich der Natur entrissen?

Durch den Vater hat Ernest den Respekt vor der Natur erfahren. In der unberührten Natur entdeckt er das Gerinnsel einer Quelle, das Wachsen zu einem Bachlauf, der breiter und breiter wird und schließlich in einem Fluss mündet, der dem Meer zufließt. Der Junge bestaunt die selbstverständliche Beständigkeit dieses Kreislaufes, so als sei sie von einer unsichtbaren Hand gezogen, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.

Doch es ist auch die Natur, die dem Menschen seine Grenzen setzt. Die Natur – das Meer, die Seen, die Berge und die Wälder – zeigt sich launenhaft und folgt ihren eigenen Regeln, sie lässt sich um keinen Preis bändigen. Die Natur ist mächtiger als alles, als wirklich alles, was sie umgibt, mächtiger als der Mensch ohnehin. Die Menschen kommen und gehen, die Natur jedoch bleibt. 

In der Anmut der Natur lauert allerdings ein unsichtbarer Gegner. Denn zum Kreislauf der Natur gehört auch

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Mariel Hemingway, dem Großvater so nah

Mariel Hemingway, die Tochter von Jack Hemingway, ist die Enkelin des Nobelpreisträgers. Sie wird in dem Jahr geboren, in dem ihr Großvater seinem Leben ein Ende setzt. Mariel heißt auch ein Hafen auf Kuba. Von Mariel aus, einer Stadt 50 Kilometer westlich von Havanna, startet der Nobelpreisträger ab und an seine Angeltouren. So wird Mariel Hemingway an den Großvater Ernest tagtäglich sogar im Namen erinnert. 

Die junge Frau hat es schlau angestellt und sich von Anfang an ein eigenes Leben aufgebaut, anstatt auf der Fahrkarte des Großvaters zu fahren. Mariel Hemingway wird eine formidable Schauspielerin in Hollywood, eine gefeierte Buchautorin, ein anerkannter Gesundheits-Coach und eine gute Geschäftsfrau obendrein. Ihre Themen als Coach sind Mental Health, True Wellness, Empowerment und Life Balance – also alles, was mit einem gesunden und erfüllten Leben zu tun hat.

Über ihre Arbeit kann man sich einen Eindruck verschaffen auf ihrer Website Mariel oder auf Instagram marielhemingway für die kleineren Happen. Finding My Balance heißt einer ihrer Bestseller und Mariel Hemingway spannt hier und in den anderen Büchern den großen Bogen von gesunder Ernährung über innere Stärke bis zu kraftvollem Auftreten. Denn Gesundheit und Wohlergehen fasst sie ganzheitlich auf, körperlich wie mental. Selbstverständlich ist dies alles nicht.

Denn wer den Namen Hemingway trägt, der trägt zugleich einen schweren Rucksack. „Meine Familie gehört zu den bekanntesten in den USA, vielleicht sogar auf der Welt. Man möge deshalb nicht meinen, wir hätten keine eigenen Probleme und keine Existenzkämpfe“, schreibt sie. „Mein Großvater brachte sich um, dessen Vater sich auch, der Vater meiner Großmutter Hadley ebenso, wie auch andere Familienmitglieder, auch meine Schwester Margaux. Alle waren sie schöne, kluge und lebhafte Menschen, die allerdings von Sucht, Depression, Bulimie oder Zwangsstörungen befallen waren. Gleichzeitig aber über eine unermeßliche geniale Kreativität verfügten.“ 

Mariel Hemingway möchte es besser machen, sie weiß, dass der Mensch auch die Wahl hat, glücklich oder unglücklich zu sein. Jedem Menschen wohnt die willentliche Entscheidung inne, Zufriedenheit zu finden. Auch Mariels Großvater hätte

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Ernest Hemingway als Mädchen

Oje, der kleine Ernest Hemingway als Mädchen. Ob das Macho-Gesummsel der späteren Jahre eine Rebellion gegen die Einkleidung in der Kindheit ist?
Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Je länger Ernest Hemingway darüber nachsinnt, desto mehr muss er sich eingestehen, dass er ein ziemlich lausiger Familienvater ist. Seine drei Söhne, die er meist nur in den Sommerferien sieht, wachsen bei den Müttern in den USA auf. Er selbst hat sich sein Leben auf seiner kubanischen Finca Vigia bei Havanna, fernab von allem, kommod eingerichtet. Doch sein Daheim ist leer, weil nur er es ausfüllt.

Er hat es als Kind nicht anders erlebt. Ernest Miller Hemingway wird um acht Uhr morgens geboren, am 21. Juli 1899 in Oak Park, Illinois, einem Vorort von Chicago. Die Familie gehört zur oberen Mittelschicht, der Vater arbeitet als Mediziner, die Mutter ist Opernsängerin und Malerin. In der Familie herrscht die calvinistische Askese des Mittelwestens, nicht zuletzt im emotionalen Miteinander. 

Die Mutter, Grace Hemingway, erweist sich als ein schlimmer Drache und schlägt die Kinder mit der Bürste. Den kleinen Ernest steckt sie jahrelang in Mädchenkleider und lässt seine Haare mädchenhaft lang wachsen. Ob’s gut gewesen ist, lernt man wahrscheinlich als Fallstudie im ersten Semester Psychoanalyse, Proseminar Trauma-Therapie.

Auch der Vater Clarence, ein Arzt, prügelt die Kinder und bestraft streng, aber in Wirklichkeit ist er ein Waschlappen. Doch den Vater verehrt der junge Ernest sehr. Er hat den Sohn früh in die Natur mitgenommen und ihm an den Bächen und Flüssen um den Lake Michigan das Fischen beigebracht. Die Hemingways besitzen das Sommerhaus Windemere am Walloon Lake im Norden Michigans und die Eltern verbringen dort mit den Kindern die Sommermonate.

Familie allerdings hat der junge Ernest Hemingway nicht gelernt, so wie man gut Schwimmen oder Autofahren lernen kann. Die Gefühlswelt im Elternhaus bleibt puritanisch kühl und auf das produktive Funktionieren ausgerichtet. Das Heim in Oak Park kann kein Vorbild für den jungen Ernest sein. Kaum achtzehn, da hat er sich schnell aus dem Staub gemacht. Nach Kansas, als Lokalreporter zum City Star, ein paar Monate später als Freiwilliger des Red Cross Ambulance Corps nach Italien, an die Front des Ersten Weltkriegs.

Noch als Erwachsener plagt den kernigen Schriftsteller ein Alptraum: Er träumt von

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Martha Gellhorn – Ehe Numero 3

Mit Martha Gellhorn erfolgt die Vermählung Ende 1940. Die Amerikanerin aus St. Louis hat sich da bereits einen Namen gemacht als Journalistin und Autorin. Sie hat für United Press in Paris gearbeitet, sie schreibt für das Wochenmagazin Collier’s über den Spanischen Bürgerkrieg und sie ist der einzige weibliche Kriegsberichterstatter, der mit den Amerikanern am D-Day, dem 6. Juni 1944, in der Normandie landet.

Im Spanischen Bürgerkrieg finden die beiden dann endgültig zueinander. In den Wirren der Schlacht um Madrid erleben die Kollegen auch den privaten Ernest Hemingway, er macht kein Geheimnis daraus. Die Ehe des Autors mit Pauline Pfeiffer befindet sich in einer Sackgasse und da kommt die platinblonde Martha Gellhorn gerade recht daher.

Der Schriftsteller hat die attraktive Korrespondentin des Wochenmagazins Collier’s an Weihnachten 1936 in Key West kennengelernt, sie kommt mit Mutter und Bruder ins Sloppy Joe’s in einem schwarzen Kleid, das ihre blonden Haare noch blonder aussehen lässt. Ernest Hemingway, der mit dem Auge denkt, ist nicht mehr zu retten.

Bald teilt die amerikanische Journalistin in Madrid mit Ernest das Hotelzimmer, Martha wird seine Geliebte. Zunächst erweist sich Martha Gellhorn als eine Frau ganz nach seinen Bedürfnissen, weil die Vorlieben sich so wunderbar überschneiden. „I followed the war wherever I could reach it“, sagt die blonde Frau, sie mutet an wie die Variation eines Ernest Hemingway im Rock. Ich bin zu dem Krieg hin, wo immer ich ihn auch packen konnte. Es dauert jedoch nicht lange und Ernest und Martha haben den Krieg im heimischen Wohnzimmer.

Martha Gellhorn erweist sich zwar als Frau zum Pferdestehlen, wie man so schön sagt. Und Pferdestehlen kommt

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Ratschläge an den Sohn

Ernest Hemingway, bekanntlich ein göttlicher Prosaist und oft ein kümmerlicher Poet, versucht sich trotz allem hin und wieder an den Versen. Von ihm gibt es ein, nun ja, sagen wir, recht unkonventionelles Gedicht, vielleicht ist die Umschreibung Gedicht schon ein wenig hochgegriffen.

Advice to a Son, auf Deutsch Ratschläge an den Sohn, nennt er selbst das Werk, es scheint mehr eine Spottschrift über Gott und die Welt. Ein unkonventionelles Pamphlet, das jedoch sein Denken und seine Ideale skizziert.

Always put paper on the seat,
Don’t believe in wars,
All your friends will leave you
All your friends will die
So lead a clean and wholesome life
And join them in the sky. 

Das ist viel Wahres drin, wer will das bestreiten? Es hagelt noch weitere Ratschläge in diesem Poem, doch

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Pauline Pfeiffer – die zweite Ehe

Ernest Hemingway und Pauline Pfeiffer auf dem Hochzeitsfoto, in Paris am 10. Mai 1927; Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Die wohlhabende Amerikanerin Pauline Pfeiffer arbeitet Korrespondentin der Modezeitschrift Vogue in Paris, sie und ihre Schwester Virginia schmeißen in der Stadt an der Seine mit dem Geld nur so um sich. Die 30-jährige Pauline erweist sich als eine lebenshungrige, lockere Frau, die stramm auf ihr Ziel zusteuert. Und ihr Ziel heißt Ernest. Pauline lockt und ködert ihn mit allem, was einer freizügigen Frau so als Köder gegeben ist, Ernest verhält sich in solchen Situation wie immer, er zeigt sich ziemlich hilflos.

Die fesche Pauline sieht aus wie einer Ausgabe der Vogue entsprungen. Modisch, ausgefallen, ein wenig androgyn, flachbrüstig, schwarzes Haar im Kurzschnitt, knallrote Lippen. Pauline und der angehende Schriftsteller lernen sich in Paris kennen und es wird eine leidenschaftliche Affäre. Der Sex mit Pauline sei sensationell, berichtet Ernest begeistert, das Blut des jungen Journalisten gerät in Wallung. Explosiv, ungeniert und laut, sie bestimmt, wo es langgeht, sie steigt auf mich drauf und kriegt ihren Höhepunkt, als wäre es ein Gewittersturm.

Ernest Hemingway hat seiner ersten Ehe mit der patenten Hadley bereist einen Tiefschlag verpasst, er hat zuvor eine Affäre mit einer extravaganten Engländerin, Duff Twysden, in Pamplona 1924, die den hochgewachsenen Journalisten ohne Scheu ins Bett zerrt. Wie ein emotionaler Trottel wird Ernest Hemingway zwischen den Frauen hin und her gerissen. Er mag es, umgarnt zu werden, und doch fühlt er sich nicht wohl, wie er in Paris hat kein Ende, am Ende seines Lebens, schreibt. Man lügt und hasst es, es zerstört einen, und von Tag zu Tag wird es gefährlicher, aber man lebt von einem Tag zum anderen wie im Krieg.

Am 3. Februar 1926 fährt Ernest von Cherbourg auf der Mauretania nach New York zu den Buchverhandlungen. Am 17. Februar 1926 unterzeichnet Ernest seinen ersten Vertrag mit Scribner’s and Sons für die beiden Werke Torrents of Spring und The Sun Also Rises. Ab jetzt wird die Autorenkarriere des Ernest Hemingway wie eine Rakete steil und glitzernd in die Luft abgehen. Die treue Hadley, seine erste Ehefrau und große Liebe, hat recht gehabt, er wird einmal als ein gefeierter Schriftsteller dastehen.

Die Frau, die an ihn geglaubt hat, sitzt nun alleine in der gemeinsamen Wohnung in Paris und ihr Ehemann lässt keine Gelegenheit aus, sie rücksichtslos zu betrügen. Ernest kann nicht treu sein, nicht seiner Ehefrau, und ebenso wenig seiner Geliebten. Böse Zungen munkeln, dass Ernest

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