Hemingways Welt

Großmaul, Schnapsnase, Schürzenjäger – an den Fersen eines Jahrhundertautors

Kategorie: Peru Seite 3 von 4

Kurze Sätze, Leute, kurze Sätze

winner take nothing

Winner take nothing

Ernest Hemingway redet gerne, abends an der Bar, über den Stierkampf, über die Frauen, über das Trinken. Nicht so häufig redet er über das Schreiben.

Doch in Cabo Blanco, im April 1956, lassen die peruanischen Journalisten nicht locker. Sie wollen ihm bei ein paar Gläsern Whiskey das Geheimnis des guten Stils entlocken.

Señor Hemingway, will Mario Saavedra-Piñón anheben. Señor Hemingway, Señor Hemingway fällt ihm der Schriftsteller unwirsch ins Wort, Ernesto, sag einfach Ernesto. Und Ernest trinkt, und er trinkt viel. Er hat die Angewohnheit, erst den Whiskey pur hinunter zu kippen, und anschließend die gleiche Menge Wasser. Erst im Magen soll sich beides mixen.

Die Runde an der Bar fabuliert über den Journalismus. Als erster erhält Manuel Jesús Orbegozo von Hemingway einen Schreiber-Tipp: Schreib keinen Absatz mit mehr als 25 Wörtern. Das sei der beste Rat, den er in der Redaktion des Kansas City Star als junger Redakteur bekommen habe.

Und Ernest Hemingway erzählt von seinen Anfängen als Journalist. Dass er direkt nach der Oak Park High School 1917 als Achtzehnjähriger seine Laufbahn als Lokalreporter bei der Tageszeitung begonnen hat. Kurze Sätze, Leute, nur kurze Sätze. Tretet das Geschwätz und all die Eierkopf-Sätze in die Mülltonne, in der Präzision liegt die Wahrheit. Geht achtsam mit der Sprache um, verkneift euch die Schlenker und Abstecher.

Beim Kansas City Star hat man

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Es stinkt gewaltig im Cabo Blanco Fishing Club

Sports Illustrated Marlin

Sports Illustrated, März 1956

Anfang 1956 schickt das viel gelesene US-amerikanische Wochenmagazin Sports Illustrated ein Reporterteam nach Cabo Blanco. Es soll eine Titelgeschichte über den Cabo Blanco Fishing Club schreiben.

Auf dem Cover der einflussreichen Zeitschrift mit Datum 19. März 1956 sieht man dann Alfred Glassell jr. neben einem riesigen Schwertfisch, der am Kran hängt. Die Ankündigung der Story auf der Zeitschrift klingt spannend. In this Issue: the fabulous Cabo Blanco Club in color.

Ganze neun Seiten widmet Sports Illustrated dem Club. George Weller and Cornell Capa visit it in words and pictures, ist im Inhaltsverzeichnis zu lesen, ein Besuch in Wort und Bild. Dieser Cornell Capa gilt als Star seiner Zunft. Der Photograph ist der jüngere Bruder des Meisterphotographen Robert Capa, weshalb er unter Kollegen le petit Capa genannt wird.

Cornell Capa, ein Enddreißiger ungarischer Abstammung, arbeitet seit 1954 als Magnum-Photograph, er hat in Life veröffentlicht und macht sich nun als Reportagephotograph in Lateinamerika einen Namen. Übrigens – wie klein ist die Welt! – Cornells Bruder Robert Capa hat Ernest Hemingway oft photographiert. Vor knapp zwanzig Jahren, in Spanien, im Bürgerkrieg.

Enrique Pardo, Kip Farrington und Cloyce Tippett, der Geschäftsführer des Clubs, ahnen nichts Böses. Sports Illustrated gilt als hoch renommierte Zeitschrift und Kip selber schreibt ab und an für das Wochenblatt. Umso größer ist bei allen der Schreck, als

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Eduard Ingriš und Ernest Hemingway

Ernest Hemingway und Eduard Ingriš Cabo Blanco, April 1956

Ernest Hemingway und Eduard Ingriš
Cabo Blanco, Mai 1956

Als die Kommunisten 1948 in Tschechien die Macht übernehmen, ist Eduard Ingriš schnell abgehauen. Mit lediglich 50 Dollar in der Tasche, mehr hat man dem in Böhmen Geborenen nicht von seinem Vermögen gelassen. Doch Freiheit und Unabhängigkeit sind ihm wichtiger als alles Materielle.

Das Schicksal verschlägt ihn nach Südamerika, zuerst nach Brasilien, dann nach Peru. Es wird ein buntes Leben, das dieser Eduard Ingriš nun führt.

Man mag ihn nicht nur als einen unabhängigen Geist bezeichnen, zudem ist Eduard Ingriš ein verwegener Abenteurer und auch ein feinfühliger Schöngeist. Ein Mann von tausend Talenten: Komponist, Dirigent, Kameramann, Entdecker.

Im Mai 1956 hat Ernest Hemingway sich mit Eduard Ingriš in Cabo Blanco, an der peruanischen Nordküste, getroffen und lange unterhalten. Dieser Eduard Ingriš ist ein Mann ganz nach Hemingways Geschmack. Ingriš arbeitet als Photograph und Filmemacher, macht sich aber auch als Komponist einen Namen. Einige Jahre arbeitet er als Leiter des Orquesta Sinfónica Nacional, des Nationalen Symphonie Orchesters in Lima.

Doch vor allem als Abenteurer geht er durch die Medien: Mit einem einfachen Balsa-Floss hat Eduard Ingriš die Welt des Pazifik erkundet. Mit der Kantuta I fährt er im Jahr 1955 über Galapagos in Richtung Clipperton Island. Die Expedition scheitert. Doch Eduard Ingriš gibt nicht auf.

Im Jahr 1959 sticht er mit der Kantuta II in die Südsee nach Polynesien. Diesmal

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Der Cabo Blanco Fishing Club liegt in Trümmern

CBFCkaputt

Der Cabo Blanco Fishing Club, in unseren Tagen, ruiniert

Nur 17 Jahre fröhliches Dasein waren dem Cabo Blanco Fishing Club gegönnt. Als im Oktober 1968 putschende Offiziere den gewählten Präsidenten Fernando Belaúnde Terry im Morgengrauen aus seinem Bett im Präsidentenpalast in Lima klingelten und den netten älteren Herrn noch in seinem Morgenmantel in Gewahrsam nahmen, da war es auch mit dem Spaß in Cabo Blanco vorbei.

Zwölf Jahre blieb die linke Militärjunta an der Macht und die kommunistische Militärregierung des Generals Juan Velasco Alvarado verstaatlichte die Lobitos Oil, womit das Totenglöcklein für den Cabo Blanco Fishing Club immer lauter schlug. Zwei Jahre später musste der Cabo Blanco Fishing Club endgültig seine Pforte schließen.

Der Niedergang von Cabo Blanco begann jedoch schon Ende der 50er Jahre. Die Industrialisierung des Fischfangs in Nordperu sorgte für eine Überfischung des Pazifik. Die Nahrungskette riss. Erst war der Anchovy rar, dann der Bonito, und ohne Bonito, die Nahrung von Marlin und Schwertfisch, verschwand dann auch der schwarze Marlin.

Der Tourismus brach, wie die gesamte Binnenwirtschaft des Landes, durch die Diktatur der Militärs in den 70ern zusammen und hat sich seither nicht so recht erholt. Selbst in der Hochsaison, die von November bis Februar dauert, finden nur wenige Touristen den Weg an die Nordküste Perus.

Das Anwesen des ehemaligen Cabo Blanco Fishing Clubs ist in diesen Tagen abgesperrt und wird von einem Wachmann mit einem

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Ellis O. Briggs und Ernest Hemingway in Cabo Blanco

Hemingway_Post_Card_Ellis O. Briggs

Hemingways Postkarte an Ellis O. Briggs

Es ist der 10. Mai 1956, ein Donnerstag, und über das Wochenende hat sich der amerikanische Botschafter in Lima, Ellis Ormsbee Briggs, in Cabo Blanco angesagt. Ernest kennt Ellis aus Kuba, wo der junge Briggs an der Botschaft gearbeitet hat und Ernest freut sich, diesen Freund alter Tage wieder zu sehen.

Am Morgen fahren Ernest und Mary Hemingways auf Meer hinaus und so schreibt der Autor seinem alten Freund noch eine kurze Notiz. Dazu nimmt er die Rückseite einer Photokarte – Vorderseite: Ernest Hemingway neben einem baumelnden toten Marlin –  und schreibt an Ambassador Ellis O. Briggs mit Datum 10/5/56 , wobei Ernest die spanische Schreibweise, zuerst Tag, dann Monat, und nicht die amerikanische Schreibweise, die oft den Monat an die erste Stelle setzt.

Rechts unter das Datum notiert Hemingway die Uhrzeit, 0730. Doch dann unterläuft Ernest ein flüchtiger Rechtschreibfehler, er schreibt anstatt Ellis den Vornamen mit einem falsche ellis klein, er ist ein wenig durcheinander, ein Fehler, den er dann aber mit seinem Kugelschreiber schnell dick überpinselt. Dear Ellis: The boat Petrel will pick you up at the Cabo Blanco Club and run you out to us. We will tell the club by Radio where we are. Wonderful to see you. Ernest.

Als er noch Counselor, ein junger Botschaftsrat, in Havanna war, hat Ellis O. Briggs zusammen mit dem Botschaftsangehörigen Bob Joyce den Schriftsteller unterstützt, als der im Golfstrom mit der Pilar im September 1942 Jagd auf deutsche

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Mit der Hand den Himmel berühren

Castellers, Barcelona, im Mai 2014 Photo by W. Stock

Mit der Hand den Himmel berühren: Castellers, Barcelona, im Mai 2014
Photo by W. Stock

Manuel Jesús Orbegozo war einer der ganz großen Journalisten Perus. Das Kürzel MJO unter einem Artikel stand viele Jahrzehnte lang als festes Markenzeichen des gehobenen Journalismus in dem südamerikanischen Land.

Als Auslandsreporter für La Crónica, dann für Expreso und schließlich über 30 Jahre als Chefredakteur bei El Comercio hat Orbegozo von den Brennpunkten der Welt – von Biafra bis Vietnam – eindrucksvoll berichtet. Und später als Publizistik-Professor an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos in Lima hat Manuel Jesús Orbegozo Generationen von erstklassigen Journalisten ausgebildet.

Im April 1956 ist Orbegozo das Reporter-Glück hold. Der junge Journalist erhält die Gelegenheit, sein Idol Ernest Hemingway zu interviewen. In Cabo Blanco, in Nordperu, wo sich Hemingway einige Wochen zur Marlin-Jagd aufhält. Orbegozo und Hemingway reden viel und lang.

Eigentlich mag Ernest Hemingway nicht gerne über Bücher und Literatur sprechen, es langweilt ihn irgendwie, viel lieber plaudert er über das Boxen, über die Frauen, das Essen, das Trinken und am allerliebsten über den Stierkampf. Das Intellektuelle mag er nicht. Er ist kein Kopfmensch, der viel nachdenkt, sondern ein Bauchmensch. Als Person und auch als Literat. Seine Prosa, diese schlichten Sätze, sie wirkt schon per se auf irgendeine Art und Weise anti-intellektuell.

Diese Sichtweise liegt Manuel Jesús Orbegozo, auch er steht mit beiden Beinen im Leben, auch er denkt nicht in den abgehobenen Kategorien der Intellektuellen. Die Gespräche mit Ernest Hemingway sollten zu Sternstunden seines beruflichen Lebens werden, die Begegnung mit Ernest Hemingway sollte Orbegozo beeindrucken wie keine andere Begegnung in seinem Leben. Manuel Jesús Orbegozo, der das Herz auf der Zunge trägt, sagt aufgewühlt

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Ernest Hemingway und Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian BachWer denn seine Vorbilder als Schriftsteller seien, wird Ernest Hemingway an der Bar des Cabo Blanco Fishing Clubs von den jungen Journalisten gefragt. Seine Vorbilder?

Da braucht man den amerikanischen Nobelpreisträger nicht zweimal zu fragen. Und schon sprudelt es aus dem bärtigen Amerikaner heraus: Mark Twain, Gustave Flaubert, Stendhal, Johann Sebastian Bach, Leo Tolstoi, Maupassant, der gute Kipling, Thoreau, Shakespeare, Wolfgang Amadeus Mozart, Quevedo, mein Freund Pio Baroja, Dante, Tintoretto, Hieronymus Bosch, Goya, Giotto, Cézanne, Van Gogh, Gauguin, Luis de Góngora.

Hemingway hält inne und holt kurz Luft. Ich kann hier einen ganzen Tag lang eine Liste aufzählen. Ich habe auch die Maler eingeschlossen, weil ich von denen genauso zu schreiben lerne, wie von den Schreibern selbst.

Ernest Hemingway leistet sich wieder eine kleine Pause und nimmt aus dem Glas mit Whiskey einen kräftigen Schluck. Ich wünschte, ich könnte schreiben, so wie Cézanne malt, sagt er dann.

Die peruanischen Journalisten sind beeindruckt von Hemingways Ausführungen. Und dann sagt der weltbekannte Autor etwas Unerwartetes. Und auch die Komponisten sind mein Vorbild. Du fragst dich bestimmt, wie das sein kann.

Hemingway schaut die ungläubigen Redakteure an. Auch da brauche ich einen Tag, um das zu erklären. Ich muss dir dann erklären, was

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This fish was caught by Elicio Argüelles

Elicio Argüelles, Marlin, Ernest Hemingway; Cabo Blanco, im Mai 1956; Photo by Modeste von Unruh

Elicio Argüelles, Marlin, Ernest Hemingway;
Cabo Blanco, im April 1956;
Photo by Modeste von Unruh

Im kleinen Hafen von Cabo Blanco wird am späten Nachmittag der Marlin mit einer Stahlwinde hochgezogen und jetzt baumelt der riesige tote Fisch vom Kran. Das Maul ist mit einer Kordel zugebunden und Knopfaugen sind geweitet. Das Auge des Fisches blickte so starr wie die Spiegel in einem Periskop oder wie ein Heiliger in einer Prozession.

Stolz hüpfen die beiden Männer in das Photo. Ernest Hemingway, platziert sich links vom Marlin und packt den toten Fisch bei den Kiemen.Und Elicio Argüelles stellt sich rechts neben den kapitalen Fang, die linke Hand ruht auf der Schwimmflosse. Die umstehenden Frauen und Männer schauen mit Bewunderung dem Spektakel zu.

Ein solches Macho-Siegerphoto besitzt Tradition in Cabo Blanco. An der Stahlwinde im Hafen wird der tote Fisch an der Schwanzflosse hochgehievt, er wird gewogen und baumelt dann mit seinem Schwert nach unten. An seine Seite stellt sich dann der Fänger, auf den wulstigen Körper des toten Fisches wird dann der Chronistenpflicht genügt. Das Gewicht wird in weißer Farbe aufgepinselt, dann das Datum, Cabo Blanco. Photo.

Ein großartiger Schnappschuss, der berühmte Ernest Hemingway und sein Freund Elicio Argüelles mit dem baumelnden schwarzen Marlin. Ihr Fang, ihre Trophäe, ihr Sieg – ein Photo für die Welt. Und doch steht Ernest Hemingway neben dem gigantischen Marlin ein wenig

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Ernest Hemingway, der Charakterkopf

Ernest Hemingway, Cabo Blanco, im Mai 1956; Photo by Modeste von Unruh

Ernest Hemingway,
Cabo Blanco, im Mai 1956;
Photo by Modeste von Unruh

Von Ernest Hemingway finden sich zahlreiche Portraitphotos, oft von Meistern ihres Fachs. Von Yousuf Karsh oder Alfred Eisenstaedt, um zwei ganz große zu nennen. Fesselnde Reportagephotos von Hemingway jedoch besitzen Seltenheitswert, denn der Schriftsteller lässt nur ungern Photographen mitkommen auf seine Abenteuertrips.

Die Photos der deutschen Photographin Modeste von Unruh legen ein packendes Zeugnis ab von diesem Jahrhundert-Schreiber. In ihrer deutschen Heimat wird die Hamburger Illustrierte Kristall die Photos aus dem fernen Cabo Blanco drucken, später auch der stern.

Ernest Hemingway hat zur jungen deutschen Photographin Zutrauen aufgebaut, es ist wie immer, wenn er jemanden mag. Dann öffnet er sich und spielt nicht die übliche Rolle des Raubeins und Nobel-Pudels. Hemingways Verhalten der Photographin gegenüber wirkt fast väterlich und bisweilen leicht kumpelhaft. Keineswegs distanziert oder gar macho-haft, wie sich Frau von Unruh erinnert.

Eines der schönsten Photos gelingt Modeste von Unruh an Land. Sie mag dieses Photo sehr, auch fast 60 Jahre später noch. Das Photo zeigt Ernest Hemingway im nahen Portrait, leicht von unten und von der Seite aufgenommen. Der Schriftsteller sitzt an einem Tisch, in der rechten Hand einen Kugelschreiber, und Hemingway schreibt. Das Gesicht wirkt auf den ersten Blick versunken, der konzentrierte Blick durch die rundliche Brille, die in ein feines Silber eingefasst ist, gilt dem Schreibpapier vor ihn.

Dies ist kein gestelltes Portrait, wie es so viele von dem Schriftsteller gibt, sondern ein

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Cabo Blanco ist Hemingways Herbst

Jackegutlow

Cabo Blanco, im Mai 1956
Photo by Modeste von Unruh

Cabo Blanco, das sind 36 glückliche Tage im Leben des Ernest Hemingway. Peru bleibt das einzige Land Südamerikas, das er besucht. Er geht nicht in der Hauptstadt Lima oder nach Cusco, ins Andenhochland, sondern kommt hierher an die wilde Küste des Pazifiks, an den Nordzipfel, weit weg vom Gedröhn der Metropolen und der Blasiertheit der amerikanischen Kulturzirkel.

Er mag, so nahe am Meer zu sein. Wenn du am Meer bist, kannst du nicht lügen, sagt er. Cabo Blanco, das weiße Kap im Nirgendwo zwischen Meer und Wüste, das ist Hemingway-Land, ein Landstrich, wo Lebensfülle und Leere aneinander grenzen, wo Glück und Unheil sich vermischen und man schon genau hinschauen muss, um beides auseinander zu halten. Es ist Mai in Cabo Blanco und doch merkt der Mann, dass der Herbst langsam heraufzieht.

Ernest Hemingway, der Stier und Löwe, er kommt mehr und mehr an die Grenzen seiner Kraft. Seit einiger Zeit muss er ein Haarbüschel nach vorne kämmen, um eine immer größer werdende Glatze zu verbergen. „Du bist müde, alter Freund“, sagte er. „Du bist innen drin müde.“

Es geht ihm nicht gut, er merkt, die Sanduhr seines Lebens rieselte unaufhörlich herab. Im September 1955 hat er

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