Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Kategorie: Spanien

Ernest Hemingway in Pamplona

Viva San Fermín! Viva Ernesto Hemingway!

Viva San Fermín! Viva Ernesto Hemingway!

La Temporada, die spanische Stierkampf-Saison, beginnt Mitte Juni und endet gut zwei Monate später Ende August. Für einen richtigen Aficionado zählen jedoch nur die Corridas in den großen Arenen von Andalusien, im Baskenland oder jene in den monumentalen Plazas de Toros in Madrid oder in Barcelona. Bei der Temporada im Jahr 1959, die Ernest Hemingway besucht, ist jedoch so vieles anders als früher.

Manche Wettkampfstätte ist halb leer, denn die Manager treiben die Eintrittspreise in schweinische Höhen. Das Spektakel um den schwarzen Stier hat sich mitunter zu einer Schmierenkomödie und zu einem Zirkus entwickelt. Oft werden Stiere manipuliert, sie werden falsch gefüttert, sie werden gespritzt, oder sie kriegen ihre Hörner geschleift. Aus mehreren Gründen also, besonders deswegen, weil mir der Publikumssport fremd geworden war, hatte ich viel von meinem alten Gefühl für den Stierkampf verloren. Doch eine neue Generation von Kämpfern war herangewachsen, und die wollte ich unbedingt sehen.

Vom 7. bis 14. Juli 1959 reisen Ernest Hemingway und seine Ehefrau Mary Welsh nach

weiterlesen

Ernest Hemingway und Martha Gellhorn im Kugelhagel

Martha Gellhorn

Martha Gellhorn; The Face of War

In Madrid, wo die traditionelle Linke stärker ist, haben die republikanischen Kräfte den Krieg gut organisiert. In Madrid herrscht jetzt Ruhe. Gekämpft wird nun in Aragonien. So notiert Hemingway in der New Republic vom 12. Januar 1938.

Es gibt Tage, da stehen wir nicht unter Beschuss, und das Wetter ist schön und die Straßen sind übervoll. Die Geschäfte sind voll mit Kleidung, die Schmuck-Shops, die Kamera-Geschäfte und der Postkarten-Trödel sind alle offen und in den Bars gibt es keinen Platz mehr. 

Im Hotel Florida an der Plaza de Callao bezieht Ernest Hemingway sein Domizil. Im Florida trifft sich ein illustrer Zirkel. Herbert Matthews von der The New York Times und John Dos Passos wohnen dort, Dos Passos, der im Januar 1938 für Esquire seine großartige Reportage Zimmer mit Bad im Hotel Florida schreibt.

Sein Zimmer sei günstiger als alle übrigen Räume im Florida, brüstet sich Ernest Hemingway vor seinen Lesern in Amerika und erklärt warum. Das Hotel auf dem kleinen Hügel und besonders sein Zimmer liegen ungeschützt und sind Nacht für Nacht dem feindlichen Feuer ausgesetzt.

Und in Madrid erleben die Kollegen einen frisch verliebten Hemingway. Seine Ehe mit Pauline Pfeiffer befindet sich in einer Sackgasse. Da kommt die blonde

weiterlesen

Bomben über Barcelona

CNT CatalunyaIm Jahr 1937 weilt Ernest Hemingway in Barcelona. Es ist das Barcelona des Bürgerkrieges, eines grausamen Bruderkrieges zwischen 1936 bis 1939, in dem Spanier gegen Spanier kämpfen. Wo Liberale, Sozialisten, Kommunisten und die Anarchisten des C.N.T. die Republik verteidigen gegen die Putschisten des kleinen Generalissimo Francisco Franco.

Dieser General Franco, der das Militär, den Klerus und die Latifundisten Andalusiens hinter sich weiß, steht für das dunkle Spanien. Für eine bigotte Diktatur des Großgrundbesitzes und des konservativen Bürgertums.

Auf der Seite der republiktreuen Anhänger findet sich ein ziemlicher Wirrwarr an Ideologien, von bürgerlichen Regionalisten über skrupellose Stalinisten bis hin zu verträumten Schlaraffenland-Romantikern. Ein Chaos an Denkweisen und Interessen, das sich nur schwer zusammen halten lässt.

Es ist, die Jahre werden es zeigen, ein ungleicher Kampf. Hier die zerstrittenen Republikaner, dort die gedrillten Putschisten. General Franco wird zudem von Nazi-Deutschland mit schweren Waffen unterstützt, die andere Seite hat nicht viel mehr als die Schwärmerei der Internationalen Brigaden entgegen zu setzen.

Der Journalist und Autor Ernest Hemingway kommt Ende 1937 bis Anfang 1938 als Korrespondent für die North American Newspaper Alliance (NANA) nach Spanien, um den Krieg zu beobachten und wohl auch, um

weiterlesen

Ernest Hemingway? Ernesto!

FiestaErnesto

Zaragoza Oktober 1956. Von Ernesto Hemingway.

Ernest Hemingway hat Tausende von Büchern und Photos signiert. Und wenn er sich dabei in besonderer Laune befindet, oder gar in tropischen Breiten weilt, oder in Spanien, dann rutscht dem Ernest als Signatur oft ein Ernesto aus der Feder.

Sicher, dieser Ernest Miller Hemingway aus Oak Park bei Chicago ist ein US-Amerikaner, ein Gringo, aber irgendwie scheint er durch zu sein mit seiner Heimat. Auf Kuba hingegen, auf Finca Vigía, findet er sein Refugium.

Ernest Hemingway mag die Kubaner und die Kubaner mögen Ernest Hemingway. Auf der Insel, in Havanna, in San Francisco de Paula oder in Cojímar ist der Autor bekannt wie ein bunter Hund.

Wo immer Ernest auftaucht, er wird rasch von einer Menschentraube umringt und man hört die Menschen laut und heiter Papa, Papa rufen. Oder sie sagen zu ihm Mister Papa. Manchmal nennen sie ihn auch kubanisch verballhornt Mister Heminguey.

Egal wie man ihn nennt oder ruft, es endet in Liebe. Hemingway kann gut mit den einfachen Menschen, die entspannt und unbeschwert im hier und heute leben und nicht wie die Eierköpfe aus seinem Land alles hinterfragen und überdenken. Das Unverkrampfte und die Genügsamkeit des Alltags auf Kuba ziehen ihn an, denn es ist ihm ein Graus, viel nachzudenken, weil es am Leben hindert.

Ernest Hemingway mag die Kubaner und genauso mag er die karibische Lebensart Auf der Finca Vigía wird der bärtige Schriftsteller zu dem Menschen, der er immer sein wollte. Der Familienvater, der Frauenheld, der Freund des Meeres, der Lebemann, derjenige jedenfalls, der das Leben endlich in vollen Zügen genießen kann. 

weiterlesen

John Dos Passos, der helle Freund

DosPassosDie Schriftsteller John Dos Passos und Ernest Hemingway haben einiges gemein, anderes trennt sie. Über viele Jahrzehnte blieben sie in Freundschaft verbunden, mit Höhen und Tiefen.

John Dos Passos, vom Jahrgang 1896, Sohn eines wohlhabenden Rechtsanwaltes portugiesischer Abstammung, stammt wie Hemingway aus Chicago. Beide, nur drei Jahre liegen zwischen ihnen, werden erfolgreiche Autoren. John DosPassos mit seinem Manhattan Transfer aus dem Jahr 1925, einem Großstadtroman mit symphonischer Wucht. Das Werk, einer der besten Romane überhaupt, gilt heute als ein Höhepunkt der klassischen Moderne Amerikas.

Ebenso wie Ernest Hemingway ist John Dos Passos ein neugieriger Weltenbummler. Im Orient Express bereist er die Türkei, Persien und den Irak. Er kommt nach Mexiko, Frankreich, nach Italien, Griechenland, nach Russland.

In Spanien wohnen Hemingway und Dos Passos, der dem Ideal eines sozial-romantischen Sozialismus anhängt, im selben Hotel, wo John auch seine berühmte Reportage Room and Bath at the Hotel Florida schreibt. Wenn man heute Dos Passos gesammelte Werke Travel Books & other Writimgs, 1916 – 1941 liest, bemerkt man auf jeder Seite die Klasse dieses Autors. Hier bohrt sich ein belesener und gebildeter Mann tief in die Lebenssicht seines Gastlandes ein. Sicher, so prägnant und auf den Punkt zu schreiben wie Hemingway, das kann Dos Passos nicht, aber wer vermag das schon?

John Dos Passos reist viel und er schreibt viel. Reportagen, Essays, Gedichte. Dos Passos ist von umfassender Bildung, er malt sehenswerte Aquarelle und interessiert sich für Architektur. Das mag ihn ein wenig von

weiterlesen

Mit der Hand den Himmel berühren

Castellers, Barcelona, im Mai 2014 Photo by W. Stock

Mit der Hand den Himmel berühren: Castellers, Barcelona, im Mai 2014
Photo by W. Stock

Manuel Jesús Orbegozo war einer der ganz großen Journalisten Perus. Das Kürzel MJO unter einem Artikel stand viele Jahrzehnte lang als festes Markenzeichen des gehobenen Journalismus in dem südamerikanischen Land.

Als Auslandsreporter für La Crónica, dann für Expreso und schließlich über 30 Jahre als Chefredakteur bei El Comercio hat Orbegozo von den Brennpunkten der Welt – von Biafra bis Vietnam – eindrucksvoll berichtet. Und später als Publizistik-Professor an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos in Lima hat Manuel Jesús Orbegozo Generationen von erstklassigen Journalisten ausgebildet.

Im April 1956 ist Orbegozo das Reporter-Glück hold. Der junge Journalist erhält die Gelegenheit, sein Idol Ernest Hemingway zu interviewen. In Cabo Blanco, in Nordperu, wo sich Hemingway einige Wochen zur Marlin-Jagd aufhält. Orbegozo und Hemingway reden viel und lang.

Eigentlich mag Ernest Hemingway nicht gerne über Bücher und Literatur sprechen, es langweilt ihn irgendwie, viel lieber plaudert er über das Boxen, über die Frauen, das Essen, das Trinken und am allerliebsten über den Stierkampf. Das Intellektuelle mag er nicht. Er ist kein Kopfmensch, der viel nachdenkt, sondern ein Bauchmensch. Als Person und auch als Literat. Seine Prosa, diese schlichten Sätze, sie wirkt schon per se auf irgendeine Art und Weise anti-intellektuell.

Diese Sichtweise liegt Manuel Jesús Orbegozo, auch er steht mit beiden Beinen im Leben, auch er denkt nicht in den abgehobenen Kategorien der Intellektuellen. Die Gespräche mit Ernest Hemingway sollten zu Sternstunden seines beruflichen Lebens werden, die Begegnung mit Ernest Hemingway sollte Orbegozo beeindrucken wie keine andere Begegnung in seinem Leben. Manuel Jesús Orbegozo, der das Herz auf der Zunge trägt, sagt aufgewühlt

weiterlesen

Jaime Bofill – Hemingways kubanischer Kumpan

Bofilllow

Photo – Vorderseite

Mir fällt ein merkwürdiges Photo mit Ernest Hemingway in die Hände. Vorne Photo, hinten ein Brief. Denn auf der Rückseite des Photos ist ein langer Gruß geschrieben. Was hat es damit auf sich?

Das Photo muss in Havanna so um das Jahr 1952 aufgenommen sein, bei Hemingway sieht man noch die kurzen Haare, die auf die medizinische Behandlung seiner Verletzung durch die beiden Flugzeugabstürzen in Afrika zurückzuführen sind. Das Photo zeigt Ernest Hemingway seitlich von hinten, bei einem Umtrunk, er hält einen Drink in der rechten Hand, wahrscheinlich ein Daiquirí. Mitten im Photo steht ein kleingewachsener Mann, jener, der auch den Brief auf der Rückseite des Photos geschrieben hat. Sein Name: Jaime Bofill.

Wer ist dieser Bofill? Jaime Bofill, ein Rechtsanwalt, wird auf Kuba zu einem engen Freund von Hemingway über viele Jahre. Bofill betreibt in Havanna einen Aktienhandel, er und der Amerikaner gehen oft zusammen Fischen.

Bofill schreibt per Hand an einen alten Freund nach Lima, an Juan Aguilar Derpich. Aguilar Derpich, ein Journalist und Politiker aus Callao, dem staubigen Hafendistrikt der peruanischen Hauptstadt, ist ein Mann, der den Ideen der

weiterlesen

Hemingways Barcelona stirbt Stück für Stück

Barcelona, im Juli 2013 Photo by W. Stock

Barcelona, im Juli 2013
Photo by W. Stock

Das erste Mal war ich in Mitte der 70er Jahre in der Carrer Pau, in der Calle San Pablo wie man unter dem bigotten Diktator Francisco Franco zu sagen hatte. Auch hieß das Viertel damals noch nicht vornehm Raval, sondern anrüchig Barrio Chino, das Chinesenviertel. Hier trieben sich die Hütchenspieler herum, hierher zog es die armen Einwanderer aus dem Maghreb, hier gab es kleine dreckige Bars, die schon am Vormittag mit Besoffenen und Taugenichtsen gefüllt waren und des Nachts leuchtet das Licht im Barrio Chino sehr rot.

Das Bar Marsella bildete damals so etwas wie ein trotziger Leuchtpunkt in dieser Dunkelheit aus Unrat und Triebhaftem. Nicht, dass dies eine blankgeputzte Bar gewesen wäre, aber merkwürdigerweise machten die Streuner und Zuhälter um diese Bar einen großen Bogen. Fast 200 Jahre hat die Bar Marsella auf dem Buckel und damals strahlte sie eine Würde und Eleganz aus, nicht gerade von außen, jedoch im Inneren, ganz tief im Inneren. Die Marsella bot sich jedenfalls an, um zu verweilen und gegen den Morast und den Gestank da draußen anzutrinken.

Die Marsella wurde über all die Jahrzehnte zum Mythos. Alle Großen waren da. Pablo Picasso, Dalí, Antoni Gaudí und natürlich auch Ernest Hemingway. Die Marsella war das Haus des Absinth, eines teuflischen Mix aus Wermutkraut Anis und Fenchel. Dieser Drink ist grün, der Alkoholpegel schießt steil nach oben, die Prozente können sich auf die 80 zubewegen, in Höhen jedenfalls, dass der Absinth in Deutschland lange verboten war.

Aber die Marsella war

weiterlesen

La Florida in Barcelona

La Florida

Photo by La Florida/Premsa

Im La Florida hat Ernest Hemingway gerne gewohnt. Mitte der 50er Jahre, als er in Spanien auf der Suche nach Toreros, nach Corridas und den Picadores war, aber auch um dem sterbenden Pio Baroja einen Besuch abzustatten.

Und ohne Zweifel ist das Florida das imposanteste und wohl auch faszinierendste Hotel der katalanischen Hafenstadt. Ramón Raventos hatte das Jugendstilgebäude 1925 entworfen und fortan traf sich hier, 500 Meter über der Stadt, die Oberschicht Barcelonas. Ernest Hemingway hat damals, so wie man es heute noch tun muss, das Stadtzentrum im Taxi Richtung Norden hinter sich gelassen, ist die engen und langen Serpentinen hinauf zum Tibidabo gefahren, um dort oben in dem luxuriösen Hotel dem Lärm der Stadt zu entfliehen.

Das fünfgeschossige Hotel mit dem

weiterlesen

Der General Franco mag Hemingway nicht – und umgekehrt

Das ist eine meiner Lieblingsstellen. In den  Depeschen aus dem Spanischen Bürgerkrieg Wo Ernest Hemingway zwar auf der richtigen, aber dann doch verlierenden Seite kämpfte.

Gibt es eine sympathischere Ansprache an den Leser, als jene von Hemingway zu Abschluss seiner Reportage über den pfiffigen Chauffeur Hipolito, der den Autor wohlbehalten durch das Madrider Granatengewitter steuert? Sie können natürlich Ihr Geld auf Franco setzen, wenn Sie wollen, oder auf Mussolini oder Hitler. Ich setze auf Hipolito.

Als junger Student habe ich

weiterlesen

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén