Hemingways Welt

Großmaul, Schnapsnase, Schürzenjäger – an den Fersen eines Jahrhundertautors

Kategorie: Spanien Seite 1 von 3

All thinking men are…

Die Penitentes, die barfüssigen Büßer im anonymen Kapuzengewand mit Spitzhaube über dem Kopf und einer Kerze in der Hand, gehören zum selbstverständlichen Bild in den andalusischen Karprozessionen der Semana Santa.
Foto by W. Stock, 2019

Jetzt wird es interessant. All thinking men are atheists. Alle denkenden Menschen sind Atheisten. So hat es Ernest Hemingway beiläufig geschrieben, in seinem Frühwerk A Farewell to Arms, im zweiten Kapitel. Im Jahr 1929 ist dieser Roman erschienen, auf Deutsch heißt er In einem andern Land. Jeder, der denken kann, ist Atheist. Das ist mal ein Aufschlag. Merkwürdig nur: Ernest Hemingway selbst war ja kein denkender Mensch, kein Intellektueller oder Räsonierer. Sonder ein Gefühlsmensch, jemand, der aus dem Bauch heraus lebte.

Und merkwürdig auch: Sein bestes Werk – Der alte Mann und das Meer – ist eine Erzählung von alttestamentarischer Kraft. Eigentlich ist diese Novelle der Versuch einer Zwiesprache mit Gott. All dies scheint merkwürdig für einen Atheisten. Auch hat Hemingway immer abgestritten, an Gott zu glauben, er hat sich vielmehr lustig gemacht über ihn. Aber irgendwie, je länger man seine Zeilen liest, kommen sie einem vor, wie ein Hilferuf an eine höhere Macht und wie eine Sehnsucht nach Behütung durch diese höhere Macht. Ernest Hemingway lebte merkwürdigerweise auch gerne in erzkatholischen Ländern. Auf Kuba und in Südspanien.

Die strengen Gebräuche in Andalusien übten eine Faszination auf ihn aus. So die Penitentes – jene Kapuzenmänner, die in der Karwoche als namenlose Büßer auftreten, weil ein Papst im 14. Jahrhundert die öffentliche Buße untersagt hatte. Oder denken wir an die übersteigerte Marienverehrung oder den blutigen Stierkampf. Ernest fühlte sich von solch archaischen Riten angezogen. Auch wenn er eine andere Begrifflichkeit verwendet, katholische Rituale wie Buße, Sünde, Selbstkasteiung, Vergebung, Sakrament oder Pilgertum bleiben ihm nicht fremd.

Über die Grenzen des Individuums hat er viel geschrieben. Ein Mystiker würde nun vielleicht versuchen, das Mysterium des Lebens und Ablebens mit Hilfe des Glaubens oder der Existenz eines allmächtigen Gottes zu enträtseln. Und möglicherweise ist so etwas wie Gott ja der Schlüssel für all dies, was sich dem Verstand nicht erschließt. Doch diesen letzten Schritt wollte – oder konnte – Ernest Hemingway nicht gehen.

Obwohl, möglicherweise benutzt dieser Ernest Hemingway für Gott ja bloß

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Ernest Hemingway, der Stierkampf und das moderne Spanien

Die Plaza de Toros in Ronda, eine der ältesten Stierkampf-Arenen der Welt, bildet noch heute das Zentrum der weißen Stadt in den Bergen Andalusiens. Der Sandsteinbau mit der auf Säulen ruhenden Arkadengalerie ist eine architektonische Augenweide.
Foto by W. Stock, 2019

Gut 6.000 Besucher kann die Plaza de Toros in Ronda fassen, bei einer Stadt mit nur 30.000 Bewohnern ist es da nicht einfach, die Arena vollzukriegen. Sie gilt als eine der ältesten und auch eine der schönsten ihrer Art, die kreisrunde Anlage gilt als Vorbild für zahlreiche Stierkampf-Arenen in der Welt. Außer an Tagen, an denen eine Corrida stattfindet, ist die Plaza de Toros im Zentrum von Ronda täglich für Besucher geöffnet.

Die Plaza de Toros de Ronda wurde in den Jahren von 1783 bis 1789 von dem Architekten José Martin de Aldehuela erbaut. Die Plaza hat über zwei Jahrhunderte den Puls der Stadt bestimmt. Es war in Ronda, wo der Matador Pedro Romero vor zweihundert Jahren, zusammen mit seinem Kollegen José Delgado – genannt Pepe Hillo – aus Sevilla, die heute geltenden Stierkampf-Regeln festlegte. Die Tauromaquia o arte torear á caballo y á pie gilt als Beginn des neuzeitlichen Stierkampfes.

Neben den Romeros stammt auch die Torero-Dynastie der Ordoñez aus Ronda, Vater Cayetano und Sohn Antonio. Hemingway-Kenner wissen Bescheid. Die Rivalität mit Sevilla ist immer groß gewesen. Und noch heute kann man in Ronda den Stierkampf erleben, andere Landstriche, wie Katalonien, haben das Spektakel längst mit einem Verbot belegt.

Zwar gibt es heutzutage in Ronda nicht allzu viele Corridas, aber jedes Jahr in der ersten Septemberwoche feiern die Andalusier ihre Corrida Goyesca, einen Stierkampf im Goya-Stil. Toreros aus der ganzen Welt kommen nach Ronda, um dieses einzigartige Spektakel, eine Idee von Antonio Ordóñez, zu erleben. Die Stierkämpfer, als auch Teile des Publikums, verkleiden sich in traditionellen Goya-Kostümen im Stil des 18. Jahrhunderts. 

Spanien, das ist spätestens seit dem Bürgerkrieg klar geworden, ist in zwei Spanien zerfallen. Dabei ist nicht nur das politisch linke und das rechte Spanien gemeint, sondern auch das moderne und traditionelle Spanien. Der Bruch Spaniens mit der bigotten Diktator des General Francos fiel radikal aus, der Wandel zur modernen Gesellschaft bleibt tief zu spüren. Francisco Franco, der bekanntlich hochbetagt im Bett starb, dient über die Jahre der Transición und noch heute als Antipode.

Die Abkehr vom Althergebrachten, vom Paternalismus, von den alten Traditionen und von den Glaubenssätzen wurde gleichgesetzt mit der Abkehr von der Despotie. Das war nicht falsch, denn den Franquismus kann man durchaus als Herrschaft des Militärs, des Katholizismus und der andalusischen Latifundistas sehen.

Das Pendel schlug in Spanien kräftig in die andere Richtung aus. Der Abschied von den Überlieferungen der Väter und Großväter ging einher mit

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Rainer Maria Rilke in Ronda

Hinter dem Hotel Reina Victoria steht der Böhme Rainer Maria Rilke, der wunderbare Gedichte auf Deutsch schreiben konnte, und blickt in die Bergwelt Andalusiens.
Foto by W. Stock, 2019

Er ist in etwa das schiere Gegenbild zum Macho-Mann Ernest Hemingway. Der Amerikaner Hemingway ist einer, der breitbeinig durchs Leben marschiert, an zwei Weltkriegen teilnimmt, der flott einen Nobelpreis kassiert, dem die Bücher und Verfilmungen Millionen aufs Bankkonto spülen und dem die Frauen zu Füssen liegen, er braucht bloß mit den Fingern schnipsen.

Doch Rainer Maria Rilke leidet als Sensibelchen, er ist oft kränklich, von schweren Gedanken gedrückt, mit den Frauen klappt es nicht so recht und zudem ist er meist ziemlich klamm. Das Leben hat den Poeten nicht auf die Sonnenseite geworfen, sein Leben läuft in Hoch und Tiefs. Doch Gedichte kann der Mann schreiben, zum Niederknien.

Eines seiner schönsten heißt Herbsttag:

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke schreibt Herbsttag im Jahr 1902, es ist ein Gedicht über den heraufziehenden Herbst, eine Zwiesprache mit Gott, und ähnlich zu Hemingways Poemen in Sachen Natur, bleibt der Mensch das Objekt, der Getriebene, der sich den Naturgewalten fügen muss.

Am 4. Dezember 1875 wird Rilke als Sproß eines Militärbeamten in Prag geboren, das damals unter österreichischer Regentschaft steht. Nach dem Abitur studiert er Kunst und Literatur in Prag, München und Berlin. Im Jahr 1900 lässt der Österreicher sich in der norddeutschen Malerkolonie Worpswede nieder und heiratete die Bildhauerin Clara Westhoff, von der er sich 1902 wieder trennt. Im Jahr 1905 wird er für acht Monate der Privatsekretär des Bildhauers Auguste Rodin in Paris. Es folgen Reisen nach Nordafrika und Ägypten. Im Ersten Weltkrieg wird er beim österreichischen Landsturm aus Gesundheitsgründen ausgemustert. Nach Kriegsende halten ihn meist Mäzene über Wasser. Rilke stirbt am 29. Dezember1926 mit nur 51 Jahren im Sanatorium Val-Mont bei Montreux an Leukämie.

Im Winter 1912 besucht Rainer Maria Rilke die spanischen Städte Toledo, Córdoba und Sevilla. In Andalusien ist Rilke gepackt von der maurischen Architektur und Tradition. Vom 9. Dezember 1912 bis Mitte Februar 1913 verbringt er die Winterwochen in Ronda. Der Fluß in seinem schluchtigen Abgrund spiegelt die zerrissenen Lichter des Himmels, aber auch mein Innerstes wider, schreibt der Poet nach seiner Ankunft in Ronda

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La Cónsula – das andalusische Idyll des Ernest Hemingway

Die Einfahrt zur Finca La Cónsula bei Churriana in der Nähe von Málaga.
Foto by W. Stock, 2019

Anfang Mai 1959 erreichen Mary und Ernest Hemingway, von New York kommend, mit der Constitution Algeciras in Südspanien. Von dort geht es zwei Stunden mit dem Auto Richtung Costa del Sol zur La Cónsula in den Hügeln über Málaga. Die spektakuläre Finca gehört Nathan Davis, den alle Welt Bill ruft und der vom Hemingway Negro genannt wird. Er und Negro haben sich vor langer Zeit Mexiko kennengelernt und rasch Freundschaft geschlossen.

Bill und seine Frau Anne, steinreiche US-Amerikaner, leben mit ihren Kindern Nena und Timothy Teo als überaus gastfreundliche Expatriates auf dem imposanten Anwesen südwestlich der Stadt, nur wenige Kilometer abgelegen vom Meer bei Churriana. Auch der Autor Noel Coward und die Schauspielerin Vivien Leigh gehörten schon zu den prominenten Gästen auf der zwölf Hektar großen andalusischen Hacienda, die von einer tropikalen Landschaft umzäunt wird und auf der zahlreiche Bedienstete um das Wohl der Gäste bemüht sind.

Die abgelegene La Cónsula – gemäß Ernest Hemingway ein bisschen kleiner als der Escorial – ist ein wunderbarer Ort, innezuhalten und zu sich zu kommen. Heute ein Stadtteil von Málaga, befindet sich La Cónsula in Churriana, an der Carretera nach Alhaurin de la Torre. Die andalusische Regionalregierung hat seit 1993 in der weitläufigen Finca die Verwaltung Escuela de Hostelería de Málaga untergebracht, die Hotelerie- und Kochschule, in einem neu erbauten Gebäude schwingen die Lehrlinge des ersten und zweiten Ausbildungsjahres ihre Kochlöffel.

Die Finca, die Anfang des 19. Jahrhunderts im Kolonialstil mit viel Eisen, Holz und Säulen aus weißem Marmor erbaut wurde, besteht aus dem langen rechteckigen Hauptgebäude aus zwei Etagen, einer um das obere Stockwerk laufenden Außenveranda, aus einem Schwimmbassin an dessen Fußseite heute ein Stein- und Muschelmosaik mit einem Abbild Ernest Hemingways prangt. Der hinter dem Herrenhaus liegende Jardin ist riesig wie ein Klostergarten, mit Pinien, Palmen, Bananenbäumen, Zypressen.

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Im Eckzimmer auf der zweiten Etage, hin zum Swimmingpool, befindet sich das Zimmer, in dem Ernest Hemingway seine Tage in ‚La Cónsula‘ verbringt. Foto by W. Stock, 2019

Wie ein Idyll aus dem Bilderbuch kommt La Cónsula daher: Der weitläufige botanische Garten lädt ein zum Lustwandeln, am Pool kann man sich vom überhitzten Sommerklima des Mittelmeeres erfrischen, im Haupthaus findet sich großartige Kunst, unter anderem einige Gemälde von Jackson Pollock und Mark Rothko, und – gerade Ernest Hemingway weiß einen solchen Vorteil nicht gering zu schätzen – in der ganzen Anlage hat es damals kein Telefon gegeben.

In Spanien will Ernest Hemingway die Erinnerung an schöne Tage auffrischen und alte Freunde treffen. Die einstmals jungen Gesichter waren jetzt alt wie meins, aber keiner hatte vergessen, wie wir einmal waren. Die Augen hatten sich nicht verändert und keiner war fett geworden. Kein Mund war verbittert, ganz gleich, was die Augen inzwischen alles gesehen hatten. In Spanien findet der Autor wie immer seine heile Welt, sein andernorts versinkendes Wohlfühlparadies. Vor allem die sinnenfreudige Lebensart der Südspanier mag er, den Stierkampf, das gute Essen und einen Moscatel oder einen Pedro Ximenez, der süße Málagawein fließt in Andalusien wie im Schlaraffenland.

Nach dem freudigen Aufenthalt im Jahr 1959 kommt Ernest Hemingway in den Sommermonaten des Jahres 1960 zurück, diesmal alleine. Doch alles ist anders. Die Freunde in Andalusien zeigen sich bestürzt, als sie den Schriftsteller zu Gesicht bekommen. Sein einst glanzvolles Antlitz ist aschfahl, die Haare sind schlohweiß, seine Gesichtszüge wirken wie eingefallen und die einst neugierigen Augen blicken nur noch ausdruckslos in die Welt. Seine kräftigen Arme sind dürr geworden wie junge Baumzweige, auch die Beine scheinen nur noch aus Haut und Knochen zu bestehen. 

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Am frühen Morgen stellt Ernest Hemingway ein Stehpult auf die Veranda vor sein Zimmer und schreibt den Vormittag über an seinem Werk ‚The Dangerous Summer‘. Foto by W. Stock, 2019

Der Nobelpreisträger kann sich in dem weitläufigen Farmhaus bei Málaga nur noch mühsam fortbewegen, seine Schritte gleichen mehr einem behäbigen Tippeln. Innerhalb weniger Monate ist der Schriftsteller um Jahre gealtert. Der Autor wohnt in seinem kleinen Zimmer, ohne Bad, sein sommerlicher Arbeitsplatz erinnert ihn an

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Sterben an einem kleinen Ort in Spanien

Das Recreo San Cayetano, das ehemalige Landgut der Familie Ordóñez, liegt wenige Kilometer im Osten vor der andalusischen Stadt Ronda.
Foto by W. Stock 2019

Ernest Hemingway und Orson Welles haben sich gut gekannt, sind fast so etwas wie Freunde gewesen, wenn auch keine engen Kumpel. Dazu sind sie sich zu ähnlich gewesen. Revolutionäre und Klassiker zugleich. Der eine in der Literatur, der andere beim Film. Orson Welles, dieser geniale Regisseur, ist zudem als ein wunderbarer Schauspieler aufgefallen. Er ist kein Hollywood-Schwätzer, sondern ein Enfant terrible, kein Mainstream-Leichtgewicht, vielmehr der brillante Kopf für die ausgefallenen Projekte.

Ähnlich sind auch ihre Vorlieben. Spanien an erster Stelle. España es el último buen país, diktiert Ernest Hemingway einem Reporter der Tageszeitung Dario de Navarra in den 1950er, in seinen letzten Lebensjahren, ins Notizbuch. Spanien sei das letzte gute Land weit und breit. Vielleicht meint der Schriftsteller damit auch, Spanien sei ein gutes Land, um zu sterben.

Orson Welles, dieser standhafte Haudegen, hat es rigoros durchgezogen. Zum Teil jedenfalls. Der Schauspieler Joseph Cotten schrieb nach dem Tod des Kollegen 1985 über den genialen Regisseur: „Orson will kein Begräbnis. Er möchte leise beerdigt werden an einem kleinen Ort in Spanien.“ Leise beerdigt werden an einem kleinen Ort in Spanien. So kann man sich den Abgang vorstellen, wenn man Romantiker ist und ein Landstrich im Herzen verankert ist, die Idee hat etwas Tröstliches.

Dieser Teufelskerl Orson Welles, der in so vielem Ernest Hemingway ähnelt, hat es jedenfalls vorgemacht. Nach seinem Tod in Los Angeles und einer abenteuerlichen Irrfahrt seiner Urne findet sich eine letzte Ruhestätte in der Nähe von Ronda. In Andalusien, unweit von diesem magischen weißen Dorf im gebirgigen Hinterland der Costa del Sol. Im El Recreo de San Cayetano, auf dem Landgut des Freundes Antonio Ordóñez, ist seine Asche und die seiner Witwe Paola Mori in einem Gartenbrunnen beigesetzt. Seine jüngste Tochter hat den letzten Wunsch des Vaters erfüllt und im Jahr 1987 die Asche verstreut. 

El Recreo de San Cayetano. Die Finca der Stierkämpfer-Familie Ordóñez ist die letzte Ruhestätte von Orson Welles. Dieser Lustgarten des San Cayetano, ein Ort der Muße und Erholung, befindet sich fünf Kilometer außerhalb von Ronda an der A-367, Richtung Cuevas del Becerro. Cayetano ist nicht nur der Name des heiligen Kajetan, sondern zudem der Vorname des Familienoberhauptes der Ordóñez, eines ruhmreichen Stierkämpfers in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts. Sowohl Cayetano Ordóñez als auch sein Sohn Antonio Ordóñez werden zu engen Freunden des Orson Welles.

Das Farmhaus befindet sich auf einem 10 Hektar großen Gelände, mit Olivenhainen, Obstbäumen, Garten und Swimmingpool. Das geräumige Herrenhaus mit den fünf Schlafzimmern, dem Wohnzimmer mit Kamin, der Bibliothek ist angelegt für

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Ernest Hemingway in Ronda

Oberhalb der Schlucht zum El Tajo liegt der schmale ‚Paseo de E Hemingway‘, der am Parador vorbei führt bis zu den Klippen.
 Foto by W. Stock, 2019

Man weilt erst seit wenigen Minuten in Ronda und prompt läuft man zwei bekannten Amerikanern in die Arme, beide allerdings schon vor Jahrzehnten verstorben. Die weiße Stadt in den andalusischen Bergen hat den Schriftsteller Ernest Hemingway und den Regisseur Orson Welles sichtbar im Stadtbild verewigt, jeder als Namensgeber einer eigenen Promenade oder in Form von mannshohen Skulpturen. Ein Hotel, gleich das Palacio de Hemingway, vier Sterne, und ein Café sind nach dem Autor benannt, Fotos und Postkarten von beiden finden sich zuhauf in den Andenkenshops.

Manchmal kann man sie leicht verwechseln, US-Amerikaner, ähnliche Physiognomie, stämmiger Körperbau, dichter Bart, selbstbewusstes Auftreten. Und beide eint die Liebe zu dieser einzigartigen Stadt von 30.000 Bewohnern. Zwei Stunden von der Küste entfernt liegt Ronda im Gebirge, auf einem Fels, eingebettet von blühender Vegetation, soweit das Auge reicht, ein Ort wie gemalt für ein pittoreskes Großgemälde.

In der Tat ist dieser Ort ein seltenes Juwel. Umgeben von einem Teppich grüner Olivenhaine, riesigen Farmen mit freilaufenden Rindern und eindrucksvollen Weingütern bleibt die Natur in diesem abgelegen Landstrich allgewaltig. Ronda liegt abseitig, noch heute etwas abgeschieden von der Welt, die sich so gern modern nennen lässt. Oben in den Bergen stört nicht das Brummen der Laster oder quält der Gestank der Fabrikschlote, man hört vielmehr das Rauschen der Pinien im Wind und das ausgelassene Zwitschern der Vögel – und sonst hört man nichts. Man wird kaum etwas Besseres für den Seelenfrieden finden als Ronda, Ernest Hemingway hat darauf aufmerksam gemacht.

Der bärtige Schriftsteller hat Ronda über alles geleibt. Besuchen Sie Ronda, wenn Sie wieder mal nach Spanien kommen sollten. Für eine Hochzeitsreise oder mit Ihrer Freundin. Die ganze Stadt und ihre Umgebung gleichen einem romantischen Bühnenbild. Die Stadt liegt 720 Meter über El Tajo, einer steilen Schlucht, Ronda wird architektonisch geprägt von der westgotischen, der maurischen und von der christlichen Tradition. Weiße Häuser stehen direkt an der Klippe, die halbe Stadt balanciert am Abgrund.

Im Mai 1923 besucht Ernest  mit seinen Freunden William Bird und seinem Pariser Verleger Robert McAlmon zu ersten Mal Spanien, es geht auch in den Süden, nach Sevilla, Granada, nach Toledo, Aranjuez und eben auch Ronda. Der Stierkämpfe wegen. Ende der 1950er Jahre kommt er zurück nach Andalusien, zum Abschied, zwei Jahre vor seinem Tod in den Rocky Mountains.

In Ronda, in dieser eindrucksvollen Stierkampfarena, einer der ältesten Spaniens, wohnt er oft

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Ernest und Orson

Der Beginn dieser Freundschaft gestaltet sich ein wenig holprig.  Im März 1937 sind Ernest Hemingway und Orson Welles in Spanien und arbeiten mit dem holländischen Regisseur Joris Ivens an dem Filmprojekt The Spanish Earth. Sowohl Ernest Hemingway als auch Orson Welles haben in den Jahren vor diesem Propagandafilm über den Spanischen Bürgerkrieg schon beachtliche Erfolge vorzuweisen.

Ernest Hemingway, Jahrgang 1899, hat mit A Farewell to Arms und The Sun also Rises bereits Weltgeltung errungen. Orson Welles, Jahrgang 1915, ist erfolgreich als Schauspieler am Theater und besonders als Sprecher im Radio unterwegs. Ein Trumpf des 16 Jahre jüngeren Orson Welles ist dessen sonorer Bariton und deshalb soll der Mann aus Wisconsin die Sprecherrolle in The Spanish Earth übernehmen.

Doch die beiden Alphatiere geraten schon beim Schreiben des Drehbuches aneinander. Orson Welles mäkelt an dem Drehbuch herum, Ernest Hemingway zeigt sich daraufhin schnell eingeschnappt. Draußen tobt ein blutiger Bürgerkrieg und drinnen streiten zwei dicke Amerikaner um Wörter und Kommata.

Hemingway beleidigt Welles mit der Unterstellung, dieser sei wohl schwul und daher nicht männlich genug, um einen Film über den Krieg zu erzählen. Orson Welles wiederum lehnt sich zurück und ironisiert, „Herr Hemingway, wie stark Sie sind und wie groß Sie sind!“

Wütend nimmt der Schriftsteller ein Möbelstück in die Hand, und zwei stämmige amerikanische Mannskerle bedrohen sich für einen Moment als ginge es um Leben und Tod. Darum geht es da draußen und rasch merken die beiden Spanien-Liebhaber wie lächerlich ihr Macho-Gehabe ist und wälzen sich am Boden und lachen und teilen sich schließlich eine Flasche Whiskey. 

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Martha Gellhorn – die dritte Ehefrau

Mit Martha Gellhorn erfolgt die Vermählung Ende 1940. Die Amerikanerin aus St. Louis hat sich da bereits einen Namen gemacht als Journalistin und Autorin. Sie hat für United Press in Paris gearbeitet, sie schreibt für das Wochenmagazin Collier’s über den Spanischen Bürgerkrieg und sie ist der einzige weibliche Kriegsberichterstatter, der mit den Amerikanern am D-Day, dem 6. Juni 1944, in der Normandie landet.

Im Spanischen Bürgerkrieg finden die beiden dann endgültig zueinander. In den Wirren der Schlacht um Madrid erleben die Kollegen auch den privaten Ernest Hemingway, er macht kein Geheimnis daraus. Die Ehe des Autors mit Pauline Pfeiffer befindet sich in einer Sackgasse und da kommt die platinblonde Martha Gellhorn gerade recht daher.

Der Schriftsteller hat die attraktive Korrespondentin des Wochenmagazins Collier’s an Weihnachten 1936 in Key West kennengelernt, sie kommt mit Mutter und Bruder ins Sloppy Joe’s in einem schwarzen Kleid, das ihre blonden Haare noch blonder aussehen lässt. Ernest Hemingway, der mit dem Auge denkt, ist nicht mehr zu retten.

Bald teilt die amerikanische Journalistin in Madrid mit Ernest das Hotelzimmer, Martha wird seine Geliebte. Zunächst erweist sich Martha Gellhorn als eine Frau ganz nach seinen Bedürfnissen, weil die Vorlieben sich so wunderbar überschneiden. „I followed the war wherever I could reach it“, sagt die blonde Frau, sie mutet an wie die Variation eines Ernest Hemingway im Rock. Ich bin zu dem Krieg hin, wo immer ich ihn auch packen konnte. Es dauert jedoch nicht lange und Ernest und Martha haben den Krieg im heimischen Wohnzimmer.

Martha Gellhorn erweist sich zwar als Frau zum Pferdestehlen, wie man so schön sagt. Und Pferdestehlen kommt

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Die Theke einer Bar als Bühne

Das ‚Boadas‘ in Barcelona, am nördlichen Anfang der Rambles, in einer schmalen Seitenstrasse, der Carrer dels Tallers, mit der Nummer 1.
Photo by W. Stock

Ernest Hemingway liebt es, auf einem Barhocker zu sitzen, seinen Whiskey zu kippen und zu reden. In der Bar des Ritz in Paris am allerliebsten oder in Harry’s Bar an der Piazza San Marco von Venedig, in der Cortina dort um die Ecke, im El Floridita von Havanna, in der lasterhaften Bar Marsella im Barrio Chino von Barcelona oder die Les Rambles weiter aufwärts im gepflegten Boadas.

Das Boadas mag er sehr, weil hier gleich drei seiner Vorlieben unter einem Dach zu finden sind. Die Bar hat Miguel Boadas gegründet, der im Jahr 1933 von Kuba, wo er im El Floridita gemixt hat, nach Barcelona gekommen ist. Das Boadas in Barcelona ist eng und klein, es besteht nur aus einem Raum, und wirkt mit seinem angejahrten dunklen Interieur möglicherweise auch ein wenig aus der Zeit gefallen, aber man spürt die Seele Kubas in der großen Stadt. Wenig Wunder, das Boadas befindet sich noch immer im Besitz der Familie.

An den Wänden des Boadas erspäht man die Fotos aus Vortagen, nicht nur von ihm, sondern auch von den vielen anderen, die den geselligen Müßiggang lieben. Und wenn man den fein livrierten Barkeeper fragt, so kriegt man wie selbstverständlich die entsprechenden Geschichten. Das ist die Welt des Ernest Hemingway, in Barcelona oder sonstwo.

Ernest Hemingway liebt das einfache Leben und mag die einfachen Menschen, meist trinkt er mit Fischern, Boxern, Sportlern, mit ganz normalen Leute. Mit Literaten oder Intellektuellen sieht man ihn so gut nie an einem Bartresen, er mag sich nicht über Politik und Literatur unterhalten. In den Bars erschafft sich Ernest Hemingway seine kleine Theaterkulisse, eine Aufführung vor Publikum, und er gibt den Autor und Hauptdarsteller in einer Person.

Es sind Ein-Mann-Stücke, die aufgeführt werden, kein Thema eines aufregenden Lebens wird ausgelassen. Für den Schriftsteller wirken

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Pauline Pfeiffer – die zweite Ehe

Ernest Hemingway und Pauline Pfeiffer auf dem Hochzeitsfoto, in Paris am 10. Mai 1927

Die wohlhabende Amerikanerin Pauline Pfeiffer arbeitet Korrespondentin der Modezeitschrift Vogue in Paris, sie und ihre Schwester Virginia schmeißen in der Stadt an der Seine mit dem Geld nur so um sich. Die 30-jährige Pauline erweist sich als eine lebenshungrige, lockere Frau, die stramm auf ihr Ziel zusteuert. Und ihr Ziel heißt Ernest. Pauline lockt und ködert ihn mit allem, was einer freizügigen Frau so als Köder gegeben ist, Ernest verhält sich in solchen Situation wie immer, er zeigt sich ziemlich hilflos.

Die fesche Pauline sieht aus wie einer Ausgabe der Vogue entsprungen. Modisch, ausgefallen, ein wenig androgyn, flachbrüstig, schwarzes Haar im Kurzschnitt, knallrote Lippen. Pauline und der angehende Schriftsteller lernen sich in Paris kennen und es wird eine leidenschaftliche Affäre. Der Sex mit Pauline sei sensationell, berichtet Ernest begeistert, das Blut des jungen Journalisten gerät in Wallung. Explosiv, ungeniert und laut, sie bestimmt, wo es langgeht, sie steigt auf mich drauf und kriegt ihren Höhepunkt, als wäre es ein Gewittersturm.

Ernest Hemingway hat seiner ersten Ehe mit der patenten Hadley bereist einen Tiefschlag verpasst, er hat zuvor eine Affäre mit einer extravaganten Engländerin, Duff Twysden, in Pamplona 1924, die den hochgewachsenen Journalisten ohne Scheu ins Bett zerrt. Wie ein emotionaler Trottel wird Ernest Hemingway zwischen den Frauen hin und her gerissen. Er mag es, umgarnt zu werden, und doch fühlt er sich nicht wohl, wie er in Paris hat kein Ende, am Ende seines Lebens, schreibt. Man lügt und hasst es, es zerstört einen, und von Tag zu Tag wird es gefährlicher, aber man lebt von einem Tag zum anderen wie im Krieg.

Am 3. Februar 1926 fährt Ernest von Cherbourg auf der Mauretania nach New York zu den Buchverhandlungen. Am 17. Februar 1926 unterzeichnet Ernest seinen ersten Vertrag mit Scribner’s and Sons für die beiden Werke Torrents of Spring und The Sun Also Rises. Ab jetzt wird die Autorenkarriere des Ernest Hemingway wie eine Rakete steil und glitzernd in die Luft abgehen. Die treue Hadley, seine erste Ehefrau und große Liebe, hat recht gehabt, er wird einmal als ein gefeierter Schriftsteller dastehen.

Die Frau, die an ihn geglaubt hat, sitzt nun alleine in der gemeinsamen Wohnung in Paris und ihr Ehemann lässt keine Gelegenheit aus, sie rücksichtslos zu betrügen. Ernest kann nicht treu sein, nicht seiner Ehefrau, und ebenso wenig seiner Geliebten. Böse Zungen munkeln, dass Ernest

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