Hemingways Welt

Großmaul, Schnapsnase, Schürzenjäger – an den Fersen eines Jahrhundertautors

Kategorie: Stil & Prosa

Ernest Hemingway und der Fisch

fisch Hemingway

Hemingway und sein Fisch

Der Vater hat ihn gelehrt zu Fischen. Und es hat ihn nie verlassen. Gerade das Fischen mit all seiner Einsamkeit und Abgeschiedenheit scheint für Ernest Hemingway der ideale Männersport.

Das Fischen – ebenso wie die Jagd – hat aus dem jungen Hemingway einen Naturburschen gemacht. Der Mann, auf sich gestellt und alleine, trägt seinen Kampf aus.

Doch warum kämpft man gegen den Fisch? Kann das Töten eines Tieres als Sport oder Freizeitvergnügen dienen? Es scheint schizophren, denn Zeit seines Lebens hat Ernest Hemingway die Schöpfung bewundert.

Sein Werk, gerade Der alte Mann und das Meer, kann als Verneigung vor der Natur gelesen werden. Doch Natur, man sollte es nicht idealisieren, bedeutet auch Kampf. Der Stärkere frisst den Schwächeren.

Warum liebt es Hemingway, Fische zu töten? Wo doch der Fisch im Katholizismus ein heiliges Tier ist. Im Christentum steht der Fisch für Leben und Wahrheit. Man denke nur an die wundersame Vermehrung der fünf Gerstenbrote und der zwei Fische zur Speisung der Fünftausend. Der Fisch symbolisiert aber auch die unter Wasser verborgene Wahrheit, die es zu fangen, also ans Licht zu holen gilt. Petrus ist von Beruf Fischer. Später Menschenfischer.

Man erinnert sich an Der alte Mann und das Meer, welches auch als eine an biblische Symbolik erinnernde Parabel gelesen werden kann. Kann es nicht sein, dass Hemingway im Fischer Santiago eine

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Ernest Hemingway hat keine Universität von innen gesehen

Stanford Universität

Lomita und Lagunita. Stanford University, Palo Alto/Kalifornien Photo by W. Stock

Direkt nach der High School fängt Ernest Hemingway als Lokalreporter bei einem Regionalblatt an, beim Kansas City Star, da ist er gerade Achtzehn. Auch später wird Hemingway nicht studieren, er zählt zu den Nobelpreisträgern, die keine Universität von innen gesehen haben. Scheinbar ist der junge Kerl ein Naturtalent. Oder nicht?

Zur akademischen Welt hält der Schriftsteller zeitlebens spürbare Distanz. Obwohl er einer gutbürgerlichen Familie entstammt, der Vater ist Arzt in Chicago, zieht es ihn nicht hin zu hoher formaler Bildung. Die Feuilletonisten der New York Times verachtet er, ihn ödet das Geschwätz all dieser Schreibtisch-Schreiber an. Sicher, du kannst auch aus Büchern lernen oder auf der Schulbank. Aber um das Leben richtig zu begreifen, musst du hinaus in die Welt.

Ein guter Journalist oder ein erfolgreicher Autor muss sich umschauen und zu den Menschen gehen. Man könne nur richtig begreifen, was man mit eigenen Augen gesehen hat. Ich schreibe nur über das, was ich kenne, und deshalb schreibe ich ehrlich. Bücher sollten von den Leuten handeln, die du kennst, die du liebst oder hasst, nicht von Leuten, die du erst studierst.

Dieser Kraftbolzen Ernest Hemingway braucht

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Hemingway, Kartoffel, Papst oder auch gar nichts

Papa Ernest Hemingway

A. E. Hotchner, Papa Hemingway

Warum lässt ein kerniger Mann, der mit Familie und Kindern nicht so viel am Hut hat, sich eigentlich Papa rufen? Auf Kuba, wo Ernest Hemingway über 20 Jahre gelebt hat, nennt ihn die halbe Insel so. Papa heißt er für gute Freunde, Mister Papa für jene, die ihm nicht so nahe stehen.

Mr. Hemingway sagt so gut wie keiner. Eher Señor Hemingüey oder, ebenfalls kubanisch verballhornt, Mister Güey. Auch hört man gelegentlich Mister Way oder manchmal bloß Ernesto – aber Papa, dieses Papa, das bleibt sein klarer Favorit.

Im Spanischen bedeutet Papa allerlei. La papa, feminin, ist die Kartoffel. El Papa wiederum, maskulin, steht für Papst, jenen in Rom. Womit wir der Sachen schon ein wenig näher kommen. Papá, Betonung auf dem zweiten Vokal, umschreibt den Vater der Kinder.

Wenn man bei uns in Deutschland Bahnhof versteht, sagt man auf Kuba oft yo no entiendo ni papa. Ich versteh‘ nicht mal Kartoffel. Wenn man also rein gar nichts kapiert. Nichts, nada, Kartoffel.

In Lateinamerika kann man schon mal einen alten Kumpel mit einem hola Papa begrüßen. Also einem hey Alter, was dem Buddy oder Bro‘ im Neu-Englischen sehr ähnlich kommt.

Wie auch immer, das väterliche und päpstliche Papa besitzt schon vom Klang her etwas Patriarchalisches. Das Oberhaupt der Familie oder der Glaubensgemeinschaft, das trifft es am besten. So mag sich Ernest Hemingway sehen, jedenfalls wenn er Kleidung anhat.

Dieser Mann mit dem himmlischen Bart inszeniert sich für

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Lustig: Across the River and into the Trees

HemAcrosstheriverAls Across the River and into the Trees im Jahr 1950 erschien, da hielten viele Literaturkritiker das Werk für wenig gelungen. Die Enttäuschung war spürbar, man konnte mit dem Roman über Venedig und die Lagune wenig anfangen.

Insbesondere über diesen seltsamen Buchtitel wurde die Nase gerümpft. Across the River and into the Trees. Merkwürdig. Zu Deutsch: Über den Fluss und in die Wälder.

Die Auflösung findet sich im Buch. Wir wollen über den Fluss setzen und im Schatten der Wälder ruhen. Eigentlich ein schöner Satz des sterbenden Generals Thomas J. Jackson, den der Oberst Richard Cantwell in Hemingways Roman rezitiert.

Doch schnell schossen Parodien von Across the River and into the Trees ins Kraut. Hier die schönsten:

Frank Sinatra: Across the Street and into the Bar.

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Tomats?

els Tomats

Tomats? Saftige Tomaten auf dem Gemüsemarkt? Mag sein, jedenfalls in Schweden und Dänemark.

Und was sonst? Ein Code für Kenner. Freunde des bärtigen Autors und andere Hemingwayaner wissen, was gemeint ist. The Old Man and the Sea.

Sein Meisterwerk. Tomats.

Ernest Hemingways Schweigen: Ein Eisberg

The OldManandthe SeaCover12Wer sich mit Ernest Hemingway über Literatur unterhält, bekommt rasch einen Schreiber-Tipp: Schreib keinen Absatz mit mehr als 25 Wörtern. Das sei der beste Rat, den er in der Redaktion des Kansas City Star als junger Redakteur bekommen habe.

Und Ernest Hemingway erzählt dann von seinen Anfängen als Journalist. Dass er direkt nach der Oak Park High School 1917 als Achtzehnjähriger seine Laufbahn als Lokalreporter bei der Tageszeitung begonnen hat. Kurze Sätze, Leute, nur kurze Sätze. Werft das Geschwätz und all die Eierkopf-Sätze in die Mülltonne, in der Präzision liegt die Wahrheit. Geht achtsam mit der Sprache um, verkneift euch die Schlenker und Abstecher.

Beim Kansas City Star hat man den Novizen zu aller erst ein Style Book in die Hand gedrückt. Das ist damals ein gedrucktes Blatt Papier gewesen, auf dem die Regeln standen, wie man bei der Tageszeitung zu schreiben habe. Im ersten Abschnitt war zu lesen: Schreibe kurze Sätze! Schreibe den ersten Absatz kurz! Schreib ein kräftiges Englisch! Sei positiv, nicht negativ! Leute, das ist keine schlechte Schule, um das Schreiben zu lernen.

Knappe Sätze, das hört sich rigoros an. Wenn du einem Adjektiv begegnest, dann bring es um! Jetzt wird es brachial. Doch aus den einfachen Regeln von Fokussierung und Reduktion, die dem jungen Reporter beim Kansas City Star eingebläut werden, formt Ernest Hemingway seinen eigenen Stil. Hemingway reiht Satzteil an Satzteil und Beobachtung an Beobachtung, die Beschreibung eines Details, dann des nächsten Details.

Diesen schnörkellosen Stil, diese Aneinanderreihung kurzer Aussagesätze, hat sich Hemingway bei

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Ernest Hemingway und Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian BachWer denn seine Vorbilder als Schriftsteller seien, wird Ernest Hemingway an der Bar des Cabo Blanco Fishing Clubs von den jungen Journalisten gefragt. Seine Vorbilder?

Da braucht man den amerikanischen Nobelpreisträger nicht zweimal zu fragen. Und schon sprudelt es aus dem bärtigen Amerikaner heraus: Mark Twain, Gustave Flaubert, Stendhal, Johann Sebastian Bach, Leo Tolstoi, Maupassant, der gute Kipling, Thoreau, Shakespeare, Wolfgang Amadeus Mozart, Quevedo, mein Freund Pio Baroja, Dante, Tintoretto, Hieronymus Bosch, Goya, Giotto, Cézanne, Van Gogh, Gauguin, Luis de Góngora.

Hemingway hält inne und holt kurz Luft. Ich kann hier einen ganzen Tag lang eine Liste aufzählen. Ich habe auch die Maler eingeschlossen, weil ich von denen genauso zu schreiben lerne, wie von den Schreibern selbst.

Ernest Hemingway leistet sich wieder eine kleine Pause und nimmt aus dem Glas mit Whiskey einen kräftigen Schluck. Ich wünschte, ich könnte schreiben, so wie Cézanne malt, sagt er dann.

Die peruanischen Journalisten sind beeindruckt von Hemingways Ausführungen. Und dann sagt der weltbekannte Autor etwas Unerwartetes. Und auch die Komponisten sind mein Vorbild. Du fragst dich bestimmt, wie das sein kann.

Hemingway schaut die ungläubigen Redakteure an. Auch da brauche ich einen Tag, um das zu erklären. Ich muss dir dann erklären, was

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Die kürzeste Kurzgeschichte aller Zeiten

Wir schreiben die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Drei Freunde sitzen beim Whiskey zusammen und frönen der Aufschneiderei unter angehenden Autoren.

Sie wollen wetten, eine literarische Wette, der Einsatz beträgt 10 Dollar.

Der junge Journalist und  Schriftsteller Ernest Hemingway aus Chicago wettet mit den Freunden, dass er eine Kurzgeschichte aus nur sechs Wörtern schreiben könne. Sechs Wörter. Kaum zu glauben!

Die Wette gilt. Natürlich gewinnt sie Ernest Hemingway. Wie lautet seine kurze Kurzgeschichte?

Hemingways Text:

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