Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Kategorie: USA

Hemingway, Sinatra und Rod McKuen

Frank Sinatra Rod McKuen

Frank Sinatra & Rod McKuen: A Man Alone

In diesen Tagen nochmals in Frank Sinatras Album A Man Alone – The Words & Music of Rod McKuen hineingehört. Der Kalifornier McKuen, ein Poet der Noten, hat alle Titel dieser Platte eigens für Frank Sinatra komponiert.

Und Frank Sinatra singt die melancholischen Melodien von Rod McKuen in unnachahmlicher Art und Weise. Man kauft ihm die Einsamkeit des Wolfes ab, wie Leonard Feather im Begleittext schreibt. Das Werk, im März 1969 in Hollywood eingespielt, sei das Dutzend-Studium eines einsamen Mannes. Dieser könnte Frank Sinatra sein, oder Rod McKuen oder jeder männliche Hörer dieser Platte, schreibt Jazzkritiker Feather voller Bewunderung.

Vor ein paar Tagen ist Rod McKuen, mit 81 Jahren, in Beverly Hills gestorben und diese Einspielungen oder auch seine wunderbare Zusammenarbeit mit der Sängerin Greta Keller gehören zu seinem reichen Vermächtnis.

Nun konnte Ernest Hemingway den Sänger und auch die Person Frank Sinatra wenig leiden und der Autor gab dem Sänger, auf Besuch in Havanna, einmal eine deftige Abfuhr. Aber, wenn man Frank Sinatras Platte hört und auch genau hinschaut, dann erkennt man, wie klein die Welt ist und wie alles mit allem zusammenhängt.

Denn das Cover von Sinatras Platte A Man Alone hat

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Hemingway kicks a can

Atlantic Hemingway kicks a can of beerMein Lieblingsphoto mit Ernest Hemingway? Nun, leichte Frage, Hemingway kicks a can. He kicks eine Dose Bier, um genau zu sein. Aufgenommen von John Bryson, am 1. Februar 1959. In Ketchum. Fabelhaftes Photo!

Das Photo wird zum ersten Mal in LIFE veröffentlicht, am 14. Juli 1961. Unter dieses Photo schreibt das Magazin: At 60 and still full of the Old Nick, Papa Hemingway booted a beer can high in the air along a Idaho road. This was, he said, “the best picture I ever had taken.”

Am 2. Juli 1961 schießt sich Ernest Hemingway in Ketchum eine Ladung Schrot ins schwermütige Hirn. Und LIFE bringt zu seinem Nachruf genau dieses Photo. Mit Brysons Schnappschuss, zwei Jahre vor seinem Tod aufgenommen, will Ernest Hemingway wohl noch einmal ein kraftvolles Lebenszeichen von sich geben. Das dynamische Wegkicken der Dose, dieser elastische Ausfallschritt, soll uns die Botschaft übermitteln, hier seht ihr keinen fast 60-Jährigen, sondern noch immer einen jungen Kerl.

John Brysons Photo wirkt auf mich auch deshalb so betörend, weil es Hemingway letzte Heimat, die Winterberge Idahos, nicht

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Hemingway gibt Frank Sinatra einen Korb

SinatraIm Havanna der 40er Jahre laufen genug gegelte Amerikaner herum, deren Nachnamen auf -a oder -o enden und deren Reichtum bedenklich nach Koks, Puff oder sonstigen niedlichen Sachen riecht. In diesen vorrevolutionären Tagen hören Havannas Nächte auf das Kommando der Bosse aus Chicago und New York, die amerikanische Mafia hat Kubas Hauptstadt unter sich fein aufgeteilt.

Über das Hotel Capri herrscht Nicholas di Constanzo, im Deauville hat Santo Trafficante junior das Sagen, Meyer Lansky macht das Hotel Riviera unsicher, sein Bruder Jack ist der Platzhirsch im Hotel Nacional. Ob Wettspiel, Prostitution oder Heroinschmuggel, die amerikanische Mafia ist in Havanna allgegenwärtiger als im Vatikan der liebe Gott.

Matrosen, Flugzeugpiloten, Anwälte stehen auf den Gehaltslisten der Mafia. Politiker und Polizisten sowieso. Aber wen man auch fragt, keiner weiß genaues. Den feinen Herrschaften ist nichts nachzuweisen. Nicht mal ein klitzekleiner Mord.

Am liebsten hängen die Spitzbuben im Hotel Nacional ab. Das Nacional ist ein achtstöckiges Gran Hotel im Vedado, ein architektonischer Stilmix aus Neoklassik und Art Deco, ein oller Schuppen aus dem Jahr 1930, groß und weitläufig und mit einem riesigen Garten wie in einem mittelalterlichen Kloster. Das Nacional ist das schönste und wohl auch beste Hotel der Stadt mit einem atemberaubenden Ausblick über den Malecón und hin zur Bucht von Havanna.

Im Februar 1947 organisiert Meyer Lansky

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Gonzo-Meister schreibt über Nobel-Meister

HunterSThompsonTheGreatSharkHuntWarum Ketchum? Warum verbrachte Ernest Hemingway seine letzten Tage in Ketchum, weit weg in den Bergen Idahos?

Zu dieser Frage gibt es eine lesenswerte Geschichte aus der Feder von Hunter S. Thompson. Erstmals erschien seine Story in der Wochenzeitung National Observer, am 25. Mai 1964. Thompsons Artikel trägt die Überschrift What Lured Hemingway to Ketchum? Was hat Hemingway nach Ketchum verschlagen? Nachzulesen in dem Sammelband The Great Shark Hunt. Übrigens, welch ein großartiger Buchtitel! Er hätte dem Meister gefallen.

Hunter S. Thompson ist nicht irgendein Schreiber, sondern ein Großmeister. Er hat in den späten 60ern ein neues journalistisches Genre begründet, den Gonzo-Journalismus. Und auch sonst war er eine verdammt durchgeknallte Type. Gonzo, das ist ein New Journalism kalifornischer Art, ziemlich durchgedreht und abgefahren. Strange Tales from a Strange Time. So sah Hunter S. Thompson sein Amerika, und so unrecht hatte der Journalist da ja nicht.

Kurz gesagt, ohne den einen Meister wäre der andere Meister nicht zu denken. Thompson fragt in seinem Artikel nun, warum es Ernest Hemingway bloß nach Ketchum verschlagen hat. So richtig weiß er keine Antwort darauf. Irgendwie, so der Gonzo-Meister, passe dieses lausige 800-Seelen-Kaff doch nicht zum Nobel-Meister. Wobei Hunter verschweigt, dass San Francisco de Paula, Hemingways vorheriger Wohnort auf Kuba, auch ein ziemliches Nest ist. Aber Hunter S. Thompson kriegt es nicht auf die Reihe: kleines Kaff, großer Meister. Damit hat er so seine Schwierigkeiten.

Hunter beschreibt den Ernest Hemingway in Ketchum als einen

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