Der General Franco mag Hemingway nicht – und umgekehrt
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Das ist eine meiner Lieblingsstellen. In den  Depeschen aus dem Spanischen Bürgerkrieg Wo Ernest Hemingway zwar auf der richtigen, aber dann doch verlierenden Seite kämpfte.

Gibt es eine sympathischere Ansprache an den Leser, als jene von Hemingway zu Abschluss seiner Reportage über den pfiffigen Chauffeur Hipolito, der den Autor wohlbehalten durch das Madrider Granatengewitter steuert? Sie können natürlich Ihr Geld auf Franco setzen, wenn Sie wollen, oder auf Mussolini oder Hitler. Ich setze auf Hipolito.

Als junger Student habe ich einige Monate in Barcelona gelebt. Man schrieb das Jahr 1978. Den bigotten General Franco hatte man drei Jahren zuvor glücklich unter die Erde gebracht und merklich zerbröselte sein autoritäres Gefüge aus Großgrundbesitz und Klerus.

Es entstanden neue Parteien, andere kamen aus dem Untergrund wieder ans politische Tageslicht, neue Zeitungen und Zeitschriften wurden gegründet, man diskutierte und fabulierte auf das lauteste. Es herrschte Aufbruchstimmung in Katalonien.

Was vorher verboten war, wurde nun verschlungen. Scheinbar harmloses darunter, Charly Chaplin, beispielsweise. Die Barceloneser strömten in seine Filme, die erst nun, nach gut vier Jahrzehnten, aufgeführt werden durften. Charly Chaplin war dem kleinen, dicken Diktator zu gefährlich, verdammt gefährlich.

Denn seine humanen Filme wie Lichter der Großstadt oder seine politischen wie Modern Times oder gar Der große Diktator waren subversiv. Denn Chaplins Freiheitsbotschaft verstanden alle: der Hungerlöhner und der Bankbeamte, der Rentner und der Schulbub, der Arbeiter und der Universitätsprofessor.

Ich erinnere mich noch, auch im Jahr 1978, an eine Vorstellung des großen Diktators in einem riesigen Kino am Paseo de Gracia. Das Kino, bis auf den letzten Platz gefüllt mit neugierigen Zuschauern. Nachdem Charly Chaplin zum Finale seine emotionale Proklamation der Freiheit und Gerechtigkeit beendet hatte, blieb es für den Bruchteil einer Sekunde atemlos still im Kinosaal. Dann sprangen die Barceloneser auf von ihren Sitzen, brüllten und klatschten spontan lange Beifall.

Nicht nur Chaplin, auch Ernest Hemingway war von Franco und Konsorten mit Bann belegt. Auch er war ihnen gefährlich. Seine Botschaft von Freiheit und Individualität, transportiert in Worten, Sätzen und Romanen, versteht jeder. Auch der Feind, wie dumm er auch immer sein mag.