Eduard Ingriš und Ernest Hemingway
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Ernest Hemingway und Eduard Ingriš Cabo Blanco, April 1956

Ernest Hemingway und Eduard Ingriš
Cabo Blanco, Mai 1956

Als die Kommunisten 1948 in Tschechien die Macht übernehmen, ist Eduard Ingriš schnell abgehauen. Mit lediglich 50 Dollar in der Tasche, mehr hat man dem in Böhmen Geborenen nicht von seinem Vermögen gelassen. Doch Freiheit und Unabhängigkeit sind ihm wichtiger als alles Materielle.

Das Schicksal verschlägt ihn nach Südamerika, zuerst nach Brasilien, dann nach Peru. Es wird ein buntes Leben, das dieser Eduard Ingriš nun führt.

Man mag ihn nicht nur als einen unabhängigen Geist bezeichnen, zudem ist Eduard Ingriš ein verwegener Abenteurer und auch ein feinfühliger Schöngeist. Ein Mann von tausend Talenten: Komponist, Dirigent, Kameramann, Entdecker.

Im Mai 1956 hat Ernest Hemingway sich mit Eduard Ingriš in Cabo Blanco, an der peruanischen Nordküste, getroffen und lange unterhalten. Dieser Eduard Ingriš ist ein Mann ganz nach Hemingways Geschmack. Ingriš arbeitet als Photograph und Filmemacher, macht sich aber auch als Komponist einen Namen. Einige Jahre arbeitet er als Leiter des Orquesta Sinfónica Nacional, des Nationalen Symphonie Orchesters in Lima.

Doch vor allem als Abenteurer geht er durch die Medien: Mit einem einfachen Balsa-Floss hat Eduard Ingriš die Welt des Pazifik erkundet. Mit der Kantuta I fährt er im Jahr 1955 über Galapagos in Richtung Clipperton Island. Die Expedition scheitert. Doch Eduard Ingriš gibt nicht auf.

Im Jahr 1959 sticht er mit der Kantuta II in die Südsee nach Polynesien. Diesmal gelingt sein Vorhaben. Es ist jene Zeit, in der auch Thor Heyerdahl, der Norweger, beweisen will, dass die Ureinwohner Südamerikas mit einfachen Schilf-Schiffen bis weit in die Südsee gelangten. Seit Thor Heyerdahl und Eduard Ingriš stellt dies auch niemand mehr groß in Frage.

Von Eduard Ingriš, einem Mann Anfang 50, holt sich Hemingway Tipps, wie man mit diesem rauen Meer vor Cabo Blanco umzugehen hat. Denn Ernest Hemingway will in Nordperu noch einen großen Marlin fangen. Einen Marlin von über 1.000 Pfund. Aber so leicht lässt sich das Meer vor der Wüste von Sechura nicht bezwingen.

Auf ein Photo der beiden vor der Küstenlandschaft Cabo Blancos schreibt Ernest Hemingway seinem Gesprächspartner Eduard Ingriš noch eine überschwängliche Widmung, with admiration, und das will bei Hemingway ja etwas heißen. In Bewunderung.