Ein ziemlich bunter Hund
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Hemingway im Flughafen Düsseldorf
Photo by W. Stock

Auf Huldigungen an diesen amerikanischen Autoren stößt man in aller Welt, nicht nur an einem Ort wie bei manch anderen, sondern verstreut über die verschiedensten Länder und über alle Kontinente. In Pamplona und Andalusien, in Venedig, hoch in den Alpen oder im tiefen Schwarzwald, in Paris und in der Eifel, in der Karibik natürlich, am peruanischen Pazifik, in den Rocky Mountains oder auch in Afrika.

Auch wenn die Hommage oft nur an der Oberfläche kratzt, die Verehrung für diesen Mann bleibt ein Phänomen, dieser Schreiber aus Oak Park in Chicago hat sein Wirken weit und tief gestreut. Der fortwährende weltumspannende Radau um seine Person zeigt, Ernest Hemingway lebt, obwohl er doch schon so lange tot ist.

Wahrscheinlich ist dieser Mann deshalb nicht kaputtzukriegen, weil er nicht nur wie ein Titan schreiben kann und die Seele des Lesers erreicht, sondern weil er zudem ein ziemlich buntes Leben vorzuweisen hat. Ein eigentlich untypisches Literatenleben. Denn diesen Schriftsteller Ernest Hemingway findet man nicht nur in den Bücherregalen, sondern auch im richtigen Leben. 

An Gebäudewänden kann man lesen: Ernest Hemingway hat in diesem Hotel übernachtet oder in jenem Gasthof gegessen. Er hat diese Bar besucht und jenen Landstrich beehrt. Hemingway hier, Hemingway da. Der Mann ist scheinbar omnipräsent. In diesem Restaurant hat Ernest Hemingway nie gegessen, auch diese Notiz durfte ich in Spanien schon entdecken.

Der bärtige Macho tummelt sich überall und je entfernter sein Tod liegt, desto stärker scheint der Rummel an Wahnwitz zuzulegen. Wenn man Ernest Hemingway auf der Fährte bleibt, kriegt man Sachen zu Gesicht, die einem die Haare zu Berge stehen lassen: Wanduhren mit seinem Portrait, massenweise T-Shirts, Kaffeebecher, Spazierstöcke mit seinem Kopf als Knauf, Sonnenbrillen auf seinen Namen, Zigarettenetuis, Hemingway-Seife mit Tabak-, Rum- oder Zedernduft, Body Lotion, Manschettenknöpfe, Schuhe, in denen die Marke ‚Hemingway‘ steht.

Was wird nicht alles nach ihm benannt? Hotels, Ferienanlagen, Cocktail Bars, Gasthäuser, die Lounge am Flughafen und die Kneipe nebenan, aber damit nicht genug. Es gibt Rum-Sorten und Schnaps-Variationen, die so heißen wie er, dazu Sonnen-Caps mit Hemingway-Zitat, Küchenschürzen oder gleich eine ganze Küchenzeile, alles mit Hemingway dran, drin oder drauf. Dazu Münzen, Geldscheine, Briefmarken, aus aller Welt, ungezählt.

Auch wenn der ganze Rummel um den Lebemann Ernest Hemingway mitunter arg überzogen wirkt, so beweist er doch eines: Der Mann bleibt ein Thema. Selbst weit über ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod. Dieser Kerl, der sich am Ende selbst erschossen hat, auch dies gilt es festzustellen, ist mit den Jahren und Jahrzehnten nicht kleinzukriegen.

Ich vermute, dass auf der ganzen Welt und in der langen Historie der Literatur kein anderer Schriftsteller zu finden ist, dem mehr Denkmäler, Dankesplaketten, Ausstellungen, Büsten, Skulpturen, Poster und dergleichen gewidmet wurden wie diesem Ernest Hemingway. Man taucht bei Ernest Hemingway also ein in eine ziemlich bunte Welt. Prosit!