Elicio Argüelles – der gute Freund aus Havanna
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Elicio Argüelles, ein Freund Ernest Hemingways über Jahrzehnte, im peruanischen Cabo Blanco, im Mai 1956.

In den zwei Jahrzehnten auf Kuba hat sich Ernest Hemingway einen ansehnlichen Freundeskreis aufgebaut. Mario Menocal, genannt Mayito, gehört dazu, auch dessen Vetter Elicio Argüelles, Thorwald Sánchez und Pichón Aguilera, beide Kumpel beim Tontaubenschießen, dann der baskische Kleriker Andrés Untzaín, Doctor Carlos Kohly, sein Hautarzt, Jaime Bofill, ein Rechtsanwalt und Aktienhändler oder Manuel Asper, der Besitzer des Hotels Ambos Mundos.

Auch zu Schriftstellern wie Enrique Serpa, Fernando Campoamor und Nicolás Guillén hält er Kontakt. Der kubanische Boxer Kid Tunero ist ein guter Freund, ebenso wie der schwarze Musiker Bola de Nieve. Ernest Hemingway pflegt seine Freundschaften, sie sind ihm wichtig. Meist sind es Kubaner oder Exil-Spanier, die zu seinem engen Bekanntenkreis gehören, zu den eigenen Landsleuten hält der Amerikaner eher Abstand.

Zu Elicio Argüelles II, einem kubanischen Rechtsanwalt und bekannten Sportangler, hegt Ernest Hemingway eine besondere Freundschaft. Schon dessen Vater ist in Havanna ein enger Freund des Schriftstellers gewesen, mit dem durchtrainierten Elicio trifft sich Ernest Hemingway des Öfteren zum Tontaubenschießen. Den schlanken Kubaner nimmt der Nobelpreisträger im Jahr 1956 dann sogar mit nach Cabo Blanco, wo in Peru die Außenaufnahmen für den Hollywood-Film Der alte Mann und das Meer stattfinden.

Elicio Argüelles mag oberflächlich betrachtet manchen vielleicht als Lebemann durchgehen, er ist jedoch eine Person von bürgerlicher Ernsthaftigkeit. Ein Rechtsanwalt, jemand mit Hang zur Politik, er wird irgendwann einmal Senator werden in seiner Heimatstadt Havanna. Auch sein Vater ist Senator gewesen, sogar einen Staatspräsidenten kann die Familie vorweisen, seinen Onkel Mario García Menocal.

Elicio Argüelles Familie gehört zur upper class auf Kuba. Der Vater ist Besitzer des Frontón Jai Alai an der Kreuzung der Calle Concordia mit der Lucena, einer populären Wettkampfhalle in Havanna, die der Volksmund auch als Palacio de los Gritos, als Palast der Jubelschreie, kennt. In dieser langgezogenen Sporthalle geht es in der Tat lauthals her, denn dort wird dem auf Kuba populären Pelota-Spiel nachgegangen.

Ernest Hemingway ist ein begeisterter Anhänger dieses baskischen Ballspiels und hat dort Elicio I und Elicio II kennengelernt. Der Vater Elicio Argüelles Pozo – auch Elicio I genannt – wirkt als Senator für den Partido Demócrata und unterstützt von Kuba aus den spanischen Machthaber Francisco Franco ideell und materiell. Trotz solch politischer Gegensätze hat sich über die Jahre eine enge freundschaftliche Beziehung zwischen dem Schriftsteller und der Familie Argüelles entwickelt.

Der Sohn, mit vollem Namen heißt er Elicio Argüelles y García-Menocal, er lässt sich jedoch der Einfachheit halber und der Tradition folgend mit Elicio Argüelles II abkürzen, ist ein überaus sympathischer Kerl vom Jahrgang 1910. Ernest und Elicio II machen schon seit Jahren die Insel unsicher, der Kubaner ist mit dem Schriftsteller und dessen damaliger Ehefrau Martha Gellhorn bereits 1942 zum Tontaubenschießen in Cotorro verabredet gewesen.

Weil kräftige Hände und ein sportlicher Geist auf der Jagd nach dem schwarzen Marlin nicht schaden können, hat Ernest Hemingway den jungen Kubaner, den Freunde meist Elicín rufen, zu dem Trip ins peruanische Cabo Blanco eingeladen. In Cabo Blanco macht Elicio eine gute Figur, der smarte Kubaner lächelt selbstbewusst in die Kamera, er zieht an der Küste von Nordperu viele Blicke auf sich. Elicio II zeigt sich stets auffallend chic gekleidet, selbst auf dem Boot, mit einem hellen Hemd, einer khaki-farbenen Hose und den feinen weißen Turnschuhen.

Zudem beeindruckt Elicín an Bord der Miss Texas mit seinem extrovertierten Temperament. Wenn ein Fisch anbeißt, eilt er als erster zu seinem Freund Ernest, umarmt ihn oder hebt mit seiner Hand den schlaffen Vorderarm des Schriftstellers zur Siegerpose in die Luft. Elicín ist auf der Glücksseite des Lebens geboren, ein Gewinner-Typ, beim Angeln, im Business, bei den Frauen.

Nach der Castro-Revolution geht die Familie Argüelles ins Exil und findet in Miami eine neue Heimat. In all den Jahren wird Elicio Argüelles II nie groß über seine Zeit mit Ernest Hemingway berichten, er gibt dazu keine Interviews und er schreibt keine Artikel darüber. Denn, so sagt er, mit einem guten Freund möchte er kein Geld verdienen.