Ernest Hemingway auf hoher See
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CBFCIm Morgengrauen stehen die Hemingways auf, frühstücken im Restaurant des Cabo Blanco Fishing Clubs gut und kräftig, zwei Spiegeleier, Toasts mit Butter, viel Kaffee. Und um neun Uhr geht es dann pünktlich aufs Meer, um fünf kommt man zurück in den Hafen von Cabo Blanco.

Auf Pünktlichkeit legen Mary und Ernest Hemingways viel Wert, das merken die Angestellten schnell, der Tag der Amerikaner folgt einem Uhrwerk. Mit Kip Farrrington auf der Miss Texas, dem Schiff des Clubs, tuckert Hemingway hinaus auf die wilde See. Hemingway hat die Anordnung erlassen, dass keine Presse an Bord soll, mögen doch Grace Kelly und Fürst Rainier, die gerade geheiratet haben, in den Klatschspalten stehen, er mochte das jedenfalls nicht.

Hola chico, begrüsst Hemingway jeden Morgen den Kapitän Jesús Ruiz More. Buenos dias, Don Ernesto, antwortet Jesús, denn er traut sich nicht Ernesto zu sagen, der Respekt. Und auch die gesamte Bordmannschaft erhält Handshake oder einen Klaps auf die Schulter. Heute werden wir unseren Marlin fangen, koste es was es koste, sagt der Schriftsteller. Sicher, Don Ernesto, erwidert Jesús, ganz sicher werden wir ihn heute fangen.

Don Ernesto ist auf der Jagd nach dem schwarzen Marlin. Dieser marlín negro ist dem Schwertfisch verwandt und wegen seines großen Gewichtes, seiner Kraft und Schnelligkeit gilt er als einer der am schwersten zu fangenden Fische. Wenn man diesen Großfisch an den Angelhaken kriegt, dann kann es schon mal fünf, sechs Stunden dauern, bis sich der Fisch geschlagen gibt. Es bedarf Geschick, aber auch Kraft und Ausdauer einen solchen König des Meeres zu besiegen.

Wenn der schwarze Marlin in der blauen See seine Pirouetten springt, dann sehen die Tiere aus wie Künstler der Natur, wie Artisten im nassen Element, doch ihre Wuchtigkeit und ihre breiten Leiber mit den spitzen Speeren mögen auch düstere Gedanken hervorrufen. Achtzig Kilometer kann ein Marlin in der Stunde zurücklegen, und wenn der Fisch aus dem Wasser springt, dann fliegt er in einem hohen Bogen zehn Meter weit, und wenn er anschließend auf die Wasseroberfläche klatscht, hört sich das an, als sei ein Dreifamilienhaus umgefallen.