Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Ernest Hemingway fängt einen 750-Pfund-Marlin

Ernest Hemingway fängt einen 750-Pfund-Marlin
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Photo by Modeste von Unruh

Marlin, Ernest Hemingway, Gregorio Fuentes
Cabo Blanco, im Mai 1956
Photo by Modeste von Unruh

Die Jagd nach dem großen Marlin wird lang und beschwerlich. Das Meer vor der Küste Nordperus ist nicht gut zu Ernest Hemingway, zunächst jedenfalls. Neun Tage fährt er hinaus auf die hohe See und abends fährt die Miss Texas mit kahlem Mast zurück in den Hafen von Cabo Blanco.

Das Meer blutet, sagen die Einheimischen in Cabo Blanco. Quadratkilometer über Quadratkilometer ist der Ozean bedeckt von einer roten Schliere aus giftigem Plankton, winzigen Organismen. Niemand kann sich so recht erklären, woher dieser rote Todes-Teppich kommt.

Bringen ihn die Flüsse aus dem Amazonas-Dschungel mit? Hängt er mit der Erdölförderung oben vor der Küste zusammen? Oder steigt er geheimnisvoll gar aus den Untiefen des Pazifik?

Das giftige Plankton jedenfalls fegt das Meer leer, denn es tötet die kleinen Fische, die wiederum die Nahrung der größeren sind. Also auch des schwarzen Marlin. An diesen Tagen jedenfalls hat sich der Schwertfisch rar gemacht.

Nach einer Flaute in den ersten Tagen fängt der Nobelpreisträger schließlich vier Marline, einer 680 Pfund schwer, ein anderer mehr als 750 Pfund. Es ist der größte Fang Hemingways als Sportangler. Sicher, ein wenig hilft Gregorio Fuentes, el viejo, sein treuer Freund und Kapitän der Pilar. Immer wenn es kniffelig wird, lässt Hemingway seinen Gregorio auf den Angelstuhl.

Elicio Argüelles, der kubanische Senator, der mitgekommen ist auf den Trip, fängt einen Marlin, der über tausend Pfund wiegt. Hemingway selbst hat einen fünften, wohl den größten und kräftigsten, an der Angel. Der Autor kämpft und rackert, aber seine Kraft reicht nicht.

Der Schriftsteller ist angeschlagen, sein Körper hat den Flugzeugabsturz in Afrika und andere Unfälle überlebt, aber die Wirbelsäule macht ihm zu schaffen, auch das Augenlicht spielt nicht mehr ganz mit, und überhaupt. Ernest Hemingway kämpft und ringt und legt sich ins Zeug, vergebens, der Riesen-Marlin entkommt.

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  1. F. Hofer

    Großartiges Foto von Hemingway. Es sieht wie von heute aus

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