Ernest Hemingway jagt den schwarzen Marlin
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Marlin fishing

Sports Illustrated, März 1956,
Alfred C. Glassell Jr. in Cabo Blanco

Ernest Hemingway ist ein guter, ein erstklassiger Angler. Er will den Marlin. Den schwarzen Marlin. Aber nicht nur. Auf hoher See ist er außer Reichweite. Und an Bord hält Ernest immer eine Flasche Whiskey oder Gin vor.

Schon länger liegt Mary ihm in den Ohren, er möge nicht soviel saufen, aber nun ist seine Frau ausser Sichtweite, dass sie es nicht mitbekommt. Denn Ernest Hemingway braucht ihn, zwei Scotch vor dem Mittagessen,dann abends die Bar. Whiskey, ein Pisco Sour, hohe Prozente. Ein Gin, pflegt der Schriftsteller zu sagen, heilt die Narben deines Körpers, und, wenn er gut ist, auch die deiner Seele.

Der bärtige Mann holt aus dem Bastkorb, in dem auch die Schinken- und Käse-Sandwiches und die harten Eier liegen, eine Flasche Johnny Walker, dann zwei Gläser, füllt sie und reicht ein Glas dem Bootsmaat Máximo Jacinto Fiestas, einem Fischer von knapp 30 Jahren. Tome Máximo, para el frio, sagt er zum ihm, nimm das Máximo, gegen die Kälte.

Hemingway, so erinnert sich Manuel Jesús Orbegozo, bewegt sich auf dem Schiff wie ein Polarbär. Er ist nicht schnell, er ist schwerfällig und tappst über das Boot, sein Körper ist nicht gut in Schuss. Und er bekommt leicht einen Sonnenbrand. Er schmiert sich eine dicke Creme ins Gesicht, um seine Haut zu schützen, denn er leidet an einer Verfärbung der Pigmentflecken, die zu Hautkrebs führen kann.

Ernest Hemingways Ehrgeiz in Cabo Blanco ist, den größten schwarzen Marlin aller Zeiten zu fangen. Den Rekord hält ein Texaner aus Houston, Alfred C. Glassell jr., im August 1953, die Waage zeigt damals 1.560 Pfund, viereinhalb Meter Länge werden gemessen. Das ist Weltrekord. Hemingways Boot, die Miss Texas, hat man ihm zu Ehren so genannt. Dieser Hurenbock von Glassell, ruft Hemingway in Cabo Blanco, ich kriege diesen Hurenbock.