Ernest Hemingway mag Peru
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Cabo Blanco, im Mai 1956 Photo by Modeste von Unruh

Cabo Blanco, im Mai 1956
Photo by Modeste von Unruh

Als die Dreharbeiten zu Der alte Mann und das Meer sich dem Ende zuneigen, nimmt Ernest Hemingway den einheimischen Bootskapitän Jesús Ruiz zur Seite. Am liebsten würde ich noch sechs Tage länger bleiben, Jesús, sagt der Schriftsteller.

Vamos, Don Ernesto, entgegnet Jesús Ruiz, da draußen springen noch so viele Marline im Wasser, die nur auf uns warten. Und Ernest Hemingway entschließt sich, noch eine Woche länger in Cabo Blanco zu bleiben.

Auch Mary Welsh, Hemingways Ehefrau, findet Gefallen an der Zeit in Peru. Sie mag die peruanische Küche, den Lomo saltado, ein typisch peruanisches Mittagsgericht. In Scheiben geschnittenes Fleisch der Schweinelende, mit Zwiebeln und Tomaten, der mit weißem Reis serviert wird. Mary mag den Lomo saltado so sehr, dass sie sich das Rezept in ihr Tagebuch schreibt. Die Crew und die Angestellten im Hotel beschreiben Mary als feine und gebildete Dame, die auf Manieren zu achten pflegt.

Auch Ernest mag die peruanische Küche. Gerne isst er einen pescado encebollado, einen mit Zwiebeln angereicherten Fisch, einen Festtagsschmaus, den man in diesen Breiten gerne am Sonntag serviert. Dazu lässt er sich ein kühles Bier servieren. Mit den Peruanern trinkt er gerne den einen oder anderen Pisco Sour, das Nationalgetränk Perus.

Die Journalisten haben Hemingway eine Flasche Pisco geschenkt und überreichen sie ihm. Oh, piscou, freut sich Ernest Hemingway. Auf das Etikett hat man ein Poem des peruanischen Dichters Domingo Martinez Luján geschrieben: Mientras lloren las uvas, yo beberé su lagrimas. Während die Trauben weinen, werde ich ihre Tränen trinken. Darunter ist ein Schwertfisch gemalt und ergänzt: Für Ernest Hemingway, von seinen Bewunderern und peruanischen Kollegen.

Als Hemingway den Traubenschnaps in seinen Händen hält, und die Widmung liest, meint er: Ich werde die Tränen trinken und die Flasche danach aufheben. Als man sich am nächsten Morgen wieder trifft, sagt Hemingway als erstes: Eure Tränen habe ich schon getrunken. Noch Jahre später schwärmt er von diesem scharfen Schnaps, der wie eine Mischung aus Tequila und Wodka munde, wie er in einem Brief schreibt.