Ernest y Fidel
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Als Fidel Castro und seine bärtigen Revolutionäre in Havanna siegreich einziehen, am 2. Januar 1959, da weilt Ernest Hemingway bereits in Ketchum, im gebirgigen Norden der USA, das sein letzter Wohnsitz werden sollte. In jenen Tagen ruft die New York Times den Autor in Ketchum an und will wissen, was er denn von den Vorgängen auf Kuba halte. Doch der Autor erwähnt weder Batista noch Castro. Er sagt bloß: Dem kubanischen Volk wünsche ich das beste.

Während seines Geburtstagsfestes im Juli 1959, Ernest Hemingway weilt in Spanien, auf La Cónsula bei Málaga, da spricht ihn ein Gast auf Kuba an und will wissen, was der Nobelpreisträger von Fidel Castro hält, der da seit über einem halben Jahr auf der Tropeninsel die Fäden zieht. Der Schriftsteller antwortet ziemlich rätselhaft auf Spanisch, Ya perdí el corazón, bemerkt Ernest Hemingway leise. Mein Herz ist verloren gegangen.

Das Herz verloren. Auf Kuba, das er Anfang des Jahres verlassen hat, das meint er wohl. Aber möglicherweise ist damit sein Herz auch von dieser Welt entschwunden, weil er nach dem Auszug aus dem Paradies wie eine verlorene Seele umherirrt.

Mitte Januar 1960, die Revolutionäre um Fidel Castro und Che Guevara sind bereits ein Jahr an der Macht, besuchen die Hemingways noch einmal die Finca Vigía. Ernest Hemingway und seine Frau Mary sind stets Gegner des Batista-Regimes gewesen, doch auch den neuen Machthabern mögen sie nicht so recht über den Weg trauen. Sie fürchten, dass man ihnen die Finca Vigía fortnimmt und die Schätze ihres Lebens – wertvolle Gemälde, Manuskripte, Briefe – für immer verloren gehen.

Wenn Ernest Hemingway gefragt wird, dann lässt er höflich eine gewisse Sympathie für den Umsturz der Bärtigen erkennen, doch die revolutionären Verwerfungen und Auswüchse begleitet der Freigeist Hemingway innerlich mit wachsenden Zweifeln. Als Freigeist ahnt er, dass kollektivistische Bestrebungen zur Einengung und zur Bevormundung führen. 

Die Stimmung im Kuba des Fidel Castro bleibt aufgeheizt, die Situation für die Hemingways verkompliziert sich. Mich persönlich berührt es nicht. Ich bin für die Herrschaften eine gute Reklame, deshalb werden sie mich wahrscheinlich nicht belästigen. Aber ich bin doch ein Amerikaner und kann hier nicht bleiben, wenn andere Amerikaner mit einem Fußtritt hinausbefördert werden und mein Land beschimpft wird.

Mehr und mehr droht die revoltierende Stimmung auf der Insel außer Kontrolle zu geraten, die Botschaft der USA rät dem prominenten Ehepaar zur endgültigen Ausreise. In den letzten Monaten hat die diplomatische Fehde zwischen den USA und Kuba an Bissigkeit zugelegt, der anti-amerikanische Kurs der Castro-Regierung verheißt nichts Gutes. Doch die Revolutionäre schließen ihren Frieden mit dem bärtigen Gringo, der so dieses Land liebt.