Holiday Magazine, July 1949

Holiday Magazine, July 1949

Heute erscheint diese Publikation nicht mehr, aber Mitte des letzten Jahrhunderts war HOLIDAY eine vielgerühmte Monatszeitschrift mit Millionenauflage. Das Magazin im Überformat, das im Verlag Curtis Publishing aus Philadelphia erschien, gefiel durch künstlerische Cover und exzellente Autoren. Einer von ihnen hieß Ernest Hemingway.

Im Juli 1949 erscheint aus Hemingways Feder der Artikel The Great Blue River in HOLIDAY. Dies ist eine Reportage über das Fischen, in Wirklichkeit jedoch eine Hommage an seine neue Heimat Kuba. Einige hübsche Photos von George Leavens zeigen auch optisch den Reiz der Tropeninsel und die Schönheit des Golfstroms.

The Great Blue River offenbart uns einen Ernest Hemingway in Meisterlaune. Eine hinreißende Geschichte des Journalisten und Schriftstellers über Kuba, über sein neues Paradies. Und über das Fischen, über sein Farmhaus und über das Meer. Das Urteil brillant geschrieben, wäre ziemlich untertrieben.

Der Artikel fängt schon wunderbar an. People ask you why you live in Cuba and you say it is because you like it. Und dann zählt Hemingway ein paar Gründe auf, wo es schwer fällt, zu widersprechen. You could tell them that you live in Cuba because you only have to put shoes on when you come into town. Man merkt, er mag seine neue Heimat. Auch weil er hinter die Telefonklingel auf seiner Finca Vigía ein Stückchen Papier klemmen kann und dann seine Ruhe hat.

Ja, meint Ernest Hemingway, das seien alles triftige, aber doch irgendwie vordergründige Antworten. Die Motivation, weshalb er – Hemingway – auf Kuba lebe, sei eine andere. Und er nennt den Grund: The biggest reason you live in Cuba is the great, deep blue river. In dreißig Minuten sei er vom Tor seines Farmhauses dort, in Cojímar, bei seinem Boot Pilar, an seinem Meer. The finest fishing I have ever known.

Der HOLIDAY-Artikel verdeutlicht, wie glücklich Ernest Hemingway auf Kuba ist. Wie er es genießt auf das blaue Meer zu fahren, den Marlin zu jagen, wie getreu der Amerikaner eintaucht in die Welt der kubanischen Fischer, symbolisiert in der Person seines treuen Maats Gregorio Fuentes. Und wenn man dies heute alles noch einmal liest, dann merkt man, von The Great Blue River ist es nur noch ein Katzensprung zu Der alte Mann und das Meer, zu Hemingways Meisterwerk, das drei Jahre später erscheinen sollte. Once the fish is dead, sharks will eat him if any are about. Die Andeutung liest man mit einem Lächeln.

Doch scheint mir The Great Blue River im Kolorit sonniger und reizvoller als Der alte Mann und das Meer, möglicherweise sind die ausgehenden 40er Jahre jene Zeit in Hemingways Leben, wo er sich am wohlsten fühlt. Als Mann, als Vater und als Autor. Fighting a really big fish, fast and unaided, never resting, nor letting the fish rest, is comparable to a ten-round fight in the ring in its requirements for good physical condition. Und auch dies, Ernest Hemingway ist 1949 in körperlich guter Verfassung, der physische Niedergang wird noch kommen, später, und dann schlimm und schnell.

Die Bedeutung von The Great Blue River zeigt sich in zweierlei. Zum einen steht der Artikel für die Essenz von Hemingways Leben und Denken. Wenn man auf sieben Seiten den Kern und das Konzentrat finden möchte, das diesen Ernest Hemingway ausmacht, menschlich wie literarisch, dann findet man das Wesentliche in diesen Zeilen.

Und zum anderen ist The Great Blue River die schönste Liebeserklärung an Kuba, die man sich nur vorstellen kann. Fidel Castro und Mannen sollten den Artikel in Gold rahmen, in ihr Parteibüro hängen und jeden Tag ein paar Abschnitte in ihrer öden Parteizeitung Granma abdrucken lassen. Hemingways Hingabe an Kuba. Mehr Leidenschaft geht nicht.

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