Hemingway, einer von uns
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Ernest Hemingway StilEs bleibt ein bemerkenswerter Umstand, dass dieser Nobelpreisträger seine Spuren hinterlassen hat und gerade auch von einfachen Menschen mit großer Passion gelesen wird. Selbst Leute, sonst keine Leseratten, kennen und schätzen ihn, erliegen der Faszination seiner Stories und Romane.

Dafür muss es Gründe geben. Ernest Hemingway beherrscht wie kein anderer Autor die Kunst des knappen Satzes. Jene schnörkellose Prosa, die sich kurz und flott erliest, jedoch in jeder Zeile auch die Muskeln spielen lässt. Diese Kühle der Sprache passt nicht nur zu Hemingways Helden, sondern drückt zugleich das Lebensgefühl vieler Generationen im Daseinskampf aus.

Hemingways Sprache ist einfach und verständlich. William Faulkner meint, leicht zänkisch, über Hemingways Wortwahl: He has never been known to use a word that might send a reader to the dictionary. Es ist nicht bekannt, dass er jemals ein Wort benutzte, das der Leser im Wörterbuch hätte nachschlagen müssen. Oha. Merkwürdiger Vorwurf.

Und so ließ Hemingways Konter nicht lange auf sich warten. Poor Faulkner. Does he really think big emotions come from big words? Armer Faulkner. Glaubt er wirklich, große Gefühlen kämen von großen Worten?

Doch es sind nicht nur die verständlichen Sätze. Auch die Themen Hemingways sind eingängig. Und obendrein, da mag ein Zusammenhang bestehen, wirklich und wahrhaftig. Dieser Autor greift voll rein ins Leben, ins richtige Leben. Hemingway, das sei eingeräumt, spricht vor allem Männer an, jene Mannskerle, die vom Ehrgeiz, von zerplatzten Träumen und von Niederlagen desillusioniert sind. Männer, die etwas riskieren wollen im Leben, jedoch mühselig zwischen Anspruch und Wirklichkeit balancieren.

Kein anderer Schriftsteller hat diesen Zweifel und diese Enge des Menschen präziser geschildert als Hemingway. Aber auch die Verlockung, die Träume und die Hoffnung des Menschen vermochte kein Autor eindringlicher in Worte und Sätze fassen als dieser bärtige Amerikaner Ernest Hemingway, dem dafür noch heute Verehrung gezollt wird. In Venedig, in Paris, in den Bergen Idahos, am Pazifik in Cabo Blanco, auf Kuba. Wo auch immer. Und, dies ist das eigentliche Phänomen, nicht nur von Literaturkennern, sondern ebenso von einfachen Menschen.