Hollywood am peruanischen Pazifik
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Ernest Hemingway und die Film-Crew auf dem Pazifik vor Cabo Blanco, im April 1956

Im peruanischen Cabo Blanco, auf dem Pazifik, sollen im April und Mai 1956 die Außenaufnahmen für die Hollywood-Verfilmung von Der alte Mann und das Meer gedreht werden. Der Schriftsteller will diese Dreharbeiten auf dem Ozean ein wenig überwachen und zugleich eine gute Zeit verleben. Die Rechnung, sie wird nicht unbeträchtlich ausfallen, geht an Warner Bros., die Produktionsfirma, nach Los Angeles.

Die Filmaufnahmen für Der alte Mann und das Meer sind dem Schriftsteller wichtig, denn die Novelle über den Fischer Santiago hat ihm den Nobelpreis eingebracht. Der Film muss die Erwartungen erfüllen, natürlich, doch der Autor will in Peru eine Trophäe erringen, die ihm in seiner Sammlung noch fehlt. Ernest Hemingway, so hat er sich vorgenommen, will im Pazifik vor Cabo Blanco einen schwarzen Marlin fangen. 

Die Filmleute aus dem kalifornischen Hollywood sind schon Tage zuvor in aller Frühe in Cabo Blanco eingetroffen. Neben dem Produktionsleiter Allen Miner gehören zur Film-Crew William Classen, ein bekannter Grip-Aufbautechniker, die Kameraleute und Tontechniker Joseph Barry, Louis Jennings, Stuart Higgs und John Dany. Allen Miner, der den Dokumentarstreifen The Naked Sea gedreht hat, gilt als Fachmann für Filmaufnahmen auf hoher See.

Die Filmleute gehören zu jener Abteilung, die man in Hollywood Second Unit nennt. Damit ist jene schlagkräftige zweite Garnitur gemeint, die parallel zur First Unit dreht und der die besonders kniffligen Szenen aufgebrummt werden. Die First Unit weilt auf Kuba und dreht die Hauptszenen mit Spencer Tracy. Der Plan der Second Unit ist, mit drei Booten weit rauszufahren, die schwarzen Marline mit Hilfe der einheimischen Fischer im Pazifikmeer auszumachen und die wuchtigen Tiere anschließend mit den Booten einzukreisen. 

In Cabo Blanco hören die Amerikaner besonders auf den Rat von Louis Jennings. Lou, wie ihn alle nennen, ist in Hollywood eine feste Größe im Film-Business. Jennings hat sich vom Fahrer eines Filmrequisite-Trucks bis zum erfolgreichen Kameramann bei Warner Brothers hochgearbeitet. Gerade hat der agile Mann aus Ashland in Oregon den Film The Lone Ranger abgedreht und er kommt mittlerweile auf fast 30 Streifen hinter der Kamera.

Der 53-Jährige und Ernest Hemingway kennen sich schon länger, weil Lou ein erfolgreicher Sportangler ist und beide auf Kuba einige Male zusammen hinausgefahren sind und sich angefreundet haben. Louis Jennings will mit seiner mächtigen Cunningham-Kamera vor allem schöne Bilder einfangen und mit der Angelrute ab und an einen großen Fisch.

Tagelang kriegen die Amerikaner auf der Miss Texas keinen einzigen Marlin zu Gesicht. Stunden weilt man auf dem Meer, man fährt immer weiter hinaus, jedoch ohne Erfolg.  Die Winde brausen heftig und der Pazifik zeigt sich aufgewühlt. Kein Marlin in Sicht. Auf der Miss Texas macht sich allmählich Resignation breit, auch bei den Einheimischen. Zu oft ist man hinaus gefahren und ohne einen Fisch zurückgekehrt. 

Eigentlich wirkt die Stimmung an Bord gelöst, doch besonders die Kameramänner aus Hollywood zeigen sich unzufrieden, denn sie tun sich schwer, gute Bilder einzufangen. Das Meer vor Cabo Blanco führt hohen Wellengang, bei den Aufnahmen stehen die Kameraleute auf wackeligen Füssen und müssen irgendwie versuchen, ihre Handapparate ruhig zu stellen. Am Abend, wenn die Kameramänner sich in den Räumen des Cabo Blanco Fishing Clubs  ihre Filme anschauen, dann stellt sich das allermeiste als unbrauchbar heraus, weil so gut wie alle Szenen verwackelt erscheinen.