Jagd im Valle San Gaetano
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Gaetano99

Valle San Gaetano, Ende August 2011;
Photo by W. Stock

Die Jagdgeschichten im Valle San Gaetano beschreibt Ernest Hemingway in Across the River and Into the Trees, das in den USA im September 1950 erscheint und dann in Italien, merkwürdigerweise recht spät, erst 1965, beim legendären Mailänder Verleger Arnoldo Mondadori. Nanuk Franchetti ist in dem Roman der Baron Alvarito – Niemand schießt hier besser als du, außer Alvarito –  und wird zu einem Freund von Ernest Hemingway.

Dieses Stück Erde gehorcht noch heute der Allgewalt der Tierwelt. Wildenten, Reiher, Blesshühner und Kraniche leben hier inmitten der grünen Vegetation, die so typisch ist für das Veneto an der Küste. In dieser Oase der Natur, wo die Zeit langsam und geräuschlos verläuft, ist Hemingway weit weg. Weit weg von New York mit seinen blasierten Kultuzirkeln und weit weg von all den Dampfplauderern, die alle etwas von ihm wollen, ihm aber nichts geben.

Hemingway liebt diese Gegend, im Süden das unendliche Meer und im Norden die erhabenen Dolomiten. Er beobachtete, wie sich der Himmel hinter der langen, morastigen Landzunge lichtete, blickte hinaus über die gefrorene Lagune und die Marsch hinweg und sah in weiter Ferne die schneebedeckten Berge.

Und dann dieser Himmel. Das italienische Azur über allem. Wie gemalt. Es ist die schönste Farbe, weit und breit, und vielleicht gibt es auf der ganzen Welt keine schönere. Man mag sich in der Farbenpracht des Veneto die Vorkammer zum Paradies vorstellen.

Das Herrenhaus des Barons war das Haus, wo sich adlige Freunde von Franchetti zur Jagd aufbrachen. Die Gründung des Herrenhauses geht zurück auf das Jahr 1600, das Haus wurde jedoch um 1873 wieder neu erbaut, als auch das Dorf San Gaetano, ebenfalls von Franchetti errichtet, entstand. Die Lagune trennt Caorle von San Gaetano, eine Drehbrücke, 1882 gebaut, verbindet die Halbinsel.

Baron Franchettis Herrenhaus wurden mit Ziegelsteinen aus Padua erbaut und strahlt auch heute in feinem Ockerton. Neben dem Herrenhaus finden sich zwei Gedenksteine, auf der rechten Seite wird Raimondo, genannt der Alte geehrt, auf der linken Seite sein Enkel Raimondo. Der Sohn Raimondo Nanuk Franchetti öffnete Hemingway die Türen in Venedig, Cortina und Caorle.

Die Italienreise von 1948 ist eine Reise zurück in die Vergangenheit, in seine Jugend, eine Reise zurück zu den verheißungsvollen Tagen seines Frühlings. In San Gaetano kann Hemingway Fischen und Jagen, wie in seinen sorglosen Kindertagen, an der Seite seines Vaters. Es ist eine glückliche Zeit in seinem Leben, in Italien, jedoch, er wird bald Fünfzig, der Alkohol hat ihn gut im Griff, und allmählich ziehen düstere Gedanken auf. Eine ganze Weile lang dachte er an all die schönen Plätze, wo er gern begraben sein würde, und er überlegte, von welchem Stück Erde er gern ein Teil geworden wäre.