Jack Hemingway fährt schwarz
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JackHemingwayAuf der Frankfurter Buchmesse, es muss so um 1990 herum gewesen sein, zieht mich der Foreign Rights Manager von McGraw-Hill am Ende der Verhandlung zur Seite. Ob ich nicht Lust habe, so fragt er gütig, Jack Hemingway, den Sohn von Ernest Hemingway, kennen zu lernen. Was für eine Frage! Natürlich habe ich.

Jack Hemingway sieht so aus, wie Millionen anderer Amerikaner auch aussehen. Nicht sehr groß, aber auch nicht gerade klein, ein wenig korpulent, aber nicht dick, ein heiterer Blick. Ein Schnauzbart, schüttere Haarpracht. Sollte man Wochen nach dem Treffen ein Phantombild anfertigen müssen, es schiene ein Ding der Unmöglichkeit.

Nice to meet you, schaut mich Jack Hemingway offen an. It’s my pleasure, antworte ich. Do you like Frankfurt? Jack ist zur Buchmesse in die Mainmetropole gekommen, um sein Buch Misadventures of a Fly Fisherman: My life with and without Papa vorzustellen.

Ich verschlinge jede Zeile Ihres Vaters, sage ich. Danke, nickt er kurz, als gelte das Kompliment ihm selbst. Während wir im Gespräch bleiben, wächst in meinem Kopf die Ähnlichkeit des Sohns mit seinem Vater. Der Körperbau, der Gesichtsausdruck, die Bewegung, diese Präsenz.

Trotzdem spürt man irgendwie, dass Jack es leid sein muss, andauernd nur die Rolle Sohn zu spielen. Wo bleibt meine eigene Persönlichkeit, scheint er fragen zu wollen. Er ist Ernest Hemingways Sohn. Der Spross des großen Hemingway. Der Sohn vom berühmten Vater.

Mit vollem Namen heißt er John Hadley Nicanor Hemingway, Hedley, wie seine Mutter. Und Nicanor, so wie der spanische Stierkämpfer Nicanor Villalta y Serrés, den sein Vater so bewunderte. John Hadley Nicanor, aber alle Welt nennt ihn Jack. Der einzige Sohn aus Ernest Hemingways erster Ehe, jener mit Elizabeth Hadley Richardson. Bumby wurde Jack, Jahrgang 1923, in der Familie gerufen.

Das Schreibtalent hat er nicht vom Vater geerbt, und auch sonst gibt es nichts außergewöhnliches zu berichten. So ein Sohn vom großen Ernest Hemingway ist ein armes Würstchen: Er kann in seinem Leben machen, was er will. Wäre er ein guter Golfspieler geworden, Senator in Oklahoma oder Bankdirektor bei der Chase Manhattan – trotzdem wäre er von morgens bis abends der Sohn von Ernest Hemingway geblieben.

Also hat Jack es vorgezogen, nichts zu werden. Ein kleinen Buch hier, eine Möbelkollektion da, sicher, den berühmten Namen versilbern – er fuhr auf der Fahrkarte des Vaters. Was soll es, Jack hat sich seinem Schicksal ergeben. Gegen den gewaltigen Schatten des Vaters gab es kein Anleuchten, der gute Jack warf die Batterie erst gar nicht an.