Mariel Hemingway, dem Großvater so nah
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Mariel Hemingway, die Tochter von Jack Hemingway, ist die Enkelin des Nobelpreisträgers. Sie wird in dem Jahr geboren, in dem ihr Großvater seinem Leben ein Ende setzt. Mariel heißt auch ein Hafen auf Kuba. Von Mariel aus, einer Stadt 50 Kilometer westlich von Havanna, startet der Nobelpreisträger ab und an seine Angeltouren. So wird Mariel Hemingway an den Großvater Ernest tagtäglich sogar im Namen erinnert. 

Die junge Frau hat es schlau angestellt und sich von Anfang an ein eigenes Leben aufgebaut, anstatt auf der Fahrkarte des Großvaters zu fahren. Mariel Hemingway wird eine formidable Schauspielerin in Hollywood, eine gefeierte Buchautorin, ein anerkannter Gesundheits-Coach und eine gute Geschäftsfrau obendrein. Ihre Themen als Coach sind Mental Health, True Wellness, Empowerment und Life Balance – also alles, was mit einem gesunden und erfüllten Leben zu tun hat.

Über ihre Arbeit kann man sich einen Eindruck verschaffen auf ihrer Website Mariel oder auf Instagram marielhemingway für die kleineren Happen. Finding My Balance heißt einer ihrer Bestseller und Mariel Hemingway spannt hier und in den anderen Büchern den großen Bogen von gesunder Ernährung über innere Stärke bis zu kraftvollem Auftreten. Denn Gesundheit und Wohlergehen fasst sie ganzheitlich auf, körperlich wie mental. Selbstverständlich ist dies alles nicht.

Denn wer den Namen Hemingway trägt, der trägt zugleich einen schweren Rucksack. „Meine Familie gehört zu den bekanntesten in den USA, vielleicht sogar auf der Welt. Man möge deshalb nicht meinen, wir hätten keine eigenen Probleme und keine Existenzkämpfe“, schreibt sie. „Mein Großvater brachte sich um, dessen Vater sich auch, der Vater meiner Großmutter Hadley ebenso, wie auch andere Familienmitglieder, auch meine Schwester Margaux. Alle waren sie schöne, kluge und lebhafte Menschen, die allerdings von Sucht, Depression, Bulimie oder Zwangsstörungen befallen waren. Gleichzeitig aber über eine unermeßliche geniale Kreativität verfügten.“ 

Mariel Hemingway möchte es besser machen, sie weiß, dass der Mensch auch die Wahl hat, glücklich oder unglücklich zu sein. Jedem Menschen wohnt die willentliche Entscheidung inne, Zufriedenheit zu finden. Auch Mariels Großvater hätte mehr auf die helle Seite des Lebens schauen sollen. Das Dunkle als Gefühl ruhig zulassen, ohne sich davon jedoch überwältigen zu lassen. Denn neben der Suche nach dem ganz großen Glück besteht das Streben nach Zufriedenheit vor allem aus einer Aneinanderreihung von kleinen Glücksmomenten.

Ob er als glücklicher Mensch ein besserer oder schlechterer Schriftsteller gewesen wäre? Wir müssen die Antwort auf diese Frage unserer Phantasie überlassen. Jedenfalls hat es in seiner Hand gelegen, die Glücksmomente zu packen. Bei einem solch reichen Leben! Bei solch einer Gabe! Am Ende des Lebens hätte dieser Ernest Hemingway auch zufrieden sein müssen mit sich und der Welt. Aber vielleicht war er so tief vom Scheitern fasziniert, dass er das Glück nicht mehr zu erkennen vermochte.

Dies ist der schmale Grat, den jedes Familienmitglied der Hemingways überwinden muss. Das Glück oder der Abgrund. Mariel Hemingway hat sich für das Glücklich sein entschieden. Für sich, für ihre Leidenschaft, für ihre Partnerschaft, für ihre Kinder. Ihr Erfolgsgeheimnis: die innere Balance finden. Essen, Bewegung, Schlaf, Meditation. Den Frieden in sich finden. „Wir lassen uns als Menschen so klein halten, dabei haben wir alle unglaubliche und erstaunliche Potentiale. Wir müssen nur den Ballast abwerfen, der uns davon abhält, an uns selbst zu glauben. Und wir müssen unser Leben so einrichten, dass sich seine Magie voll entfalten kann.“

Die Magie des Lebens. Darüber hat auch der Alte geschrieben. Auch hier findet sich das innere Band zwischen Enkelin und Großvater. Mariel Hemingway bleibt mit ihrer Familie ganz in der Nähe des Opas wohnen. Im Sun Valley, in den Bergen Idahos. Sie ist Schauspielerin, Vortragsrednerin, Buchautorin, Coach. Vor allem: Sie hat die Herausforderung des Lebens durchschaut. Und vielleicht hat der Großvater mit seinem Scheitern am Leben ein wenig dazu beigetragen.