Ernest Hemingways azurblauer Himmel über Cabo Blanco bleibt
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Eine Ruine unter blauem Himmel. Der ‚Cabo Blanco Fishing Club‘ verfällt mehr und mehr.
Photo by W. Stock

Nach 14 Jahren ist die Party an der Nordküste Perus vorüber. Im März 1954 haben die Mitglieder die Eröffnung des Cabo Blanco Fishing Clubs voller Zuversicht gefeiert, im Jahr 1968 kann das exklusive Anwesen, in dem Ernest Hemingway im April und Mai 1956 fünf Wochen verbracht hat, seine Aktivitäten nicht mehr aufrecht erhalten. Mit dem Sturz des rechtschaffenen Präsidenten Fernando Belaúnde Terry durch linke Militärs im Jahr 1968 folgen zwölf dunkle Jahre für Peru.

Für Späße wie jene, die im Fishing Club veranstaltet werden, ist in den kruden revolutionären Phantasiegebilden der Militärs kein Platz vorgesehen. Die Zufahrt nach Cabo Blanco wird von der Armee bereits hinter El Alto gesperrt, der Fishing Club ist damit von der Außenwelt abgeschnitten. Im Putschmonat Oktober des Jahres 1968 stellt der Cabo Blanco Fishing Club dann auch die Aktivitäten für seine Mitglieder offiziell ein.

Heute schimmelt der Cabo Blanco Fishing Club im Süden auf der kleinen Anhöhe vor dem schönen Meer lustig vor sich hin. Das ehemals elitäre Klubhotel ist zu einem geisterhaften Gemäuer verfallen, dessen Niedergang jeden Tag unaufhörlich fortschreitet. Der Schriftzug Cabo Blanco Fishing Club über der breiten blauen Eingangspforte ist abgeblättert und nur noch schemenhaft zu erkennen. Überall bröckelt der Putz, das Glas der Fensterscheiben ist an vielen Stellen zerborsten.

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Die Schrift über dem Eingang zum ‚Cabo Blanco Fishing Club‘ ist nur noch schemenhaft zu erkennen. Photo by W. Stock

Die Ruine zeigt sich halb verfallen und ist für Menschen unbewohnbar. Fließend Wasser fließt hier schon lange nicht mehr, von Elektrizität zeugen nur dem Mauerwerk entrissene Stromleitungen. Feuchtigkeit ist in die Wände und in den Boden eingedrungen, die Decke ist an vielen Stellen eingerissen und droht nun ganz herabzufallen, eine Renovierung wäre vollkommen nutzlos.

Und auch der windige Strand vor dem Klubhaus döst verlassen und menschenleer vor sich hin. Die Auffahrt zum Fishing Club, einst mystisch von Marlinflossen auf hohen Holzpfählen gesäumt, ist heute nur noch eine krumpelige Schotterpiste. Oscar Uriarte hat vom jetzigen Eigentümer Rodrigo Villegas den Auftrag, auf das Geisterhaus aufzupassen. Im Gebäude fallen Decke und Wände so langsam in sich zusammen und es stinkt streng nach Schlick und Scheiße.

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Die kleine Bar, an der Ernest Hemingway jeden Abend den Whiskey und anderes Hochprozentiges trank, ist eigentlich ganz passabel durch die sechs Jahrzehnte gekommen. Photo by W. Stock

Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, hat man schon längst gestohlen. Der Dreck ist eingedrungen in alle Poren und wird nicht weichen. Ein jämmerliches Anwesen, dessen erbärmlicher Zustand einem die Traurigkeit ins Gesicht treiben will. In den nächsten Monaten werde die Ruine wohl abgerissen, hier sei nichts mehr zu machen, meint Oscar. Vielleicht werde man etwas Neues bauen.

Gleichwohl, von der Terrasse des ehemaligen Cabo Blanco Fishing Clubs bekommt man immer noch diesen grandiosen Ausblick über den unendlichen Pazifik. Wenn man dann ziemlich unfroh und arg verdattert aus dieser tristen Ruine auf die Terrasse heraustritt, und das blaue weite Meer vor sich erblickt und die glitzernde Sonne an diesem tiefblauen Himmel da oben spürt, dann wandelt sich die Stimmung.

Der Ozean breitet sich in Richtung Westen majestätisch vor einem aus, von der goldenen Sonne verwöhnt, und kein Zerfall und keine Verwahrlosung stellen sich einem in den Blick. Man sieht nur das kräftige Blau und das glitzernde Gold. Und dann denkt man, da können die Gemäuer noch so verfallen, da mögen die Jahre und die Dekaden noch so knabbern, Diktatoren und die Ratten ihr Unwesen treiben, es ist der Lauf der Zeit. Doch eines bleibt, auf alle Zeiten: Dieses herrlich blaue Meer und dieser wunderbar blaue Himmel, sie sind dieselben, die Ernest Hemingway einst gesehen hat.

Die Ruine ist nicht mehr zu retten – doch der majestätische Himmel über dem blauen Meer leuchtet wie eh und je. Photo by W. Stock