Stephen Longstreet zeichnet Ernest Hemingway
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Stephen Longstreet skizziert Ernest Hemingway

Stephen Longstreet skizziert Ernest Hemingway

Das Skizzenblatt ist Writers‘ Hangout, 1925, Paris – Ernest Hemingway überschrieben. Eine Szene aus Ernest Hemingways Tagen in Paris. Der junge Autor Stephen Longstreet hat ihn beobachtet und gezeichnet.

Wir sehen einen schlanken jungen Hemingway, mit Schnauzbart, auf dem Kopf eine Mütze. Der Schriftsteller als Bohemien mit Krawatte, stolz und adrett, in einem Pariser Café, im Hintergrund balanciert ein glatzköpfiger Kellner sein Tablett. Und man sieht die Gäste, Männer und Frauen, deren Blicke zu Hemingway schweifen.

Für Amerikaner glich Paris in den Zwanziger Jahren einem Traum. Hier fanden amerikanische Intellektuelle den Glanz und Glamour, jenen joie de vivre, den sie in der grauen Tristesse aus Wirtschaftsdepression und Prohibition ihrer Heimat so vermissten. Und so wurden die Künstler aus den USA zu Flaneuren, die in Buchhandlungen stöberten, durch den Jardin du Luxembourg zu bummelten oder als Müßiggänger im Café La Closerie des Lilas am Boulevard du Montparnasse sitzen, um Lebenslust und Frivolität an sich heran kommen zu lassen.

Die Amerikaner scharten sich in jenen Jahren um Gertrude Stein, eine Autorin und Kunstsammlerin aus Pittsburgh. In ihrem literarischen Salon fand sich die experimentierfreudige Avantgarde ein, die Maler Pablo Picasso, Henri Matisse, Georges Braque und die Schriftsteller Ezra Pound, Sherwood Anderson, F. Scott Fitzgerald, Ford Madox Ford, James Joyce. Und Ernest Hemingway.

Der junge Mann kommt, als Zeitungskorrespondent mit junger Frau, erstmals im Dezember 1921 nach Paris. Da ist er 22. Ernest Hemingway fällt auf als ein großer gutaussehender Kerl, der seinen Weg sucht, als Autor und als Mann. Ein Mann mit Talent, das merkt jeder, aber auch einer mit Ecken und Kanten.

Paris wird seine Stadt, dazu ist er zu sehr Romantiker und Träumer. Paris is like a mistress who does not grow old. Er wird zum Bonvivant, er genießt das schöne gute Leben. Paris, das bleibt für Ernest Hemingway immer Sturm und Drang, das Wilde, die Lust am Leben. Es bleibt jener Traum, den er immer geträumt hat.

Stephen Longstreet, vom Jahrgang 1907, war ebenfalls oft und lange in Paris, und er beschreibt seinen Hemingway in dem Porträtbuch We all went to Paris – Americans in the City of Light 1776-1971 kritisch bis oberkritisch. Er hätte mehr aus sich machen müssen, so Longstreets Tenor, als nur über den Stierkampf zu schreiben oder an exotischen Bars starke Drinks zu bestellen.

Beide jedoch – Stephen Longstreet und Ernest Hemingway – eint die tiefe Liebe zu Paris. Paris ist der Höhepunkt des Lebens, wenn man es sich gut gehen lassen möchte. Paris ist der Garten Eden hier nieder. Was bleibt noch? Wohin soll man dann noch gehen?