Ernest Hemingway wird nicht warm mit dem entlegenen Schwarzwald und seinen schroffen Bewohnern.
Mitten im Schwarzwald bei Triberg.
Photo by W. Stock

Für August 1922 erhalten Ernest Hemingway und seine frisch getraute Ehefrau Hadley in Paris die Erlaubnis zu einer Reise nach Deutschland, für die Einreise braucht es einen Stempel im Reisepass. Das Ehepaar will den Black Forest, den idyllischen Schwarzwald, kennenlernen und dort Bergwandern und Fischen und nach den heißen französischen Sommertagen die kühle Landluft genießen.

Einen knappen Monat wollen die Amerikaner in Süddeutschland bleiben. Zusammen mit ihren Freunden, mit dem Journalisten William Bill Bird, er arbeitet für die Consolidated Press in Paris, dessen Ehefrau Sally Bird sowie mit dem amerikanischen Autor Lewis Galantière und dessen Verlobten Dorothy Butler geht es in das krisengeplagte Deutschland. Der Empfang fällt nicht gerade freundlich aus.

Die Amerikaner sind den halben Tag über die Hügel und Täler von Triberg nach Oberprechtal gewandert und schauen sich nun nach einer Unterkunft um. Können wir zwei Doppelzimmer bekommen, fragt Bill Bird den Gastwirt eines Gasthauses höflich. Frostig blickt der Wirt an den Gästen vorbei. Ihr kriegt hier kein Zimmer, keift der Besitzer, nicht heute, nicht morgen, niemals, ihr Auslanders. Auch beim Abendessen werden die Besucher angepöbelt. Wir sind Deutsche, raunzt ein Elztaler die Besucher aus Amerika an, ihr seid Auslanders.

Auslanders. Im Originaltext übernimmt Ernest Hemingway den deutschen Begriff, Auslanders schreibt der Jungjournalist in seiner Reportage leicht amerikanisiert. Er wird das Schimpfwort in jenen Tagen noch oft hören, anderes auch. Du bist ein schweinhund, schreibt Hemingway in verständlichem Deutsch in seine Reportage. Der 23-jährige Amerikaner, seine Ehefrau Hadley und die Freunde kriegen im Südschwarzwald die Aversion gegen die Siegermacht ab. Die Gäste aus den USA sind zu Besuch in Deutschland, das eine Kriegsniederlage gerade hinter sich und ein großes Elend vor sich hat.

Als Ausländer bekommen die Amerikaner vier Jahre nach Kriegsende landauf und landab den Groll der Einheimischen zu spüren. In Gasthäusern werden die Besucher angerempelt, deutsche Schäferhunde bellen, schroffe Ablehnung schlägt ihnen im Schwarzwald entgegen, bestenfalls eine wurschtige Gleichgültigkeit. Die Deutschen haben Krieg und Kaiser verloren, das Land liegt materiell und moralisch am Boden. Ihr Vermögen haben die Deutschen in den Kriegsanleihen des Kaisers verpulvert, die Inflation lässt die Kaufkraft jeden Tag weiter schmelzen.

Für einen einzigen Dollar erhält man im August 1922 beträchtliche 850 Mark, und ein Krug Bier kostet gerade einmal 10 Mark. Mit nur einem Dollar können zwei Personen einen ganzen Tag in Deutschland leben wie die Fürsten. Im Oktober des gleichen Jahres fällt die deutsche Währung auf 9.000 Mark. Im November 1923 liegt der Umtauschkurs des Dollars bei 1 zu 4,2 Billionen Mark, die deutsche Währung ist damit noch nicht einmal das Papier wert sein, auf dem sie gedruckt ist.

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