Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Schlagwort: Cabo Blanco Fishing Club

Nummer 5 lebt!

Ernest Hemingways zerstörtes Zimmer im ‚Cabo Blanco Fishing Club‘.
Photo by W. Stock

Draußen weht der Pazifik einen heißen Wind gegen die Ruine. Auf der Terrasse sind alle Geländer abmontiert und die Pflasterung aufgebrochen. Inmitten der Veranda befindet sich ein ovaler Swimmingpool, ungefähr auf der Höhe der Zimmer mit der Nummer 4 und 5, genau vor jenen Räumen, in denen die Hemingways einst gewohnt haben. 

Das Zimmer mit der Nummer 5, dort wo im Jahr 1956 Ernest Hemingway 36 Nächte geschlafen hat, liegt an der Frontseite am Ende eines schmalen Ganges. Ich finde Hemingways Zimmer komplett leergeräumt vor, selbst der Knauf der Eingangstüre wurde gestohlen. Der Bodenbelag ist entfernt worden, die ganze Kammer riecht stechend nach Morast.

Der rechteckige Raum, sicher nicht größer als 12 Quadratmeter, kommt einem selbst unmöbliert winzig vor. Das kleine Zimmer wäre mit einem Bett, einem bescheidenen Schrank, einem Tisch mit Stuhl und einer Kommode im Nu vollgestellt. Selbst in unbeschädigtem Zustand ist dieses Zimmer kein Ausweis von Luxus gewesen, es ist der Pazifik, der diesem Anwesen seine Eigenart verleiht.

Aus den Tagen des Ernest Hemingway in Cabo Blanco ist lediglich die weiße Jugendstil-Lampe in der gusseisernen dunklen Fassung an der rechten Wand übrig geblieben und auch von der Decke hängt noch eine hübsche, in schwarzes Eisen gefasste Leuchte. Ansonsten ist das Zimmer vollkommen geleert, in dieser verwahrlosten Räumlichkeit hat seit Jahrzehnten keiner mehr gewohnt.

In dem klitzekleinen Baderaum hinter dem Zimmer kann man

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Ernest Hemingways azurblauer Himmel über Cabo Blanco bleibt

Eine Ruine unter blauem Himmel. Der ‚Cabo Blanco Fishing Club‘ verfällt mehr und mehr.
Photo by W. Stock

Nach 14 Jahren ist die Party an der Nordküste Perus vorüber. Im März 1954 haben die Mitglieder die Eröffnung des Cabo Blanco Fishing Clubs voller Zuversicht gefeiert, im Jahr 1968 kann das exklusive Anwesen, in dem Ernest Hemingway im April und Mai 1956 fünf Wochen verbracht hat, seine Aktivitäten nicht mehr aufrecht erhalten. Mit dem Sturz des rechtschaffenen Präsidenten Fernando Belaúnde Terry durch linke Militärs im Jahr 1968 folgen zwölf dunkle Jahre für Peru.

Für Späße wie jene, die im Fishing Club veranstaltet werden, ist in den kruden revolutionären Phantasiegebilden der Militärs kein Platz vorgesehen. Die Zufahrt nach Cabo Blanco wird von der Armee bereits hinter El Alto gesperrt, der Fishing Club ist damit von der Außenwelt abgeschnitten. Im Putschmonat Oktober des Jahres 1968 stellt der Cabo Blanco Fishing Club dann auch die Aktivitäten für seine Mitglieder offiziell ein.

Heute schimmelt der Cabo Blanco Fishing Club im Süden auf der kleinen Anhöhe vor dem schönen Meer lustig vor sich hin. Das ehemals elitäre Klubhotel ist zu einem geisterhaften Gemäuer verfallen, dessen Niedergang jeden Tag unaufhörlich fortschreitet. Der Schriftzug Cabo Blanco Fishing Club über der breiten blauen Eingangspforte ist abgeblättert und nur noch schemenhaft zu erkennen. Überall bröckelt der Putz, das Glas der Fensterscheiben ist an vielen Stellen zerborsten.

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Die Schrift über dem Eingang zum ‚Cabo Blanco Fishing Club‘ ist nur noch schemenhaft zu erkennen. Photo by W. Stock

Die Ruine zeigt sich halb verfallen und ist für Menschen unbewohnbar. Fließend Wasser fließt hier schon lange nicht mehr, von Elektrizität zeugen nur dem Mauerwerk entrissene Stromleitungen. Feuchtigkeit ist in die Wände und in den Boden eingedrungen, die Decke ist an vielen Stellen eingerissen und droht nun ganz herabzufallen, eine Renovierung wäre vollkommen nutzlos.

Und auch der windige Strand vor dem Klubhaus döst verlassen und menschenleer vor sich hin. Die Auffahrt zum Fishing Club, einst mystisch von Marlinflossen auf hohen Holzpfählen gesäumt, ist heute

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Hollywood am peruanischen Pazifik

Ernest Hemingway und die Film-Crew auf dem Pazifik vor Cabo Blanco, im April 1956

Im peruanischen Cabo Blanco, auf dem Pazifik, sollen im April und Mai 1956 die Außenaufnahmen für die Hollywood-Verfilmung von Der alte Mann und das Meer gedreht werden. Der Schriftsteller will diese Dreharbeiten auf dem Ozean ein wenig überwachen und zugleich eine gute Zeit verleben. Die Rechnung, sie wird nicht unbeträchtlich ausfallen, geht an Warner Bros., die Produktionsfirma, nach Los Angeles.

Die Filmaufnahmen für Der alte Mann und das Meer sind dem Schriftsteller wichtig, denn die Novelle über den Fischer Santiago hat ihm den Nobelpreis eingebracht. Der Film muss die Erwartungen erfüllen, natürlich, doch der Autor will in Peru eine Trophäe erringen, die ihm in seiner Sammlung noch fehlt. Ernest Hemingway, so hat er sich vorgenommen, will im Pazifik vor Cabo Blanco einen schwarzen Marlin fangen. 

Die Filmleute aus dem kalifornischen Hollywood sind schon Tage zuvor in aller Frühe in Cabo Blanco eingetroffen. Neben dem Produktionsleiter Allen Miner gehören zur Film-Crew William Classen, ein bekannter Grip-Aufbautechniker, die Kameraleute und Tontechniker Joseph Barry, Louis Jennings, Stuart Higgs und John Dany. Allen Miner, der den Dokumentarstreifen The Naked Sea gedreht hat, gilt als Fachmann für Filmaufnahmen auf hoher See.

Die Filmleute gehören zu jener Abteilung, die man in Hollywood Second Unit nennt. Damit ist jene schlagkräftige zweite Garnitur gemeint, die parallel zur First Unit dreht und der die besonders kniffligen Szenen aufgebrummt werden. Die First Unit weilt auf Kuba und dreht die Hauptszenen mit Spencer Tracy. Der Plan der Second Unit ist, mit drei Booten weit rauszufahren, die schwarzen Marline mit Hilfe der einheimischen Fischer im Pazifikmeer auszumachen und die wuchtigen Tiere anschließend mit den Booten einzukreisen. 

In Cabo Blanco hören die Amerikaner besonders auf den Rat von

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