Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Schlagwort: Gabriel García Márquez

Ernest Hemingway und Gabriel García Márquez

Ein junger Schreiber aus der lateinamerikanischen Boom-Generation wird Ernest Hemingway und seiner Ehefrau Mary Anfang 1957 in Paris am Boulevard St. Michel einmal fast in die Arme laufen. Doch der damals außerhalb seines Heimatlandes unbekannte 29-jährige Kolumbianer Gabriel García Márquez ist zu gehemmt, um auf Ernest Hemingway zuzugehen, und er ruft deshalb von der anderen Straßenseite ein lautes Maaaeeestro!.

Ernest Hemingway, der weiß, dass nur er mit dem Zuruf Meister gemeint sein kann, winkt mit der Hand und schreit auf Spanisch zurück: Adiooos, amigo!. So haben sich diese zwei Großmeister der Erzählung getroffen, sich kurz über die Straße etwas zugerufen und dann nie wieder gesehen.

Doch der schüchterne Kolumbianer, er ist 28 Jahre jünger als der US-Amerikaner, sollte in seinem Stil von Ernest Hemingway nachdrücklich beeinflusst werden. Sein Relato de un náufrago ist nicht vorstellbar ohne Der alte Mann und das Meer. Der vollständige Titel des Werkes lautet Bericht eines Schiffbrüchigen, der zehn Tage lang, ohne zu essen und zu trinken, auf einem Floß trieb, der zum Helden des Vaterlandes ausgerufen, von Schönheitsköniginnen geküsst, durch Werbung reich, gleich darauf durch die Regierung verwünscht und dann für immer vergessen wurde.

Der Kolumbianer García Márquez hat die kuriose Geschichte zuerst im Jahr 1955 als Erzählserie in der Tageszeitung El Espectador aus Bogotá veröffentlicht, bevor sie

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Paris im Sturzregen

Die schöne Literatur hat es in Peru immer schwer gehabt. Einer der größten Schriftsteller des Landes, der avantgardistische Poet César Vallejo, muss sein Leben lang um Anerkennung kämpfen. In Lima veröffentlicht er im Jahr 1919 Los Heraldos negros, einen Gedichtband voller melancholischer Poesie, von Pein und Leid getragen, vor allem aber auch von einem zornigen Hunger nach Respekt.

In dem nordperuanischen Andendorf Santiago de Chuco 1892 geboren, wird es ihm in der Heimat dann schnell politisch zu heiß und wirtschaftlich zu eng. Und so geht der junge Mann im Juli 1923 nach Frankreich. Nach Paris, in die Stadt der Liebe und des Lichts, die in den 1920er Jahre Intellektuelle aus aller Welt anzieht. Doch das Paradies wird Paris nicht, auch in der Stadt an der Seine muss sich der mittellose Vallejo als Hungerleider durchschlagen.  

In Europa hält der stolze Mestize sich mit launischen Korrespondenzen für Mundial und El Comercio mehr schlecht als recht über Wasser. Doch einerlei, Paris bleibt die große Leidenschaft und die Sehnsuchtsmetropole der lateinamerikanischen Intellektuellen jener Tage, die Stadt sei so schön, dass man dort sterben wolle:

Me moriré en París con aguacero,
un día del cual tengo ya el recuerdo.
Me moriré en París – y no me corro –
tal vez un jueves, como es hoy, de otoño.

Die Verse schreibt César Vallejo in seinem Gedichtband Piedra negra sobre una piedra blanca. Auch wenn er mit indianischem Schwermut und französischem Fatalismus wortwörtlich dichtet, dass er in Paris

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