Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Schlagwort: Idaho

Am liebsten mag er den Herbst

Das Hemingway Memorial oberhalb von Ketchum/Idaho;
Photo: W. Stock

An der Trail Creek Road oberhalb von Ketchum, fußläufig von dem Sun Valley Resort entfernt und von den Ausläufern der Rocky Mountains umringt, steht auf einem hüfthohen Mäuerchen vor einem Steilhang das mannshohe Denkmal für Ernest Hemingway. Der einfache Stein mit einer schönen Bronzebüste auf dem meterhohen Sockel mit Schieferplatten als Fundament ist im Jahr 1966 errichtet worden, Miss Mary hat den Platz ausgesucht.

Ernest Hemingway schaut auf die hohen schneebedeckten Berge und unter ihm rauscht der schmale Bachlauf des Trail Creek, wo er früher gerne zum Angeln weilte. Wahrscheinlich hat Ernest Hemingway schon im Jahr 1939 geahnt, dass seine Seele im Tal am Ausläufer der Rocky Mountains seine letzte Ruhe finden wird, als er das Epitaph für seinen Jagdfreund Gene Van Guilder schreibt, einen bei einem Jagdunfall im Hagerman Valley bei Twin Falls ums Leben gekommenen PR-Managers der Sun Valley Lodge.

Jene Verse prangen heute in goldenen Lettern auf einer Plakette aus schwarzem Schieferstein unter dem Denkmal:

Best of all he loved the fall
The leaves yellow on the cottonwoods
Leaves floating on the trout streams
And above the hills the high blue windless skies
…Now he will be a part of them forever

Als Bestes von allen liebte er den Herbst,
das gelbgefärbte Laub der Pappelbäume
Blätter, die auf den Forellenbächen treiben
Und über den Hügeln der hohe blaue windstille Himmel
…Jetzt wird er auf immer ein Teil von ihnen sein

Am meisten – als Bestes von allen – liebte er den Herbst. Ernest Hemingway, dessen Talent nicht gerade beim Dichten der Verse liegt, schreibt zum Tod des Freundes sein allerschönstes Gedicht. Seine Verse wachsen zusammen zu einer einfachen und melancholischen Poesie, die, wenn man recht zuzuhören weiß, zugleich von ungeheuerer Lebenslust durchsetzt ist.

Diese wunderbaren Verse auf den Jagdfreund dienen ihm vor allem als Spiegelbild. Den Menschen, den Ernest Hemingway dort so naturverbunden und mit erdhafter Hingabe skizziert, das ist er selbst. In diesem Gedicht hat er

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Das Gewehr, mit dem sich Ernest Hemingway erschoss

Mike Brooks, der Welder aus Ketchum, im April 2018
Foto: W. Stock

Am 2. Juli 1961, an einem Sonntagmorgen um sieben Uhr dreißig, setzt ein gebrochener Ernest Hemingway seinem Leben ein jähes Ende. Der 61-jährige Nobelpreisträger erschießt sich mit einem zweiläufigen Jagdgewehr im Vestibül seines Hauses in Ketchum, in den Bergen Idahos.

Ein paar Tage nach dem Schuss lässt Mary das Gewehr zu einem Welding Shop bringen, zur örtlichen Schweißerei, mit dem Auftrag, die Waffe vollständig zu zerstören. Ernest Hemingways Witwe möchte nicht, dass das Gewehr zu einer Devotionalie wird. Der Welder demoliert die Waffe, zerschneidet sie in drei Stücke. Der Schaft wird zerschlagen, die Stahlteile des Laufes mit dem Schweißgerät auseinander gebrannt. Die verstümmelten Reste des Gewehres werden dann auf freier Lichtung vergraben.

Die Schweißerei gibt es heute noch in Ketchum, Brooks Welding. Das Geschäft wird in diesen Tagen von Mike Brooks, dem Enkel des Schweißers Elvin Brooks geführt, dem damals Hemingways Gewehr übergeben wurde. Der überreichte das Gewehr seinem 20-jährigen Sohn Allen mit dem Auftrag, es in Kleinteile zu zerschweißen. Allens Sohn Michel, französisch ausgesprochen, den aber alle im Dorf Mike nennen, leitet heute den kleinen Laden, der abseits der Hauptstraße in der Warm Springs Road liegt. Mikes Vater Allen zerstörte zwar das ganze Gewehr, behielt jedoch

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