Hemingways Welt

Großmaul, Schnapsnase, Schürzenjäger – an den Fersen eines Jahrhundertautors

Schlagwort: Peru Seite 1 von 3

In Peru, wo jeder Tag mitunter kalt wird

Seinem Freund Fred Zinnemann berichtet Ernest Hemingway im August 1956 von seinem Besuch in Peru.

Mary Welsh verreist höchst ungern in die Ferne. Ernest Hemingways vierte und letzte Ehefrau bleibt lieber auf Finca Vigía, dem kubanischen Refugium der beiden US-Amerikaner nahe von Havanna. Denn Mary leidet seit geraumer Zeit an Anämie und befindet sich in ständiger Therapie. Doch nichts hilft gegen ihre Blutarmut. Nicht die Pillen des Hausarztes, keine Wunderkräuter, nicht die Transfusionen, einfach nichts.

Er mache sich große Sorgen um Mary, klagt der Schriftsteller in einem Brief vom 8. August 1956 an seinen Freund Freddie. Freddie, so nennt er den Regisseur Fred Zinnemann. Der Mann aus Hollywood, er hat den großartigen Western High NoonZwölf Uhr mittags – gedreht, ist ein guter Kumpel des Nobelpreisträgers. Die roten Blutkörperchen seien bei Mary auf 3,2 Millionen gefallen, klagt Ernest dem Freund, dem tiefsten Wert überhaupt. Seine Frau sei von daher so müde und müsse immer viel schlafen.

Der fünfwöchige Ausflug nach Peru habe Miss Mary jedoch richtig gut getan. Das extreme Reizklima des peruanischen Nordens ist eine Herausforderung für jeden menschlichen Organismus. Am rauen Pazifik mit dem salzigen Wind verbesserte sich das rote Blutbild von Mary auf vier Millionen und das schlagartig von heiß auf kalt wechselnde Küstenklima in Cabo Blanco half ihrem Kreislauf.

In dem kargen Andenland ist Ernest Hemingways Ehefrau wieder einigermaßen auf die Beine gekommen. In Peru, where it was cold part of each day, im peruanischen Cabo Blanco sei es jeden Tag mitunter arg kalt gewesen, meint der Autor aus Chicago, der seinen Brief wie so oft mit Papa unterschreibt. In der Tat herrscht am Pazifik Nordperus zwischen Tumbes und Piura ein merkwürdiges Klima.

Das kleine Fischerdorf Cabo Blanco liegt direkt am Meer, als auch unmittelbar am Rande einer Wüstenlandschaft, der Wüste von Sechura. Zwanzig Schritte nach Westen ist man

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Manuel Jesús Orbegozo himmelt Ernest Hemingway an

Manuel Jesús Orbegozo, der Reporter aus Lima, empfängt Ernest Hemingway auf dem Flughafen von Talara.
Talara/Peru, am 16. April 1956. Foto: Guillermo Alias

Unter den Journalisten, die Ernest Hemingway am Flughafen von Talara erwarten, befindet sich auch Manuel Jesús Orbegozo. Der Reporter, der eigens aus Lima in den Norden Perus angereist ist, wirkt an diesem Montagmorgen reichlich aufgekratzt, einem Nobelpreisträger begegnet man nicht alle Tage. Doch Ernest Hemingway versteht sich auf Anhieb mit dem Mann von La Crónica. Der prominente Autor jedenfalls drückt den Journalisten an seine breite Brust, so als würde er ihn bereits ein halbes Leben kennen.

„Er hat ständig seine Hamsterbacken aufgeblasen und hat wieder und wieder gelächelt“, erinnert sich Manuel Jesús Orbegozo, der an diesem Morgen lautstark Ernest, Ernest gebrüllt hat, als der Schriftsteller dem Flugzeug aus Miami entstieg. Alle Umstehenden bemerken sogleich, welch geheimnisvolle Aura den bärtigen Amerikaner umgibt. „Alles um ihn herum war ein Lächeln.“

Manuel Jesús Orbegozo, ein durch seine breite schwarze Hornbrille jovial dreinschauender Peruaner aus Otuzco, der einen guten Kopf kleiner ist als Ernest Hemingway, ist nach der Umarmung durch Hemingway wie aufgedreht. Der Redakteur aus Lima, er ist mit einem luftig weißen Hemd gekleidet und trägt eine helle Kappe aus Baumwolle, zeigt sich beeindruckt von der Offenheit und der Umgänglichkeit des Nobelpreisträgers.

Mehr als von den Romanen schwärmt der 33-jährige Orbegozo vom journalistischen Stil Hemingways. Diese Kürze und Klarheit, und besonders die Genauigkeit in den Dialogen, das macht dem US-Amerikaner weit und breit so schnell keiner nach. Auch als Abenteurer schätzt Manuel Jesús Orbegozo den Schriftsteller. Er sei ein Mann von Welt halt, im besten Sinne des Wortes. Und dass der Amerikaner so ziemlich jedem Rock hinterherläuft, reicht ihm in diesen Breiten auch nicht gerade zum Nachteil.

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In der Zeitschrift ‚Cultura Peruana‘ Nr. 94 schreibt Manuel Jesús Orbegozo launig über seine Begegnung mit Ernest Hemingway.

Manuel Jesús Orbegozo kann sich nicht einkriegen vor Begeisterung. „Hemingway ist großartig“, wird er seinen Artikel in La Crónica beginnen, „ganz gegen alle Vorurteile. Er begegnete uns leutselig und ohnegleichen. Das lässt die Waage hin zur totalen Sympathie ausschlagen.“ Auch in der Zeitschrift Cultura Peruana wird Manuel Jesús Orbegozo einen launigen Artikel über seine Begegnung mit dem Nobelpreisträger veröffentlichen, ein wenig spöttisch geschrieben, in Wirklichkeit jedoch

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Niemand in Peru kennt Ernest Hemingway so gut wie Mario Saavedra

Im Cabo Blanco Fishing Club laufen sich Ernest Hemingway und Mario Saavedra häufig über den Weg. Begegnungen, die oft an der Bartheke des Klubs münden.
Cabo Blanco, im April 1956. Foto: Guillermo Alias

In Cabo Blanco kriegt der 27-jährige Mario Saavedra-Pinón vom feinen El Comercio sogleich einen guten Draht zu dem berühmten Schriftsteller. Saavedra ist trotz seiner jungen Jahre bereits Jefe de Información bei seiner Zeitung, was in etwa einem Ressortleiter entspricht. Der junge Mario ist vom Nobelpreisträger hin und weg und schreibt in seiner Zeitung: „Ernest Hemingway strahlt eine kraftvolle außergewöhnliche Sympathie aus. Wenn man sich mit ihm unterhält, meint man, ihn schon das ganze Leben lang zu kennen.“

Mario Saavedra schafft es sogar, für ein paar Tage im Fishing Club unterzukommen, der junge Redakteur aus Lima kann ein Zimmer auf der unteren Etage des Klubhauses ergattern, nur wenige Türen von den Hemingways entfernt. So lässt es sich kaum vermeiden, dass sich der Nobelpreisträger und Mario Saavedra im Klubhaus des Öfteren über den Weg laufen, von dem berühmten Schriftsteller kommt dann ein freundliches Hola Mario, meist verbunden mit der Einladung auf einen Whiskey.

Mario Saavedra bleibt mit den Hemingways acht Tage im Fishing Club, rechnet man sein frühes Eintreffen am 13. April mit ein, dann werden es elf Tage. In El Comercio erscheinen in jenen Tagen insgesamt knapp 30 Berichte über Ernest Hemingway in Cabo Blanco, Interviews, größere und kürzere Meldungen, allesamt aus Marios Feder. „Hemingway llegó a Talara con su esposa“ – Hemingway kam mit seiner Ehefrau in Talara an – so überschreibt Mario Saavedra-Pinón seinen ersten Artikel in El Comercio vom 17. April 1956.

Dann kann man in Limas wichtigster Tageszeitung Folgendes lesen: „Ernest Hemingway, der berühmte US-Schriftsteller, kam heute Morgen um 7,25 Uhr in dieser Stadt an, begleitet von seiner Ehefrau Mary, dem Bootskapitän Gregorio Fuentes, der Hemingways Yacht Pilar betreut, und in Begleitung des Sportsmannes Elicin Argüelles.“ Und stolz berichtet Mario Saavedra seinen Lesern in ganz Peru dann von seinem ersten Husarenstreich: „Der Nobelpreisträger für Literatur des Jahres 1954, und einer der berühmtesten Schriftsteller Nordamerikas unserer Zeit, gewährte El Comercio ein Interview, keine halbe Stunde, nachdem er in Cabo Blanco angekommen war“.

Es ist gegen zehn Uhr am Vormittag, der junge Redakteur und der weltberühmte Schriftsteller unterhalten sich eine gute Stunde. „Der Autor von Der alte Mann und das Meer, er ist etwa sechs Feet groß,“ – das sind knapp 1,83 Meter – „er zeigt sich sehr vital und seine Gesichtszüge werden von einem Lächeln gezeichnet. Er hat eine von der Sonne gebräunte Haut. Und er spricht ein fast perfektes Spanisch“, so leitet Mario Saavedra-Pinón sein Interview für El Comercio ein, das sich dann über ganze drei Zeitungsseiten erstreckt.

Ein wahrer Coup, der Mario mit dem Interview gelungen ist, so nah und so oft kommt man selten an den Schriftsteller. Südamerikanische Journalisten pflegen in ihren Artikeln meist eine blumige Sprache. „Hemingway sieht aus wie ein alter Seebär, mit einem breiten Lächeln und einem kräftigen Händedruck“, fährt Mario Saavedra in seiner Zeitung fort, bevor er dann mit seinen Fragen loslegt.

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Mario Saavedra ist einer der großen Journalisten Perus. Für ihn, so erzählt er mit knapp 90 Jahren, sei die Begegnung mit Ernest Hemingway mit die wichtigste seines Lebens gewesen. Lima Miraflores, im März 2017. Foto: R. Stock

Mario Saavedra zeigt sich begeistert von dem Interview und dem amerikanischen Schriftsteller. „Hemingway ist unerschöpflich und es ist ganz einfach, sich mit ihm zu unterhalten. Er ist stets neugierig, immer wieder stellt er Fragen zu unserem Land, zu Peru.“ Der junge Journalist merkt, er befindet sich in einer Glanzstunde seines beruflichen Lebens. Und möglicherweise

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Jesús Ruiz More ist Ernest Hemingways peruanischer Kapitän

Drei Mann in einem Boot: Der Amerikaner Ernest Hemingway, der peruanische Kapitän Jesús Ruiz More und der Kubaner Elicio Argüelles auf der Miss Texas.
Cabo Blanco, im April 1956. Foto: Modeste von Unruh

Hola Chico, begrüßt ein bestens gelaunter Ernest Hemingway den Kapitän Jesús Ruiz More. Hallo, mein Junge. Und der Peruaner Jesús Ruiz More aus Cabo Blanco antwortet: Buenos dias, Don Ernesto. Der Capitán de Barco sagt Don Ernesto, denn er traut sich nicht so recht, ihn nur mit Ernesto anzusprechen, der Respekt. Ernest Hemingway mag diese Titulierung, so wie er im Allgemeinen die spanische Sprache mag, mit ihren höflichen Anreden wie Don und Doña, eine Sprache mit feinen Nuancen und zarten Unterschieden. 

Wir schreiben den April 1956 und man trifft an diesem Morgen den berühmten Schriftsteller in ausgezeichneter Laune an. Immer wenn Ernest Hemingway am Wasser weilt, heitert sich seine Stimmung auf. Und auf dieses ihm unbekannte Meer, auf den Pazifik vor der peruanischen Küste, ist er neugierig. Heute werden wir unseren Marlin fangen, sagt der Schriftsteller, koste es, was es wolle. Sicher, Don Ernesto, erwidert der Kapitän Ruiz More, ganz sicher werden wir ihn heute fangen.

Jesús Ruiz More ist ein kleiner, dicklicher Mann mit einem weißen Hemd und einer viel zu weiten Hose. Mitten im Gesicht sitzt die breiteste Ray Ban-Sonnenbrille von ganz Peru, dazu kommen seine ansteckende Fröhlichkeit und ein lautes Lachen. Während die meisten Männer auf der Miss Texas eine Baumwollkappe als Schutz vor den beißenden Sonnenstrahlen tragen, erkennt man Jesús Ruiz More von weitem an seiner überdimensionierten Kapitänsmütze.

Der Cabo Blanco Fishing Club verfügt über vier Boote: die Miss Perú und die Pescadores Dos, die beide unter der Obhut des Kapitäns Rufino Tume stehen, die Miss Texas mit ihrem Capitán Jesús Ruiz More und die Petrel, ein etwas kleineres und wendiges Boot, für das Luis Virgilio Querevalú verantwortlich zeichnet. Die Zuweisung der verschiedenartigen Boote ergibt sich je nach Arbeitsauftrag, auf der robusten Miss Texas fahren die Männer zum Fang hinaus.

Neben Ernest Hemingway und dem Kapitän Jesús Ruiz More kommen meist fünf Männer

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Einmal im Jahrbuch der Rekorde stehen…

Cabo Blanco, das verlassene Fischernest im Norden Perus, ist eine magische Adresse gewesen für jeden Sportangler mit Mumm und Moneten.

Auch wenn das Anwesen nicht gerade mit protzigem Luxus gleichzusetzen ist, so fehlt es den meist US-amerikanischen Gästen an nichts. Zumal das Wesentliche vor den Toren des Klubhauses zu finden ist: das große blaue Meer. Zudem ein trockenes Tropenklima rund um alle Monate. Das Klima in der Region, so schreibt das erste Yearbook des Cabo Blanco Fishing Clubs im Jahr 1955, sei rau, allerdings überaus gesundheitsfördernd. Noch nie sei ein Besucher in diesen Breiten erkrankt.

Schnell erlangt der Fishing Club unter Sportanglern Kultstatus. Ein Sportfischer, der in diesen guten alten Tagen nach Nordperu kommt und genug Geld sein eigen nennen darf, der steigt vorzugsweise in diesem Cabo Blanco Fishing Club ab. Auch Frauen sind im Clubhaus ausdrücklich willkommen, seien sie nun selbst passionierte Sportanglerinnen oder eben auch als Begleitung des angelnden Gatten.

Etwa zwei Dutzend Mitglieder leisten sich das teure Hobby und halten mit 10.000 Dollar Jahresbeitrag den exotischen Klub am Laufen. 10.000 Dollar, das ist heute viel Geld und damals erst recht. Man kann den Betrag, um die heutige Kaufkraft auszurechnen, locker mit dem Faktor 8 multiplizieren. Die Socios, die Teilhaber des Cabo Blanco Fishing Clubs, wiederum laden allerlei Prominenz in ihr neugebautes Kleinod am Pazifik ein. Politiker, Sportstars, Finanzadel, Hollywood. Die Liste der Gäste ist bunt und lang.

Die Schönen, Reichen und Berühmten kommen gerne nach Cabo Blanco, meist inkognito und unter dem Radar der Klatschpresse, um ein paar Tage unter der Sonne auszuspannen und den Nervenkitzel auf dem Ozean zu suchen. Auch Ernest Hemingway hat von diesem Marlin-Paradies gehört, auch er wird nach Cabo Blanco kommen, im April und Mai 1956, mit Ehefrau Mary und ein paar Freunden für fünf Wochen. Und er wird der berühmteste aller berühmten Gäste in der kurzen Geschichte des Cabo Blanco Fishing Clubs sein.

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Die Männer und Frauen auf der Liste des Thousand Pound Clubs zählen in Cabo Blanco als die Besten der Besten.

Über das kleinformatige grüne Yearbook, das zum ersten Mal im Januar 1955 erscheint, halten sich die Mitglieder des Cabo Blanco Fishing Clubs à jour. Auf 32 Seiten ist alles niedergeschrieben, was man so

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Der stolze Diener Ellis O. Briggs und sein Freund

Drei Freunde mit erlegtem Marlin: Ernest Hemingway, Elicio Argüelles II und Ellis O. Briggs. Cabo Blanco, Peru, im Mai 1956.

Ernest Hemingway und Ellis O. Briggs kennen sich aus Kuba. Als Briggs noch Counselor, ein junger Botschaftsrat, in Havanna gewesen ist, hat er Ernest Hemingway unterstützt, als der Schriftsteller im Golfstrom vor Kuba mit der Pilar zur Jagd auf deutsche U-Boote angesetzt hat. Diese Geschichte aus dem September 1942 hört sich wie eine Räuberpistole an, sie ist es auch. 

Die bizarre Aktion wird ein Schlag ins Wasser, wenn man im Bild bleiben darf. Denn Ernest Hemingway und die anderen Mitstreiter stoßen, wenig überraschend, auf keinen einzigen Nazi, weder an Land, noch auf Wasser. Seit er diesen Unfug mitgemacht hat, mag Ernest Hemingway den Schnauzbart Briggs. Seitdem sind sie gute Freund, mehr noch, zwei Verrückte, die manche Verrücktheit im Leben teilen. Und: Beide vermelden das gleiche Geburtsjahr. Wie der Nobelpreisträger ist auch der Diplomat ein Mann vom Jahrgang 1899. 

Der Schriftsteller mag den Karrierediplomaten Briggs, der ein wenig verschroben auftritt und in Cabo Blanco mit einem breiten Tropenhelm aufkreuzt. Ein wenig erinnert der stämmige Diplomat an Oliver Hardy, den Dicken aus dem Komiker-Duo Laurel & Hardy. Aber Ernest legt auf Äußerlichkeiten wenig Wert, er mag Ellis, so wie er ist. Besonders dessen Zuverlässigkeit schätzt er und das große Herz. 

Im Jahr 1956 ist Ellis O. Briggs der Botschafter der USA in Peru, und auch Ernest Hemingway weilt für fünf Wochen in dem Andenland, um am Pazifik die Filmaufnahmen für Der alte Mann und das Meer zu überwachen. Botschafter Briggs ist am 10. Mai 1956 aus Lima nach Cabo Blanco in den Norden gekommen, um mit seinem alten Kumpel ein Wochenende auf dem Meer zu verbringen.

Es werden für den Schriftsteller schöne Stunden, denn Ernest hat gerne

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Den Hemingways mundet die peruanische Küche

Reichtum aus knapp 3.000 Kilometern Küste. Frischer Fisch aus dem peruanischen Pazifik in Cabo Blanco. Photo by W. Stock

Der bärtige Schriftsteller aus Chicago ist ein Mensch, der sich mit Haut und Haaren auf das Neue einlässt. So saugt er in Peru jenes auf, das er noch nicht kennt. Von Ernest Hemingway berichten die Einheimischen aus Cabo Blanco, dass ihm die peruanische Küche überaus zugesagt hat. Die Tage am peruanischen Pazifik genießt auch Mrs. Hemingway sichtlich.

Miss Mary bekommt die peruanische Küche gut, sie mag besonders den Lomo Saltado, ein typisch peruanisches Mittagsgericht. Da wird in dünne Scheiben geschnittenes Fleisch der Rinderlende, mit Zwiebeln, Kartoffelscheiben und Tomaten, nebst weißem Reis serviert. Mary mag den Lomo Saltado so sehr, dass sie das Rezept in ihrem kleinen Tagebuch festhält.

Auch das landestypische Obst und Gemüse findet das Gefallen der aparten Amerikanerin. Jeden Abend isst sie eine frische Avocado, die man in Peru Palta nennt, weil sie so in Quechua heißt. Und Mary, ebenso wie Ernest, mundet auch der Chifa, dieser Stilmix aus chinesischer und peruanischer Küche, der in jeder kleineren und größeren Stadt zu finden ist.

Der Schmelztiegel Peru sorgt mit seiner Mannigfaltigkeit dafür, dass all die

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Im ‚Cabo Blanco Fishing Club‘ trifft sich ein verschworener Zirkel

Der Cabo Blanco Fishing Club gefällt sich als ein nobler Schuppen, der sich sogar ein Büro in New York leisten kann, in der feinen Park Avenue – Hausnummer 247, im Room 1616. Es ist schon eine verschworene Gemeinschaft, die sich in Cabo Blanco am peruanischen Pazifik einfindet, eine Elite, die von Erlesenheit und Verschwiegenheit zusammengeschweißt wird.

Die Seelenverwandtschaft der Mitglieder fängt beim Geldbeutel an, alle Teilhaber des Klubs gelten als reich, die allermeisten gar als steinreich. Wer im Cabo Blanco Fishing Club Einlass sucht, der möge am besten die richtige Hautfarbe, den richtigen Namen oder ein richtig dickes Bankkonto vorweisen können, idealerweise gleich alles zusammen. 

Im Cabo Blanco Fishing Club findet eine reichlich elitäre Gemeinschaft zusammen, die Mitglieder, es sind nie mehr als zwanzig, fünfundzwanzig Personen, bleiben handverlesen. Als ein neureicher Millionär versucht, sich mit 50.000 Dollar einzukaufen, zeigt man dem Parvenü die kalte Schulter. Hans und Franz will man nicht in dem Klub sehen, selbst einen Hans mit vielen Millionen nicht.

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Die Mitgliedschaft wird gepflegt. Jeder neue Partner erhält vom Ehrenvorsitzenden Enrique Pardo Heeren ein handgefertigtes Feuerzeug, ein Unikat aus Peru-Silber, auf dessen Vorderseite unter dem Relief eines Marlins der Name Cabo Blanco Fishing Club eingraviert ist. Auf solche Symbole der Kameradschaft wird in der Mitgliedschaft viel Wert gelegt.

Der Korpsgeist setzt sich auf dem Meer fort, denn alle Mitglieder gelten als begeisterte Sportangler. Das Angeln vor Cabo Blanco ist ein Macho-Sport. Marline oder Schwertfische von 800 Pfund, oder gar 1.000 Pfund, ganz ohne mechanische Hilfsmittel aus dem Pazifik zu ziehen, nur mit der Angel und der Energie des Körpers, erfordert Kraft, Disziplin und Ausdauer. Solche Ziele und Leistungen schweißen zusammen.

Im Cabo Blanco Fishing Club purzeln die Rekorde, dass man

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Die deutsche Fotografin auf dem Pazifik mit Ernest Hemingway

Die Fotografin Modeste von Unruh und Ernest Hemingway an Bord der ‚Miss Texas‘. Cabo Blanco, im April 1956

Der Fotografin ist die Verärgerung anzusehen. Modeste von Unruh legt in Chaclacayo bei Lima die Ausgabe der La Prensa vom 17. April 1956 aus der Hand. Sie hat zuhause zum wiederholten Male den Artikel über Ernest Hemingway und dessen Besuch im peruanischen Cabo Blanco gelesen. Die Deutsche, die seit einem Jahr in Peru lebt, empfindet die Berichterstattung der Tageszeitung als eine einzige Zumutung.

Der Bericht in La Prensa stellt den US-Schriftsteller vornehmlich als Lebemann und Trunkenbold dar. Von Literatur ist nur am Rande die Rede, dafür umso mehr von Whiskey und anderem Alkohol. Doch das boshaftes Portrait in der massentauglichen La Prensa passt so ganz zu der anti-amerikanischen Stimmung in Peru in jenen Tagen. Diese Art der Hassliebe gegenüber dem reichen Bruder im Norden zieht sich durch die gesamte Geschichte des armen Andenlandes, als ein hochgekochter Mix aus Neid, Minderwertigkeitsgefühl und echtem Unmut. 

Wie auch immer, die junge Frau aus der Nähe von Lima beurteilt die Berichte aus Cabo Blanco als überaus geringschätzig im Inhalt und wertet sie journalistisch als herbe Enttäuschung. Wie nur kann man bloß derart respektlos mit diesem bedeutenden Schriftsteller umspringen? Ihr journalistischer Ehrgeiz wird geweckt, die Fotografin will Ernest Hemingway in Peru wieder ins rechte Licht rücken. Die junge Deutsche bucht kurzentschlossen ein Flugticket nach Talara.

Modeste von Unruh verbrachte ihre Kindheit in Babelsberg bei Potsdam und durchlief nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Fotoreporterin bei verschiedenen Hamburger Tageszeitungen. Ihre Familie stammte ursprünglich aus Westpommern, aus Schlawe-Stolp, wo ihr Vater als Landwirt das Hammermühler Gut des Grafen Krockow verwaltete, später wanderte der Vater dann nach Australien aus. Auch die junge Frau wurde bald vom Fernweh gepackt. Kurzentschlossen ließ sie im Jahr 1954 ihren VW-Käfer über den Atlantik verschiffen, denn ihre Sehnsucht gehörte dem amerikanischen Kontinent.

Die Fotografin hegte den Plan, die Panamericana von Kalifornien aus hinunter bis nach Feuerland zu bereisen und unterwegs für das deutsche Magazin Kristall zu berichten. Nach einem Jahr Panamericana blieb die abenteuerlustige junge Frau auf dem Highway in Peru hängen. In dem Andenland lernte Modeste von Unruh dann den ungarischen Kunsthistoriker Dr. László von Balás-Piry kennen, der nach dem Krieg ausgewandert war. Die beiden heirateten bald und bezogen ein hübsches Häuschen mit Garten und Pool in Chaclacayo, gut 40 Kilometer östlich von Lima. Der Rest der Reise nach Feuerland war abgeblasen.

In Talara nimmt Modeste von Unruh am Flughafen ein Taxi nach Cabo Blanco. Es ist ein schöner und sonniger Nachmittag am Pazifik in Nordperu. Modeste von Unruh kennt das kleine Fischdorf am Meer

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Cabo Blanco – ein wenig verloren

Cabo Blanco am peruanischen Pazifik, winzig und arg verschlafen,
ein vergessenes Kaff so ziemlich am Arsch der Welt. Ein kleines Paradies also.
Photo by W. Stock

Die massigen Berge und die aschfahle Wüste, die Cabo Blanco umzingeln, scheinen das schmale Fischerdorf geradezu ins Meer drücken zu wollen. Wenn man vom Sechura-Plateau mit dem Auto die staubigen Serpentinen hinunter an die Küste fährt und diesen geruhsamen Flecken erblickt, so kommt dem Besucher Cabo Blanco auf den ersten Blick ein wenig verloren und vergessen vor.

Hinter dem blauen Ortsschild Playa Cabo Blanco hat sich das Leben demgegenüber über die Jahrzehnte hinweg auf eine gemächliche Taktung eingestellt, mit kleinem Handel, kleinen Dienstleistungen und mit dem Fang kleiner Fische. Alles scheint sehr übersichtlich und klein, das Dorf und seine Bewohner sind gewohnt in bescheidener Größenordnung zu denken.

Die Bewohner Cabo Blancos sind arm, leben jedoch nicht im Elend. Denn Cabo Blanco ist ein kleines Fischernest, das sich zur Not vom Fischfang selber ernähren kann und deshalb mit der Welt da draußen nicht allzu viel am Hut hat. Der Fischfang erlaubt dem Dorf seit jeher eine genügsame Autarkie, man braucht nicht viel, um an der Pazifikküste Perus über die Runden zu kommen.

Man findet im Dorf viele prächtige Menschen, selbstbewusste Indios und Mestizen, die stolz sind auf ihren Fischerberuf und die Meisterung ihres beschwerlichen Alltags. Die kleine Kapelle, die drei kleinen Restaurants und die einfachen farbenfrohen Häuser der Costeños leuchten jedenfalls heiter und fröhlich unter dem azurblauen Himmel, auch wenn hier und da der Lack und der Putz ein wenig zerbröselt scheinen.

Cabo Blanco ist ein winziges Dorf ohne echten Dorfkern, ein länglicher Streifen die Küste entlang, mit bescheidenen Gebäuden aus Lehm oder Holz auf der einen Seite der staubbedeckten Straße, und auf der anderen Seite liegt das große Meer. Zu Fuß hat man das Dorf von oben bis unten in

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