Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Schlagwort: Sun Valley Resort

Ernest Hemingway liebt das Sun Valley

Zum Jagen und Fischen durch die gewaltigen Berge und entlang den klaren Bächen der Rocky Mountains. Das ‚Hemingway Memorial‘ oberhalb von Ketchum;
Photo by W. Stock, 2018

Das erste Mal besucht der Schriftsteller das Sun Valley Ende der 1930er Jahre, auf Einladung von Averell Harriman, einem Politiker und Präsidenten der Union Pacific Railroad. Harrimans schlauer PR-Manager erfindet den Begriff Sun Valley als Klammer für die kleinen Orte im Tal, die bis dahin mehr recht als schlecht von der Ausbeutung der Silberminen gelebt haben. Sun Valley, diese Charakterisierung ist nicht unzutreffend, denn die Sonne scheint intensiv in Ketchum und in den Nachbarorten, kräftiger Sonnenschein in einer frischen Bergluft ohne Schwüle, ein feiner Platz für angenehmen Touristen, sommers wie winters.

Damals werden zahlreiche illustre Persönlichkeiten in die entlegene Region eingeladen, in der Absicht, sich über Prominenz wie Lucille Ball, Jane Russell oder Clark Gable landesweit ins Gespräch zu bringen. Über die Jahre entwickelt sich das Sun Valley zu einem Anziehungspunkt für kaufkräftige amerikanische Touristen. Das Wood River Valley, so heißt das Tal außerhalb der PR-Sprache, hat es auch Ernest Hemingway rasch angetan.

Das Sonnental ist sein Revier. Der Autor mag in Idaho auf die Jagd nach Wildvögeln gehen, nach Enten, Tauben oder Fasanen, im Sun Valley Gun Club kann er Tontauben schießen, er spielt mit seinem Freund Gary Cooper Tennis, in den klaren Bächen um Ketchum kann er ausgiebig Angeln und Fischen.

Als Ernest Hemingway nach dem Spanischen Bürgerkrieg das erste Mal

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Wo Ernest Hemingway logierte

Die ‚Sun Valley Lodge‘ – ein Tiroler Idyll in den Rocky Mountains;
Photo: W. Stock

Vom Zentrum Ketchums bis zur vornehmen Sun Valley Lodge, die heute Sun Valley Resort heißt, sind es zwei Kilometer Richtung Nordosten in die Berge. In dem viergeschossigen Haupthaus im Landhaus-Stil mit seinen Nebenhäusern, Geschäften und Restaurants fühlt man sich in die Tiroler Bergwelt zurückversetzt, vielleicht ein wenig artifiziell, mit einem kleinen künstlichen See, der Schlittschuhbahn, einem Konzertgebäude, das hier Opera House heißt, und dem breiten Amphitheater.

Die ausgedehnte Anlage ist massiv erbaut, mit feinstem Material, Stein und Holz, und wurde im Jahr 1936 von Averell Harriman gegründet, als Gesellschafter der Union Pacific Railroad ließ er die transkontinentale Eisenbahnlinie bis hinauf ins Sun Valley bauen. Averell Harriman wollte etwas ganz Großes, ein Winterresort wie in den Alpen, Luxus pur jedenfalls, eine Stadt in der Stadt, selbst die Skilehrer wurden aus Österreich eingeflogen. Als Sigi und Sepp hat man ihnen vis à vis des exzellenten Lodge-Cafés namens Konditorei ein Denkmal gesetzt.

Auf dem Parkplatz vor dem Resort stehen die dicken Autos. Auch drinnen kommt alles groß daher. Weite Säle mit Cheminée, riesige Speiseräume, vornehme Lounges – das Niveau im Sun Valley Resort ist schon arg oben. Harrimans Marketingtrick war, die ganz Großen kostenlos einzuladen, um sein Projekt im weiten Amerika bekannt zu machen. So hat halb Hollywood in der weitläufigen Anlage die Ferien verbracht.

Das Sun Valley Resort gilt als das Prachtstück eines exklusiven Tourismus in der Region. Im Winter fallen die Skifahrer in den Ort ein und auch im Sommer wird gerne gefeiert. Es ist angeraten, ein wenig Geld mitzubringen, alleine der Pass für das Skigebiet kostet

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Am liebsten mag er den Herbst

Das Hemingway Memorial oberhalb von Ketchum/Idaho;
Photo: W. Stock

An der Trail Creek Road oberhalb von Ketchum, fußläufig von dem Sun Valley Resort entfernt und von den Ausläufern der Rocky Mountains umringt, steht auf einem hüfthohen Mäuerchen vor einem Steilhang das mannshohe Denkmal für Ernest Hemingway. Der einfache Stein mit einer schönen Bronzebüste auf dem meterhohen Sockel mit Schieferplatten als Fundament ist im Jahr 1966 errichtet worden, Miss Mary hat den Platz ausgesucht.

Ernest Hemingway schaut auf die hohen schneebedeckten Berge und unter ihm rauscht der schmale Bachlauf des Trail Creek, wo er früher gerne zum Angeln weilte. Wahrscheinlich hat Ernest Hemingway schon im Jahr 1939 geahnt, dass seine Seele im Tal am Ausläufer der Rocky Mountains seine letzte Ruhe finden wird, als er das Epitaph für seinen Jagdfreund Gene Van Guilder schreibt, einen bei einem Jagdunfall im Hagerman Valley bei Twin Falls ums Leben gekommenen PR-Managers der Sun Valley Lodge.

Jene Verse prangen heute in goldenen Lettern auf einer Plakette aus schwarzem Schieferstein unter dem Denkmal:

Best of all he loved the fall
The leaves yellow on the cottonwoods
Leaves floating on the trout streams
And above the hills the high blue windless skies
…Now he will be a part of them forever

Als Bestes von allen liebte er den Herbst,
das gelbgefärbte Laub der Pappelbäume
Blätter, die auf den Forellenbächen treiben
Und über den Hügeln der hohe blaue windstille Himmel
…Jetzt wird er auf immer ein Teil von ihnen sein

Am meisten – als Bestes von allen – liebte er den Herbst. Ernest Hemingway, dessen Talent nicht gerade beim Dichten der Verse liegt, schreibt zum Tod des Freundes sein allerschönstes Gedicht. Seine Verse wachsen zusammen zu einer einfachen und melancholischen Poesie, die, wenn man recht zuzuhören weiß, zugleich von ungeheuerer Lebenslust durchsetzt ist.

Diese wunderbaren Verse auf den Jagdfreund dienen ihm vor allem als Spiegelbild. Den Menschen, den Ernest Hemingway dort so naturverbunden und mit erdhafter Hingabe skizziert, das ist er selbst. In diesem Gedicht hat er

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