Hemingways Welt

Großmaul, Schnapsnase, Schürzenjäger – an den Fersen eines Jahrhundertautors

Ernest Hemingway besucht Pío Baroja

In Madrid, am 9. Oktober 1956, besucht Ernest Hemingway den baskischen Kollegen Pío Baroja am Krankenbett.

Anfang Oktober 1956 will Ernest Hemingway in Spanien den todkranken Pío Baroja in seinem Haus in der Calle Ruiz de Alarcón 12 besuchen, sein Freund José Luis Castillo-Puche hat den Besuch in Madrid arrangiert. Hemingway bewundert diesen baskischen Autor, der so vornehm und gewissenhaft mit der Sprache umzugehen pflegt.

Obwohl die beiden Männer so grundverschieden erscheinen, möchte der Amerikaner dem sterbenden Kollegen Trost und Kraft spenden. Denn Ernest Hemingway ahnt, wie schwer das Sterben ist. Besonders für einen Schriftsteller, der doch jeden Satz für die Ewigkeit denkt und für den jedes Buch als trotzige Auflehnung gegen die Vergänglichkeit angelegt ist.

Für Ernest Hemingway ist es in Madrid fast so, als ob ein Vater stirbt. To You, Don Pío, schreibt der Amerikaner dem Spanier eine Widmung, who taught us so much when we were young and wished to be writers. Für Dich, Don Pío, der uns so viel beigebracht hat, als wir jung waren und Schriftsteller werden wollten.

Und der Amerikaner will Pío Baroja sagen, dass nicht er, Ernest Hemingway, den Nobelpreis verdient habe, denn er sei ja nur ein einfacher Abenteurer. Und was wird der sterbende Pío Baroja auf Hemingways Tiefstapelei antworten? „Caramba!“, wird der greise Mann rufen, einfach nur „caramba!“. Man kann diesen schillernden Ausruf schwer fassen, denn im Spanischen passt er eigentlich immer. Er kann Donnerwetter! meinen, aber auch Zum Teufel damit!

Der Mann aus Chicago wird dem

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Ernest Hemingway in der Sun Valley Lodge

Im oberen Stockwerk des Sun Valley Lodge, in einer Suite mit eigener Terrasse, residierte Ernest Hemingway. Foto: W. Stock, 2018

Nach dem Spanischen Bürgerkrieg kommt Ernest Hemingway das erste Mal ins Sun Valley. Im September 1939, an der Seite seiner neuen Liebe, der attraktiven Journalistin Martha Gellhorn. In jenen Jahren ist Ketchum noch ein schläfriges Bergarbeiternest in Idaho von gerade einmal 100 Bewohnern, die überwiegend in den Silberminen arbeiten.

In der oberhalb des Dorfes gelegenen Sun Valley Lodge wohnt das junge Liebespärchen in Room 206 im oberen Stockwerk, in einer plüschigen Suite mit zwei Schlafzimmern und eigenen Bädern, mit einem großen Schreibtisch im Living Room und einer zimmergroßen Eckterrasse mit Blick auf die Berge. Nach einigen Renovierungen und Änderungen trägt die Suite heute die Nummer 338.

Vormittags schreibt Ernest Hemingway an der Endfassung von Wem die Stunde schlägt, nachmittags zieht der Autor mit Martha zum Jagen und Fischen durch die naturbelassene Berglandschaft der Rocky Mountains. Schnell hat der Schriftsteller sich in das Tal verliebt, es erinnert ihn an seine unbekümmerten Jugendausflüge an die Seen in Michigan. Drei Monate bleiben die Turteltäubchen im Sun Valley.

Schnell schließt Ernest Hemingway Freundschaft mit Einheimischen. Mit Lloyd Arnold, der als Fotograf in der Sun Valley Lodge arbeitet und wo seine Frau Tillie den Souvenirshop betreut. Mit Pappy, wie Lloyd von Freunden genannt wird, geht der Schriftsteller häufig auf Jagd am Silver Creek, ebenso wie mit dem Manager der Lodge, Taylor Williams.

Die meisten Hemingway-Fotos aus Ketchum und dem Sun Valley stammen von Lloyd Arnold, die Beziehung zwischen Ernest und Lloyd, so erinnert sich Tillie, „ist eine Verbundenheit gewesen mit viel Lachen, mit Scherzen, mit Veralbern und mit freundschaftlichem Necken.“ Als Pappy im Jahr 1970 stirbt, zieht Tillie Arnold für zwei Jahre in das Ketchumer Hemingway House zu Mary, der Witwe von Ernest.

Vom Zentrum Ketchums bis zur vornehmen Sun Valley Lodge sind es zwei Kilometer Richtung Nordosten in die Berge. In dem viergeschossigen Haupthaus im Landhaus-Stil mit seinen Nebenhäusern, Geschäften und Restaurants fühlt man sich sogleich in die Tiroler Bergwelt zurückversetzt, vielleicht ein wenig zu amerikanisiert. Einerlei, America is great, wer es begreifen will, muss hierher.

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Die Tiroler Bergwelt in den Rocky Mountains. Die Sun Valley Lodge in Ketchum, Idaho. Foto: W. Stock

Die Sun Valley Lodge gipfelt noch heute in dem elitären Anspruch von damals: exklusive Suiten, gehobene Restaurants, Leseräume mit Kamin, aufmerksame Pagen. Alles vorhanden, was der Tourist für gute Dollars erwarten darf. Fotos mit Ernest Hemingway finden sich dezent, aber unüberschaubar, auf den langen Fluren der Lodge. Der Eigentümer Averell Harriman, ein Marketing-Genie, ließ den Schriftsteller zwei Saisons hintereinander kostenlos beherbergen. Man spricht noch heute darüber.

Das Sun Valley Resort gilt als das Prachtstück eines exklusiven Tourismus in der Region. Im Winter fallen

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Im Hürtgenwald verzweifelt Ernest Hemingway am Krieg

Mit der Kriegsverherrlichung des Ernest Hemingway hat es ein Ende nach dem Abschlachten im Hürtgenwald bei Aachen.

Für das amerikanische Wochenmagazin Collier’s hat Ernest Hemingway von der Landung in der Normandie berichtet und über die Befreiung von Paris geschrieben. Nun steht der berühmte Kriegskorrespondent an der deutschen Westfront, wo die US-Truppen vom heftigen Widerstand der Wehrmacht überrascht werden. Die Siegfried-Linie ist überwunden, doch der Hürtgenwald zwischen Aachen und Düren wird im Winter 1944/1945 eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs erleben.

Die Verluste auf beiden Seiten sind erschreckend, in dem unübersichtlichen Waldgebiet fallen die Soldaten zu Tausenden. Wir bekamen Ersatz, aber ich kann mich erinnern, dass ich dachte, es wäre einfacher und zweckdienlicher, sie direkt in der Gegend zu erschießen, wo man sie auslud, anstatt den Versuch zu machen, sie von dort, wo sie getötet werden würden, zurückzuschaffen und zu begraben. Die Kriegsverherrlichung des Ernest Hemingway weicht im Hürtgenwald zunächst einem kalten Zynismus.

Nach achtzehn Tagen an der Front des Hürtgenwaldes kehrt der Schriftsteller Anfang Dezember 1944 zurück nach Paris, desillusioniert und krank, eine Lungenentzündung plagt ihn, er macht sich schnell auf in die USA, von dort zu seinem Wohnort Finca Vigía. In Kuba angekommen, fällt Ernest Hemingway in eine tiefe Depression. Der Hürtgenwald ist das nackte Grauen gewesen, weit jenseits der Grenze dessen, was der Mensch dem Menschen antun darf. Wenn für die Brutalität, weil sie jede menschliche Vorstellungskraft sprengt, auch die Worte fehlen, dann braucht es einen literarischen Großmeister, um das Geschehen für die Nachwelt in Sätze zu fassen. 

Und so erwartet nun alle Welt von Ernest Hemingway den großen Anti-Kriegsroman, einen Roman, in dem er abrechnet mit all dem Terror und Völkermord. Doch von Ernest Hemingway kommt nichts. Im Jahr 1950 erscheint eine nette Erzählung, Across the River and into the Trees, in dessen Mittelpunkt der amerikanische Kriegsveteran Richard Cantwell steht. Colonel Cantwell, der beide Weltkriege mitgemacht hat, trifft im Gritti seine junge Geliebte, die wunderschöne Venezianerin Contessa Renata. Der Colonel ist krank, verbittert und kriegsmüde. 

Als Über den Fluss und in die Wälder erscheint, da halten nur wenige Literaturkritiker das Werk für gelungen. John Dos Passos, der Freund, schreibt ernüchtert über das Werk: „Wie kann ein einfühlsamer Mann wie er nur solch einen Scheißdreck zu Papier bringen?“ Dos ist nicht der einzige, der mit dem Roman über Venedig und die Lagune wenig anfangen kann. Der Geschichte um den Oberst Cantwell und die Contessa Renata wird bei Kritik und Lesern als zu geschwätzig und zu gekünstelt abgetan. Seine Leser nehmen die Erzählung als Enttäuschung wahr, Ernest zeigt sich gekränkt.

Trotz einiger Schwächen besitzt

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Ernest Hemingway und Camilo José Cela

Ernest Hemingway trifft Camilo José Cela in Spanien im Jahr 1956.

Im September und Oktober des Jahres 1956 bereist Ernest Hemingway Spanien. Er schaut sich das Land seines Herzens von neuem an, jahrelang hat der Amerikaner sein Lieblingsland nicht besuchen dürfen. Erst im Sommer 1953 erlaubt das franquistische Regime dem Schriftsteller die Einreise nach Spanien. Der klamme Diktator erhofft sich von dem Besuch des weltbekannten Autors einen Propagandaerfolg und eine Ankurbelung des Tourismus.

Bei seinem Besuch im Jahr 1956 wohnt Ernest Hemingway einigen Corridas bei und trifft sich mit einheimischen Schriftstellern. Unter den Kollegen, die mit dem bärtigen Nobelpreisträger zusammen kommen, befindet sich auch Camilo José Cela, ein galizischer Autor vom Jahrgang 1916. Die beiden laufen sich im El Escorial über den Weg, der Klosterburg im Nordwesten von Madrid.

Dem Spanier fällt auf, Ernest Hemingway gibt sich als ein Kollege ohne Dünkel, jemand, der über den Konventionen steht. Man ist sich sogleich sympathisch. Cela, der in Palma auf Mallorca lebt, kränkelt zeit seines Lebens, in frühen Jahren schlägt er sich mit einer heftigen Tuberkulose rum. Trotzdem wird ihm ein langes Leben vergönnt bleiben, er stirbt im Jahr 2002 in Madrid, im Alter von 85 Jahren.

Über die Jahrzehnte wird Camilo José Cela, in Iria Flavia geboren, südwestlich von Santiago de Compostela, zu einem der wichtigsten Schriftsteller seines Landes. Wie so viele spanische Autoren wirkt er als literarischer Generalist, als Romancier, Essayist, Philosoph und Journalist in einem. Auch er, ein Grande von eher konservativer und besonnener Art, erhält aus Stockholm den Nobelpreis für Literatur, im Jahr 1989, genau 35 Jahre nach Ernest Hemingway.

Das bekannteste seiner über 70 Werke heißt La Colmena, die Erzählung Der Bienenkorb spielt im Madrid der 1940er Jahre. Szenischer Treffpunkt ist das Café der Doña Rosa, wo die Fäden der unterschiedlichen Lebensgeschichten des vom Bürgerkrieg gezeichneten Kleinbürgertums zusammenlaufen. Cela schildert den Alltag in den Hinterhöfen und Absteigen, die persönlichen Schicksale von Liebe, Suff und Enttäuschung.

Erst durch diesen fein verschachtelten Roman hält das wegen Franco isolierte Spanien Anschluss an die moderne Weltliteratur. Obwohl Camilo José Cela im franquistischen Apparat durchaus Förderer besaß, wurde sein Buch wegen seiner erotischen Passage und der offenen Darstellung der sozialen Wirklichkeit Spaniens auf die schwarze Liste gesetzt. Die Erstausgabe erschien 1951 daher in Argentinien, erst vier Jahre später durfte der Roman in einer veränderten Fassung in Barcelona herauskommen.

Camilo José Cela, seit 1957 Mitglied der Real Academia de la Lengua Española, wird sich nach Ende des Franquismus auch politisch engagieren. Nach dem Tod des Diktators im Jahr 1975 und im Übergang zur Demokratie wirkt er von 1977 bis 1979 als von König Juan Carlos ernannter Senator an der Erarbeitung der neunen demokratischen Verfassung Spaniens mit. Fortan gilt er als einer der großen Intellektuellen des Landes.  

Celas Schreibstil wird als Tremendismo bezeichnet, ein Stil, der mit einer ungeschminkten Darstellung der sozialen Probleme einher geht, der Weg zur Verlorenen Generation ist nicht weit. Camilo José Cela gilt als der Schriftsteller Spaniens, der Ernest Hemingway literarisch am nächsten steht. Beide eint ein realistischer Blick auf die Wirklichkeit, eine poetische Sprachmelodie und – trotz aller Widrigkeit – eine spürbare Lust am Leben.

Was ihn bei der Begegnung mit Hemingway beeindruckt habe? Die

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Trail Creek Cabin, wo Ernest Hemingway feierte

An der Trail Creek Road, dort wo der Wald anfängt, liegt die Trail Creek Cabin. Auch Ernest Hemingway hat hier gerne gefeiert. Foto: W. Stock, 2018

Zwei, drei Kilometer oberhalb des kleinen Ortes Ketchum, gegenüber vom Sun Valley Gun Club, befindet sich am Waldrand die Trail Creek Cabin. Wenn wohlhabende Bewohner des Tals und kaufkräftige Winterurlauber feiern wollen, wenn ein Geburtstag oder eine Hochzeit ansteht, dann wird dieses erlesene Restaurant gewählt. 

Illustre Persönlichkeiten kommen in die entlegene Region des Sun Valley nach Idaho, eine Art Kitzbühel in den Rocky Mountains. Prominente wie Lucille Ball, Gary Cooper, Jane Russell oder Clark Gable, eine dezente Party-Location darf aus diesem Grund nicht fehlen. Die Cabin, nicht weit vom heutigen Hemingway Memorial entfernt, liegt fernab vom Zentrum des Dorfes im Tal, hier kann man lange und laut feiern, und man bleibt unter sich.

Auch Ernest Hemingway hat fleißig mitgemischt. Es gibt Fotos von ihm in der Trail Creek Cabin, tanzend mit seiner dritten Ehefrau Martha Gellhorn oder trinkend an der Bar mit seinem Freund, dem Fotografen Robert Capa. Er ist zu sehen mit Gray Cooper und Ingrid Bergman, ausgelassen bei einer guten Flasche Wein. Der Tag des Schriftstellers folgt meist einem festen Schema im Sun Valley: vormittags schreiben, nachmittags jagen in den Wäldern und Auen und abends ausgelassen feiern.

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Zwei Jahre nach der Eröffnung, im Jahr 1939, besucht Ernest Hemingway erstmals die Trail Creek Cabin.  Foto: W. Stock, 2018

An der Trail Creek Road oberhalb von Ketchum, fußläufig von der Sun Valley Lodge entfernt, wird die exklusive Lokalität im Jahr 1937 errichtet, im edlen Landhaus-Stil mit viel Holz und wenig Zement. Das Anwesen liegt oberhalb des Bachs Trail Creek und bietet eine wunderbare Aussicht auf die Bald Mountain, einen Ausläufer der Rocky Mountains.

Und in der Partyhütte oberhalb der Sun Valley Lodge wird noch

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Ernest Hemingway als Ikone der Werbung

Noch vor der Mondlandung: Ernest Hemingway in der US-Werbung. Für Mercedes-Benz natürlich.

Dieser Ernest Hemingway ist, so würde das moderne Marketing sagen, ein Markenartikel. Jeder, der den Namen hört, gewinnt im Kopf ein Bild, für welche Werte und für welchen Lebensstil dieser Mann steht. Ernest Hemingway ist, obwohl er doch schon so lange tot ist, noch heute eine Werbe-Ikone. Ein Influencer zudem, wie man in diesen Tagen wohl sagen würde.

Wenn man diesem Ernest Hemingway auf den Fersen bleibt, dann kriegt man über die Jahre hinweg, besonders in Sachen Merchandising, einige Sachen zu sehen, die einen erstaunen lassen vor soviel werblichem Einfallsreichtum: Wanduhren mit seinem Portrait, massenweise T-Shirts, Kaffeebecher, iPhone-Hüllen mit seinem Antlitz, Sonnenbrillen auf seinen Namen, Zigarettenetuis, Hemingway-Seife mit Tabak-, Rum- oder Zedernduft, Body Lotion, Schlüsselanhänger, Manschettenknöpfe.

Damit nicht genug. Auch schon gesehen: Hemingway-Krawatten, Pullover und Bademäntel, Schuhe, auf denen die Marke ‚Hemingway‘ steht, Hotels, Gasthäuser und natürlich Kneipen, die so heißen wie er, Rum-Sorten und Schnaps-Variationen, Sonnen-Kappen mit Hemingway-Zitat, Küchenschürzen oder gleich eine ganze Küchenzeile, alles mit Ernest Hemingway dran, drin oder drauf. Dazu Münzen, Geldscheine, Briefmarken, aus aller Welt, von USA bis Afrika.

Und sollte einmal ein ‚Hemingway‘ in Form eines Autos durch unsere Straßen brettern, es müsste ein

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Ernest Hemingways letzter Weg

Die Natur schafft neues Leben. Und am Ende bleibt dem Menschen bloß, sich der Natur zurückzugeben. Ketchum, am 7. Juli 1961.

Die Beerdigung des Ernest Hemingway findet an einem Freitag in Ketchum statt, am 7. Juli 1961, an den Ausläufern der Rocky Mountains. Man hat auf den Sohn Patrick warten wollen, der sich zusammen mit seiner Frau Henrietta im westafrikanischen Tansania auf einer Safari befindet. Der älteste Sohn John kommt aus Oregon, wo er zum Fischen weilt, der jüngste Sohn Gregory hat sich auf den Weg aus Miami gemacht, wo er sich auf sein Examen in Medizin vorbereitet.

Auch die anderen Verwandten müssen von weit her anreisen, um in das Kaff in den Bergen Idahos zu gelangen. Sein jüngerer Bruder Leicester kommt aus Florida, die älteste Schwester Marcelline Sanford aus Michigan, ebenso wie die Schwester Madelaine Sunny Mainland, eine andere Schwester – Ursula Ura Jepson – fliegt aus Honolulu ein. Dazu gesellt sich die jüngste Schwester Carol Gardner aus Massachusetts. Alle sechs Hemingway-Kinder sind zum ersten Mal seit langem vereint, wobei ja nur noch fünf leben, der älteste Bruder wird heute zu Grabe getragen.

Miss Mary hat alle persönlich eingeladen, es soll eine familiäre Abschiedsstunde werden im handverlesenen Kreis, sie möchte kein großes Aufheben machen. Mary trägt ein einfaches dunkles Kleid und einen breiten schwarzen Hut. Eine Vielzahl von Beileidstelegrammen aus aller Welt sind im Haus der Hemingways am East Canyon Run Boulevard eingetroffen. Das Weiße Haus, der Kreml und auch der Vatikan haben ihre Kondolenz übermittelt.

Der Ketchum Cemetery liegt am nördlichen Stadtrand des Dorfes, Richtung Boulder Peak, am Rande der Landstraße. Es ist ein puristischer Friedhof ohne jedes Denkmal, lediglich mit flachen Grabplatten wird der Verstorbenen gedacht. Alle Freunde aus dem Sun Valley sind gekommen, Clara Spiegel, sein Hausarzt Dr. George Saviers, Tillie Arnold, Ruth Purdy. Journalisten sind nicht erwünscht und doch haben sich ein paar Fotografen und Berichterstatter eingeschlichen und schießen Fotos von der Trauerfeierlichkeit, ein kurzer Film für die Wochenschau wird aus der Entfernung gedreht.

Reverend Robert Waldemann, der katholische Pastor der St. Charles Church in Hailey, leitet die Zeremonie um 10 Uhr 30 am Vormittag. Es wird eine kleine Trauergemeinde, neben dem engen Familienkreis und den Freunden haben sich noch ein paar Jagdkameraden und Nachbarn eingefunden, dazu einige Bewohner von Ketchum, die ebenfalls an der Beisetzung teilnehmen möchten. Vierzig Menschen vielleicht, mehr nicht, dazu Pastor Waldemann und die drei Messdiener.

Die lange schwarze Limousine mit Ernests Leichnam kommt

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Ernest Hemingway fliegt mit Panagra

Panagra, eine Tochter der PanAm, hat sich auf Flüge nach Südamerika spezialisiert.

Am frühen Morgen des 16. April 1956, es ist ein Montag, landet die vierpropellerige Douglas DC-7B auf dem kleinen Flughafen von Talara. Um kurz vor halb acht Uhr rollt der silbergraue Flieger der Fluggesellschaft Panagra unter ohrenbetäubendem Gedröhne der Motoren und mit dem monotonen Klackern der Propellerblätter auf der kurzen Landebahn von Talara im Norden Perus aus.

Panagra, ein Tochterunternehmen der US-amerikanischen PanAm, hat sich auf Passagier- und Frachtflüge nach Südamerika spezialisiert und bedient viermal in der Woche die Route von Miami über Panama und Lima bis hinunter nach Santiago de Chile und Buenos Aires. Eine Verbindung, deren erste Etappe, von Florida nach Peru, über Nacht geflogen wird. Die Panagra fliegt auf dieser Südamerika-Route auch Provinzflughäfen wie jener von Talara an.

Talara ist eine Stadt im Norden Perus, sie liegt direkt an der Pazifikküste, nicht weit von der Grenze zu Ecuador entfernt. Beim Anflug auf Talara sieht man nur graue Wüste, soweit das Auge reicht. Eigentlich gehört der Flughafen, den die US-Marines gebaut haben und den die Einheimischen El Pato nennen, der International Petroleum Company, einem Ölmulti, der im Meer vor Talara ein riesiges Erdölfeld ausbeutet.

Ein paar Tage zuvor hat die US-amerikanische Nachrichtenagentur United Press die Visite des Nobelpreisträgers angekündigt. Mit Datum 13. April 1956 kabelt der UP-Korrespondent in Havanna eine ausführliche 40 Zeilen-Meldung an Zeitungen in alle Welt. „Der Schriftsteller Ernest Hemingway und seine Ehefrau Mary werden am Sonntagnachmittag nach Peru fliegen und dort auf die Jagd nach einem 700 Kilogramm Blaumarlin gehen, um die Filmaufnahmen davon in der Verfilmung seines Romans Der alte Mann und das Meer zu nutzen.“

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Die feine Menü-Karte auf Panagra-Flügen.

Und weiter heißt es in der Meldung der United Press: „Der Schriftsteller gab der Hoffnung Ausdruck, den Fisch in drei oder vier Wochen fangen zu können. In zahlreichen Monaten des vergangenen Jahres konnte

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Ernest Hemingway & Martha Gellhorn

Martha Gellhorn und Ernest Hemingway im Jahr 1940 im Sun Valley, Idaho.
Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Nach dem Spanischen Bürgerkrieg reift in Ernest Hemingway der Wunsch, sich auf Kuba für immer niederzulassen. Die Insel liegt weit genug von seiner Ehefrau Pauline und den Vorhaltungen der Familie. Doch seine Geliebte Martha Gellhorn hat schnell genug von dem tristen Doppelzimmer im Hotel Ambos Mundos und entdeckt in einer kubanischen Tageszeitung die Annonce zur Anmietung eines herrschaftlichen Gutshauses außerhalb von Havanna.

Finca Vigía, ein Landgut gut 15 Kilometer südlich vom Zentrum Havannas gelegen, wird ab Mai 1939 das neue Zuhause des Liebespaares. Ein paar Monate später kauft Ernest Hemingway das entlegene 15 Hektar große Anwesen für 18.500 Dollar. Die gewandte Martha lässt das heruntergekommene Haus renovieren und behaglich einrichten. Dies hält die zielstrebige Frau allerdings nicht davon ab, weiterhin als Reporterin um die Welt zu düsen.

Sie schaut sich in Nazi-Deutschland um, die umtriebige Journalistin besucht Portugal, Prag, England, Finnland, sie reist nach Asien, nach Burma und Singapur, unermüdlich schreibt sie ihre Artikel. Der Liebhaber Ernest Hemingway kriegt seine Angebetete monatelang nicht zu Gesicht. Trotz ihrer zappeligen Liebesbeziehung, die sie nun schon vier Jahre mit Aufs und Abs erleben, beschließen Ernest Hemingway und Martha Gellhorn, zu heiraten.

Am 4. November 1940 wird die Scheidung von Pauline beurkundet, am 21. November heiraten die beiden vor einem Friedensrichter in Cheyenne, Wyoming. Beruflich bleibt Martha nach wie vor viel unterwegs, Guam, die Philippinen, überall wird die attraktive Frau von Ernest Hemingway hofiert wie eine Filmdiva. Martha ist immens fleißig, sie schreibt viel und publiziert Bücher, insgesamt 20 an der Zahl.

Die Finca Vigía auf Kuba bildet zwar den Lebensmittelpunkt des Paares, obwohl Martha Gellhorn ohne Pause

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Mein liebstes Starbucks: Ketchum, Idaho

Starbucks in Ketchum, Idaho. Das Dorf in den Bergen, wo Ernest Hemingway die letzten beiden Lebensjahre verbrachte. Foto: W. Stock, 2018

Starbucks halte ich für eine großartige Café-Kette, dort bin ich gerne Gast. Guter Kaffee, etwas Süßes, kostenloses WiFi. Wer will, kann kurz einen Espresso trinken. Wer’s länger mag, kann stundenlang vor seinem Notebook und einem Latte Macchiato dösen. Manchen dient Starbucks gar als ein externes Home Office, man wird jedenfalls nicht schief angesehen, wenn man den halben Tag im Café verbringt.

Die Kette aus Seattle mit dem kostenlosen Internet-Zugang wird nicht nur für seine unverwechselbaren Röstungen (mit phantasiereichen Namen) und für seine Snacks gerühmt, sondern vor allem für seine heimelige Atmosphäre. Der Standard ist weltweit ähnlich. Man weiß jedenfalls, was einen zu erwarten hat. Ob in Berlin, Paris, San Francisco oder Lima, ich bin selten enttäuscht worden.

Und oft positiv überrascht. Mein Geheimtipp: Starbucks in Ketchum, Idaho, United States of America. Ketchum, das ist der letzte Wohnort Ernest Hemingways. In dem kleinen Bergnest am Big Wood River lebte er mit seiner Ehefrau Mary von 1959 bis 1961. Hier brachte er sich um, und hier liegt er auf dem Ketchum Cemetery begraben.

Einen solch geräumigen Starbucks wie jenen an der Sun Valley Road habe ich selten gesehen. Es ist reichlich Platz vorhanden, dazu breite Sofas, bequeme Ledersessel. Mitten in Ketchum entdeckt man eine kleine Oase im modernen Landhaus-Stil. Alles fein und hochwertig mit edlem Holz gebaut, man fühlt sich augenblicklich wohl. Eine sehr freundliche Bedienung, aufmerksam und zuvorkommend, rundet das überaus positive Bild ab.  

Und wenn man dann in einen Nebenraum geht, rennt man direkt auf den Meister zu. In dem kleinen Raum trifft man einzig und allein auf Ernest Hemingway. Deckenhohe Fotos des Nobelpreisträgers, das berühmte Portrait von Yousuf Karsh, finden sich hier, dazu Schnappschüsse von seinem Leben im Sun Valley. Hier bleibt er präsent. Noch heute. In Ketchum. Übrigens, nicht nur im Starbucks

Und da wir schon bei den Tipps sind: Konditorei, oben in

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