Hemingways Welt

Großmaul, Schnapsnase, Schürzenjäger – an den Fersen eines Jahrhundertautors

Der alte Mann und das Mehr

Der alte Mann und das Mehr
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Alt und erfolgreich: Friedheln Funkel von Fortuna Düsseldorf.

Wann hat ein Autor den Durchbruch endgültig geschafft? Eine mögliche Antwort auf diese Frage: Wenn die Titel seiner Bücher in den allgemeinen Sprachgebrauch übergesprungen sind. Wenn es nach dieser Sichtweise geht, gehört Ernest Hemingway zu der Riege der allergrößten Schreiber.

Wie viele Variationen gibt es allein von Der alte Mann und das Meer? Neulich bin ich im DFL Magazin 3/2019 über eine gestolpert. In dem Artikel geht es um Friedhelm Funkel, den Trainer von Fortuna Düsseldorf, der trotz überaus bescheidenem Etat Platz 10 in der Abschlusstabelle der Bundesliga erreicht hat.

Vor der Saison als klarer Absteiger gesehen, hat sich Funkels Fussball-Mannschaft zu keiner Zeit wirklich im Abstiegskampf befunden. Und nun steht Fortuna Düsseldorf vor Mannschaften wie Hertha BSC Berlin, Schalke 04 und VfB Stuttgart, die vom Spielerkader und vom Etat gesehen eigentlich ganz andere Möglichkeiten besitzen. 

Nun wird eine Anleihe bei dem bärtigen Nobelpreisträger getätigt, um ein Porträt dieses Erfolgstrainer zu schreiben. Zumal sich ein oft verkannter

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Der schönste Hemingway-Satz II

Der schönste Hemingway-Satz II

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Großartig, gewaltig und unvorstellbar weiß in der Sonne war der flache Gipfel des Kilimandscharo. Und dann wusste er, dorthin war es, wohin er ging.
Ernest Hemingway, Schnee auf dem Kilimandscharo, 1936

Ernest Hemingway liest seinen eigenen Nachruf

Ernest Hemingway liest seinen eigenen Nachruf
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Im Jahr 1954, im Herbst diesen Jahres wird er den Nobelpreis für Literatur erhalten, ist der Schriftsteller dem Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen. Ernest Hemingway und Miss Mary befinden sich auf einer ausgedehnter Safari in Ostafrika, als das Unglück seinen Lauf nimmt.

Im Januar stürzt eine Cessna 180 ab mit Mary und Ernest Hemingway an Bord. Das Unglück ereignet sich über Murchison Falls im Nordwesten Ugandas, nachdem der kleine einmotorige Propellerflieger einen Telegraphenmast geschrammt hat. Doch Glück im Unglück, das prominente Ehepaar kommt mit einigen Schrammen und leichten Verletzungen davon.

Doch ein schlimmeres Unglück sollte noch auf sie warten. Ein zweites Flugzeug, eine britische De Havilland Dragon Rapide, mit dem die Hemingways am nächsten Tag von Butiaba nach Entebbe zurückkehren wollen, fängt beim Abflug Feuer. Der Pilot Reginald Cartwright und Miss Mary, die beide vorne sitzen, winden sich flink aus dem zweimotorigen Doppeldecker.

Doch bei dem stämmigen Schriftsteller, der auf der Rückbank hockt, klemmt die verkrümmte Hintertür. Nun wird es dramatisch, weil die Maschine lichterloh brennt und Ernest Hemingway nicht aus dem kleinen Flugzeug kommt. In

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Der schönste Hemingway-Satz I

Der schönste Hemingway-Satz I

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Der Kilimandscharo ist ein schneebedeckter Berg von 6.007 Metern Höhe und soll der höchste Berg Afrikas sein. Sein westlicher Gipfel heißt in der Sprache der Massai „Ngàje Ngài“, das Haus Gottes. Nahe am westlichen Gipfel liegt der ausgedorrte und gefrorene Kadaver eines Leoparden. Niemand kann sagen, was der Leopard in dieser Höhe gesucht hat.
Ernest Hemingway, Schnee auf dem Kilimandscharo, 1936

Ernest Hemingway als Mädchen

Ernest Hemingway als Mädchen
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Oje, der kleine Ernest Hemingway als Mädchen. Ob das Macho-Gesummsel der späteren Jahre eine Rebellion gegen die Einkleidung in der Kindheit ist?

Je länger Ernest Hemingway darüber nachsinnt, desto mehr muss er sich eingestehen, dass er ein ziemlich lausiger Familienvater ist. Seine drei Söhne, die er meist nur in den Sommerferien sieht, wachsen bei den Müttern in den USA auf. Er selbst hat sich sein Leben auf seiner kubanischen Finca Vigia bei Havanna, fernab von allem, kommod eingerichtet. Doch sein Daheim ist leer, weil nur er es ausfüllt.

Er hat es als Kind nicht anders erlebt. Ernest Miller Hemingway wird um acht Uhr morgens geboren, am 21. Juli 1899 in Oak Park, Illinois, einem Vorort von Chicago. Die Familie gehört zur oberen Mittelschicht, der Vater arbeitet als Mediziner, die Mutter ist Opernsängerin und Malerin. In der Familie herrscht die calvinistische Askese des Mittelwestens, nicht zuletzt im emotionalen Miteinander. 

Die Mutter, Grace Hemingway, erweist sich als ein schlimmer Drache und schlägt die Kinder mit der Bürste. Den kleinen Ernest steckt sie jahrelang in Mädchenkleider und lässt seine Haare mädchenhaft lang wachsen. Ob’s gut gewesen ist, lernt man wahrscheinlich als Fallstudie im ersten Semester Psychoanalyse, Proseminar Trauma-Therapie.

Auch der Vater Clarence, ein Arzt, prügelt die Kinder und bestraft streng, aber in Wirklichkeit ist er ein Waschlappen. Doch den Vater verehrt der junge Ernest sehr. Er hat den Sohn früh in die Natur mitgenommen und ihm an den Bächen und Flüssen um den Lake Michigan das Fischen beigebracht. Die Hemingways besitzen das Sommerhaus Windemere am Walloon Lake im Norden Michigans und die Eltern verbringen dort mit den Kindern die Sommermonate.

Familie allerdings hat der junge Ernest Hemingway nicht gelernt, so wie man gut Schwimmen oder Autofahren lernen kann. Die Gefühlswelt im Elternhaus bleibt puritanisch kühl und auf das produktive Funktionieren ausgerichtet. Das Heim in Oak Park kann kein Vorbild für den jungen Ernest sein. Kaum achtzehn, da hat er sich schnell aus dem Staub gemacht. Nach Kansas, als Lokalreporter zum City Star, ein paar Monate später als Freiwilliger des Red Cross Ambulance Corps nach Italien, an die Front des Ersten Weltkriegs.

Noch als Erwachsener plagt den kernigen Schriftsteller ein Alptraum: Er träumt von

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Ernest Hemingways heimliche Liebschaft mit einer Prostituierten

Ernest Hemingways heimliche Liebschaft mit einer Prostituierten
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Ernest Hemingway und Leopoldina Rodríguez trinken ihre Daiquirís im El Floridita,
Havanna zu Beginn der 1950er Jahre

Häufig sieht man Ernest Hemingway mit einer aufreizenden Kubanerin an der Bar des El Floridita. Es wird dann kräftig getuschelt, denn die attraktive Dame an der Seite des berühmten Schriftstellers gilt in Havanna als eine Frau von nicht gerade bestem Leumund. Sie heißt Leopoldina Rodríguez und die Kubanerin verdient ihr Geld, indem sie nett ist zu den Männern. Diese Leopoldina sieht einfach göttlich aus, sie betört jedermann mit ihrer makellosen Schönheit.

In Inseln im Strom verfremdet Ernest Hemingway die Figur der Liliana ein wenig, er macht ihre Hüften breiter, die Schminke dicker, es kann nicht schaden, wegen Mary. Sie hatte ein hübsches Lächeln, wunderbar dunkle Augen und schönes schwarzes Haar. Ihre Haut war sanft wie olivfarbenes Elfenbein, falls es so etwas gab, auf dem ein leichter rosa Schimmer liegt. Ihr Teint leuchtet wie frisches Mahagoniholz, man kann die Augen nicht von ihr lassen. Das war also dieses schöne Gesicht, das ihm die Theke herunter entgegen schaute. Die Liliana des Romans ist im wirklichen Leben die rassige Leopoldina.

Der verheiratete Schriftsteller lernt Leopoldina Rodríguez Anfang der 1940er Jahre im El Floridita kennen. Irgendetwas zieht ihn magisch zu dieser Frau hin. Jedermann war zuvorkommend zu ihr, und beinahe jeder, den sie ansprach, war irgendwann einmal in den letzten 25 Jahren in sie verliebt gewesen. Und es lässt sich nicht aufhalten, auch Ernest Hemingway verliebt sich in die attraktive Kubanerin. Leopoldina ist eine Frau mittlerer Größe, mit afrikanischem und asiatischem Blut, mit heller Haut, und sie ist um die 40, so genau weiß das keiner. Sinnliche Lippen, eine feine Nase, funkelnde Augen, die Männer hängen an ihr wie der Alkoholiker an der Schnapsflasche.

Antonio Meilán, ein Barkeeper im El Floridita und stiller Zeuge dieser ungewöhnlichen Romanze, erinnert sich im Jahre 1992 gegenüber dem kubanischen Journalisten Ciro Bianchi Ross: „Sie war eine schöne, elegante Mulattin mit einem schillernden Lächeln, endlos langen Beinen, mit runden Hüften, kleinen Brüsten und mit einem Gesicht, in dem sich all das Schelmische und all das Würdevolle der kubanischen Frau ausdrückte. Sie war ein Superweib, das den Teufel im Leib hatte!“

Leopoldina steht voll im Leben, Daiquirís, Zigaretten, Männer, Sex, alles wunderbar. Una mujer de mala vida, wie man so schön im Spanischen umschreibt, wenn man den Begriff Hure vermeiden will. Eine Frau mit schlechter Lebensführung, doch Ernest Hemingway schert sich wenig um gesellschaftliche Konventionen. Wenn ihr Haar anfing, weiß zu werden an den Wurzeln entlang der Stirn und der Scheitellinie, würde sie Thomas Hudson um Geld bitten, um es in Ordnung zu bringen, und wenn sie vom Färben zurückkam, war es glänzend und so natürlich und reizvoll wie die Haare eines jungen Mädchens.

Man mag es kaum glauben, aber es ist, wie es ist. Der weltberühmte Schriftsteller, verheiratet mit einer angesehenen Journalistin, teilt sein Leben mit einer Prostituierten, aus freien Stücken und bei vollem Verstand, das sind die Tatsachen. Ihm jedenfalls bleibt es schnurzegal, was andere hinter vorgehaltener Hand von sich geben oder im Getratsche lästern, er steht zu Leopoldina. Die heißblütige Kubanerin wird zu Hemingways Geliebten, zu einer Vertrauten und auch zu einer richtigen Freundin.

Bei Leopoldina kann der Schriftsteller so ziemlich alles in den Beziehungsbeutel packen, was ihm

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Einmal im Jahrbuch der Rekorde stehen…

Einmal im Jahrbuch der Rekorde stehen…
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Cabo Blanco, das verlassene Fischernest im Norden Perus, ist eine magische Adresse gewesen für jeden Sportangler mit Mumm und Moneten.

Auch wenn das Anwesen nicht gerade mit protzigem Luxus gleichzusetzen ist, so fehlt es den meist US-amerikanischen Gästen an nichts. Zumal das Wesentliche vor den Toren des Klubhauses zu finden ist: das große blaue Meer. Zudem ein trockenes Tropenklima rund um alle Monate. Das Klima in der Region, so schreibt das erste Yearbook des Cabo Blanco Fishing Clubs im Jahr 1955, sei rau, allerdings überaus gesundheitsfördernd. Noch nie sei ein Besucher in diesen Breiten erkrankt.

Schnell erlangt der Fishing Club unter Sportanglern Kultstatus. Ein Sportfischer, der in diesen guten alten Tagen nach Nordperu kommt und genug Geld sein eigen nennen darf, der steigt vorzugsweise in diesem Cabo Blanco Fishing Club ab. Auch Frauen sind im Clubhaus ausdrücklich willkommen, seien sie nun selbst passionierte Sportanglerinnen oder eben auch als Begleitung des angelnden Gatten.

Etwa zwei Dutzend Mitglieder leisten sich das teure Hobby und halten mit 10.000 Dollar Jahresbeitrag den exotischen Klub am Laufen. 10.000 Dollar, das ist heute viel Geld und damals erst recht. Man kann den Betrag, um die heutige Kaufkraft auszurechnen, locker mit dem Faktor 8 multiplizieren. Die Socios, die Teilhaber des Cabo Blanco Fishing Clubs, wiederum laden allerlei Prominenz in ihr neugebautes Kleinod am Pazifik ein. Politiker, Sportstars, Finanzadel, Hollywood. Die Liste der Gäste ist bunt und lang.

Die Schönen, Reichen und Berühmten kommen gerne nach Cabo Blanco, meist inkognito und unter dem Radar der Klatschpresse, um ein paar Tage unter der Sonne auszuspannen und den Nervenkitzel auf dem Ozean zu suchen. Auch Ernest Hemingway hat von diesem Marlin-Paradies gehört, auch er wird nach Cabo Blanco kommen, im April und Mai 1956, mit Ehefrau Mary und ein paar Freunden für fünf Wochen. Und er wird der berühmteste aller berühmten Gäste in der kurzen Geschichte des Cabo Blanco Fishing Clubs sein.

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Die Männer und Frauen auf der Liste des Thousand Pound Clubs zählen in Cabo Blanco als die Besten der Besten.

Über das kleinformatige grüne Yearbook, das zum ersten Mal im Januar 1955 erscheint, halten sich die Mitglieder des Cabo Blanco Fishing Clubs à jour. Auf 32 Seiten ist alles niedergeschrieben, was man so

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Der stolze Diener Ellis O. Briggs und sein Freund

Der stolze Diener Ellis O. Briggs und sein Freund
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Drei Freunde mit erlegtem Marlin: Ernest Hemingway, Elicio Argüelles II und Ellis O. Briggs. Cabo Blanco, Peru, im Mai 1956.

Ernest Hemingway und Ellis O. Briggs kennen sich aus Kuba. Als Briggs noch Counselor, ein junger Botschaftsrat, in Havanna gewesen ist, hat er Ernest Hemingway unterstützt, als der Schriftsteller im Golfstrom vor Kuba mit der Pilar zur Jagd auf deutsche U-Boote angesetzt hat. Diese Geschichte aus dem September 1942 hört sich wie eine Räuberpistole an, sie ist es auch. 

Die bizarre Aktion wird ein Schlag ins Wasser, wenn man im Bild bleiben darf. Denn Ernest Hemingway und die anderen Mitstreiter stoßen, wenig überraschend, auf keinen einzigen Nazi, weder an Land, noch auf Wasser. Seit er diesen Unfug mitgemacht hat, mag Ernest Hemingway den Schnauzbart Briggs. Seitdem sind sie gute Freund, mehr noch, zwei Verrückte, die manche Verrücktheit im Leben teilen. Und: Beide vermelden das gleiche Geburtsjahr. Wie der Nobelpreisträger ist auch der Diplomat ein Mann vom Jahrgang 1899. 

Der Schriftsteller mag den Karrierediplomaten Briggs, der ein wenig verschroben auftritt und in Cabo Blanco mit einem breiten Tropenhelm aufkreuzt. Ein wenig erinnert der stämmige Diplomat an Oliver Hardy, den Dicken aus dem Komiker-Duo Laurel & Hardy. Aber Ernest legt auf Äußerlichkeiten wenig Wert, er mag Ellis, so wie er ist. Besonders dessen Zuverlässigkeit schätzt er und das große Herz. 

Im Jahr 1956 ist Ellis O. Briggs der Botschafter der USA in Peru, und auch Ernest Hemingway weilt für fünf Wochen in dem Andenland, um am Pazifik die Filmaufnahmen für Der alte Mann und das Meer zu überwachen. Botschafter Briggs ist am 10. Mai 1956 aus Lima nach Cabo Blanco in den Norden gekommen, um mit seinem alten Kumpel ein Wochenende auf dem Meer zu verbringen.

Es werden für den Schriftsteller schöne Stunden, denn Ernest hat gerne

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Den Hemingways mundet die peruanische Küche

Den Hemingways mundet die peruanische Küche
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Reichtum aus knapp 3.000 Kilometern Küste. Frischer Fisch aus dem peruanischen Pazifik in Cabo Blanco. Photo by W. Stock

Der bärtige Schriftsteller aus Chicago ist ein Mensch, der sich mit Haut und Haaren auf das Neue einlässt. So saugt er in Peru jenes auf, das er noch nicht kennt. Von Ernest Hemingway berichten die Einheimischen aus Cabo Blanco, dass ihm die peruanische Küche überaus zugesagt hat. Die Tage am peruanischen Pazifik genießt auch Mrs. Hemingway sichtlich.

Miss Mary bekommt die peruanische Küche gut, sie mag besonders den Lomo Saltado, ein typisch peruanisches Mittagsgericht. Da wird in dünne Scheiben geschnittenes Fleisch der Rinderlende, mit Zwiebeln, Kartoffelscheiben und Tomaten, nebst weißem Reis serviert. Mary mag den Lomo Saltado so sehr, dass sie das Rezept in ihrem kleinen Tagebuch festhält.

Auch das landestypische Obst und Gemüse findet das Gefallen der aparten Amerikanerin. Jeden Abend isst sie eine frische Avocado, die man in Peru Palta nennt, weil sie so in Quechua heißt. Und Mary, ebenso wie Ernest, mundet auch der Chifa, dieser Stilmix aus chinesischer und peruanischer Küche, der in jeder kleineren und größeren Stadt zu finden ist.

Der Schmelztiegel Peru sorgt mit seiner Mannigfaltigkeit dafür, dass all die

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La Mer

La Mer
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Ernest Hemingway liebt das Meer über alles. Er liebt den blauschimmernden Farbton, den salinischen Geruch, die knospenden Geräusche. Everything about him was old except his eyes and they were the same color as the sea and were cheerful and undefeated. Auf eine anmutige Art und Weise beschreibt Ernest Hemingway den alten Mann Santiago direkt zu Anfang seines Romans. Alles an ihm war alt bis auf die Augen, und die hatten die gleiche Farbe wie das Meer und waren heiter und unbesiegt.

Blaue Augen herrlich und heiter wie das Meer. Das Meer, ebenso wie die Augen eines anständigen Menschen, bleibt unbesiegt. Denn wer, so will man fragen, soll das gewaltige Meer besiegen? Der kleine Mensch kann es nicht, es würde auch keinen Sinn ergeben. Der Mensch sollte das Meer vielmehr als einen guten Freund gewinnen. Denn das Meer kann dem Menschen aufzeigen, wo Maß und Mitte zu finden sind und, wenn man viel Glück hat, kann das Meer auch den richtigen Weg durchs Leben weisen.

Das Meer, wenn man es als Freund annimmt, schenkt einem viel und belohnt fürstlich. Das größte Geschenk des Meeres ist, es lässt einen zur Besinnung und zur Einkehr kommen, es zeigt den Weg auf zu einem selbst, man vermag zu erkennen, was einem wohltut und was zuträglich ist. Das Meer, wenn man tief in sich hinein horcht, hilft dem Menschen, den eigenen Mittelpunkt zu erspüren.

Das Meer macht den Menschen menschlicher, Ernest Hemingway hat es selbst wahrgenommen. Als er Der alte Mann und Meer schreibt, diese fast alttestamentarische Parabel über den Menschen und die Schöpfung, da fehlen wie von einem Wunder weggeblasen auf einmal all die Zynismen und Spötteleien, die sich früher in sein Werk eingeschlichen haben.

Ein Franzose – Charles Trénet – hat  kurz nach der Befreiung Frankreichs eine musikalische Ode an das Meer komponiert, dessen Solennität so etwas wie die Hymne gallischen Stolzes erzeugt.

La mer
Au ciel d’été confond
Ses blancs moutons
Avec les anges si purs
La mer bergère de l’azur infinie
Et d’une chanson d’amour
La mer
A bercé mon coeur pour la vie

Am blauen Meer wird des Menschen Herz

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