Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

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Guillermo Cabrera Infante: Ernest Hemingway war wie Inspektor Clouseau

Guillermo Cabrera Infante
Guillermo Cabrera Infante: Drei traurige Tiger. Im Original: Tres tristes tigres, aus dem Jahr 1967.

Der kubanische Journalist und Schriftsteller Guillermo Cabrera Infante war einer der originellsten, klügsten und witzigsten Autoren der spanischsprachigen Kultur. Nachdem er seine ersten Lebensjahre in seiner ostkubanischen Geburtsstadt Gibara verbracht hatte, lebte Cabrera Infante nach dem Umzug seiner Familie Anfang der 1940er Jahre in der Hauptstadt Havanna. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium betätigte er sich ab 1947 als Schriftsteller und besuchte ab 1950 die kubanische Journalistenschule.

Cabrera Infante, Jahrgang 1929, machte sich auf der Insel vor allem als Filmkritiker einen Namen. Zunächst ein Anhänger der Revolution, sah er nach der Machtübernahme der Bärtigen vieles kritisch, insbesondere die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Cabrera Infante ging ins Exil, zunächst nach Madrid, später nach London, wo er 2005 starb. Sein erster und wohl wichtigster Roman Tres tristes tigres – auf Deutsch: Drei traurige Tiger – ist eine sprachliche Achterbahnfahrt durch Land und Literatur. Ein dicker Roman über das vorrevolutionäre Havanna. Ein Kaleidoskop voller sprachlicher Anspielungen und mit idiomatischem Überschwang.

Ernest Hemingway und Guillermo Cabrera Infante sind sich mehrmals begegnet. In Drei traurige Tiger kommt Hemingway, der seit 1939 auf der Finca Vigía bei Havanna lebt, ein Dutzend Mal vor. Nicht zentral, eher als Fußnote. Allerdings mit einer Selbstverständlichkeit, als habe der bärtige US-Amerikaner immer dazu gehört, zum Havanna der späten 1950er Jahre.

Im Gespräch mit Suzanne Jill Levine im Jahr 1990 verrät Cabrera Infante, wie sein Verhältnis zu dem prominenten Amerikaner gewesen war. Denken Sie daran, dass er in Havanna lebte, sodass es unmöglich war, nicht nur seiner korpulenten Gestalt, sondern auch seinem Ruhm aus dem Weg zu gehen. Er war der berühmte, auf Kuba lebende Schriftsteller schlechthin. (…) Es war schwer, ihm aus dem Weg zu gehen.

Ob er für ihn ein Vorbild gewesen ist? Ich wollte so berühmt sein wie er. Und zwar nicht, weil mich sein Stil oder seine Figuren beeinflusst hätten. Vielmehr seine Art zu leben, seine Einstellung zum Leben. Obwohl ich natürlich mit der Zeit den Eindruck gewonnen habe, dass er etwas getan hat, was Schriftsteller oft tun.

Auf der einen Seite bewundert Cabrera Infante die Legende und Lichtgestalt. Dessen geniales Handwerk, die Hinwendung zum schönen Leben, seine Liebe zu Kuba. Aber alles kritiklos abnicken, das mag der junge Journalist auch nicht. In seinen Texten, die er über Hemingway schreibt, bemerkt man die Verehrung. Allerdings schimmert – neben aller Sympathie –  ebenso eine Prise der Distanz aus seinen Beobachtungen. 

Mich hat überrascht, dass er so viel Zeit mit sinnlosen Tätigkeiten verbracht hat. Ich meine damit, dass seine Rituale reine Paranoia waren: jeden Tag um elf Uhr morgens nach Cojímar hinunterzugehen, auf sein Boot zu steigen und in die Strömung des Golfs hinauszufahren. Nur um zu sehen, ob er den größten Fisch weit und breit fangen kann. Das hatte nichts mit dem wirklichen Leben zu tun, sondern mehr mit Hirngespinsten.

Guillermo und Ernest kennen sich und schätzen sich. Nicht in allen Punkten. Ich war einmal mit ihm auf dem Boot und fand es schrecklich langweilig. Von sechs Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags tat er nichts anderes als zu trinken. Er betrank sich mit Wodka und landete schließlich auf dem Deck, wo er den Rest des Tages – oder fast den ganzen Rest des Tages – zu nichts mehr fähig war. Dann stand er plötzlich wieder auf: Die Wirkung des Wodkas war abgeklungen, und nun kehrte er wieder nach Cojimar, in den Hafen, zurück. Ich konnte das nicht begreifen! Wenn das eine Lebensweise war, glauben Sie mir, dann wollte ich sie nicht führen.

Ob es Wodka war? Unwahrscheinlich. Eher Rum. Der Lebenswandel. Ach ja, es ist der Lebenswandel, den Guillermo als abschreckendes Beispiel vor Augen hat. Und was ist mit seiner Manie, nach Afrika zu fahren? Nur um Büffel und Antilopen zu töten. Merkwürdige Lebensziele! Oder monatelang in Spanien hinter Stierkämpfern herzujagen, weil er alle guten Stierkämpfer jener Zeit kennenlernen wollte. Ernest war wirklich verrückt, ohne jeden Zweifel.

Möglicherweise verstellte Ernests Lebensführung dabei den Blick auf all die Schönheit, die ihn in den Tropen umgab. Das wunderschöne Haus im Süden von Havanna, wo er alles hatte, was er liebte. Einen Garten voller tropischer Früchte und eine riesige Bibliothek. Er fuhr in einem Mercury-Cabrio nach Havanna und ging ins ‚Floridita‘ oder ins ‚Zaragozana‘, um zu essen und zu trinken. Das war nicht schlecht, aber der Rest seines Lebens war schrecklich. Er tat etwas, was Schriftsteller oft tun: Zeit verschwenden.

Auch mit den Spanisch-Kenntnissen von Ernest ist es wohl

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Wenn Worte zu Fäusten werden: Ernest Hemingway geht auf Orson Welles los

Ernest Hemingway
Orson Welles
Ernest Hemingway und Orson Welles schenken sich nichts. Auch wenn es davon kein Foto gibt. Nur eine KI-Montage. Foto: AI-ChatGPT.

Als sich Ernest Hemingway und Orson Welles zum ersten Mal begegnen, prallen zwei Naturgewalten aufeinander. Der eine: ein Großwildjäger, Kriegsreporter, Meister der knappen Sätze. Der andere: ein Wunderkind des Kinos, Stimmenmagier, Egomane mit Shakespeare-Komplex. Beide lieben den Alkohol, den großen Auftritt und die eigene Legende. Dass diese Begegnung irgendwann in einer handfesten Prügelei endet, scheint beinahe zwangsläufig.

Es klingt wie das Drehbuch eines billigen Hollywood-Streifens, doch es hat sich tatsächlich so zugetragen. Im Juli 1937 treffen in einem verdunkelten New Yorker Vorführraum zwei der größten Egos des 20. Jahrhunderts aufeinander. Der literarische Macho Ernest Hemingway und das 22-jährige Wunderkind von Radio und Theater, Orson Welles. Das Ergebnis? Ein handfester Boxkampf, der beinahe die Kinogeschichte verändert hat.

Ernest Hemingway hat das Drehbuch für die antifaschistische Dokumentation The Spanish Earth geschrieben. Da seine eigene Stimme auf den Aufnahmen jedoch zu monoton klingt, engagieren die Produzenten den jungen Orson Welles als Sprecher – ein aufstrebendes Genie, das für seine markante, resonante Stimme bekannt ist.

Mit der Arroganz der Jugend gesegnet, hält Welles den Text von Hemingway für stellenweise zu pompös. Er beschließt, das Skript eigenmächtig zu ändern. Als Ernest den Raum betritt, um sich das Ergebnis anzusehen, ist die Stimmung bereits geladen. Der Autor, der seinen Status als kerniger Naturbursche und Boxer pflegt, verträgt Kritik höchstens in homöopathischer Dosierung – erst recht von einem Kino-Schnösel.

Während Orson Welles eine Passage vorliest, ruft der berühmte Schriftsteller aus dem Dunkeln: „Ein linker Intellektueller will mir erzählen, wie man über Krieg schreibt!“ Orson Welles kontert mit einem spöttischen Kommentar über Hemingways aufgeblasene Männlichkeit. Das ist zu viel für den Kriegsreporter. Der Schriftsteller springt auf, baut sich vor Welles auf und verpasst ihm einen Stoß.

Was folgt, ist kein eleganter Boxkampf, sondern eine chaotische Kneipenschlägerei mitten im Vorführraum. Stühle fliegen, Scheinwerfer wackeln, und auf der Leinwand laufen währenddessen ungerührt die Bilder des Spanischen Bürgerkriegs weiter. Welles beschreibt die Szene später so:  „Wir prügelten uns auf dem Boden, umgeben von Bildern sterbender Soldaten. Es war surreal.“

Wie so oft bei Männern dieses Kalibers endet der Sturm so schnell, wie er aufgezogen ist. Nachdem beide Männer Dampf abgelassen haben und sichtlich erschöpft sind, betrachten sie das Chaos. Hemingway, beeindruckt davon, dass der junge Welles nicht einfach das Weite gesucht hat, holt eine Flasche Whiskey hervor. Sie trinken gemeinsam, lesen den Text und schliessen Frieden. Orson darf einige Änderungen beibehalten, doch am Ende spricht Ernest den Kommentar selbst ein – angeblich, weil seine raue Stimme besser zum Dreck des Krieges passt.

Welles erzählt die Geschichte später

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Nicht nur Ernest Hemingway. Kein Tag an einer Universität – trotzdem Literatur-Nobelpreis

Stanford University
Palo Alto
Die Spitze. Campus der Stanford University in Palo Alto/California. Foto: W. Stock, 2005.

Es ist eine interessante Tatsache, dass einige der bedeutendsten Schriftsteller der Literaturgeschichte nie eine Universität besucht haben. Oder ihr Studium frühzeitig abgebrochen haben. Auch wenn es wenige sind, es gibt sie. Kein Akademiker, trotzdem Literatur-Nobelpreis. 

Die meisten Preisträger hatten zumindest irgendeine Form von Hochschulbildung (auch wenn sie abbrachen oder nie abschlossen). Bei anderen jedoch steht kein einziger Tag an einer Universität zu Buche. Diese Schriftsteller bildeten sich meist als Autodidakten in Bibliotheken, auf Reisen oder durch handwerkliche Berufe weiter.

Hier eine Auswahl bekannter Literatur-Nobelpreisträger, die ohne akademischen Grad blieben:

Rudyard Kipling (Nobelpreis 1907) besuchte nur Schulen, ein Stipendium für eine Universität wurde ihm nicht zugeteilt. Der in Bombay geborene Brite fing als Journalist in Indien an.

Knut Hamsun (Nobelpreis 1920): Der Norweger wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und arbeitete als Gemeindeschreiber und Straßenbahnschaffner, bevor er als Schriftsteller bekannt wurde.

George Bernard Shaw (Nobelpreis 1925) hasste das formale Ausbildungssystem und verließ die Schule mit 15 Jahren. Der aus Dublin stammende Brite bildete sich selbst in der British Museum Library weiter und bezeichnete Schulen später als „Gefängnisse“.

Grazia Deledda (Nobelpreis 1926): In ihrer Heimat Sardinien war für Mädchen damals nach der Grundschule Schluss. Sie bildete sich privat weiter und wurde als erste Italienerin mit einem Nobelpreis ausgezeichnet.

Harry Martinson (Nobelpreis 1974): Der Schwede wuchs als Waisenkind auf, das mit 16 Jahren zur See fuhr und jahrelang als Heizer und Matrose arbeitete. Seine Universität war der Ozean.

Joseph Brodsky (Nobelpreis 1987) verließ die Schule mit 15 Jahren in der Sowjetunion und arbeitete in verschiedensten Berufen (u. a. im Leichenschauhaus und in Fabriken), während er sich selbst Literatur und Sprachen beibrachte.

José Saramago (Nobelpreis 1998): Aufgrund der Armut seiner Familie konnte er kein Gymnasium besuchen und machte stattdessen eine Ausbildung zum Schlosser. Der Portugiese war ein klassischer Autodidakt.

Doris Lessing (Nobelpreis 2007) verließ mit 14 Jahren die Schule. Nach harter und schwieriger Jugend ergab sich für die Britin kein Studium.

Ernest Hemingway (Nobelpreis 1954): Der Sohn eines Arztes und einer Opernsängerin ging direkt nach der High School als Lokalreporter zur Zeitung Kansas City Star. Ein Studium war nicht sein Ding, der im Mittelwesten der USA aufgewachsene Naturbursche suchte die Ausbildung im „echten Leben“.

Jetzt gibt es doch noch eine Überraschung. Der mit akademischer Aura auftretende Kaufmannssohn Thomas Mann (Nobelpreis 1929) galt als mäßiger Schüler. Der Lübecker verließ das Gymnasium vorzeitig ohne Abitur und besuchte später lediglich als Gasthörer einige Vorlesungen an der TH München, ohne ein ordentliches Studium abzuschließen.

Diese Beispiele – die Liste ist nicht vollständig – zeigen, dass akademische Bildung nicht selbstverständlich ist. Selbst für Nobelpreisträger. Für die höchste literarische Auszeichnung bleiben

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Die Augen wollen Sonne – Charles Bukowski für Ernest Hemingway

Bukowski
San Fermín in Pamplona – ein tief verankertes Volksfest zwischen Andacht und Radau. Foto: W. Stock, 2024.

The Fighter
Hemingway feels it from the grave
every time the bulls run through the streets of
Pamplona
again
he sits up
the skeleton rattles
the skull wants a drink
the eyeholes want sunlight
the young bulls are beautiful,
Ernest
and you were
too
no matter
what they say
now.

Dieses kraftvolle Gedicht von Charles Bukowski lässt Ernest Hemingway für einen Moment wieder auferstehen: Mitten im Juli, wenn in Pamplona das berühmte Encierro die Altstadt erschüttert. Die Sanfermines, die Hemingway zu Weltruhm verhalf, sind tief in der Seele des Nobelpreisträgers verwurzelt. Bukowski zeichnet diese metaphysische Verbindung auf meisterhafte Weise nach.

Obwohl das Gedicht vor Hochachtung und kühler Sympathie sprudelt, war Bukowskis Beziehung zu seinem literarischen Vorgänger keineswegs frei von Reibung. Anfänglich beäugte er Hemingways inszenierte Männlichkeit und dessen betont lakonischen, hartgesottenen Schreibstil mit einer gewissen Skepsis. Erst mit den Jahren wandelte sich dieser Vorbehalt in eine tiefe und ehrfurchtsvolle Bewunderung.

Bukowski erkannte unter der rauen Oberfläche die schonungslose Ehrlichkeit und eine poetische Radikalität, die seiner eigenen Ästhetik näher war, als er es sich lange eingestehen wollte. Am Ende erweist hier ein literarischer Außenseiter dem anderen die Ehre.

Bukowski zeichnet das Bild zweier geistesverwandter Seelen: Zwei kompromisslose Giganten des US-amerikanischen Realismus, die das Leben

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J. D. Salinger: Vom Hürtgenwald zur Weltliteratur

Der Fänger im Roggen
Eines der schönsten Werke der Weltliteratur. Der Fänger im Roggen. Von J. D. Salinger. Foto: Archiv Dr. Stock.

Dieser Weltliterat hat eine abenteuerliche Biografie. Jerome David Salinger wird am 1. Januar 1919 als Sohn einer jüdisch-litauischen Familie in New York geboren. Mit dem Verfasser von Filmkritiken verdient er erstes Geld. Danach geht er zur Armee. Wegen seiner guten Fremdsprachen-Kenntnisse wird er im Anschluss an die Grundausbildung 1943 dem Counter Intelligence Corps – dem militärischen Abwehrdienst – zugeteilt und bricht nach dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten in Richtung Europa auf.

Die brutalen Kämpfe im Hürtgenwald werden gerade für den feinsinnigen Salinger zum Wendepunkt seines Lebens. In den Schützengräben der Nordeifel erkennt der Mittzwanziger, dass er für den Krieg nicht gemacht ist. Vielmehr möchte Jerry sich der Literatur und den Künsten widmen. Auch an der Front schreibt er, wo immer sich die Möglichkeit dazu ergibt. In den Gefechtspausen wird er die ersten Kapitel seiner grandiosen Erzählung The Catcher in the Rye verfassen.

Ein persönlicher Lichtblick im Krieg: Der Nachwuchsautor trifft zweimal auf den schon arrivierten Ernest In Paris und in dem kleinen Eifeldorf Zweifall unterhalten sie sich stundenlang. Nach dem Krieg wird Salinger in einem Brief an Ernest offenbaren: Die Gespräche mit Dir im Hürtgenwald waren die einzigen hoffnungsvollen Momente in diesem ganzen Irrsinn. Der Idealtypus eines ungebundenen Schriftstellers, den Hemingway für den ehrgeizigen Neuling wie aus dem Lehrbuch verkörpert, gibt Salinger in den schweren Stunden an der Westfront Kraft und Hoffnung.

In der bitterkalten Nordeifel ist der empfindsame J. D. von Schreck und Elend nur so umgeben. Sein Vorgesetzter, ein in der Kompanie gefürchteter Bluthund und Säufer, hat es besonders auf den zarten Salinger abgesehen. Ohne Sinn befiehlt er dem Feldwebel, über Nacht eine Schützenmulde zu halten, obwohl Salinger nicht die richtige Kleidung für die klirrend kalte Winternacht dabei hat. Werner Kleeman, in Angst um das Leben des Freundes, findet J. D. in einem Drecksloch voller Eis und Schnee. Er steckt ihm eine Decke und ein Paar von seiner Mutter gestrickte Wollsocken zu.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs besucht Salinger das Konzentrationslager Kaufering IV-Hurlach, das kurz zuvor im April 1945 befreit worden ist. Der Hürtgenwald ist schon schrecklich gewesen, doch den Horror, den er in Oberbayern zu Gesicht bekommt, lässt sein Blut in den Adern gefrieren. Niemals hat er sich J. D. Salinger öffentlich zu seinen Erlebnissen in Deutschland geäußert.

Doch seine Tochter Margaret erinnert sich an eine Bemerkung ihres Vaters: You never really get the smell of burning flesh out of your nose entirely, no matter how long you live. Du bekommst nie wirklich den Geruch von brennendem Fleisch aus deiner Nase, egal wie lange du lebst. Vor dem Eintreffen der alliierten Streitkräfte sind geschwächte Häftlinge, die nicht auf einen Todesmarsch geschickt werden konnten, im KZ bei lebendigem Leib verbrannt worden.

The Catcher in the Rye, 1951 erstmals erschienen, ist Salingers Meisterwerk. Dieser einzige veröffentlichte Roman von ihm erreicht eine Auflage von über 65 Millionen Exemplaren. In Amerika kennt jedes Schulkind diese Erzählung um den 16-jährigen Holden Caulfield. Es ist ein Entwicklungsroman hin zum Erwachsenwerden. Der Protagonist schildert die zwiespältige Gefühlslage der Jugend und den schwierigen Weg, das eigene Ich zu finden.

Und auch hier findet sich ein Verbindung zur Nordeifel. Die erste deutsche Übersetzung von Der Fänger im Roggen stammt von Heinrich Böll, der bis zu seinem Tod in Langenbroich gewohnt hat, knapp dreißig Kilometer von Zweifall entfernt. So oder so, die blutigen Gefechte an der Siegfried-Linie haben Salinger zugesetzt.

Die Unbarmherzigkeit, die Jerome David Salinger im Hürtgenwald erlebt hat, führt zu

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Werner Kleeman mit Salinger und Hemingway in Zweifall

Zweifall
In der Jägerhausstraße des Eifeldorfs Zweifall findet im November 1944 die Begegnung von Ernest Hemingway und J. D. Salinger statt. Foto: W. Stock, August 2026.

Mitte November 1944 erlebt das kleine Dorf Zweifall eine stille Sensation. Zwei der bekanntesten Schriftsteller des Jahrhunderts treffen in diesem Eifelort bei Stolberg aufeinander. Es ist Werner Kleeman, der die Erinnerung an das Treffen in seinen Erzählungen und Briefen lebendig hält. J. D. Salinger, Ernest Hemingway und er sind einen ganzen Abend zusammen gewesen. Heute erinnert wenig an die berühmten Gäste.

Das ehemalige Büro des PRO, in dem militärischen Nachrichtenbüro fand die Begegnung statt, ist heute ein normales Wohnhaus. Es gehört einer alteingesessenen Familie aus Zweifall. Werner Kleeman beschreibt das Brick House in der Jägerhausstraße 87 deutlich in seinen Memoiren. In dem Wohnzimmer in Parterre haben Hemingway, Salinger und Kleeman stundenlang über Literatur und den Krieg gesprochen.

Zwei Giganten der Weltliteratur in Zweifall. Kein Schild und keine Gedenktafel weisen in diesen Tagen auf die historische Begegnung hin. Dennoch weiß die Enkelgeneration der Hauseigentümer um den bedeutenden Besuch. Ebenso wie der eine oder andere Ältere in dem Eifeldorf sich erinnern kann.

So hat Hubert Ramers mit den Eltern und Geschwistern auf der gegenüberliegenden Straßenseite gewohnt, wenige Meter unterhalb der Nummer 87. Der Zweifaller hat Ernest Hemingway noch gut im Gedächtnis. Er sei der einzige Amerikaner gewesen, der ständig eine Kamera vor der Brust getragen habe. Nun hat der Kriegsreporter eigentlich keinen Fotoapparat bei sich, aber mit seinem Feldstecher hat er sich schon von gewöhnlichen Soldaten abgehoben.

Nach dem Krieg sind Ernest Hemingway und J. D. Salinger kein großes Thema in Zweifall. Für die katholische Pfarrbibliothek, anderes hat es in den Adenauer-Jahren nicht gegeben, war der bärtige Nobelpreisträger von 1954 zu unfromm, erzählen Einheimische. Und der Autor von Der Fänger im Roggen ist noch zu unbekannt. Auf das Stolberger Gymnasium gingen Schüler aus dem Dorf erst in den 1950er Jahren, angelsächsische Literatur interessierte damals nicht groß.

Unteroffizier Werner Kleeman, der bei der Begegnung Hemingways mit Salinger in Zweifall die ganze Zeit anwesend ist, entstammt einer gutsituierten jüdischen Familie aus Gaukönigshofen in Unterfranken. In dem idyllischen Bauerndorf mit 600 Bewohnern wird Werner im September 1919 geboren. Der Vater Louis ist Getreidebauer und im Dorf als Händler angesehen. Nach Machtübernahme der Nationalsozialisten verschlechtern sich die Lebensbedingungen der Kleemanns. Dem Schüler Werner wird verboten, weiterhin die Oberrealschule in Würzburg zu besuchen.

Bei den Novemberpogromen 1938 verwüsten Nazis das Haus der Familie, der Getreidehandel endet im Ruin. Ende desselben Jahres wird Werner von dem Gaukönigshofener Gastwirt, einem NSDAP-Mitglied, denunziert und daraufhin ins KZ Dachau verschleppt. Mit Hilfe eines Vetters aus Nebraska als Bürgen kann sich der 19-jährige Häftling freikaufen. Er flieht nach London und emigriert im November 1939 in die USA. Dort ändert er seinen Namen, streicht das letzte ‚n‘ im Nachnamen, kommt bei Verwandten in Queens unter und arbeitet in einem Kaufhaus.

Im Frühjahr 1945, die Wehrmacht steht vor der Kapitulation, fährt Werner Kleeman nach Gaukönigshofen, um die Nationalsozialisten in seinem Ort zur Rede zu stellen. Er findet die Synagoge als Schuppen für die Feuerwehr entehrt, die jüdischen Friedhöfe zerstört, das Elternhaus als Gefängnis für 50 französische Kriegsgefangene missbraucht. Der US-Militärpolizei nennt er die Namen der Dorfbewohner, die an den Pogromen beteiligt waren.

Der Mann, der ihn sieben Jahre zuvor verhaften ließ, wird nun selbst festgenommen. Es ist ein Plot wie aus einem Hollywood-Film: Ein ehemaliger KZ-Häftling lässt jenen Nazi internieren, der ihn einst verraten hat. Werner trifft in seinem Heimatdorf auch anständige Deutsche. So einen Nachbarn, der einige jüdische zeremonielle Gegenstände in einem Koffer versteckt und verwahrt hat.

Mit Deutschland hat Werner Kleeman abgeschlossen. Er geht zurück nach New York, heiratet, wird Vater zweier Töchter und baut eine kleine Firma für Innendekoration auf. Die Familie wohnt in einem bescheidenen Haus im Stadtteil Queens. Sein Leben lang lehnt er es ab, Deutsch zu sprechen. Die Freundschaft zu Salinger, eine der wenigen des Schriftstellers, hält bis zu dessen Lebensende. Im Juli 2018 stirbt Werner Kleeman mit 98 Jahren in New York.

Die Begegnung zwischen ihm, Salinger und Hemingway im kleinen Eifelort Zweifall im November 1944 bleibt ein Höhepunkt im Leben von Werner Kleeman. Auch wenn das illustre Trio weitgehend

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Ernest Hemingway bleibt tagelang vor Ort in Zweifall

Zweifall
In Zweifall ist es wohl dieses Haus in der heutigen Jägerhausstraße 87 gewesen, in dem Ernest Hemingway Mitte November 1944 logiert und seine Artikel in die Heimatredaktion übermittelt hat. Foto: W. Stock, August 2026.

Nachdem die US-Truppen die belgisch-deutsche Grenze bei Roetgen überquert haben, sprengen Einheiten der Wehrmacht auf ihrem Rückzug im Hinterland alle Brücken über die Vicht und den Hasselbach. Es hält die GIs nicht auf, in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1944 erobern amerikanische Soldaten Zweifall kampflos.

Der Ort ist eine katholisch geprägte Gemeinde mit 850 Einwohnern, nahe am Hürtgenwald, südlich von Aachen und Düren gelegen. Es gibt eine evangelische und eine katholische Kirche, dazu drei Gastwirtschaften. Zwei Wasserläufe – der Hasselbach und der Vichtbach – durchfließen den Ort. Zweifall ist ein Dorf, wie viele andere in der Umgebung. Man hat den Nazi-Oberen nicht gerade zugejubelt, und doch hat man sich irgendwie arrangiert. 

Seit der Einnahme des kleinen Eifeldorfes Mitte September 1944 haben die US-Streitkräfte in Zweifall eine Einheit für Presse und Film eingerichtet. Nicht als stationäre Dienststelle wie in größeren Städten, sondern als mobile Stabsabteilung, die dem Frontverlauf nachrückt. Das PRO-Office dient als Anlaufpunkt für die 10 bis 20 US-Journalisten, die über die Schlacht im Hürtgenwald berichten. Hier werden die Presseleute von Führungsoffizieren gebrieft und können zudem kurzzeitig Quartier finden.

Aus Paris kommt Ernest Hemingway Mitte November 1944 in die Gegend um Zweifall und nutzt zwischen dem 10. und dem 15. November die Fernmeldeleitungen der PRO-Verwaltung, um sich mit seinem Auftraggeber in den USA abzusprechen. Und er übernachtet mehrmals in dem Anwesen, das in der heutigen Jägerhausstraße 87 liegt.

Die Elektrizität fällt in dem ganzen Ort oft aus, doch das Büro des PRO besitzt einen Generator zur Notstromversorgung, damit die Reporter dort telefonieren und ihre Depeschen absetzen können. So wird in Zweifall für das Truppenblatt Stars and Stripes geschrieben, ebenso wie die Motion Picture Unit die Rückkehr der Bevölkerung in ihr Dorf für die Wochenschauen in den USA filmt.

In dem Ort treffen im Kriegswinter 1944 zwei der einflussreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zusammen. Hauptmann Marcus Stevenson, der die PRO-Niederlassung leitet, begrüßt an diesem Abend zwei Neuankömmlinge, die beiden Soldaten J. D. Salinger und Werner Kleeman. Die einzige weitere Person im Raum ist ein hochgewachsener, kräftiger Mann in Uniform, allerdings ohne Waffe. Auf seiner Armeejacke steckt das „C“ für Correspondent – Kriegsberichterstatter – gut sichtbar.

Der bullige Mittvierziger hat sich auf dem Sofa breitgemacht, eine Schirmmütze über Stirn und Kopf gezogen und schreibt eifrig Notizen in einen gelben Block. Ernest Hemingway schaut auf, erhebt sich von der Couch und geht auf die zwei Besucher zu. Der Schriftsteller lächelt sanft, umarmt beide herzlich und schenkt dann allen einen Begrüßungsdrink ein.

Seit seinen Romanerfolgen Fiesta und Wem die Stunde schlägt sowie den Reportagen aus dem Spanischen Bürgerkrieg gilt der draufgängerische Amerikaner als ikonische Leitfigur der modernen US-Literatur. Der spätere Nobelpreisträger ist dem 22. Infanterie-Regiment zugeteilt, es steht unter dem Kommando von Oberst Charles Lanham, den Ernest Buck ruft. Der Starschreiber berichtet als akkreditierter Korrespondent für das Wochenmagazin Collier’s aus dem Krieg gegen Hitler.

Selbstbewusste wie er auftritt, wird der prominente Reporter von den Militärbehörden behandelt wie eine Diva. Ihm werden Privilegien zuteil wie keinem anderen Kollegen. Der Autor kann über einen Jeep mit persönlichem Chauffeur verfügen, zudem wird er manchmal von einer Ordonnanz begleitet. Gerne nutzt Ernest seine Sonderrechte, um sich hinter den Kampflinien nach eigenem Gutdünken von seiner Einheit abzusetzen.

Doch ist der berühmte Kriegsreporter in der Nordeifel gesundheitlich angeschlagen, die Nachwirkungen eines Bronchialkatarrhs, den er sich in den eisigen Gefilden eingefangen hat, machen ihm zu schaffen. Später werden sich die Beschwerden zu einer heftigen Lungenentzündung auswachsen, mehrmals muss er einen Armee-Arzt konsultieren.

Nachts ist Zweifall ohne Elektrizität stockfinster, über dem Flecken liegt die Dunkelheit der nahen Front. Denn nur einen zweistündigen Fußmarsch entfernt tobt eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Der Einsatz von Panzern und Luftwaffe ist in dem waldbedeckten Gelände unmöglich, die Soldaten stürmen im dichten Unterholz mit Handgranaten und Flammenwerfern aufeinander zu.

Adolf Hitler in der Berliner Reichskanzlei hat den Befehl ausgegeben, jeden Meter Boden zu halten, um den Vorstoß der Amerikaner zum Rhein zu verhindern. Die Verluste auf beiden Seiten sind enorm. Der nasskalte Spätherbst 1944 verwandelt

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J. D. Salinger mit Ernest Hemingway in dem kleinen Eifeldorf Zweifall

Ernest Hemingway
J. D. Salinger
Von dem historischen Treffen Ernest Hemingways mit J. D. Salinger existieren keine Fotos. In unseren Tagen kann die KI aushelfen. AI-Foto: Gemini.

In dicke Jacken eingepackt, die M1-Karabiner über der Schulter, stapfen zwei junge Soldaten durch die kalte Novembernacht der Nordeifel. Mit Taschenlampen leuchten sie ihren Weg durch das stockfinstere Dorf, seit Tagen ist in allen Gebäuden die Elektrizität ausgefallen. Die beiden Amerikaner durchqueren den menschenleeren Ortskern von Zweifall, vorbei an der Gastwirtschaft und den Schieferhäusern, die so typisch sind für die Siedlung mit den umliegenden Steingruben.

Schließlich biegen die Soldaten, parallel zum Hasselbach, in die leicht ansteigende Hauptstraße ab. Der Staff Sergeant Jerome David Salinger wird begleitet von dem Unteroffizier Werner Kleeman, beide sind dem Stab der 4. Infanteriedivision zugeteilt. Salinger arbeitet für die Abwehr und Kleeman, ein US-Bürger deutscher Abstammung, ist Dolmetscher der Division. Gemeinsam sind beide Kameraden am D-Day in der Normandie gelandet und später ins befreite Paris eingerückt.

Nun stecken ihre Verbände seit Wochen östlich von Aachen fest, an der Siegfried-Linie mit ihren unzähligen Bunkern, Stollen und Panzersperren erlahmt der Vormarsch der US-Truppen. Salinger und Kleeman ziehen in dem kleinen Ort der nördlichen Eifel an der Hausnummer 14 vorbei. In dem Braunen Haus, dem ehemaligen Sitz der NSDAP-Verwaltung, hat sich nun der Führungsstab der 4. US-Infanteriedivision eingerichtet.

Am Ortsausgang von Zweifall bleiben die beiden Mittzwanziger vor einem zweistöckigen Gebäude mit dem Schild PRO stehen. Das militärische Public Relations Office hat in der damaligen Adolf-Hitler-Straße – heute: Jägerhausstraße 87 – einen Stützpunkt aufgebaut. Gegen acht Uhr abends steigen die zwei Soldaten das Dutzend Stufen der Außentreppe hinauf, passieren die Wache und treten links durch den Haupteingang des höher gelegenen Gebäudes ein.

In Zweifall sind die beiden jungen Amerikaner mit einem Bekannten verabredet. Einem weltberühmten Kriegsreporter, den Salinger vor zehn Wochen in Paris kennengelernt hat. Sein Name: Ernest Hemingway. An der American Bar des Ritz in Paris sind Ernest Hemingway und Salinger zwei Tage nach der Befreiung der Stadt erstmals aufeinander getroffen. In dem Pariser Grandhotel an der Place Vendôme erzählt Hemingway dem Neuling, dass er sich an eine seiner Storys im Monatsmagazin Esquire erinnere. Ob es mehr gäbe?

Salinger gibt dem arrivierten Kollegen seine Kurzgeschichte Last Day of the Last Furlough, die von der Saturday Evening Post einen Monat zuvor veröffentlicht worden ist. Er habe die Lektüre genossen, meint der Mann aus Oak Park nach der Lektüre. Jesus, he has a hell of a talent, soll Ernest in Hochstimmung ausgerufen haben. Gleichermaßen zeigt sich Salinger von seinem weltbekannten Kollegen begeistert. Hemingway sei großzügig, freundlich und ganz ohne Starallüren.

In dem winzigen Eifeldorf Zweifall sitzen nun Mitte November 1944 zwei Giganten der Weltliteratur zusammen und trinken Champagner aus Aluminiumtassen. Auch in Zweifall, in dem spartanischen Kontor des PRO, verstehen sich der Nachwuchsschreiber und der Starreporter prächtig. Obwohl sie vom Temperament so grundverschieden sind. Hier der breitbeinige und ungehobelte Naturbursche vom Michigan-See, dort der schlaksige und zurückhaltende Kopfmensch aus der Großstadt.

Vier Stunden, bis kurz vor Mitternacht, bleiben die drei Amerikaner an diesem Abend im PRO-Büro beisammen und reden. Ernest Hemingway und der zwanzig Jahre jüngere J. D. Salinger plaudern über Bücher und Schreibtechniken. Der Neuling spitzt die Ohren, der Einfluss des berühmten Kollegen auf den Novizen wird von nun an zunehmen. Beide Autoren sollten Zeit ihres Lebens freundschaftlichen Kontakt halten.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitet Jerome Salinger, der vorzüglich Deutsch spricht, zunächst als Zivilist für eine Abteilung des US-Nachrichtendienstes im fränkischen Gunzenhausen. Er heiratet, später siedelt er in die USA über. Der Kontakt zu Hemingway reißt indes nicht ab. Er sei ein wirklich guter Schreiber, lässt Ernest des Öfteren verlauten. Seine Familie möge ihn und schicke ihm häufig Zeitschriften nach Kuba.

Die Bewunderung des bärtigen Nobelpreisträgers für den Kollegen ist grundehrlich. Als Hemingway 1959 in Madrid eine neue Sekretärin engagiert, kauft er ihr sogleich ein Exemplar von The Catcher in the Rye. In ihren Memoiren Running With the Bulls verrät Valerie, die zeitgenössischen Autoren, die Hemingway am meisten bewunderte, sind J. D. Salinger, Carson McCullers und Truman Capote. Eine signierte

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Jorge Luis Borges mag Ernest Hemingway nicht besonders

Jorge Luis Borges
Jorge Luis Borges und Ernest Hemingway. Zwei Jahrhundert-Schreiber. Wie Freunde in Paris? Eher nicht. Persönlich getroffen haben sie sich nie. Foto: ChatGPT.

Obwohl vom gleichen Jahrgang – Geburtsjahr 1899 – verkörpern diese zwei Schriftsteller die Antipoden der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts. Die Rede ist von dem Argentinier Jorge Luis Borges und dem US-Amerikaner Ernest Hemingway. Beide Autoren repräsentieren eine völlig unterschiedliche Herangehensweise an die Literatur.

Der Schreibstil von Jorge Luis Borges ist barockhaft, intellektuell und voller Anspielungen. Weniger als Romancier tritt der Südamerikaner auf, mehr wie ein philosophischer Denker und anspornender Fantast. Der Mann aus Buenos Aires bleibt zeitlebens von Büchern und von der Lektüre besessen. Dieser im Habitus weltabgewandte Stubengelehrter und halbblinde Bibliothekar liebt, sich in den Labyrinthen des Geistes zu verirren. Metaphysischen Rätsel treiben ihn um, seine Themen drehen sich um Träume, Chiffren und Mysterien.

Hemingway Stil hingegen kommt betont minimalistisch und schmallippig daher. Der hemdsärmelige Mann aus einem Vorort von Chicago führt sich auf wie ein juveniler Abenteurer und Jäger. Hyper-männlich, körperbetont und lebensnah. Die Themen des Nobelpreisträgers von 1954 drehen sich um den Stierkampf, die Jagd und den Krieg. Mut, Würde und Tod bilden die Herzstücke seiner Bücher. Ernest Hemingway versus Jorge Luis Borges. Nüchterner Realismus gegen magischen Idealismus, will man meinen, ein ungleicher Kampf.

Ein Großstadt-Mensch wie Jorge Luis Borges – stets im Anzug mit Krawatte – wandelt in den Straßen von Buenos Aires oder weilt in der feinen Schweiz. Doch am liebsten verkriecht er sich in seiner argentinischen Nationalbibliothek im Stadtteil Recoleta. Sein Lebensstil bleibt bescheiden, er lebt in einer schlichten Wohnung, ohne jede Extravaganz. Von den zahllosen Büchern abgesehen.

Ernest Hemingway wiederum – in Shorts, Shirt und Sandalen – lässt auf Kuba alle fünfe gerade sein und genießt das Leben. Zu Frauen und Prozenten sucht er Nähe. Abstand hält er zu den Metropolen und deren Verdrießlichkeiten. Papa sucht sein kleines Glück unter Palmen am Meer. Ihn interessiert weniger die Geisteskraft, sondern der Zauber des richtigen Lebens. 

Für die Zurschaustellung der Männlichkeit hat der Gelehrte Borges wenig übrig. Er findet den Fokus auf physische Gewalt, Stierkampf und Krieg oberflächlich. Mehr als einmal hat Jorge Luis sich kritisch über den virilen Kollegen geäußert. I dislike Hemingway, rutscht ihm in einem Interview heraus. Er meint, der bärtige Amerikaner sei ausgezeichnet als Schöpfer von Mythen. Vor allem über sich selbst. Mehr Persona denn Substanz.

Ich mag Hemingway nicht besonders. Er ist ein Mann, der sich sehr für seine Männlichkeit interessiert. Und dies ist etwas, was mich langweilt. Ernests Werk bezeichnete der Argentinier als brutal und geistlos. Für Jorge Luis Borges ist wahre Tapferkeit eine Sache des Geistes oder der Metaphysik, nicht das Abknallen von Löwen und Antilopen. Er tue ihm fast leid. Hemingway ist ein Mann, der ständig beweisen muss, dass er ein Mann ist.

Trotz seiner Abneigung gegen das Aufplustern und das Testosteron-Aufpumpen erkennt Borges die Verdienste des Kollegen an. Hemingway sei ein exzellenter Handwerker, der die Kurzgeschichte technisch präzisiert habe. Ein Handwerker. Es hört sich abfällig an aus Borges Mund. Es ist, wie es ist: Ihre literarischen Ansichten und Temperamente liegen zu weit auseinander. Gegenseitige Wertschätzung oder gar Freundschaft? Fehlanzeige.

Ernesto bleibt dem hispanischen Lebensraum zugeneigt, ebenso wie Jorge Luis den amerikanischen Idealismus verehrt. Die Welten der beiden überschneiden sich zwar zeitlich, aber künstlerisch und mental bleiben sie Lichtjahre voneinander entfernt. Borges betrachtet Hemingway eher als ein gesellschaftliches Ereignis, das er mit einer Mischung aus Amüsement und Verachtung beobachtet.

Die beiden Giganten verstehen sich nicht besonders. Weder im Sinne von Sympathie, noch in Bezug auf einen produktiven Austausch. Borges respektiert den Amerikaner zwar als Phänomen der Zeit, findet ihn aber künstlerisch als eindimensional und uninteressant. Zu sehr ist

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Die Suche nach der reinen Linie: Ernest Hemingway und Constantin Brâncuși in Paris

Constantin Brâncuși
Die Sehnsucht nach dem Wesentlichen: Constantin Brâncuși nähert sich dem künstlerischen Kern in Paris. Ebenso wie Ernest Hemingway.
Foto: C. Stock, 2026

Anfang der 1920er Jahre ist Paris das Epizentrum der künstlerischen Avantgarde. In den verrauchten Cafés von Montparnasse und den spartanischen Ateliers der Rive Gauche treffen zwei Personen aufeinander, die auf den ersten Blick nicht gegensätzlicher sein können. Hier der junge, vitale amerikanische Journalist Ernest Hemingway, der an einer neuen, schnörkellosen Prosa feilt. Dort der rumänische Bildhauer Constantin Brâncuși, ein introvertierter Mystiker, der in seinem Atelier den Marmor und die Bronze bis zur absoluten Essenz vereinfacht.

Obwohl sich keine tiefe Freundschaft zwischen den beiden entwickelt, kreuzen sich ihre Wege in den Zirkeln um Ezra Pound und Gertrude Stein regelmäßig. Es entsteht eine Komplizenschaft der Moderne in Paris, jeder kennt jeden in der Szene der Innovatoren. Man lästert kräftig übereinander, und doch mag man sich irgendwie. Denn alle sind Teil derselben kreativen Explosion. Und sie teilen eine radikale künstlerische Philosophie, die das Fundament der Moderne bilden wird: den Verzicht auf das nutzlose Ornament.

Der Schreiber Ernest Hemingway erarbeitet in Paris seine Eisberg-Theorie. Er kommt zur Überzeugung, dass ein Autor sieben Achtel seiner Botschaft weglassen kann und die Geschichte dennoch an Tiefe gewinnt. Hinter den einfachen Sätzen des Mannes aus Oak Park verbirgt sich die emotionale Spannung des Nicht-Gesagten. Die Prosa dieses Naturburschen ist kurz, direkt und frei von Schnörkeln. Der Mittzwanziger in Paris schneidet in seinen Erzählungen alles Überflüssige weg, um dem Kern der Wahrheit nahezukommen.

Genau diese Reduktion leitet auch den bärtigen Constantin Brâncuși. Während traditionelle Bildhauer des 19. Jahrhunderts Detail und Detail anhäufen, geht Brâncuși den umgekehrten Weg. Den Schriftsteller und den Bildhauer verbindet eine ähnliche Vorstellung von Klarheit, Reduktion und Wahrhaftigkeit in der Kunst. Der eine arbeitet mit Worten, der andere mit Stein, Bronze und Holz – und beide suchen nach dem Wesentlichen.

Damit revolutionierte Constantin Brâncuși die moderne Skulptur und beeinflusst Generationen von Künstlern. Ernest Hemingway wiederum revolutioniert die Literatur, indem er abrüstet und mit wenigen Worten sowie kargen Dialogen intensive Bilder und Gefühle erzeugt. Auch er wird zum Vorreiter einer neuen Art zu schreiben und von Kollegen und Journalisten oft kopiert. 

Constantin Brâncușis Atelier in der Rue Rambuteau im Stadtteil Le Marais gilt als lebens- und trinkfreudiger Treffpunkt der Avantgarde. Der Bildhauer arbeitet nicht nur an seinen Skulpturen, sondern inszeniert den künstlerischen Raum als Gesamtkunstwerk. Licht, Materialien und Anordnung der Werke sind sorgfältig aufeinander abgestimmt. Besucher berichten von einer fast spirituellen Wirkung des Ateliers. 

Der Autor von Fiesta schätzt die kompromisslose Hingabe an die Kunst und erkennt darin eine Haltung, die seiner eigenen Arbeit ähnelt. Häufig erwähnt Ernest Hemingway den Bildhauer mit Bewunderung in seinen Briefen. Oft werden Fotos der Skulpturen in avantgardistischen Zeitschriften wie This Quarter oder Transatlantic Review neben den Artikeln abgedruckt. Als Ernest Walsh im Mai 1925 das neue Magazin This Quarter gründet, sind Ernest Hemingway und Constantin Brâncuși die Zugpferde.

Von Hemingway erscheint in dieser Erstausgabe die Kurzgeschichte Big Two-Hearted River, der Bildhauer ist mit über 40 Fotografien vertreten. Ernest schreibt dazu am 28. März 1925 an den Verleger: Das wird eine verdammt gute Zeitschrift. Die Sachen von Brancusi sind nicht schlecht. Wenn man die Fotos zurecht schneidet, dann werden sie sehr gut aussehen. Manche sind brillant. Ganz feine Stücke, jedenfalls. Alleine diese Grafiken sind eine eigene Besprechung wert.

Beide Künstler sind starke Persönlichkeiten mit einem ausgeprägten Sinn für Disziplin. Hemingway sucht das Abenteuer beim Stierkampf, auf Safaris oder bei den Frauen, während Brâncuși ein zurückgezogenes Künstlerleben führt. Dennoch verbindet sie die Überzeugung, dass wahre Kunst nur durch Einfachheit und absolute Ehrlichkeit entstehen kann.

Seit Jahrzehnten gelten Ernest Hemingway und Constantin Brâncuși als Ikonen der Moderne. Ihre Werke zeigen, dass

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