
Der kubanische Journalist und Schriftsteller Guillermo Cabrera Infante war einer der originellsten, klügsten und witzigsten Autoren der spanischsprachigen Kultur. Nachdem er seine ersten Lebensjahre in seiner ostkubanischen Geburtsstadt Gibara verbracht hatte, lebte Cabrera Infante nach dem Umzug seiner Familie Anfang der 1940er Jahre in der Hauptstadt Havanna. Nach einem abgebrochenen Medizinstudium betätigte er sich ab 1947 als Schriftsteller und besuchte ab 1950 die kubanische Journalistenschule.
Cabrera Infante, Jahrgang 1929, machte sich auf der Insel vor allem als Filmkritiker einen Namen. Zunächst ein Anhänger der Revolution, sah er nach der Machtübernahme der Bärtigen vieles kritisch, insbesondere die Einschränkung der Meinungsfreiheit. Cabrera Infante ging ins Exil, zunächst nach Madrid, später nach London, wo er 2005 starb. Sein erster und wohl wichtigster Roman Tres tristes tigres – auf Deutsch: Drei traurige Tiger – ist eine sprachliche Achterbahnfahrt durch Land und Literatur. Ein dicker Roman über das vorrevolutionäre Havanna. Ein Kaleidoskop voller sprachlicher Anspielungen und mit idiomatischem Überschwang.
Ernest Hemingway und Guillermo Cabrera Infante sind sich mehrmals begegnet. In Drei traurige Tiger kommt Hemingway, der seit 1939 auf der Finca Vigía bei Havanna lebt, ein Dutzend Mal vor. Nicht zentral, eher als Fußnote. Allerdings mit einer Selbstverständlichkeit, als habe der bärtige US-Amerikaner immer dazu gehört, zum Havanna der späten 1950er Jahre.
Im Gespräch mit Suzanne Jill Levine im Jahr 1990 verrät Cabrera Infante, wie sein Verhältnis zu dem prominenten Amerikaner gewesen war. Denken Sie daran, dass er in Havanna lebte, sodass es unmöglich war, nicht nur seiner korpulenten Gestalt, sondern auch seinem Ruhm aus dem Weg zu gehen. Er war der berühmte, auf Kuba lebende Schriftsteller schlechthin. (…) Es war schwer, ihm aus dem Weg zu gehen.
Ob er für ihn ein Vorbild gewesen ist? Ich wollte so berühmt sein wie er. Und zwar nicht, weil mich sein Stil oder seine Figuren beeinflusst hätten. Vielmehr seine Art zu leben, seine Einstellung zum Leben. Obwohl ich natürlich mit der Zeit den Eindruck gewonnen habe, dass er etwas getan hat, was Schriftsteller oft tun.
Auf der einen Seite bewundert Cabrera Infante die Legende und Lichtgestalt. Dessen geniales Handwerk, die Hinwendung zum schönen Leben, seine Liebe zu Kuba. Aber alles kritiklos abnicken, das mag der junge Journalist auch nicht. In seinen Texten, die er über Hemingway schreibt, bemerkt man die Verehrung. Allerdings schimmert – neben aller Sympathie – ebenso eine Prise der Distanz aus seinen Beobachtungen.
Mich hat überrascht, dass er so viel Zeit mit sinnlosen Tätigkeiten verbracht hat. Ich meine damit, dass seine Rituale reine Paranoia waren: jeden Tag um elf Uhr morgens nach Cojímar hinunterzugehen, auf sein Boot zu steigen und in die Strömung des Golfs hinauszufahren. Nur um zu sehen, ob er den größten Fisch weit und breit fangen kann. Das hatte nichts mit dem wirklichen Leben zu tun, sondern mehr mit Hirngespinsten.
Guillermo und Ernest kennen sich und schätzen sich. Nicht in allen Punkten. Ich war einmal mit ihm auf dem Boot und fand es schrecklich langweilig. Von sechs Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags tat er nichts anderes als zu trinken. Er betrank sich mit Wodka und landete schließlich auf dem Deck, wo er den Rest des Tages – oder fast den ganzen Rest des Tages – zu nichts mehr fähig war. Dann stand er plötzlich wieder auf: Die Wirkung des Wodkas war abgeklungen, und nun kehrte er wieder nach Cojimar, in den Hafen, zurück. Ich konnte das nicht begreifen! Wenn das eine Lebensweise war, glauben Sie mir, dann wollte ich sie nicht führen.
Ob es Wodka war? Unwahrscheinlich. Eher Rum. Der Lebenswandel. Ach ja, es ist der Lebenswandel, den Guillermo als abschreckendes Beispiel vor Augen hat. Und was ist mit seiner Manie, nach Afrika zu fahren? Nur um Büffel und Antilopen zu töten. Merkwürdige Lebensziele! Oder monatelang in Spanien hinter Stierkämpfern herzujagen, weil er alle guten Stierkämpfer jener Zeit kennenlernen wollte. Ernest war wirklich verrückt, ohne jeden Zweifel.
Möglicherweise verstellte Ernests Lebensführung dabei den Blick auf all die Schönheit, die ihn in den Tropen umgab. Das wunderschöne Haus im Süden von Havanna, wo er alles hatte, was er liebte. Einen Garten voller tropischer Früchte und eine riesige Bibliothek. Er fuhr in einem Mercury-Cabrio nach Havanna und ging ins ‚Floridita‘ oder ins ‚Zaragozana‘, um zu essen und zu trinken. Das war nicht schlecht, aber der Rest seines Lebens war schrecklich. Er tat etwas, was Schriftsteller oft tun: Zeit verschwenden.
Auch mit den Spanisch-Kenntnissen von Ernest ist es wohl
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