Auf den Fersen von Ernest Hemingway

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John Groth und Ernest Hemingway in der Schnee-Eifel

Studio Europe. John Groths Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg in Europa erscheinen 1945 in den USA.

Im Herbst 1944 stehen die amerikanischen Bodentruppen vor dem Hürtgenwald südöstlich von Aachen, wo der Vormarsch der GIs zum Stehen kommt. Die Alliierten müssen nun die Siegfried-Linie aufbrechen, jenen Wall von Holland bis zur Schweiz mit seinen Bunkern, Stollen und Panzersperren. Erst dann wird es den US-Soldaten möglich sein, bis zum Rhein vorzustoßen und damit dem Nazi-Regime militärisch den Todesstoß zu verpassen. 

Ab September berichtet Ernest Hemingway, er kommt aus dem befreiten Paris, über das Kampfgeschehen in Deutschland. Der Schriftsteller befindet sich zunächst nicht an der Frontlinie im Hürtgenwald, sondern weiter südlich, mitten in der Schnee-Eifel. Die heranrückende US-Armee ist der deutschen Wehrmacht materiell und personell überlegen, doch die dichten Wälder und die zahlreichen Hügel lassen den Einsatz von Panzern nicht zu, es geht deshalb nur schwerfällig voran.

Während Ernest Hemingway in seinen Berichten zu allerlei Überzeichnungen neigt, insbesondere die eigene Person betreffend, berichtet ein anderer Journalist geradeheraus. Nach dem Ende des Krieges wird John Groth im Jahr 1945 seine Erlebnisse in dem Buch Studio: Europe  veröffentlichen. Inklusive seiner Treffen mit Ernest Hemingway. Über Paris und Belgien kommt auch der 36-Jährige Maler John Groth an die Frontlinie in der Schnee-Eifel.

In dem winzigen Eifelort Schweiler, drei Kilometer Luftlinie von der belgischen Grenze entfernt, trifft er Ernest Hemingway zum ersten Mal. Der verlassene Bauernhof der Familie Markgraff am Rande des Dorfes dient Colonel Buck Lanham und den beiden Kriegsreportern als Quartier. Das Haus aus dem Jahr 1732 hat kein fließend Wasser, kein Badezimmer, keinen Strom, keine Heizung. Überstürzt haben es deutsche Soldaten verlassen. 

Have a drink, es sind die ersten Worte des Schriftstellers zu John Groth. Zu jenem Zeitpunkt ist der Autor von Wem die Stunde schlägt und Schnee auf dem Kilimandscharo schon ein berühmter Mann. Schloss Hemingstein wird das heruntergekommene Bauernhaus in Schweiler von Ernest Hemingway großspurig und zugleich spöttisch getauft. Der Erfolgsautor weist den Besitzer Markgraff – einen 73-jährigen Bauern aus Schweiler – an, er möge für Essen sorgen.

Im Schein von Petroleumlampen beugen sich die Amerikaner abends über die Landkarten des unwegsamen Gebietes. Es ist Anfang September 1944 und die Gefahr bleibt groß, dass die deutsche Wehrmacht den Weiler wieder einnimmt. Die Frontlinie verschiebt sich von Tag zu Tag. Hat man morgens ein Dorf erobert, so kann es am Abend wieder an den Gegner zurückfallen.

Als John Groth auf Schloss Hemingstein sich zur Nachtruhe in sein Schlafzimmer im zweiten Stock zurückziehen will, gibt Hemingway ihm zwei Handgranaten mit und meint: Leg sie auf deinen Nachttisch, damit Du schnell an sie kommst. Der verdutzte Groth erwidert, er habe noch nie eine Handgranate in der Hand gehalten. Und der berühmte Schriftsteller zeigt dem Kollegen wie man den Splint zieht, bis zwei zählt, und dann die Granate wirft. Er möge angekleidet im Bett liegen, fügt Hemingway an, aus Vorsicht.

Der Weg an die Kriegsfront ist für John Groth nicht gerade vorgezeichnet. Der Feingeist studiert am Art Institute of Chicago und an der Art Students League in New York, dort unter anderem bei dem exilierten Berliner Maler und Grafiker George Grosz. Schon frisch im Beruf macht sich John Groth als Illustrator einen guten Namen, in den 1930er Jahren wird er der erste Art Director des Magazins Esquire.

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John Groth hält in Skizzen den Krieg fest, und er malt Ernest Hemingway. Aus John Groth, Studio: Europe, 1945.

Seine Skizzen aus dem Krieg in Europa fallen auf, es ist noch nicht das Zeitalter des Fernsehens. John Groth malt an manchen Tagen über hundert Skizzen. Dabei benutzt der Vielzeichner eine spezielle Technik, die er Speedline nennt. Er skizziert seine aktionsgeladenen Motive mit groben, nicht perfekten und unscharfen Linien, die weißen Flächen werden später koloriert.

John Groth, Jahrgang 1908, stammt aus Chicago, ebenso wie Ernest Hemingway. Obwohl eigentlich Grafiker und Maler, schreibt Groth darüber hinaus auch Artikel aus dem Krieg in Europa, für die Chicago Sun in seiner Heimatstadt. Yanks are in Paris! lautet seine Schlagzeile, nachdem die US Army die französische Hauptstadt eingenommen hat. Ernest Hemingway veröffentlicht seine Berichte in der Chicago Tribune, doch die beiden publizistischen Rivalen finden einen guten Draht zueinander.

Am nächsten Tag rücken die US-Truppen inklusive der Kriegsberichterstatter von Schweiler aus langsam vor. Im benachbarten Bleialf stossen die Amerikaner auf deutsche Zivilisten. Auf Eifel-Bewohner, die zurückgeblieben sind, alte Leute und kleine Kinder. Und Groth wundert sich,

Ernest Hemingway kauft einen Paul Klee

Ernest Hemingway und der kubanische Journalist Fernando Campoamor im Oktober 1954 auf der ‚Finca Vigia‘. An der Seite das Bild von Paul Klee ‚Monument in Arbeit‘ von 1929. Die Ähnlichkeit des Gemäldekopfs mit dem des Nobelpreisträgers ist verblüffend. Credit Line: Ernest Hemingway Photograph Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Mitte November 1929, drei Wochen nach dem verheerenden Black Thursday an der Wall Street, befindet sich Ernest Hemingway in Berlin. Mit dem Rowohlt Verlag verhandelt er am 15. November die deutschen Rechte zu A Farewell to Arms, das in der Übersetzung In einem andern Land heißen wird. Die Vorschusszahlung, die er von seinem deutschen Verleger bekommt, wird am gleichen Tag ausgegeben. 

Beim Berliner Galeristen Alfred Flechtheim erwirbt der US-Amerikaner ein Gemälde von Paul Klee. Monument in Arbeit heißt das Werk, es ist ein abstraktes Portrait. Paul Klee hat das Aquarell 1929 gemalt, Ernest Hemingway ist beim ersten Anblick von der geheimnisvollen Kraft des Bildes angetan. Mit ein wenig Phantasie kann man es – im Nachgang – als erstaunlich genaue Illustration des späteren Literatur-Nobelpreisträgers betrachten.

Der junge Schriftsteller mag die moderne Kunst, er kennt viele Maler aus seinen sieben Jahren in Paris. Er kauft zahlreiche Kunstwerke und nimmt sie mit in die USA, später auf sein tropisches Anwesen im Süden Havannas. An den Wänden und auf den Anrichten der Finca Vigía finden sich großartige Bilder avantgardistischer Maler, wertvolle Originale von Paul Klee, Georges Braque, Juan Gris, von Waldo Peirce und Joan Miró.

Der Schriftsteller mag sie alle, allerdings kristallisieren sich bei den Europäern drei Favoriten heraus: Juan Gris, Joan Miró und Paul Klee. El guitarrista und Le torero von Juan Gris, Paul Klees Monument in Arbeit und Der Bauernhof von Joan Miró, das Farmhaus in San Francisco de Paula gleicht in den 1950er Jahren einem kleinen Museum.

Auf der anderen Seite des Raumes, über dem Bücherregal, befand sich Paul Klees ‚Monument in Arbeit‘. Mit diesen Worten erinnert sich Ernest Hemingway in seinem autobiografisch gefärbten Roman Inseln im Strom an die Reise mit seiner zweiten Ehefrau Pauline und an die Herkunft seines Gemäldes. Er wußte heute nicht mehr darüber wie damals, als er es zum ersten Mal in der Galerie Flechtheim gesehen hatte, in dem Gebäude am Fluss, in jenem wundervollen kalten Herbst in Berlin, als sie so glücklich gewesen waren. Aber es war ein gutes Bild, und er betrachtete es gerne. 

Paul Klees Kunstwerk findet über die Jahrzehnte seinen Platz auf der Finca Vigía, Ernest Hemingway hütet seine zahlreichen Bilder wie einen Schatz. Selbst über seinen Tod hinaus verbleiben die Gemälde im Familienbesitz, darauf hat er Wert belegt. Er vermacht alle Kunst seiner Ehefrau Mary Welsh und seinen drei Söhnen. In seinem Testament hat er die moderne Kunst penibel aufgeteilt.

In seinem Letzten Willen hat der Nobelpreisträger verfügt, dass sein ältester Sohn John das Bild Le torero von Juan Gris erhält. El guitarrista, ebenfalls von Juan Gris, geht an den Sohn Patrick. Miss Mary, die vierte Mrs. Hemingway, bekommt Der Bauernhof von Joan Miró. Dem jüngsten Sohn, Gregory, einem Sensiblen, wird Monument in Arbeit von Paul Klee zugeteilt.

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Monument in Arbeit gehört zur Collection Ernest Hemingway, New-York. So das französische Werkverzeichnis von René Crevel.

Paul Klee wird im Dezember 1879 in Munchenbuchsee, in der Schweiz geboren, die Deutschen und die Schweizer werden ihn als Maler für sich reklamieren. Er ist mehr als ein Expressionist, mit den Jahren nähert er sich

Ernest Hemingway mit Pascin im Dôme

Jules Pascin: Ein Mann mit einem Glas Wein. In Paris. Aus dem Jahr 1923.

Paris in den 1920er Jahre ist für jemanden, der in der calvinistischen Enge des amerikanischen Mittelwestens groß geworden ist, ein himmelweites Paradies der Sinnenfreude. Während in der Heimat Wirtschaftskrisen, Mafia und Prohibition die gute Laune verderben, hockt der aus dem Land vertriebene Müßiggang im Café de Flore in Saint-Germain-des-Prés und nippt an einem Cabernet

Die französische Hauptstadt zieht all die jungen Frauen und Männer an, die auf Neues aus sind. Maler mit frischen Stilformen, Schriftsteller mit rasanten Texten, Komponisten, denen acht Töne nicht genügen. Ernest Hemingway wird hineingeworfen in diese quirlige Welt, er taucht ein, er lernt und er genießt die Unbeschwertheit und das Wohlbehagen an der Seine. 

Der junge Amerikaner, er ist Anfang 20, lernt die kulturelle Avantgarde jener neuen Zeitepoche kennen. Ernest Hemingway trifft auf Ezra Pound, James Joyce, Joan Miró, Pablo Picasso, Gertrude Stein, Ford Madox Ford, F. Scott Fitzgerald. Man nennt sie die lost generation, die verlorene Generation, weil nach dem schlimmen Krieg die Werte modrig geworden sind, und das Neue erst langsam an Kontur gewinnt.

An einem Abend trifft Ernest Hemingway im Café du Dôme am Boulevard du Montparnasse den bulgarischen Maler Jules Pascin. Der Expressionist, Jahrgang 1885, macht vor allem durch freizügige Frauenakte von sich reden. Hemingway gesellt sich zu dem Maler, der mit zwei bildhübschen jungen Frauen, seinen Modells vom Arbeitstag, an einem Tisch sitzt.

Im Laufe des Gesprächs fragt ein zunehmend betrunkener Pascin den US-Amerikaner, ob er nicht mit einer der beiden Frauen in Bett möchte. Und prompt macht sich dann eine der Schönen fordernd an den Schriftsteller heran, zeigt ihre Reize, Pascin bietet sein Atelier als Liebesnest an. Doch Ernest Hemingway löst sich aus der lasziven Situation, verabschiedet sich und geht nach Hause zu seiner Ehefrau Hadley.

Jules Pascin ist ein Ruheloser. Budapest, Wien, London, München, Berlin, die USA, der Bulgare reist viel. Dies hat er mit Hemingway gemein. Die beiden verstehen sich gut. Der Mann aus Chicago mag den Stil des Künstlers und seinen jovialen Charakter. Pascin war ein sehr guter Maler, und er war betrunken, ständig, vorsätzlich betrunken, aber bei klarem Verstand. In der Tat malt Pascin wie ein Besessener, Tausende Bilder und Skizzen.

Ein manischer Künstler, angetrieben von Rastlosigkeit und dem Alkohol. Im Grunde seines Herzens indes ein Romantiker. Hin und her gerissen zwischen Ehefrau, Geliebte und seinen Modells. Wenn er feiert, und er feiert jeden Tag, findet man ihn in den Bars und Restaurants von Paris, umringt von Freunden und koketten Frauen. Seine Bilder verkaufen sich gut, das schöne Geld fließt in den Wein.

Das Schicksal meint es nicht gut mit dem Maler. Früher hat er farbenprächtige Landschaften auf Kuba und in Mexiko gezeichnet, mit der Zeit werden seine Gemälde und Zeichnungen

Teo Davis und Ernest Hemingway

Teo Davis und Ernest Hemingway am Pool in La Cónsula, Málaga im Sommer 1959. Credit Line: Creative Commons.

Mary und Ernest Hemingway, von New York kommend, erreichen Anfang Mai 1959 mit dem Atlantikkreuzer Constitution die Küste Südspaniens. Von der andalusischen Hafenstadt Algeciras geht es dann zwei Stunden mit dem Auto Richtung Costa del Sol zur La Cónsula in den Hügeln über Málaga. Die beeindruckende Finca gehört seinem Freund William Nathan Davis, den alle Welt Bill ruft und der vom Hemingway Negro genannt wird, er und Negro haben sich vor langer Zeit Mexiko kennengelernt.

Auf La Cónsula fühlen sich die Hemingways pudelwohl. Die zwölf Hektar weite Grünanlage, akkurat gepflegt wie ein mittelalterlicher Klostergarten, mit ihren Pinien, den Akazienbäumen, grünen Palmen, all dies erinnert das prominente Ehepaar an die Finca Vigia, ihr eigenes Zuhause auf Kuba. Der Schriftsteller ist nach Spanien gekommen, um die Erinnerung aufzufrischen und um alte Freunde zu treffen. Die einstmals jungen Gesichter waren jetzt alt wie meins, aber keiner hatte vergessen, wie wir einmal waren. Viel Zeit wird ihm wohl nicht mehr bleiben, der grau gewordene Autor ahnt es. 

Bill Davis und seine Frau Anne sind großzügige Gastgeber. Das imposante Landgut der US-Amerikaner, südwestlich von Málaga im Stadtteil Churriana, Richtung Alhaurin de la Torre, ist immer voller Freunde und Gäste. Die Familie Davis lebt mit zahlreichen Bediensteten in dem langgestreckten Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, das früher eine diplomatische Vertretung gewesen ist. Das Ehepaar hat zwei Kinder, die Tochter Nena und den Sohn Timothy, genannt Teo.

Oft unterhält sich Hemingway sich mit dem jungen Teo, morgens am Pool, er erzählt von Kuba und von seinen Reisen. Der Nobelpreisträger hat rapide abgebaut in den letzten Monaten, seit geraumer Zeit quält ihn eine Sehnsucht nach den glücklichen Jahren. Sonst hat er es nicht so mit Kindern, aber zu dem achtjährigen Teo findet er einen guten Draht. Die eigene Vergänglichkeit im Blick, sieht er in dem Kind, wie er selbst einmal gewesen ist, vor ewiger Zeit, damals an den Seen und in den Wäldern im Norden Michigans.

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Auf der Terrasse vor diesem Pool – heute außer Betrieb – albern Teo Davis und Ernest Hemingway. La Cónsula, Málaga 2019; Foto: Wolfgang Stock

Timothy Davis wird am 18. April 1951 geboren, in Paris, er wächst in Südspanien auf. Er besucht das feine Eton College in England, geht dann mit 21 Jahren in die USA. Beim Houston Chronicle findet er einen ersten Job, zieht weiter nach Los Angeles. Er schreibt Drehbücher, versucht sich als Produzent, sein beruflicher Weg erweist sich als stolperig. Jedoch besitzt er

Ernest Hemingway und Joachim Ringelnatz

In Hamburg lebten zwei Ameisen,
die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
da taten ihnen die Beine weh,
und da verzichteten sie weise
denn auf den letzten Teil der Reise.

In seiner Erzählung The Green Hills of Africa – zu Deutsch Die grünen Hügel Afrikas – beschreibt Ernest Hemingway im Jahr 1935 eine skurrile Episode. Der Amerikaner, auf Antilopen-Jagd in Afrika, trifft in der einsamen Steppe auf einen Safari-Kameraden aus Tirol. Der Schriftsteller stellt sich dem Österreicher vor.

„Hemingway ist meine Name.“
„Kandisky“, sagte er und verbeugte sich. „Den Namen Hemingway habe ich schon einmal gehört. Wo? Wo habe ich ihn schon gehört? Ach, ja. The Dichter. Kennen Sie Hemingway, den Dichter?“
„Wo haben Sie etwas von ihm gelesen?“
„Im Querschnitt.“
„Das bin ich“, sagte ich, hocherfreut. 

Und in der weiten Steppe Ostafrikas unterhält der schrullige Österreicher sich ausführlich mit dem US-Amerikaner Ernest Hemingway über die moderne Literatur Deutschlands. Der Österreich fragt neugierig nach.

„Sagen Sie, was halten Sie von Ringelnatz?“
„Er ist brillant.“
„So. Sie mögen also Ringelnatz. Gut. Was denken Sie über Heinrich Mann?“
„Der taugt nichts.“
„Glauben Sie wirklich?“
„Ich weiß nur, dass ich ihn nicht lesen kann.“

Ernest Hemingway hält Joachim Ringelnatz für brillant. He is splendid, heißt es im Original. Famos, glanzvoll, großartig. Der US-Autor hält große Stücke auf den Deutschen aus Wurzen. Und der Sachse kommt in The Green Hills of Africa ein weiteres Mal vor. Dass er in der afrikanischen Buschlandschaft auf an admirer of Joachim Ringelnatz trifft, es wundert ihn, so schreibt Hemingway an anderer Stelle.

Der Amerikaner hat in seiner Pariser Zeit einen Zugang zu Deutschland und Einblick in die deutsche Literatur erhalten. Ein wenig ist er der deutschen Sprache mächtig, durch die mehrmonatigen Winterurlaube im Vorarlberg beherrscht er ein paar Brocken. Der Mann aus Chicago befasst sich mit Joachim Ringelnatz, mit Rainer Maria Rilke, mit Erich Maria Remarque und mit Stefan Zweig. Deutsche Autoren lassen ihn nicht kalt, er erkennt ihre Qualität, Hemingway bildet sich sein Urteil. Er teilt ein in jene, die er mag und jene, von denen er nichts hält.

Auch Ringelnatz besitzt einen Bezug zu Paris. Im Jahr 1925 reist er für

Wedderkop ist verrückt, schreibt Ernest Hemingway

Ernest Hemingway vor seiner Wohnung in der Rue Notre-Dame-des-Champs, Nummer 13; Paris, ca. 1924. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Dieses Land zu hassen, dafür gäbe es in Ernest Hemingway Biografie genug Anlässe. In Fossalta di Piave, zu Ende des Ersten Weltkriegs, wird der junge US-Amerikaner von einer Mörsergranate fast ums Leben gebracht. Ein halbes Jahr muss er im Lazarett in Mailand zusammengeflickt werden. Im Spanischen Bürgerkrieg erlebt er das brutale Bombardement der Legion Condor gegen die Republik. Und im Zweiten Weltkrieg kauert er nur weniger Kilometer hinter der Frontlinie im Hürtgenwald, einer der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs.

Kaiser Wilhelm, Hitler, die Nazis – Deutschland zu hassen, müsste ihm leicht fallen. Doch der US-Amerikaner hasst Deutschland und die Deutschen nicht. Vor allem aus einem Grund, ein Mann ist da vor. Sein Name: Hermann von Wedderkop. Heute fast vergessen. Wedderkop ist wunderbar, schreibt Ernest Hemingway. Sie zahlen mir 550 Francs, jubelt er im Januar 1925, der junge Amerikaner hat es in jenen Jahren nicht dicke.

Der unbekannte Ernest Hemingway bietet seine Geschichten wie sauer Bier an. Im seinem Heimatland findet sich kein Periodikum, das die Stories des Newcomer drucken will. Jede angesehene Zeitschrift und auch die verrufenen Magazine haben die Stierkampf-Story abgelehnt. Es sei eine großartige Geschichte, aber wir können sie nicht veröffentlichen, zeigt er sich resigniert in einem Brief an seinen Kollegen Ernest Walsh. Die Story sei für die Leser zu hart.

Ganz anders das Urteil des Hermann von Wedderkop. Wedderkop schreibt, meine Stierkampf-Story sei wunderbar, verkündet er im Januar 1924 stolz seinem Freund Harold Loeb. All mein Zeug wird demnächst erscheinen, sagt er. Am 9. Oktober 1924 treffen sich Wedderkop und der junge Amerikaner in Paris, im Apartment von Ezra Pound, der schon öfter für das Berliner Magazin geschrieben hat. Hemingway und Wedderkop finden einen guten Draht zueinander.

Der Chefredakteur stellt die redaktionelle Linie des Querschnitt vor. Ernest Hemingway fasst Wedderkop Credo zusammen: Zum Teufel mit all der Vornehmtuerei und den Kirmesbuden der Eitelkeit. Gebt dem Leser die volle Dröhnung. Er veröffentlicht großartige Boxfotos und Fotos von all den schicken Frauenzimmern in Europa. Der Kerl ist zu gut, um sich lange halten zu können.

Von Wedderkop ist Chefredakteur der Monatszeitschrift Der Querschnitt, die Gedichte und eine zweiteilige Stierkampf-Story im Sommer 1925 von im abdruckt. Sie behaupten, sie würden alles kaufen, egal, was ich schreibe. Ich fürchte, Von Wedderkop ist verrückt, aber er ist ein wunderbarer Kerl. Und solange Von Wedderkop nicht gefeuert wird, bin ich im Geschäft, schwärmt Ernest Hemingway in einem Brief aus Schruns am 9. Januar 1925 an William Smith.

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Ernest Hemingway ist begeistert von der Januar-Ausgabe des Querschnitt im Jahr 1925.

Der Amerikaner in Paris ist ganz vernarrt in Der Querschnitt aus Berlin. Seine Mentorin Gertrude Stein fragt Ernest Hemingway am 20. Januar 1925 aus dem österreichischen Schruns, wo er mit seiner Frau Hadley und dem einjährigen Sohn John die Winterferien verbringt: Habt Ihr die Januar-Ausgabe vom Querschnitt gesehen? Mit der berühmten Rede von Juan Gris und vielen Abdrucken von Gris. Ich habe die Ausgabe heute erhalten. Sie sieht sehr seriös aus, aber immer noch lebhaft. Wunderschön umgesetzt. Was habt Ihr von Wedderkop gehört? 

Der aufstrebende Schriftsteller begeistert sich immer mehr an dem Monatsmagazin. An Jane Heap schreibt er am 5. April 1925: Wedderkop veröffentlicht meine ganzen obszönen Arbeiten schneller als ich sie schreiben kann. In Deutschland bin ich als der junge amerikanische Heine bekannt. Kaum ein Verleger, den Hemingway so ins Herz geschlossen wie den Deutschen. Der Amerikaner macht sich lustig über ihn, es ist ein gutes Zeichen. Wedderschnitt, persifliert Ernest seinen Verleger, den Wedderschnitt vom Querkopf.

Hermann von Wedderkop wird im November 1875 in Mecklenburg

Ein Fussballspieler für Ernest Hemingway

Der Fussballspieler von Renée Sintenis. Ein Fussballer ohne Trikot und Ball, eher die ästhetische Dynamik eines Körpers in Bewegung. Foto: Galerie Flechtheim.

Im November 1927 reisen Ernest Hemingway und seine zweite Ehefrau Pauline Pfeiffer nach Berlin. In den neun Tagen ihres Aufenthalts besuchen sie das Sechstage-Fahrradrennen im Sportpalast und treffen sich mit dem Kollegen Sinclair Lewis. Berlin ist in den Roaring Twenties eine laute und lärmende Metropole, wo politische und soziale Konflikte sich entladen, wo Moden und Meinung entstehen. Verrücktheiten sind zu sehen, ebenso wie junge Künstler Neues ausprobieren.

Ernest Hemingway interessiert sich besonders für moderne Malerei und kommt mit dem Berliner Kunsthändler Alfred Flechtheim in Kontakt. Bei ihm kauft der Amerikaner eine Skulptur der Bildhauerin Renée Sintenis für 500 Mark, das Kunstwerk trägt den Titel Der Fußballspieler. Über die nächsten zwei Jahre wird Ernest Hemingway bei Flechtheim, der auch Verleger der Zeitschrift Der Querschnitt ist und die avantgardistische Malerei fördert, weitere Skulpturen kaufen.

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Der Pariser Kunstkatalog von Gallimard aus dem Jahr 1930 über Sculpteurs allemands verzeichnet Ernest Hemingway als Sammler von Der Fussballspieler.

Der Fussballspieler, eine Boxer-Skulptur, sie stellt den Mittelgewichtsboxer Erich Brandl im Jahr 1925 dar. Berühmt wird die Bronze des legendären Langstreckenläufers Paavo Nurmi aus Finnland. All die kleinformatigen Sportler-Plastiken der Renée Sintenis zeigen einen Körperkult in Bewegung. Die Auflagen der Kunstwerke bewegen sich meist um die 10 Exemplare.

Es ist zu vermuten, dass Ernest Hemingway je ein Exemplar dieser drei Kleinskulpturen besessen hat. Zwar kann man nicht mehr genau nachvollziehen, welche Sintenis-Plastiken der junge Autor gekauft hat, die Provenienz sämtlicher Werke ist nach fast hundert Jahren nicht mehr exakt in alle Verästelungen zurückzuverfolgen. Fakt bleibt, Hemingway kauft und sammelt Renée Sintenis, Belege dafür gibt es genug. Ernest Hemingway, New York, steht in den Werkverzeichnissen. 

Renée Sintenis, eigentlich Renate Alice Sintenis, spezialisiert sich auf Akte und Köpfe, auf kleinformatige Tierplastiken, sowie auf zahlreiche Selbstbildnisse und Aktfiguren von Sportlern. In den 1920er Jahren feiert die Bildhauerin, im Jahr 1888 in Schlesien geboren, beachtliche Erfolge. Alfred Flechtheim wird ihr Galerist und präsentiert zwischen 1920 und 1933 zahlreiche Ausstellungen mit Plastiken und Zeichnungen von ihr. Im Jahr 1931 wird Renée Sintenis als erste Bildhauerin Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

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Die Staatlichen Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Bilddatei-Nr. ngnge_0210, verzeichnet mit der Jahresangabe 1930 Ernest Hemingway als Besitzer der Sintenis-Skulptur von Paavo Nurmi.

Die Künstlerin ist schlank, selbstbewusst, mondän, mit schwarzem Bubikopf. Sie wirkt androgyn, ein IT-Girl der damaligen Zeit, häufig wird sie von berühmten Fotografen portraitiert. In den wilden Zwanzigern verkörpert sie die modische Femme fatale der lokalen Boheme, auch wenn sie persönlich eher schüchtern im Auftreten ist.

Bekannte Autoren wie Gottfried Benn und Rainer Maria Rilke, gehören zu ihrem Freundeskreis, ebenso wie die Schauspielerin Asta Nielsen.
Herr Flechtheim angelte am See
Sich kleine Tierchen von Renée
spottet treffend ihr enger Vertrauter,

‚Hemingway‘, ein kleines Meisterwerk von Fausto Canel

Der kurze Dokumentarfilm Hemingway, bisher in den Hemingway-Kreisen wenig bekannt, ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes künstlerisches Meisterstück. Der schwarz-weiße Streifen, den man heute auf Youtube abrufen kann, wurde im Jahr 1962 von dem kubanischen Filmemacher Fausto Canel im Stile des italienischen Neorealismus gedreht und montiert.

In jenen Jahren ist Fausto Canel ein junger Filmverrückter aus Havanna, Journalist bei Revolución und Lunes, zudem Mit-Gründer des Instituto Cubano de Arte e Industria Cinematográficos (ICAIC). Nach der Castro-Revolution im Januar 1959 wird überwiegend steinharter Agitprop gedreht, es herrscht mehr und mehr ein strenger Propagandazwang unter den Bärtigen, wie Fausto Canel in seiner Biografie Sin pedir permiso anschaulich erzählt.

Umso erstaunlicher das Werk Hemingway. Es kommt weitgehend ohne die übliche Propaganda und den sozialistischen Holzschnitt aus, obwohl sich das Thema Ernest Hemingway und Fidel Castro dafür anbietet. Im Gegenteil, das Drehbuch ist betont poetisch angelegt. Es stammt aus der Feder von Canels damaligem Kollegen Lisandro Otero, der später zu einem der wichtigen Autoren der Karibikinsel werden sollte. 

Der 23-jährige Fausto Canel quartiert sich 1962 mehrere Tage auf Hemingways Finca Vigía in San Francisco de Paula ein, um ein Gefühl für sein Sujet zu entwickeln. Im Gästetrakt des Anwesens, unter einem Bett, entdeckt er dann zufällig einen alten Koffer mit Dokumenten und Fotos, die der Filmemacher in sein Werk einbaut. Im Resultat sind die Schnitte, Einblendungen und Überblendungen des Films von erstklassiger Machart. Die klare Stimme von Carlos Fernández führt durch den Dokumentarfilm.

Vor allem besitzt Fausto Canels 35 mm-Film Hemingway sympathische Tiefe, sowohl optisch, als auch inhaltlich. So schafft es der blutjunge Kubaner an zahlreichen Stellen, Hemingways Faible für starke Naturbilder in seinen Film einzubauen. Der Kubaner nähert sich künstlerisch dem US-Amerikaner: In dem 20-Minuten-Film arbeitet Canel, ebenso wie Ernest Hemingway in seinen Erzählungen, stark mit Tier-Symbolik.

Dieses kurze Kunstwerk gilt es neu zu entdecken, sechs Jahrzehnte nach seiner Entstehung. Ausgehend von der verlassenen Finca Vigía und der aus dem Off gesprochenen Todesnachricht vom Juli 1961, touchiert Fausto Canel die entscheidenden Stationen in Hemingways Leben. Kindheit, Erster Weltkrieg, Paris, Spanien, Bürgerkrieg, Key West, Kuba. Ganz zum Schluß kommt Canels Film auf die Finca Vigía zurück. Eine von Hemingways so geliebten Katzen schleicht sich stumm aus dem Bild.

Ein Interview mit dem Regisseur Joris Ivens, der mit Ernest Hemingway als Drehbuchschreiber und Sprecher den Film The Spanish Earth gedreht hat, nimmt großen Raum ein. Ivens, der zu dieser Zeit

Heinz Helfgen – Auf dem Fahrrad zu den Hemingways

Heinz Helfgen: Ich radle um die Welt – Der Klassiker der Radtourer-Literatur, Verlag Rad und Soziales, 2014

Vor 70 Jahren lässt ein deutscher Journalist eine Schnapsidee Wirklichkeit werden: Mit seinem Patria-Fahrrad plus Camping-Ausrüstung radelt der Mann um die Welt. Von September 1951 bis Herbst 1953 hat Heinz Helfgen mit seinem Drahtesel den halben Globus umrundet, von Osteuropa, Türkei, durch den Orient, Persien, Indien, Vietnam, Thailand, Japan, USA, bis nach Venezuela und Brasilien.

Die Leser in der Heimat, sechs Jahre nach Kriegsende, nehmen gebannt teil an der abenteuerlichen Exkursion, zweimal pro Woche erscheint eine Kolumne in der Frankfurter Boulevard-Zeitung Abendpost über die Erlebnisse des Heinz Helfgen in der Ferne. Es ist noch nicht die Zeit des Massentourismus, das Ausland liegt nicht um die Ecke, sondern weit weg, noch bestaunt man das Fremde und die Exotik von Übersee. Helfgen, ein Mann vom Jahrgang 1910, kommt auf insgesamt 157 Folgen in seiner Zeitung, ein Millionenpublikum hängt an seinen Zeilen, später kommt das Radio hinzu.

In Havanna erblickt der Radler den Schriftsteller Ernest Hemingway in dessen Stammkneipe El Floridita. Helfgen ist entzückt und notiert, der berühmte Autor sehe aus wie ein normannischer Fischer. Der Reporter aus dem Saarland stellt sich ihm vor, erzählt von seiner Weltumrundung, der bärtige Amerikaner findet Gefallen an dem kauzigen Typ. Nach zwei Daiquirís steckt Papa ihm einen Zettel zu, Ernest Hemingway Tel. 154 – Finca Vigía, San Francisco de Paula.

Zwei Tage später macht Heinz Helfgen sich mit seinem Fahrrad auf zum Landgut des US-Autors. Nach den undatierten Aufzeichnungen des Journalisten kann man seinen Besuch bei den Hemingways eingrenzen zwischen Anfang Mai 1953 (Helfgen erwähnt die Verleihung des Pulitzer-Preises, der Hemingway am 4. Mai verliehen wurde) und Mitte Juni 1953 (da ging es für die Hemingways für mehrere Monate nach Europa). 

Launig wird der Radpionier von Ernest Hemingway auf der Finca Vigía empfangen. Ritter Ernst von und zu Hemingstein, stellt der Amerikaner sich blödelnd auf Deutsch vor. Ehefrau Mary zeigt sich ein wenig reserviert. Nach einem langen feuchtfröhlichem Beisammensein am Nachmittag mit

Ein Freund ist mehr als ein Vater

The ‚Papa Pack‘ in Peru: Kip Farrington, Elicio Argüelles II, Mary Welsh Hemingway, Ellis O. Briggs, ein Marlin von 900 Pfund, Ernest Hemingway, Louis Jennings, Cloyce J. Tippett. Cabo Blanco, im Mai 1956.

Eine schöne Truppe hat der Nobelpreisträger in Cabo Blanco um sich versammelt. Nicht dass er alle eingeladen hätte, gute Freunde erscheinen einfach, sie sind plötzlich da. Wie ein Magnet zieht der Schriftsteller abenteuerliche Menschen mit spannenden Biographien an. Menschen, die etwas erreicht haben außer nur dahin zu leben, Personen, die aus dem Rahmen fallen, die unabhängig sind, nicht auf den Geldbeutel bezogen, unabhängig vor allem in der Birne.

Ernest Hemingway umgibt sich gerne mit Freunden. Um in den inneren Zirkel seines Freundeskreises vorzudringen, sind mindestens drei Voraussetzungen zu erfüllen: Zunächst muss der Kandidat verdammt gut saufen können. Dann sollte er der Jagd auf lebende Tiere etwas abgewinnen können. Und drittens, einen vollbärtigen Schriftsteller aus Chicago ein klein wenig anzuhimmeln, auch dies mag nicht ganz verkehrt sein. Einen Menschen anhimmeln, ein schönes Bild, das ausgezeichnet passt.

Manchmal, wenn die Depression ihn in Ruhe lässt, fühlt er sich wie ein kleiner Gott. Er möchte bewundert werden, gleichwohl braucht er keine Lakaien oder Stiefellecker. Leute, die anderen in den Hintern kriechen oder Menschen, die es jedermann immer und überall recht machen wollen, all das verabscheut er. Ernest Hemingway mag Mannskerle mit Mumm und auf Augenhöhe, vom Interesse, von den Vorlieben, vom Temperament. Kurz gesagt: Er will richtige Freunde.

Viejo, weißt Du, was ein richtig guter Freund ist?, fragt der Nobelpreisträger am Morgen seinen Kapitän Gregorio Fuentes. „Sie und ich, wir sind Freunde“, antwortet der einfache kubanische Fischer dem Autor. Ernest Hemingway entgegnet ihm darauf: Viejo, ein Freund ist mehr als ein Vater und mehr als ein Bruder. Eine Freundschaft gründet auf gemeinschaftliches Erleben. Du und ich sind nun zwanzig Jahre gemeinsam an Bord der ‚Pilar‘. Woher kamen wir beide denn? Scheißegal, Viejo, eines Tages haben wir zusammen gefunden, Du mit deinem Leben, und ich mit meinem. Zwei Freunde, das ist wie zwei Leben, die zusammen finden.

In Cabo Blanco findet sich Kip Farrington an seiner Seite, ein ehemaliger New Yorker Börsenmakler. Der Mann hat von heute auf morgen seinen Beruf an den Nagel gehängt und eine Menge Geld in den Wind geblasen. Jetzt ist er glücklich, weil er an Küsten wie jener vor Nordperu große Fische fangen darf. Und ein Buch nach

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