Auf den Fersen von Ernest Hemingway

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Ernest Hemingway und sein deutscher Verleger Ernst Rowohlt

Eine Synchronität von Verleger und Autor. Ernest Hemingway bei Ernst Rowohlt im Rowohlt Verlag. Aus: 100 Jahre Rowohlt, Rowohlt Verlag, Hamburg.

My dear Ernst, schreibt der amerikanische Schriftsteller 1946 einem Brief an seinen deutschen Verleger Ernst Rowohlt, Du hattest sicher die Hölle von einem Krieg, und ich freue mich, dass Du nicht einer der vielen Krauts warst, die wir in der Schnee-Eifel oder im Hürtgenwald umgelegt haben. Wenn Ernest Hemingway jemanden so ruppig angeht, dann weiß man, es ist Zuneigung im Spiel. Und in der Tat hat sich zwischen Ernest Rowohlt und Ernest Hemingway eine tiefe lebenslange Sympathie entwickelt.

Alles fängt 1928 an. Im November jenes Jahres erscheint Ernest Hemingways Erstlings-Erfolg The Sun Also Rises unter dem Titel Fiesta im Berliner Verlag von Ernst Rowohlt. Bis zur Machtübernahme durch die Nazis werden drei weitere Romane folgen: Männer (1929), In einem andern Land (1930) und In unserer Zeit (1932). Nach dem Krieg erscheinen nach und nach alle weiteren Werke, Rowohlt wird zum deutschen Hausverlag für den Nobelpreisträger von 1954.

Die beiden Ernst und Ernest kabbeln sich gerne, von Anfang an. My Dear Herr Rowohlt, schreibt der Amerikaner am 18. Februar 1930 aus Key West, vielen Dank für Ihren Brief vom Januar 1930 mit dem Vertragsentwurf. Leider kann ich den Vertrag nicht unterschreiben, weil ich kein Wörterbuch habe und deshalb nicht sicher sein kann, ob ich alles richtig lese. Und auf der Insel hier gibt es auch keinen, der besser Deutsch kann als ich.

Ernst Rowohlt wird am 23. Juni 1887 in Bremen geboren. Im Jahr 1908 gründet der gelernte Buchhändler – mit 21 Jahren – einen Verlag in Leipzig. Rowohlt verlegt die Werke von Hugo Ball, Max Brod, Franz Kafka und Arnold Zweig. Kurt Pinthus und Walter Hasenclever arbeiten als Lektoren im Verlag. Nach dem Ersten Weltkrieg gründet der Norddeutsche den Rowohlt-Verlag neu, diesmal in Berlin, das Verlagshaus wird von 1919 bis 1943 verlegerisch tätig sein.

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Die deutsche Erstausgabe von Fiesta, aus dem Jahr 1928. Erschienen im Ernst Rowohlt Verlag, Berlin.

Ab 1928 nimmt der Verleger auch zeitgenössische amerikanische Literatur ins Programm, so William Faulkner, Sinclair Lewis, Thomas Wolfe und eben Ernest Hemingway. Damit ist Rowohlt weltweit der erste Verleger, der Hemingway herausgibt, mit Ausnahme der USA. Und mehr noch: Der Mann vom Michigan-See wird zum Lieblingsautor von Ernst Rowohlt.

Im November 1929 besucht Ernest Hemingway seinen deutschen Verleger in Berlin. Es stehen Verhandlungen mit Ernst Rowohlt an über die deutschen Rechte zu A Farewell to Arms, das auf Deutsch In einem andern Land heißen wird. Ein Hauen und Stechen entwickelt sich beim Aushandeln der Tantiemen. Rowohlt bietet einen Vorschuss von 200 Dollar, Ernest Hemingway möchte 400 Dollar.

Während der Weimarer Republik laviert der Verlag durch wirtschaftlich heikle Zeiten. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nehmen die Schwierigkeiten nochmals zu. Ernst Rowohlt tritt 1937 der NSDAP bei, er wird kein Opponent zum Regime oder gar Widerstandskämpfer. Der Verleger eckt jedoch mehr als einmal mit den Nazi-Behörden an, weil er versucht, jüdische Mitarbeiter und Autoren zu schützen.

Wie schon im Ersten Weltkrieg verdingt sich Ernst Rowohlt auch im Zweiten Weltkrieg als Soldat, wobei er stets als unsicherer Kantonist im Visier der Nazi-Schergen bleibt. Zumal mehrere seiner Autoren von den Bücherverbrennungen betroffen sind. Schließlich wird Ernst Rowohlt 1938 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, was einem Berufsverbot als Verleger gleichkommt. Lektoren und Autoren entscheiden sich für die Emigration. Ernst Rowohlt selbst wird im Februar 1941 Hauptmann bei der Wehrmacht und arbeitet europaweit in einer Propagandakompanie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründet die Familie Rowohlt den Verlag abermals neu, zuerst Anfang 1946 in Stuttgart. Heinrich Maria Ledig, der älteste Sohn von Ernst Rowohlt, erhält dort von den Amerikanern eine Verlagslizenz. Zu den Autoren des wiedereröffneten Verlages gehören Erich Kästner, Joachim Ringelnatz und Kurt Tucholsky. Und wiederum der Amerikaner Ernest Hemingway.

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Ernest Hemingways In einem andern Land als rororo-Roman für 50 Pfennig.

Im März 1946 erhält auch Ernst Rowohlt von den Briten in Hamburg eine Lizenz für einen Verlag. Vier Jahre später siedelt dann die Stuttgarter Firma nach Hamburg über. Im Dezember 1946 erscheinen bei Rowohlt die ersten vier Bände der sogenannten Rotations-Romane. Den Anfang macht Ernest Hemingway mit einer Neuauflage seiner bereits 1930 erschienenen Anti-Kriegs-Erzählung In einem andern Land.

Wegen des Mangels an Buchpapier druckt der Verlag diese ersten Romane im großen Zeitungsformat auf einer Rotationsmaschine. Es wird eine Erfolgsgeschichte, die monatlich verlegten rororo-Zeitungsromane etablieren sich mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren als preiswerte Massenlektüre im Nachkriegs-Deutschland. Auch nach der Umstellung auf das Taschenbuch-Format drei Jahre später wird der Markenname rororo – für Rowohlt-Rotations-Roman – beibehalten. 

Am 1. Dezember 1960 stirbt Ernst Rowohlt an den Folgen eines Herzinfarktes, er wird auf dem Friedhof Volksdorf beigesetzt. Sein Sohn Heinrich Maria Ledig leitet fortan das Unternehmen, das 1960 nach Reinbek verlegt wird. Ernest Hemingway bleibt

Ernest Hemingway und die Deutschen – ein kompliziertes Ding

Ernest Hemingway, Skulptur von Robert Berks,
Hemingway Memorial, Ketchum. Foto: W. Stock, 2018.

Bei einer Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts Allensbach aus dem Jahr 1987 sind die Deutschen gefragt worden, wer die zwei bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts seien. Die Antwort ist eindeutig ausgefallen: Thomas Mann und Ernest Hemingway. Es gibt sie, die Verehrung und die Zuneigung der Deutschen zu dem bärtigen Autor, der auf dem Dorffriedhof von Ketchum in Idaho begraben liegt.

Der US-Amerikaner aus Chicago und das Land der Teutonen – es ist beileibe keine einfache Beziehung. Eine Liebe auf den ersten Blick, wie bei Italien und Spanien, das ist es schon gar nicht. Ein Kreativitäts-Turbo wie das Flair von Paris, das ist Deutschland auch nicht gewesen. Von einem Wohlfühl-Ambiente wie auf Kuba, keine Spur. Zugleich ist da allerdings auch kein Hass und keine Verachtung gewesen, wie manche uns weismachen wollen. 

Vielmehr ist es ein ziemlich kompliziertes Ding. Doch diese Vielschichtigkeit macht neugierig, der Sache auf den Grund zu gehen. Schauen wir uns die Sache von seiner Seite an. Im Ersten Weltkrieg wird er schwer verwundet, getroffen von österreichischen Granatsplittern, Österreich und Deutschland sind die Gegner der entente cordiale. Im Zweiten Weltkrieg sieht er die Gräuel der Wehrmacht an der Front im Hürtgenwald bei Aachen. Auch persönlich setzten die Deutschen dem US-Schriftsteller heftig zu. Sein Sohn Jack wird von den Deutschen als Kriegsgefangener inhaftiert. Alles keine gute Basis für überbordende Sympathie.

Umso merkwürdiger: Drei seiner vier Ehefrauen haben deutsche Vorfahren. Pauline Pfeiffer, Martha Gellhorn, Mary Welsh. Die Nachnamen verraten es. Die Großeltern von Marys Mutter Adeline Beehler stammen aus dem Badischen. Auch gehören einige Deutsche zu seinem engen Freundeskreis. Marlene Dietrich beispielsweise. Oder der Dresdener Peter Viertel, ein Drehbuchautor, der in Los Angeles lebt.

Er selbst kann ein paar Brocken Deutsch, nichts weltbewegendes, am liebsten Schimpfwörter wie Schweinehund. Er hat sie bei seinen mehrmonatigen Winteraufenthalten im österreichischen Schruns aufgeschnappt. Genau 291 deutsche Wörter und Begriffe findet man in Hemingways Werk, ein akribischer Kopf hat nachgezählt. In allen Büchern – mit Ausnahme In einem andern Land – kommen Deutsche als Personen oder als Begrifflichkeit vor.

In seinen vollen Bücherwänden auf Finca Vigía findet man zahlreiche Werke deutschsprachiger Autoren. Thomas Mann, Heinz Helfgen, Joachim Ringelnatz, Rainer Maria Rilke, Erich Maria Remarque, Arnold Zweig, Ludwig Renn, Gregor von Rezzori, B. Traven, Kurt Tucholsky, Stefan Zweig. Was er davon gelesen hat? Schwer zu sagen. Aber er ist Nicht-Akademiker, er muss sich sein Wissen hart erarbeiten.

Mit Rainer Maria Rilke geht er in Die Grünen Hügel Afrikas hart ins Gericht: Ich habe keine Geduld für so etwas. Er ist mir zu versnobt. Na ja, ein hartes Urteil, aber so ganz unrecht hat er nicht. Andererseits, Joachim Ringelnatz findet er grandios. Es zeigt: Für ihn gibt es solche und solche. Nicht nur in der Literatur. In allen Sparten, auf jeder Seite, in allen Ländern.

Ernest Hemingway schert nicht alle und alles über einen Kamm. Nicht nur schwarz oder weiß. Eher schwarz und weiß. Doch der Nobelpreisträger von 1954 versteht auch die Zwischentöne. Er vermag, abwägend zu urteilen. Viele Deutsche sind für Hitler. Doch viele kämpfen auch gegen ihn. Er weiß es aus persönlicher Erfahrung. Manche seiner Freunde machen ihn darauf aufmerksam.

Am 22. Juni 1938 fliegt Ernest Hemingway von seinem Wohnort Key West nach New York, um sich den bedeutenden Kampf von Joe Louis gegen Max Schmeling im Yankee Stadium anzusehen. Der Schriftsteller mag

Die Rettung eines Neulings namens Ernest Hemingway

Ein aufstrebender Autor, zunächst ohne Fortüne. Ernest Hemingway, auf einem Passfoto aus dem Jahr 1923.

Seit Dezember 1921 lebt der 22-jährige Ernest Hemingway in Paris, es sind mühevolle Lehrjahre. Die Stadt an der Seine ist in jener Zeit eine Metropole im Aufbruch. Autoren, Maler und Komponisten auf der Suche nach neuen Ideen zieht es in die Quartiers der Intellektuellen, zudem inspiriert die Lebenslust der Franzosen einen mit den puritanischen Werten des Mittleren Westens aufgewachsenen Amerikaner.

Materiell reiht sich der junge Mann aus einem Vorort von Chicago ein in das Heer mittelloser Schriftsteller aus aller Welt, oft verkrachte Existenzen, die nicht wissen, woher sie das Geld für die nächste Miete nehmen sollen. Erst vor kurzem hat der freie Korrespondent des Toronto Star in Michigan seine Liebe Hadley Richardson geheiratet, mit einer kleinen Erbschaft von ihr kommt das junge Ehepaar mehr schlecht als recht über die Runden. Ernest und Hadley wohnen in einer bescheidenen Unterkunft an der Rue du Cardinal-Lemoine, am Place de Contrescarpe in Montparnasse. Es ist ein graues Appartement im dritten Stock, ohne warmes Wasser und mit Abort im Treppenhaus.

Zwar hat der Autor mit dem frischen Stil, Eisberg wird man seine lakonische Art zu schreiben nennen, bereits in zwei Pariser Kleinstverlagen veröffentlicht. Doch diese Schriften sind wenig mehr als Privatdrucke seiner Expat-Freunde Robert McAlmon und Bill Bird. Von seinem Erstling Three Stories and Ten Poems befinden sich im Jahr 1923 gerade einmal 300 Exemplare in Umlauf. Der Reporter, der von einer Zukunft als Schriftsteller träumt, schaut sich um nach einem zahlungskräftigen Verlag. Doch der bleibt weit und breit nicht auszumachen.

Der junge Familienvater, Sohn John wird im Oktober 1923 geboren, erhält von Verlagshäusern aus den USA eine Absage nach der anderen. Damit hat er nicht gerechnet, den Kerl mit dem riesigen Ego übermannen in Paris Selbstzweifel und Depressionsschübe. Seine Frau versucht, ihn wieder aufzurichten. Hadley glaubt an mich und das ist mehr als genug, um den Schmerz der Absagen zu überbrücken. Das Schreiben der Stories ist schon schwer genug gewesen, aber noch schwerer war, dass sie abgelehnt wurden. Voller Unsicherheit beginnt er, sich als Autor in Frage zu stellen.

Noch Monaten später hat Ernest Hemingway in seinem Heimatland kein Periodikum gefunden, das seine Kurzgeschichten und die ungewöhnlichen Stories über Spanien drucken will. Jede angesehene Zeitschrift und auch die verrufenen Magazine haben die Stierkampf-Story abgelehnt. Es sei eine großartige Geschichte, aber sie können sie nicht veröffentlichen, erklärt der Newcomer resigniert in einem Brief an seinen Kollegen Ernest Walsh. Die Story sei zu hart für die Leser.

Seine Entscheidung, den freien Korrespondentenvertrag mit der kanadischen Tageszeitung aus Toronto zu kündigen, um sich ganz und gar als Buchautor zu versuchen, bringt die dreiköpfige Familie mehr und mehr in Bedrängnis. Seit ich mit dem Journalismus Schluss gemacht habe, kommt kein Geld mehr rein.

Doch die Rettung naht, wenn auch von unerwarteter Seite. Ein

Carl Zuckmayer und Ernest Hemingway mit ‚KAT‘ im ‚Deutschen Theater‘

Das Drehbuch der Uraufführung von KAT am 1. September 1931 im Deutschen Theater. Foto: Archiv Deutsches Theater. Archivsignatur: A12-03-0044.

Carl Zuckmayer und sein Freund Heinz Hilpert machen sich im Winter 1930/31 daran, eine Bühnenfassung von Ernest Hemingways Erzählung In einem andern Land zu erstellen. In Zuckmayers Berliner Wohnzimmer beginnen die zwei mit der Umwidmung des 400 Seiten-Romans. „Mit vorsichtiger Hand wie Instrumentenbauer“, so umschreibt der 30-jährige Carl Zuckmayer das Vorgehen. Sie gehen sachte an den Text, die Dialoge und die wichtigen Sätze belassen die beiden Theaterleute wie im Original.

Der Schriftsteller Carl Zuckmayer und der Theaterregisseur Heinz Hilpert, sie gehören dem Ensemble von Max Reinhardt am Deutschen Theater an, wollen in Deutschland für den aufstrebenden Schriftsteller Ernest Hemingway ein breites Publikum gewinnen. Deshalb würzen sie den mitunter lakonischen Stoff des US-Amerikaners mit der einen oder anderen Humoreske und arbeiten die Freiheitsliebe des Protagonisten heraus. Es wird ein rundheraus pazifistisches Stück.

Die Handlung von A Farewell to Arms, 1929 bei Scribner’s in New York erschienen, spielt in Italien. In einem andern Land, so heißt der Roman ein Jahr später in Deutschland, verarbeitet Ernest Hemingway seine Erlebnisse als Sanitätsfahrer an der Front während des Ersten Weltkriegs. Vor allem seine große Liebe zur amerikanischen Krankenschwester Agnes von Kurowsky bildet den Mittelpunkt der Erzählung, auch wenn der Name der Angebeteten in der Erzählung nun anders lautet.

Der US-Sanitätsoffizier Frederic Henry wird während des Ersten Weltkrieges an der Front im Nordosten Italiens schwer verletzt und ins Lazarett nach Mailand gebracht. Zwischen ihm und der schottischen Krankenschwester Catherine, die er liebevoll Cat nennt, entsteht eine leidenschaftliche Liebe. Nach vielen Wirrungen des Krieges gelangt das Liebespaar in die Schweiz, wo der Roman tragisch ausgeht: Catherine stirbt bei der Geburt eines Kindes, das Baby ist ebenfalls tot.

Alles in allem hält das Schauspiel von Autor Zuckmayer und Regisseur Hilpert sich an die Romanvorlage und an die trockene Sprache der Übersetzerin Annemarie Horschitz. Die szenische Umsetzung fällt nicht in die Versuchung, den modischen Trends des Theaters der Weimarer Republik nachzulaufen. So wie dem sozialkritischen Schauspiel eines Bert Brechts, der mit Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und Die Dreigroschenoper wenige Monate zuvor allseits für Furore gesorgt hat.

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Eine Spielszene aus KAT mit Gustav Fröhlich und Käthe Dorsch. Foto: Archiv Deutsches Theater. Archivsignatur: A12-0531-003.

Das Drama mit dem wenig aussagekräftigen Namen KAT wird am 1. September 1931 am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt, um 8 Uhr, wie die Werbung ankündigt. Der seltsame Kurztitel ist die Verballhornung des Namens von Catherine Barkley, der anmutigen Krankenschwester, die die weibliche Hauptrolle in der Erzählung spielt. Im Deutschen Theater läuft das Bühnenstück vom 1. bis 20. September 1931.

Das Stück kleinteilig angelegt. Die drei Akte mit ihren 22 Szenen sind nur mit dem Einsatz einer Drehbühne zu bewältigen. Die tragische Handlung zerfleddert dadurch in minutenkurze Sequenzen. Die Aufführung wird kein großer Erfolg, weder beim Publikum, noch bei der Kritik. Heute gibt es im Archiv des Deutschen Theaters noch einige wenige Unterlagen über KAT aus jener Zeit. Ein Souffleusen-Buch, sowie vier Fotografien in einem Album und eine Rezension lassen sich in der historischen Akte finden.

Die Besetzung ist hochrangig, Berühmtheiten der deutschen Bühne und des deutschen Films tragen das Drama. Den Frederic Henry gibt Gustav Fröhlich, der 1927 als Freder Fredersen in Fritz Langs Klassiker Metropolis mitgewirkt hat. Die aparte Käthe Dorsch spielt die Rolle der Catherine Barkley. Auch die Nebenrollen werden erstklassig besetzt: Paul Hörbiger, im Wechsel mit Gustaf Gründgens, als Stabsarzt Dr. Rinaldi und Brigitte Horney als Krankenschwester Helen Ferguson.

Zum ersten Mal habe sie, das 20-jährige Talent, bei KAT mit Herz und Seele den Sinn des Theaterspielens begriffen, verrät Brigitte Horney in ihren Memoiren. Gustav Fröhlich berichtet in seiner Autobiografie Waren das Zeiten – Mein Film-Heldenleben von dem Besuch Ernest Hemingways zur Premiere. Er hat den kernigen Amerikaner aus Chicago, der mittlerweile mit seiner zweiten Ehefrau Pauline und dem Sohn Patrick in Key West lebt, in guter Erinnerung.

Der damals schon berühmte Schriftsteller schenkt dem Filmstar ein Exemplar seines Romans mit einer spöttischen

Vor genau 100 Jahren: Ernest Hemingway urlaubt im Schwarzwald

Eine Schiefertafel an den Triberger Wasserfällen erinnert an den Besuch des Ernest Hemingway im Schwarzwald. Foto: W. Stock.

Der US-Journalist, er ist vor wenigen Wochen 23 Jahre alt geworden, geht in der französischen Hauptstadt in das Büro der CFRNA – der Compaignie franco-roumaine de navigation aérienne und kauft zwei Tickets nach Straßburg, one-way für 120 Francs. Ernest Hemingway und seine Ehefrau Hadley nehmen einem Doppeldecker von Paris nach Straßburg. Zwei Stunden dauert der Flug, anstatt acht Stunden im Zug sitzen zu müssen. Für Hadley ist es die erste Flugreise überhaupt.

Am 4. August 1922 treffen sich die Hemingways mit zwei befreundeten Ehepaaren in Straßburg und überqueren die Rhein-Grenze nach Kehl. Gut drei Wochen werden der Europa-Korrespondent des Toronto Star, seine Ehefrau und die Freunde im Schwarzwald verbleiben. Ihr Ziel ist das Elztal, eine ländliche Region im Schwarzwald, gut 30 Kilometer nordöstlich von Freiburg.

Die Reisegruppe will der stickigen Pariser Sommerhitze entfliehen und in den Bergen des Black Forest ausgiebig wandern und an den fischreichen Flüssen angeln. Die Journalisten wollen zudem Deutschland kennenlernen, das einen schrecklichen Krieg verloren hat und sich nun in heftigen wirtschaftlichen Turbulenzen befindet. Erst am 2. September werden die US-Amerikaner zurück in ihrer französischen Wahlheimat erwartet. 

Zusammen mit ihren Freunden, dem Journalisten Bill Bird, er arbeitet für die Agentur Consolidated Press in Paris, dessen Ehefrau Sally Bird sowie mit dem Schriftsteller Lewis Galantière und dessen Verlobten Dorothy Butler machen die Urlauber in diesen Augustferien des Jahres 1922 schnell unschöne Erfahrungen im krisengeschüttelten Deutschland. Der Empfang für die US-Amerikaner fällt alles andere als freundlich aus.

Auf einen Sympathiebonus darf Ernest Hemingway nicht hoffen, der verlorene Krieg steckt den Deutschen noch kräftig in den Knochen. Bitte, Herr Burgomeister. We wollen der fishkartenWe wollen to gefischen goen, radebricht der Autor aus Übersee im Rathaus, als er um einen Angelschein nachfragt. Nix, nein, erwidert der Bürgermeister brüsk, und zeigt den Amerikanern die Türe.

Zu den Menschen findet der junge Autor keinen Draht. Das Bier jedoch sei gut, notiert er. Und auch die Speisen munden hervorragend. Besonders die Süßspeisen haben es Hadley und Ernest angetan. Die Deutschen backen guten Kuchen, wunderbaren Kuchen. Die Inflation allerdings mache das Geschäft des Konditors kaputt. The mark was falling faster than they could bake. So schnell wie die Mark fällt, komme kein Konditor nach.

Seine Leser im fernen Kanada unterrichtet der junge Ernest Hemingway mit zwiespältigen Impressionen aus dem Schwarzwald. Die Bewohner beschreibt er als verhärmte Kriegsverlierer, zu oft stösst der junge Kerl auf Ablehnung und Zurückweisung. In der Nähe von Triberg werden er und seine Freunde vom Bauern mit einer Mistgabel vom Feld vertrieben, nur weil sie Auslanders sind.

Auch wenn Ernest Hemingway mit den Bewohnern fremdelt, die wundervolle Natur bewundert der Mann aus dem Mittleren Westen über alles. Dem US-Amerikaner gefallen die kristallklaren Gebirgsgewässer des Schwarzwaldes. Die Gutach und der zufließende Nußbach bei Triberg, oder die Elz, allesamt Bäche, in denen der Naturliebhaber etliche Forellen fängt, denn sie bissen an, sobald die Schnur im Wasser war.

Schon in jenen Tagen ist sein Talent zu erkennen,

Die ‚Frankfurter Zeitung‘ rettet Ernest Hemingway vor den Selbstzweifeln

Die Frankfurter Zeitung aus dem Jahr 1934. Ein noch wenig bekannter Ernest Hemingway gehörte in den Jahren 1927 und 1930 zu ihren Autoren.

Der Mittzwanziger Ernest Hemingway, der seit 1921 mit seiner Frau Hadley in Paris lebt, ist ein vielversprechender Journalist, der sich selbst in seinen Träumen jedoch als Buchautor sieht. Seine Entscheidung, den freien Korrespondentenvertrag mit dem Toronto Star zu kündigen bringt die dreiköpfige Familie im mondänen Paris mehr und mehr in Bedrängnis. Seit ich mit dem Journalismus Schluss gemacht habe, kommt kein Geld mehr rein. Voller Selbstzweifel beginnt der US-Amerikaner, sich als Autor in Frage zu stellen.

Doch die Rettung naht, wenn auch von unerwarteter Seite. Ein Chefredakteur in Berlin druckt ihn, ebenso wie die Frankfurter Zeitung. Ernest Hemingway zeigt sich verblüfft. Es ist verdammt seltsam, dass Deutschland das einzige Land ist, wo ich was verkaufen kann. An ihn und an die ‚Frankfurter Zeitung‘. So erinnert sich der Nobelpreisträger von 1954 dankbar in seinen biografischen Skizzen Paris – Ein Fest fürs Leben.

In der Tat verkauft Ernest Hemingway, er ist vom Jahrgang 1899, nach Deutschland drei Kurzgeschichten, die die Frankfurter Zeitung veröffentlicht: Indianisches Lager (10. April 1927), Der Boxer (17. April 1927) und Das Ende von etwas (22. Mai 1927). Es sind die deutschen Übersetzungen seiner Short Stories mit den Originaltiteln Indian Camp, The Battler und The End of Something.

Besonders sticht die Kurzgeschichte Indian Camp hervor. Die Erzählung ist ein frühes Meisterwerk, das bereits die Grundmotive der Hemingway’schen Weltsicht behandelt. Geburt, Tod, Selbstmord, Kampf und Geborgenheit – in der atmosphärisch dichten Geschichte um den Landarzt Doktor Adams und seinen Sohn Nick kann man deutliche semi-biografische Eigenheiten ausmachen.

Die Frankfurter Zeitung, ein Vorläufer der heutigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gilt als eine der führenden Tageszeitungen Deutschlands. Das Journal wurde 1856 als Handelszeitung gegründet und hat sich über die Jahrzehnte zu einem bedeutenden freiheitlich-bürgerlichen Forum entwickelt. In der Weimarer Republik blieb die Frankfurter Zeitung eine der wenigen liberalen Stimmen. Vor allem ihr Feuilleton, für das fast alle Geistesgrößen der Zeit schrieben, gründete ihren guten Ruf.

Der Berliner Korrespondent der Chicago Daily News, Edgar Mowrer, hat den Kontakt zwischen Ernest Hemingway und der Frankfurter Zeitung hergestellt. Der emsige Geschichtenschreiber in Paris hat ihn gebeten, sich in Deutschland nach einer Zeitung umzusehen, to take over the whole mess, die das ganze Kuddelmuddel übernehmen kann.

Edgar A. Mowrer ist der jüngere Bruder von Paul Mowrer, der das Pariser Büro der Chicago Daily News leitet, und der ein Freund des Schriftstellers ist. Paul Mowrer sollte 1933 Hadley heiraten, die erste Mrs. Hemingway lässt sich nach sechs Ehejahren 1927 von Ernest scheiden. Aus gutem Grund. Denn die Rasanz von Hemingways Aufstiegs als Buchautor wird nur von seiner Geschwindigkeit als Schürzenjäger übertroffen.

In der Frankfurter Zeitung wird zudem Hemingways Anti-Kriegsroman A Farewell to Arms zwischen dem 8. Mai und dem 16. Juli 1930 in Fortsetzung veröffentlicht, die Übersetzung stammt von Annemarie Horschitz. Unter dem ungewöhnlichen Titel Schluss damit. Adieu Krieg! Als Buch bei seinem Verleger Ernest Rowohlt wird das Werk den Titel In einem andern Land tragen, später winzig verändert zu In einem anderen Land.

Zwei deutsche Medien verhelfen dem ehrgeizigen Autor zum Durchbruch, obwohl er ansonsten wenig Sympathie mit den Krauts verspürt. Der Frankfurter Zeitung ist es zu verdanken, dass Hemingways Name auch in Deutschland an Kontur gewinnt. Ernest Hemingways Hang zur Großsprecherei prägt sich schon damals aus. In Deutschland bin ich als der junge amerikanische Heine bekannt.

Endlich kommt Geld in die Kasse, sein Selbstbewusstsein wächst. Durch die Frankfurter Zeitung und Der Querschnitt erfährt der US-Amerikaner zudem eine emotionale Bindung zu Deutschland und darüber hinaus einen Zugang zur deutschen Literatur. Ernest Hemingway ist ein offener und neugieriger Mensch, als Nicht-Studierter muss er sich vieles abschauen.

Nur drei Jahre nach Veröffentlichung in der Frankfurter Zeitung schlägt die dunkle Seite Deutschlands zu. Ernest Hemingways Roman findet sich

Ernest Hemingway kommt viermal nach Berlin

Ernest Hemingway steigt im Eden Hotel an der Budapester Straße 35 ab. Das Eden, im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört, ist eines der großen Luxushotels der deutschen Hauptstadt gewesen.

Dieses Berlin macht keinen guten Eindruck auf Ernest Hemingway. Kein Wunder, wenn man im quirligen Paris lebt. Zudem durchlebt Deutschland in den 1920er Jahren eine schwierige Zeit, die eine Katastrophe hat man hinter sich, die nächste wartet schon. Der verlorene Erste Weltkrieg wirft immer noch seine Schatten, die Deutschen sind verarmt und haben ihr Vermögen in den Kriegsanleihen des Kaisers verpulvert. Der Alltag bleibt beschwerlich, Geldverfall und Reparationsleistungen drücken auf die Nation.

Soziale Konflikte entladen sich, politische Kämpfe verlagern sich gewaltsam auf die Straße – es sind grauenvolle Jahre. Für Journalisten wiederum ist es eine interessante Zeit und Berlin eine interessante Stadt. Insgesamt reist Ernest Hemingway viermal in die deutsche Hauptstadt. Der Mann aus Chicago wird allerdings nicht warm mit der Metropole an der Spree, kein Vergleich zu Paris jedenfalls, zu düster alles, zu unerfreulich.

Erster Hemingway-Besuch
Am 30. März 1923 schickt der Toronto Star seinen Paris-Korrespondenten Ernest Hemingway für zehn Tage auf Deutschland-Reise. Über Offenburg, Frankfurt am Main, Mainz, Köln, Düsseldorf nach Berlin. Berlin ist eine vulgäre, häßliche, mürrisch verfallende Stadt. Nach dem Krieg stürzte sie sich in eine Orgie, die von den Deutschen als Totentanz betitelt wird. So wird Ernest Hemingway am 15. Dezember 1923 in einem Artikel für den Toronto Star schreiben. Nichts Ansprechendes oder Vergnügtes lässt sich im Nachtleben Berlins finden. Alles ist ganz und gar abscheulich.

Während in Paris der Champagner dazu dient, den beschwingten Alltag zu krönen, wird in Berlin Kokain genommen, um das ganze Elend zu verdrängen. In manchen Lokalitäten würden die Kellner das Koks bis an den Tisch liefern. Die Fröhlichkeit im Berliner Nachtleben sei aufgesetzt, anders als in der Metropole an der Seine. Wenn es eines Nachweises bedürfe, dass Deutschland den Krieg verloren hat, in Berlin kriege man es vor Augen gehalten. Nach wenigen Tagen ist der 23-Jährige wieder in seinem Paradies mit Namen Paris.

Zweiter Hemingway-Besuch
Im November 1927 reist Ernest mit seiner zweiten Ehefrau Pauline Pfeiffer für neun Tage nach Berlin, sie werden vom 3. bis 12. November in der deutschen Hauptstadt bleiben. Das Ehepaar übernachtet im Luxushotel Eden in der Budapester Straße. Ernest und Pauline besuchen das Sechstagerennen, er mag dieses Spektakel des Radsports, und sie treffen sich mit den Kollegen Sinclair Lewis und Ramon Guthrie. 

Ernest lernt den Galeristen Alfred Flechtheim kennen und die beiden werden Freunde. Die Zeitschrift Der Querschnitt, die von Flechtheim gegründet wurde, druckt seit 1925 Erzählungen und Gedichte des US-Amerikaners. In der Hauptstadt kauft der Kunstliebhaber Hemingway bei dem Kunsthändler eine Skulptur der Bildhauerin Renée Sintenis für 500 Mark, das Werk trägt den Titel Der Fußballspieler. 

Dritter Hemingway-Besuch
Am 10. November 1929 befindet sich Ernest Hemingway erneut in Berlin, er kommt mit dem Zug aus Paris. Im Schlepptau der Kollege Guy Hickok, er ist Paris-Korrespondent des Daily Eagle aus Brooklyn, und Gus Pfeiffer, Paulines steinreicher Onkel. Und wiederum sieht man den nun schon berühmten Schriftsteller beim Sechstagerennen im Berliner Sportpalast.

Hauptgrund der Reise sind diesmal Verhandlungen mit dem Verleger Ernest Rowohlt über die deutschen Rechte zu A Farewell to Arms, das auf Deutsch In einem andern Land heißen wird. Ein Hauen und Stechen entwickelt sich beim Aushandeln der Tantiemen. Rowohlt bietet einen Vorschuss von 200 Dollar, Ernest Hemingway möchte 400 Dollar.

Den Vorschuss zahlt er schließlich bei der Galerie Flechtheim an und erwirbt ein avantgardistisches Gemälde von Paul Klee. Monument in Arbeit. Am 17. November fährt das Trio zurück nach Paris.

Vierter Hemingway-Besuch
Ernest Hemingway, inzwischen in Key West ansässig und auf Stippvisite in Paris, weilt am 1. September 1931 in Berlin. Die Uraufführung von KAT, der Theaterfassung seines Bestsellers In einem andern Land, möchte er mit seiner Anwesenheit beehren. Carl Zuckmayer und Heinz Hilpert haben den Roman für die Bühne adaptiert.

Wiederum wohnt der Schriftsteller im Eden Hotel. Carl Zuckmayer schreibt in seinen Memoiren Als wär’s ein Stück von mir über Hemingway: „Er war schon bei der Ankunft betrunken, trug eine flache Whiskyflasche in der Rocktasche.“ Von der Aufführung kriegt er

Ernest Hemingway lässt niemanden kalt

Wolfgang Stock mit seiner Hemingway-Biografie Cabo Blanco auf Lesereise. Meerbusch, im Mai 2022. Foto: Christian von Zittwitz.

Wolfgang Stock im Gespräch mit Christian von Zittwitz über einen bärtigen Nobelpreisträger von 1954, über seine Hemingway-Biografie Cabo Blanco und über die Vermarktung seines Projektes.

Der ehemalige Cheflektor ECON Wirtschaft befindet sich mit seiner Hemingway-Biografie Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru auf Lesereise. Nach einer Veranstaltung in der Kaiserswerther Buchhandlung Lesezeit schaute der ehemalige BuchMarkt-Kolumnist in der Redaktion vorbei.

Kann man mit Ernest Hemingway noch jemand hinter dem Ofen hervorlocken?
In Düsseldorf haben wir die Lesezeit voll bekommen.

Was macht den Mann aus, dass man noch heute über ihn redet…
Das Leben des Nobelpreisträgers von 1954 ist so wahnsinnig bunt. Er steht für alles, was so ein Menschenleben ausmacht. Im positiven wie im negativen.

Wo fängt man da an…
Ich habe eine wenig bekannte Episode aus seinem Leben herausgegriffen, eine fünfwöchige Reise nach Peru zu den Dreharbeiten zu Der alte Mann und das Meer. Vor Ort habe ich lange recherchiert und mein Material mit Rück- und Seitenblicken zu einem Psychogramm angereichert. Auf jeder Seite möchte man eigentlich mit der Diskussion beginnen. Dieser seltsame Kerl lässt niemanden kalt.

Sie haben das Buch bei BoD verlegt. Ihre Erfahrungen nach einigen Monaten?
Books on Demand nähert sich immer mehr den Standards der Verlage an. Durch Neuerungen im Druck und die Verzahnung mit Libri merkt der Händler als auch der Kunde fast keinen Unterschied. Druckqualität, Lieferfristen, Remissionsrecht oder Rabatt ­– all das unterscheidet sich wenig von den etablierten Verlagen.

Was war für Sie das stärkste Argument fürs Selfpublishing?
Zeit. Während ich bei den Verlagen an die Programmzyklen gebunden bin, oft mit Wartezeiten von zwei Jahren, kann ich bei BoD von jetzt auf gleich loslegen. Gerade bei Biografien ist Timing wichtig. Jahrestage und Jubiläen gilt es im Auge zu halten.

Und das schwierigste beim Selfpublishing?
Marketing. Das unterscheidet sich nicht von herkömmlichen Verlagen. Das Buch muss zum Leser.

Was funktioniert beim Marketing?
Jeder muss da seine eigene Strategie finden. Ich betreibe das Portal Hemingwayswelt.de mit 3.000 Besuchern jeden Monat. Das ist die Grundlage, die öffentliche Sichtbarkeit, hier trommle ich praktisch jeden Tag. Ansonsten habe ich gute Erfahrungen mit Facebook gemacht.

Was bedeutet das konkret?
Als Autor sollte man versuchen, mit redaktionellen Beiträgen in die geeigneten FB-Gruppen hineinzugehen. Zum Thema Hemingway beispielsweise gibt es ein halbes Dutzend Gruppen und Foren, oft mit Tausenden Mitgliedern. Darüber hinaus gilt es thematisch verwandte FB-Gruppen auszumachen, bei Hemingway beispielsweise amerikanische Literatur, Kuba oder Sportfischen. Das ist eigentlich typisches Mirco-Marketing. Mit bescheidenen Mitteln dorthin gehen, wo die Zielgruppe zu finden ist.

Welche Rolle spielt der Buchhandel?
Ganz besonders freue ich mich über den Zuspruch der Buchhändlerinnen und Buchhändler. Die Empfehlung des Handels ist für mich wie ein Adelsschlag. Lesungen funktionieren beim Thema Hemingway wunderbar. Wobei ich keine Lesung im herkömmlichen Sinn abhalte, sondern einen packenden Vortrag mitbringe, inklusive seltener Fotos. Der Zuspruch ist groß.

Noch immer haftet Print on Demand das Image des ärmeren Bruders an…
Das Image des ärmeren Bruders hat das Selfpublishing mit Professionalisierungs-Schüben zum Glück überwunden. Selbst etablierte Verlage lassen die Backlist über BoD laufen. Und in den aktuellen BoD-Programmen gilt es so manche Perle zu entdecken.

Und wie entdeckt man solche Perlen?
Das Wichtigste ist

Ernest Hemingway und München

Der Fischbrunnen auf dem Marienplatz. München, im April 2022.
Foto: W. Stock

Zum wiederholten Male stolpere ich über einen Ausspruch aus der gewaltigen Zitatentruhe des Ernest Hemingway: Fahren Sie gar nicht erst woanders hin, ich sag‘ es Ihnen, es geht nichts über München. Alles andere in Deutschland ist Zeitverschwendung. Schriftsteller Ernest Hemingway (1899-1961).

So lauten berühmte Sätze, die seit Jahren durch die Gazetten und die Zitatenwelt rauschen. Ernest Hemingway und seine fabelhafte Lobpreisung Münchens. Der spätere Literaturnobelpreisträger sei gefragt worden, so lese ich woanders, welche deutsche Stadt am schönsten sei. München, so die Antwort, es gehe nichts über München. Wow!

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Sogar? Ernest Hemingways berühmtes Zitat über München – leider mit einem kleinen Schönheitsfehler.

Im englischen Original lautet die Textstelle: Let me tell you. Do not go anywhere else. Anywhere else in Germany is a waste of time. There is only Munich. Diese honigsüßen Streicheleinheiten besitzen leider einen kleinen Schönheitsfehler. Die Worte gehen zwar auf Ernest Hemingway zurück, jedoch kommen sie nicht aus seinem Mund.

Am 2. Mai 1923 veröffentlicht Hemingway im Toronto Daily Star unter der Überschrift Getting into Germany einen langen Artikel aus Offenburg über seine Reise ins von Inflation und Wirtschaftskrisen geplagte Nachkriegs-Deutschland. Das ganze Land sehe nicht gerade fröhlich aus, so der Eindruck des Europa-Korrespondenten, Germany did not look very cheerful.

Als der junge Journalist im Bahnhof von Kehl auf seinen Zug nach Offenburg wartet, hilft er einer Frau beim Tragen von Paketen mit Hüten. Wörtlich schreibt Ernest Hemingway dann in seinem Artikel:
Geht es auch nach München?, fragte die Dame und puderte sich die Nase.
– Nein. Nur Offenburg.
– Oh, wie schade. München ist einzigartig. Sind Sie nie da gewesen?
– Nein, bisher nicht.
– Fahren Sie gar nicht erst woanders hin, ich sag‘ es Ihnen. Alles andere in Deutschland ist Zeitverschwendung. Es geht nichts über München.

Im Dialog mit dem 23-jährigen US-Amerikaner kommt die Würdigung Münchens aus dem Mund der Frau mit den Hut-Paketen. Insofern fällt das Zitat dieser namentlich unbekannten Dame zu, nicht Ernest Hemingway.

München kommt im Leben des späteren Nobelpreisträgers des öfteren vor, obwohl er, so wie es aussieht, niemals dort gewesen ist. In einem Brief an Howell G. Jenkins verrät Ernest Hemingway am 2. Februar 1925, dass er aus der Bergwelt im österreichischen Schruns ohne Visa mit den Ski nach Bayern herunterfahren könne. I’m going up to Munich to do some work, blickt er voraus.

Am 14. Dezember 1925 schreibt er aus dem Hotel Taube in Schruns an seine Mutter Grace in Chicago, man werde sich nach München aufmachen, dort einen Privatflieger mieten, und sich über die Alpen zum Hochplateau der Silvretta fliegen lassen. Das Flugzeug werde von einem berühmten deutschen Jagdflieger geflogen, der Spaß koste 75 Mark. Von oben gehe es dann auf Skiern ins Tal.

Schon als junger Kerl zeigt sich Ernest als ein Meister im Aufplustern und im geografischen Namedropping. Obwohl, wo er recht hat, da hat er recht. München ist die beste deutsche Großstadt. Ein Zugereister, der viel von der Welt gesehen hat, mag es beurteilen können. Und Ernest Hemingway, gerade er, besitzt ein feines Gespür für interessante Orte. Paris, Venedig, Pamplona, Ronda, Key West, Havanna. Willkommen in Hemingways Welt! 

Und schließlich München. Ziemlich viel München jedenfalls bei einem, der niemals dort gewesen ist. Seine Faszination zur bayerischen Metropole bleibt lebendig, vielleicht hat die Zeit gefehlt. Möglicherweise lag die bayerische Metropole ein wenig abseits seiner üblichen Routen.

Ein letzter Versuch, Hemingway und München zusammenzubringen. Wenn er in die großen Städte kommt, so

Präsentation: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru

Am 11. Mai 2022 findet in der Buchhandlung Lesezeit eine Veranstaltung rund um mein Buch Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru statt.

In der Buchhandlung Lesezeit in Düsseldorf-Kaiserswerth halte ich am Mittwoch, dem 11. Mai, eine Präsentation rund um mein Buch Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Inhalt, Recherche, Motivation – wie entstand die Hemingway-Biografie Cabo Blanco? Und welche neuen Einblicke erlaubt sie?

Am 15. April 1956 brechen Ernest Hemingway und seine Ehefrau Mary Welsh von ihrem kubanischen Landsitz Finca Vigía in der Nähe Havannas auf zu einer fünfwöchigen Reise nach Cabo Blanco. In dem winzigen peruanischen Fischerdorf sollen die Außenaufnahmen zur Hollywood-Verfilmung von Der alte Mann und das Meer stattfinden.

Gut 60 Jahre nach dem Besuch des Nobelpreisträgers bin ich der Expedition nachgereist. Neben zahlreichen Dokumenten, Fotos und Spuren habe ich Zeitzeugen gefunden, die sich lebhaft an Ernesto und seinen Besuch erinnern können.

In einem einstündigen Vortrag mit vielen seltenen Fotodokumenten möchte ich die abenteuerliche Reise von Ernest Hemingway in das südamerikanische Land nacherzählen. Und zugleich neugierig machen auf die Person Ernest Hemingway und auf sein Werk. Und auch neugierig machen auf das wenig bekannte, aber spannende Land Peru.

Ort der Veranstaltung:
Buchhandlung Lesezeit,
Kaiserswerther Markt 31,
40489 Düsseldorf.
Beginn: 19,30 Uhr.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns zu diesem Anlass (Anmeldung über diesen Link) in der Lesezeit sehen würden. 

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