Hemingways Welt

Wolfgang Stock auf Spurensuche

Autor: Wolfgang Stock Seite 2 von 20

Ernest Hemingway schaut sich um in Deutschland

Ernest Hemingway im September 1921. Ein junger Mann, die Welt steht ihm offen.

Gleich mehrmals hat sich Ernest Hemingway in Deutschland umgesehen. Nach den drei Wochen Angelurlaub im Schwarzwald begeben sich Ernest Hemingway und Ehefrau Hadley nach Frankfurt, und von dort unternehmen sie eine lange Schiffsfahrt auf dem Rhein über Koblenz, vorbei an den kleinen malerischen Dörfern des Mittelrheins, bis hinunter nach Köln.

Von Köln aus fährt das Ehepaar Hemingway am 31. August 1922 mit dem Zug zurück nach Paris. In Deutschland lasse sich für Cent-Beträge leben, schreibt Ernest Hemingway an seine Mentorin Gertrude Stein, doch ihn überkomme die Sehnsucht nach Paris. Die Metropole an der Seine ist die Stadt des Lichtes, unerreicht auf diesem Globus, besonders für Intellektuelle jener Jahre.

Ernest Hemingway fährt in den den 1920er Jahren mehrmals nach Deutschland. Nach seinem langen Urlaub im Schwarzwald begibt sich der junge Korrespondent im April 1923 für zehn Tage in die Ruhrregion, um dort über die angespannten deutsch-französischen Beziehungen zu berichten, die sich auf Grund der Reparationsforderungen in einem äußerst fragilem Zustand befinden.

Zehn Artikel schreibt der junge Journalist von dieser Reise für den Toronto Star. Treffend analysiert der junge Korrespondent die heikle politische Lage jener Tage, und unterhaltsam lesen sich seine Reportagen obendrein. Am 8. April 1923 besucht Ernest seinen Freund Eric Chink Dorman-Smith, der als britische Besatzungssoldat bei der British Occupation Garrison im Rheinland stationiert ist.

Im November 1927 reist Ernest Hemingway mit seiner neuen Frau Pauline Pfeiffer für neun Tage nach

weiterlesen

Cabo Blanco – ein wenig verloren

Cabo Blanco am peruanischen Pazifik, winzig und arg verschlafen,
ein vergessenes Kaff so ziemlich am Arsch der Welt. Ein kleines Paradies also.
Photo by W. Stock

Die massigen Berge und die aschfahle Wüste, die Cabo Blanco umzingeln, scheinen das schmale Fischerdorf geradezu ins Meer drücken zu wollen. Wenn man vom Sechura-Plateau mit dem Auto die staubigen Serpentinen hinunter an die Küste fährt und diesen geruhsamen Flecken erblickt, so kommt dem Besucher Cabo Blanco auf den ersten Blick ein wenig verloren und vergessen vor.

Hinter dem blauen Ortsschild Playa Cabo Blanco hat sich das Leben demgegenüber über die Jahrzehnte hinweg auf eine gemächliche Taktung eingestellt, mit kleinem Handel, kleinen Dienstleistungen und mit dem Fang kleiner Fische. Alles scheint sehr übersichtlich und klein, das Dorf und seine Bewohner sind gewohnt in bescheidener Größenordnung zu denken.

Die Bewohner Cabo Blancos sind arm, leben jedoch nicht im Elend. Denn Cabo Blanco ist ein kleines Fischernest, das sich zur Not vom Fischfang selber ernähren kann und deshalb mit der Welt da draußen nicht allzu viel am Hut hat. Der Fischfang erlaubt dem Dorf seit jeher eine genügsame Autarkie, man braucht nicht viel, um an der Pazifikküste Perus über die Runden zu kommen.

Man findet im Dorf viele prächtige Menschen, selbstbewusste Indios und Mestizen, die stolz sind auf ihren Fischerberuf und die Meisterung ihres beschwerlichen Alltags. Die kleine Kapelle, die drei kleinen Restaurants und die einfachen farbenfrohen Häuser der Costeños leuchten jedenfalls heiter und fröhlich unter dem azurblauen Himmel, auch wenn hier und da der Lack und der Putz ein wenig zerbröselt scheinen.

Cabo Blanco ist ein winziges Dorf ohne echten Dorfkern, ein länglicher Streifen die Küste entlang, mit bescheidenen Gebäuden aus Lehm oder Holz auf der einen Seite der staubbedeckten Straße, und auf der anderen Seite liegt das große Meer. Zu Fuß hat man das Dorf von oben bis unten in

weiterlesen

Hemingway? Es gibt auch Kritiker

Ernest Hemingway ist noch heute quicklebendig, seine Werke werden in den Buchhandlungen geführt, er wird – fast sechs Jahrzehnte nach seinem Tod – millionenfach gelesen und von vielen bewundert. Jeder kennt mindestens eines seiner Werke, man weiß um sein aufregendes Leben. Kurz, Ernest Hemingway ist bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund.

Doch so mancher seiner Kollegen betrachtet den bärtigen modernen Klassiker aus Chicago – literarisch wie menschlich – mit argem Stirnrunzeln. Direkt nach Ernest Hemingway ist eine neue Autorengeneration herangewachsen, John Updike, Arthur Miller, Norman Mailer, Joseph Heller – eine Generation, die sich vom Vater absetzen muss, und vieles anders sieht.

Die Gegensätze können nicht größer sein. Die Großstadt-Schreiber gefallen sich als Trüffelschnüffler der modernen amerikanischen Mittelklasse. Der alte Hemingway hat das Geplauder des intellektuellen Mainstreams nie gemocht, zu viele Ehedramen, Beziehungskonflikte und Berufsprobleme, das alles ist nicht seine Welt. Ernest Hemingway, der Weltenbummler und Großwildjäger, kann mit der literarischen Selbsterkundung der Großstadtneurotiker nichts anfangen.

Die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit. „Hemingway habe ich immer verachtet“, keilt beispielsweise John Irving, der US-amerikanische Schriftsteller aus New Hampshire, Jahrgang 1942. „Ich habe mich für ihn geschämt, als Mann und Autor. Seine Art und Weise, das Maskuline zu repräsentieren ist ein Witz. Er war kein Boxer, er war ein Alkoholiker, ein überschätzter Trinker, der überdies verantwortlich war für die literarische Welle all seiner Nachahmer. Mir gefallen die langen Sätze und die vielschichtigen Charakteren – aber das Tiefste das Hemingway erreichte, bestand darin, eine Charaktere zu erschaffen, die keinen hochkriegte. Deshalb ist Hemingway der größte Hochstapler der Geschichte. Als Mann und als Schriftsteller.“

Ernest Hemingway, ein Hochstapler? Solch ein Vorwurf ist unredlich, denn seine Qualität hat ganze Autorengenerationen beeinflusst und geprägt, so oder

weiterlesen

Forelle essen im Hotel Wehrle

Auch in der Bar des Hotel Wehrle wird an Ernest Hemingway erinnert.
Photo by W. Stock

Ernest Hemingway, er ist gerade 23 Jahre alt geworden, und seine Ehefrau Hadley fliegen in einem Doppeldecker von Paris nach Straßburg, sie nehmen das Flugzeug anstatt acht Stunden im Zug zu sitzen, für Hadley ist es die erste Flugreise überhaupt. Am 4. August 1922 treffen sie sich mit zwei befreundeten amerikanischen Ehepaaren in Straßburg und überqueren die Rhein-Grenze nach Kehl.

Gut drei Wochen werden das junge Ehepaar Hemingway und die Freunde im Schwarzwald bleiben – Ernest und Hadley haben im September des Vorjahres in Horton’s Bay in Michigan geheiratet. Ziel der Jungvermählten ist das Elztal, eine ländliche Region im Schwarzwald, gut 30 Kilometer nordöstlich von Freiburg, das sie nach einer fünfstündigen Zugfahrt erreichen.

Die Hyper-Inflation der Nachkriegsjahre lässt die US-Amerikaner in Deutschland leben wie die Fürsten, für ihre Dollars bekommen sie von Tag zu Tag mehr und mehr Mark. Eine preiswerte Gelegenheit, der stickigen Sommerhitze der französischen Hauptstadt zu entfliehen. Besonders freut sich der junge Journalist und angehende Schriftsteller auf die reich gefüllten Forellen-Bäche des Schwarzwaldes. Ernest Hemingway mag deutsche Forellen, womit sich allerdings seine Sympathien für alles Deutschland mehr oder weniger erschöpft hat.

Doch Ernest müht sich. Mitten in Oberprechtal steht der Gasthof Sonne, wo der amerikanische Autor eine Annäherung an die deutsche Sprache versucht. Bill und ich machten uns auf den Weg nach Oberprechtal, wo wir uns um Angelscheine bemühen wollten. Wir saßen gerade vor dem Gasthaus ‚Zur Sonne‘ im lebhaften Gespräch mit dem Gastwirt, das ausgezeichnet voranging, solange ich mich mit meinem Deutsch aus dem Spiele hielt, schreibt Ernest Hemingway in seiner Reportage German Inn-Keepers.

Ernest Hemingway erfährt am eigenen Leib, dass die deutsche Verwaltung darin Gefallen findet, die Bürger zu

weiterlesen

Poem to Mary

Als Kriegsberichterstatter erlebt Ernest Hemingway im Winter 1944/45 die blutigen Kämpfe am deutschen Westwall. Diese Schlacht im Hürtgenwald bei Aachen zwischen US-amerikanischen Boden-Divisionen und der Wehrmacht ist so schrecklich, dass Ernest Hemingway meint, seine Gefühle am besten in Versen ausdrücken zu können. Poem to Mary nennt er seine Lyrik, denn er hat gerade seine neue Liebe Mary Welsh kennengelernt.

Und sein Second Poem an Mary geht so:

Now sleeps he
With that old whore Death
Who, yesterday, denied her thrice.
Do you take this old whore Death
for thy lawful Wedded wife?
Repeat after me
I do, I do, I do.
Sixty seven times

Auf Deutsch hört sich dieser dichterische Versuch über den Krieg auch nicht gerade besser an.

Nun schläft er
mit dieser alten Hure Tod
der gestern sie dreimal verleugnete.
Nimmst du diese alte Hure Tod
zu deiner dir rechtmäßig angetrauten Frau?
Sprechen Sie mir nach
Ich will, ich will, ich will.
Siebenundsechzig Mal.

weiterlesen

Don Máximo aus Cabo Blanco liebt das Meer und das Fischen

Máximo Jacinto Fiestas – auf dem Foto als Maat auf Hemingways Boot und heute.
Photo by W. Stock

Máximo Jacinto Fiestas, der pausbäckige Maat, der dem Schriftsteller die Köder präparierte und mit ihm auf hoher See den Johnnie Walker trank, ist verdammt dünn geworden. Er lebt im Norden von Cabo Blanco, an der Carretera nach El Ñuro, einen Steinwurf vom Pazifik Perus entfernt, in einem bescheidenen Häuschen. Freundlich empfängt uns der Greis und bittet uns in sein kleines Haus.

Dort findet man im Wohnzimmer eine schmale Kommode, auf der gerahmte Fotos stehen, dahinter ist die Holzwand hochgezogen mit angehefteten Bildern, ein Aufbau, der einem katholischen Altarschrein gleicht. Die zahlreichen Fotos auf dem Tisch und an der Wand kennen nur ein Thema, sie alle halten die Ereignisse aus dem Jahr 1956 wach.

„Das war die beste Begegnung in meinem Leben, ich bin Gott dankbar, dass ich Ernesto kennenlernen durfte“, murmelt der 93-Jährige glücklich. „Don Ernesto war der umgänglichste Gringo, der je nach Cabo Blanco gekommen ist. Ich kann es nicht erklären, aber er war so ganz anders als die anderen.“ Man habe sich gut verstanden, aber Hemingway habe nicht viel Spanisch gesprochen.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist 2HemingwayCaboBuch-840x1024.jpg

Der junge Fischer Máximo Jacinto Fiestas mit Ernest Hemingway auf dem peruanischen Pazifik vor Cabo Blanco. Photo by Modeste von Unruh.

Don Máximo Jacinto, so geht die Fama um in seinem Dorf, sei in seinen Tagen der beste Carnalero zwischen Tumbes und Chiclayo gewesen. Carnalero, so nennen die Einheimischen jene Fischer mit der Fertigkeit die Carnada, den für die Großfisch-Jagd so entscheidenden Köder, fachgerecht zu präparieren. Und Ernest Hemingways Köder-Präparator erzählt noch heute mit Stolz von der Begegnung mit dem berühmten Schriftsteller. „Auf einer Ausfahrt hatte sich ein Marlin mit der Angelschnur unter dem Boot verheddert. Hemingway rief mich, ich zog mir die Badehose an und ging unter das Boot. Auch das gehörte zu meinen Aufgaben.“ Die Augen des alten Fischers lächeln schelmisch. „Mit einer Zange schnitt ich die Angelschnur durch, damit der Marlin sich befreien konnte.“

Das Schicksal hat dem Fischer Máximo Jacinto nicht immer gut mitgespielt. Er ist fast blind, und er mag am liebsten seinen Stuhl auf der Veranda nicht verlassen. Doch der Fischer Máximo Jacinto Fiestas aus Cabo Blanco ist keiner, der dem Leben große Vorhaltungen macht. „Ich bin mit meinen Leben zufrieden, weil ich das Meer und das Fischen liebe.“ Pescar, den Fisch fangen, das sei seine Aufgabe gewesen, die Pesca habe für sein Auskommen gesorgt. Das Meer hat sein Leben geprägt, dies hat er mit seinem berühmten Freund gemeinsam. „Deshalb bin ich auch in der dritten Klasse von der Grundschule weg und Fischer geworden.“

Der greise Mann, der in seinem Schaukelstuhl alte Tageszeitungen liest, scheint mit dem Leben, so wie es nun mal ist, in Harmonie. Er hat seine Ziele erreicht, was ja nicht jeder sagen kann, wo auch immer er leben mag. „Ich habe meine Familie zusammen gehalten. Einer meiner Söhne ist Taucher und zwei meiner Töchter haben sich mit Fischern verheiratet.“ Eine grenzenlose Wertschätzung besitze er für das Meer, ja, eine fast göttliche Hochachtung. Der Natur muss man nur gehorchen, man darf sie nicht dominieren wollen. Dafür gibt dir das Meer viel zurück, es lässt dich innerlich zur Ruhe kommen. So ähnlich sieht es Ernest Hemingway, der bärtige Amerikaner blickt wie ein Fischer auf die Welt.

Er könne zwar nicht mehr die Strandpromenade entlang schlendern wie noch vor einiger Zeit, aber er liest jeden Tag seine Zeitungen und gerade sei ein

weiterlesen

Nummer 5 lebt!

Ernest Hemingways zerstörtes Zimmer im ‚Cabo Blanco Fishing Club‘.
Photo by W. Stock

Draußen weht der Pazifik einen heißen Wind gegen die Ruine. Auf der Terrasse sind alle Geländer abmontiert und die Pflasterung aufgebrochen. Inmitten der Veranda befindet sich ein ovaler Swimmingpool, ungefähr auf der Höhe der Zimmer mit der Nummer 4 und 5, genau vor jenen Räumen, in denen die Hemingways einst gewohnt haben. 

Das Zimmer mit der Nummer 5, dort wo im Jahr 1956 Ernest Hemingway 36 Nächte geschlafen hat, liegt an der Frontseite am Ende eines schmalen Ganges. Ich finde Hemingways Zimmer komplett leergeräumt vor, selbst der Knauf der Eingangstüre wurde gestohlen. Der Bodenbelag ist entfernt worden, die ganze Kammer riecht stechend nach Morast.

Der rechteckige Raum, sicher nicht größer als 12 Quadratmeter, kommt einem selbst unmöbliert winzig vor. Das kleine Zimmer wäre mit einem Bett, einem bescheidenen Schrank, einem Tisch mit Stuhl und einer Kommode im Nu vollgestellt. Selbst in unbeschädigtem Zustand ist dieses Zimmer kein Ausweis von Luxus gewesen, es ist der Pazifik, der diesem Anwesen seine Eigenart verleiht.

Aus den Tagen des Ernest Hemingway in Cabo Blanco ist lediglich die weiße Jugendstil-Lampe in der gusseisernen dunklen Fassung an der rechten Wand übrig geblieben und auch von der Decke hängt noch eine hübsche, in schwarzes Eisen gefasste Leuchte. Ansonsten ist das Zimmer vollkommen geleert, in dieser verwahrlosten Räumlichkeit hat seit Jahrzehnten keiner mehr gewohnt.

In dem klitzekleinen Baderaum hinter dem Zimmer kann man

weiterlesen

Don Ernesto hat uns alle umarmt

Rufino Tume, der ‚Miss Mary‘ auf den Pazifik hinaus fuhr, hat den Hemingways einiges zu verdanken. Photo by W. Stock

Rufino Tume, der Kapitän der Pescadores Dos und der Miss Perú, lebt schräg gegenüber vom Restaurant Cabo Blanco. Er kann sich lebhaft an den Autor aus Amerika erinnern. „Ernesto war ein ganz feiner Kerl“, meint der Fischer in Cabo Blanco, nun 85 Jahre alt, und wippt sacht in seinem Stuhl aus Bast, „er hat mir in meinem Leben sehr geholfen.“

Überhaupt, auf die Hemingways lässt Rufino Tume nichts kommen. „Ernesto era un gringo muy buena gente“, sagt er, Ernesto sei ein verdammt guter Gringo gewesen. Muy buena gente, so sagt man in diesen Breiten, prächtige Leute, sehr anständige Menschen, mehr geht eigentlich nicht. “Era un hombre de buen tomar, y muy sencillo y amable.“ Er konnte ganz gut einen heben, nicht zu viel, ein Kerl halt, sagt Rufino, und der Gringo sei sehr umgänglich und liebenswert aufgetreten.

Der Fischer Rufino bringt es zu bescheidenem Wohlstand in Cabo Blanco, er baut sich ein Haus, bekommt vier Kinder, kauft sich einige Camionetas, es ist genug Geld da. Bis 1988, bis zu seinem Unfall. Er fährt von El Alto die steile Bergstraße zur Küste herunter, plötzlich wird er ohnmächtig, er sackt in den Sitz hinein, das Steuer ist führerlos, sein Auto kommt von der Fahrbahn ab, er verunglückt schwer.

Rufino kann sich an nichts mehr erinnern, vielleicht ist er kurz eingeschlafen. Die Krankheit verschlingt sein gesamtes Vermögen. Doch die Begegnung mit Ernest Hemingway und Mary sollte dem Bootskapitän Rufino Tume noch von Nutzen sein. Der peruanische Fischer lässt seine Lähmung auf Kuba behandeln, mit zwei seiner Söhne besucht er die Insel. Und dort zeigt er einem Arzt ein Foto, von ihm mit Ernest Hemingway, aus den Tagen im Jahr 1956 in Cabo Blanco.

Von diesem Augenblick an ändert sich alles für Rufino in dem kubanischen Krankenhaus. Der Arzt erzählt ihm, wie

weiterlesen

Pablos Traum hat sich erfüllt

An den Wänden des schlichten ‚Restaurant Cabo Blanco‘ erinnern Fotos an den bärtigen Besucher. Photo by W. Stock

Der Traum von Pablo Córdova, dem jungen Barkeeper im Fishing Club, ist Wirklichkeit geworden. Das eigene Gasthaus, von dem er Ernest Hemingway im April und Mai 1956 so vorgeschwärmt hat, heißt Restaurant Cabo Blanco und steht mitten im Fischerdorf direkt an der Strandpromenade. Als Barkeeper im Klubhotel hat der Peruaner dem bärtigen Gringo jeden Abend den Whiskey eingeschenkt und dem berühmten Gast irgendwann auch sein Herzen ausgebreitet und von seinen Wünschen an das Leben berichtet.

Es ist eine einfache Lokalität, ganz in weiß gehalten, mit einer offenen Terrasse zum wunderbaren Meer hin, die einen Blick über das Wasser bis hin zum Horizont gewährt. Das Restaurant mit sechs, sieben kleinen Tischen, das zum Mittag einen großartigen frischen Fisch aufträgt, wird heute von Orlando Córdova geführt, von Pablos Sohn.

In Pablos Restaurant, in dem Meeresgetier wie das Cebiche de Mero oder der Pulpo al Olivo als Spezialität angeboten wird, scheint der Geist des bärtigen Gringos allgegenwärtig. Auf zahlreichen eingerahmten Erinnerungsfotos über dem Durchgang zur Küche ist der Nobelpreisträger mit dem Peruaner Pablo Córdova zu finden, und ein jeder Besucher bestaunt die alten Bilder und sofort kommt eine lebhafte Konversation in Gang.

Als Pablo noch lebte, konnte er persönlich jedem Besucher erzählen, wie glücklich seine Tage mit diesem Ernest Hemingway gewesen waren, und Zeitungsreporter aus Lima oder Buenos Aires sind nach Cabo Blanco hochgekommen und haben seinen Anekdoten gelauscht. Doch die Geschichten aus erster Hand über die Freundschaft des amerikanischen Starautors mit dem einfachen Barkeeper aus Cabo Blanco sind mit ihm im Jahr 2014 verstummt.

Pablo, meint Ernest Hemingway

weiterlesen

Wo der sandige Wind die Hügel an der Küste umschlingt

Die Erinnerung an Ernest Hemingway bleibt wach in Cabo Blanco
Photo by W. Stock

Unten im Dorf scheint die Uhr irgendwie still zu stehen. Cabo Blanco geht unaufgeregt seinem Alltag nach, doch viel zu gehen und zu tun, gibt es am peruanischen Pazifik nicht. Touristen verirren sich nur ab und an, an windigen Tagen kommen die jugendlichen Surfer, doch meist bleiben die Fischer und die kleinen Händler in Cabo Blanco unter sich.

Die jungen Leute aus dem Ort haben sich aufgemacht nach Talara oder Piura oder gar nach Lima, wo es mehr Arbeit und eine bessere Bezahlung für sie gibt. Und so bestimmen die Rentner das Bild der Ortschaft, ältere Herrschaften, die in ihren Schaukelstühlen auf der Veranda ihrer kleinen Häuser den Vormittag vor sich hin wippen und den Nachmittag gleich mit.

Den Stolz der Peruaner auf ihr Dorf, diese natürliche und schlichte Würde, auch dies bemerkt man schnell in Cabo Blanco. Jeder im Ort – vom Halbwüchsigen bis zum Greis – wird dir zweierlei erzählen: Erstens, dass es in Cabo Blanco Tage gab, wo man vor der Küste den größten Fisch auf diesem Planeten fangen konnte. Und zweitens, dass der größte Schriftsteller aller Zeiten fünf Wochen seines Lebens voller Glück in Cabo Blanco verbracht hat.

Ernest Hemingway hat seine Tage am peruanischen Pazifik über die Maßen genossen. Nach seiner Rückkehr nach Kuba widmet er in einem Artikel für die Zeitschrift LOOK vom 4. September 1956 seinem Gastland Peru eine lange Passage, die sich wie eine typische Liebeserklärung à la Hemingway liest. In Peru, wohin wir gegangen waren, um zu versuchen, für den Film einen großen Fisch aufzunehmen, war es ganz anders. Wir haben 32 Tage gefischt, von der ersten Stunde des Morgens bis zur Dämmerung, bis es schwierig wurde, zu filmen. Das Meer schien wie ein riesiger Berg mit Schnee auf dem Gipfel. Wir konnten vom Kamm der Welle hinüber schauen aufs Land, dort wo der sandige Wind die Hügel an der Küste umschlang.

Solch ein wunderbares literarisches Denkmal bekommen nicht viele Plätze auf dieser Welt als Geschenk, schon gar nicht von einem Nobelpreisträger. Seine Lobpreisung wird dem bärtigen Amerikaner von den Bewohnern Cabo Blancos nicht vergessen. Denn wenn man in diesen Tagen durch die winzige Ortschaft schlendert, kaum mehr als 500 Menschen leben heute in dem Dorf, dann merkt man an jeder Ecke und bei jedem Gespräch: Ernest Hemingway lebt! Der Mann ist im Jahr 1961 vielleicht gestorben, aber tot ist er noch lange nicht.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist HemPlakat-768x1024.jpg

Man stolpert in dem kleinen Cabo Blanco des öfteren über einen bärtigen Gringo. Auch nach sechzig Jahren noch. Photo by W. Stock

Im Gegenteil, er ist quicklebendig, lebendiger als so mancher Zeitgenosse, weil er unauslöschlich in den Herzen und in den Gedanken der Menschen weiterlebt, die ihn einst kennenlernen durften. Und deren Zuneigung und Erinnerung selbst von der nächsten Generation weitergetragen wird.

Auch über sechs Jahrzehnte nach seinem Besuch finden sich in dem kleinen Cabo Blanco noch unzählige Spuren des Nobelpreisträgers. Die Erinnerung an Ernest Hemingway

weiterlesen

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén