Auf den Fersen von Ernest Hemingway

Kategorie: Peru Seite 1 von 10

Ernest Hemingway lebt!

Don Máximo Jacinto Fiestas, der mit Ernest Hemingway den ersten Whiskey seines Lebens trank. Cabo Blanco, im März 2016. Foto: W. Stock

Im Dorf scheint die Uhr still zu stehen, die Bewohner gehen unaufgeregt ihrem Alltag nach. Viel zu gehen und zu tun gibt es in Cabo Blanco allerdings nicht. An windreichen Tagen fallen die Surfer ein, ein paar Backpacker verirren sich, doch meist bleiben die Fischer und die Kleinhändler unter sich. Die jungen Leute aus dem Ort haben sich schon längst aufgemacht nach Talara oder Piura oder gar nach Lima, wo es mehr Arbeit gibt und eine bessere Bezahlung. Und so bestimmen die Rentner das Bild der Ortschaft, ältere Herrschaften, die in ihrem Schaukelstuhl auf der Veranda ihres Häuschens den Vormittag vor sich hinwippen und den Nachmittag gleich mit.

Jeder kennt jeden in diesem Nest, es sind gerade einmal 200 Familien, die in dem Fischerdorf leben. Du fragst, wo wohnt Rufino, und man antwortet dem Besucher, die Straße hoch, das dritte Haus auf der rechten Seite. Denn ein jeder weiß, wer mit Rufino gemeint ist, nicht nur, weil es nur einen Rufino in diesem Fleckchen gibt, sondern weil jeder hier alles vom anderen weiß, die Bewohner leben wie in einer Großfamilie.

Den Stolz auf ihr Dorf eint alle. Jeder im Ort – vom Halbwüchsigen bis zum Greis – wird dir zweierlei erzählen: Erstens, dass es in Cabo Blanco Tage gab, an denen man vor der Küste den größten Fisch auf diesem Planeten fangen konnte. Und zweitens, dass der beste Schriftsteller aller Zeiten fünf Wochen seines Lebens in Cabo Blanco verbracht hat, Tage voller Glück und Zufriedenheit. Mit ihrem Urteil liegen die Einheimischen nicht falsch. Der bärige Amerikaner hat seinen Aufenthalt am peruanischen Pazifik mit Leib und Seele genossen.

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Don Rufino Tume, der Kapitän der ‚Pescadores Dos‘, der Mary Welsh hinaus auf das Meer fuhr. Cabo Blanco, im März 2016. Foto: W. Stock

Nach der Heimkehr widmet er in einem Artikel für die Zeitschrift LOOK vom 4. September 1956 seinem Gastland eine lange Passage, die sich wie eine typische Liebeserklärung à la Hemingway liest. In Peru, wohin wir gegangen waren, um zu versuchen, für den Film einen großen Fisch aufzunehmen, war es ganz anders. Wir haben 32 Tage gefischt, von der ersten Stunde des Morgens bis zur Dämmerung, bis es schwierig wurde, zu filmen. Das Meer glitzerte wie ein riesiger Berg mit Schnee auf dem Gipfel. Wir konnten vom Kamm der Welle hinüber schauen aufs Land, dort wo der sandige Wind die Hügel an der Küste umschlang.

Krautjunker.com über ‚Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru‘

Das ganz famose Portal Krautjunker.com -Weblog für Es(s)kapismus bespricht ausführlich mein Buch Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Hier eine um Buchzitate und Fotos gekürzte Version: Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Krautjunker-1024x454.jpg„Vor 65 Jahren war ein peruanisches Fischerdorf fünf Wochen lang Schauplatz des letzten Abenteuers für den berühmtesten Schriftsteller der Welt. Ernest Hemingway, geehrt mit dem Pulitzer- und dem Literaturnobelpreis, verehrt von Millionen Lesern weltweit, stellt ab Mitte April 1956, ausgehend vom Cabo Blanco Fishing Club, dem größten angelbaren Raubfisch nach: dem legendären Schwarzen Marlin.

Im Gegensatz zu den meisten Autoren erträumte Hemingway nicht nur Abenteuer, sondern auf warf auch sein eigenes Leben auf  Großwildjagden, riskanten Reisen und beiden Weltkriegen in die Waagschale. Doch die wilden Jahre fordern mittlerweile ihren Tribut in Form von Diabetes, Impotenz, Konzentrationsstörungen und Hämorrhoiden. Nicht zu vergessen die quälenden Rückenschmerzen und sein kaputtes Bein.

Korpulent ist seine Figur und gebrechlich seine Bewegungen. Mit Mitte fünfzig sieht er aus wie ein alter Mann. Hemingway, groß und breitschultrig, der sich als unverwüstlichen Macho und Naturburschen feiert, verursacht sein körperlicher Verfall Depressionsschübe. Er weiß, dass das Beste vorbei ist, aber noch immer umweht ihn ein Hauch von Verwegenheit und Draufgängertum. Und noch immer gehen auf Schritt und Tritt ein raumfüllender Glanz und eine einzigartige Magie von ihm aus.

Hinter der anstrengenden Fassade des selbstverliebten Großmauls, Schürzenjägers, Boxers und Trinkers mit einem unstillbaren Hunger nach Aufmerksamkeit, fasst eine kämpferische Künstlerseele die widersprüchlichen Freuden und Leiden des Lebens in eine puristische Wortmusik, welche noch heute Leser aller Schichten und Nationen berührt. Angesichts seines körperlichen Niedergangs will der alte Haudegen nicht kapitulieren.

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364 Seiten, BoD 12,99 € (Paperback), 6,99 € (E-Book) ISBN: 9783751972567 zu beziehen in jeder Buchhandlung oder bei: amazon.de (hier klicken)

Hier in Cabo Blanco will es das narzisstische Genie noch einmal allen zeigen, was er für ein Kerl ist. Seiner Frau, seinen Freunden, den Ärzten, den Kritikern, den Fischern, dem Fisch und vor allem sich selbst. Der alte Mann bäumt sich auf und kämpft. Die Filmgesellschaft Warner Bros. hat sich für viel Geld die Filmrechte an Hemingways finalem Meisterwerk Der alte Mann und das Meer gesichert.

Das Buch, welches ihm endgültig einen Platz im Schriftsteller-Olymp sichert, ist die Krönung seines Literatenlebens und das letzte, welches zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wird. Auch wenn Hemingway im Alltag Glaube und Demut für Religiosität fehlen, lesen sich manche seiner Texte wie Gebete und erinnern manche seiner Inhalte an Beichten.

Die für die Handlung wichtigen Angelszenen will das Hollywood-Studio auf dem pazifischen Ozean vor Cabo Blanco drehen, da sich hier die kapitalsten Raubfische finden lassen. Hier hat der texanische Unternehmer Alfred C. Glassells am 4. August 1953 einen Schwarzen Marlin von viereinhalb Metern Länge und 708 kg Gewicht erbeutet.

Mit all seinen Sinnen liebt er

Leserstimmen und Pressebesprechungen zu ‚Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru‘

Wolfgang Stock: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. BoD über amazon.de

Immer Vollgas
Dieses Buch ist ein Schatz! War schon auf Cuba und habe dort eine Tour zu seinem Namen gemacht, echt beeindruckend. In Florida waren wir schon öfter, auch bei seinem Haus und seinen Stammkneipen. Der Autor hat hier sehr viel Arbeit und Recherche leisten müssen, um uns Lesern das Leben von Ernest Hemingway noch mal so nahe bringen zu könne.
Jetzt sehe ich ihn mit ein bisschen anderen Augen. Er war für mich persönlich ein ewig getriebener und so musste er auch einiges gehörig übertreiben, sonst wäre er sich selber nicht gerecht geworden. Er lebte in meinen Augen ein Leben von drei Leuten und fasste dafür alles auf seine Lebenszeit ein. Die Fotos zeigen auch ein paar Einblicke, die wahrscheinlich noch nicht so viele Leute gesehen haben. Ein tolles Werk, Herr Stock, Respekt.
MK262 auf Loveliy Books

Ernest Hemingway, der bereits zu Lebzeiten für reichlich Kontroversen gesorgt hat, beschäftigt auch heute noch die Gemüter. Selbst wenn heute vollkommen andere gesellschaftliche Maßstäbe gelten als zu seinen Zeiten, kann nichts darüber hinwegtäuschen, dass er eine äußerst zwiespältige Persönlichkeit gewesen sein muss. Wolfgang Stock, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem Menschen Hemingway nachzuspüren, gelingt es, basierend auf zahlreichen äußerst detailreichen Recherchen, das Bild eines innerlich zerrissenen, aber trotzdem immer geradlinigen Mannes nachzuzeichnen, der über ein Charisma verfügt hat wie kaum ein anderer.
Fazit: Eine interessante Begegnung mit Ernest Hemingway, die diesem außergewöhnlichen Menschen und Schriftsteller ein literarisches Denkmal setzt.
Das Echo vom Alpenrand, 27. September 2021

Wunderbare Biografie
Der fast 60-jährige Ernest Hemingway reist 1956 für einige Wochen mit seiner Frau Mary zu den Dreharbeiten des Films „Der alte Mann und das Meer“ nach Cabo Blanco in Peru. Dort, im legendären Cabo Blanco Fishing Club, tummelt sich die Prominenz. Hemingway genießt die Zeit im Fishing Club und die Jagd nach dem riesigen Schwarzmarlin. 

Muss man zu dieser Reise eine ganze Biographie von 340 Seiten geschrieben werden? Ja! Der Autor, Wolfgang Stock, beschreibt die Ereignisse, den Ort und die Personen so lebhaft, dass ich das Buch regelrecht verschlungen habe. Der Schreibstil ist lebendig und die Sprache ist in der Gegenwart. So hat man das Gefühl direkt vor Ort mit Hemingway zu sein und die Zeit im Fishing Club hautnah miterleben zu können. Ich konnte das Meer riechen, die Hitze spüren, auf dem Fischerboot mitfahren und sogar (obwohl ich nicht fische und das auch nicht gut finde) nachempfinden, warum Hemingway das Fischen so geliebt hat.

Ich habe viel über Hemingway gelesen und auch sein Anwesen auf Kuba besucht. Seine Zeit in Cabo Blanco war mir aber völlig unbekannt. Der Autor hat sehr intensiv recherchiert und sich auf den komplexen Charakter Hemingways eingelassen. Historische Hintergründe, wie der Cabo Blanco Fishing Club, werden ebenfalls sehr lebendig geschildert. Ich habe so viel gelernt und mich dabei sehr unterhalten gefühlt. Ergänzt wird die Biographie mit eindrucksvollen schwarz-weiß Fotos aus der Zeit und einem Glossar am Ende des Buchs.

Fazit: eine wundervolle und spannende Biographie vom Hemingways Reise nach Peru. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. Ein Highlight!
Nordseemädchen, auf hugendubel.de

Ich werde zurückkommen

Der Meister in seiner kleinen heilen Welt. Aufregende und anstrengende 36 Tage in Cabo Blanco am peruanischen Pazifik. Vom 16. April bis zum 22. Mai 1956. Foto: Modeste von Unruh.

In aller Frühe am nächsten Morgen, am 22. Mai 1956, werden Ernest Hemingway, Miss Mary und die Freunde die Rückreise in Richtung Miami antreten und von dort wird das Ehepaar nach Havanna weiterreisen. Er freut sich auf sein vertrautes Daheim, es macht ihn aber auch traurig, dass die erlebnisreichen Tage in Peru nun vorbei sind. Doch die Arbeit ist getan, am Film und auf dem Ozean. Cabo Blanco und der Pazifik sind ihm gut bekommen. Er hat in den fünf Wochen seines Aufenthaltes vier Riesenfische gefangen, zwei Schwertfische und zwei Marline, für den Thousand Pound Club reicht es nicht, aber immerhin.

Am besten macht man sich auf und davon, wenn man viel erreicht hat. Ernest Hemingway erinnert sich an die Worte, die er seinem Freund Ellis O. Briggs mit auf den Weg nach Brasilien gegeben hat. Am besten schleicht man sich von Bord, wenn man seine Ziele erreicht hat. Es sagt sich so leicht, aber immerfort grübelt er über die Frage, auf die er keine Antwort erhält: Wohin? Solange sich auf dieses Rätsel keine gescheite Auflösung finden lässt, hat er sich entschlossen, das Meer zu lieben, sich an der Sonne zu erwärmen und sich an der Natur zu erfreuen.

Peru ist eine gute Wahl, sein Herz zu verlieren. Das Land mag zu Anfang karg und strubbelig daherkommen, und es ist vielleicht auch keine Liebe auf den ersten Blick. Aber wenn man ein zweites Mal hinschaut, oder lange genug da gewesen ist, manchmal reichen 36 Tage, dann schüttet dieses Peru sein Füllhorn großherzig aus. Das Land teilt sich in drei Klimazonen und damit in drei Lebensstile. Die chaotische Wuseligkeit an der Küste, die unverkrampfte Sinnlichkeit der Regenwaldregion und die Widrigkeit im kargen Andenhochland.

Die Topografie kontrastiert derart, als habe der liebe Gott sich einen üblen Scherz erlaubt, erklärt der Schriftsteller Mario Vargas Llosa, der brillanteste Intellektuelle des Landes: Auf wenig mehr als eine Million Quadratkilometer habe er drei völlig verschiedene Erdzonen – die Sahara, den Kongo und Tibet – gepresst. Gerade einmal 24 Bewohner leben pro Quadratkilometer, europäische Staaten vermelden den zehnfachen Wert. Die 32 Millionen Peruaner, verstreut auf drei Landschaftszonen, getrennt durch drei Sprachen und erschüttert von tiefgehenden rassischen und sozialen Konflikten, durchleben alle Übel eines unterentwickelten Landes.

Von einer Peruanität, von einer nationalen Identität aller Peruaner, kann da keine Rede sein, meint Vargas Llosa, ebenfalls ein Nobelpreisträger für Literatur. Bei einer Völkergemeinschaft aus

The good luck – das große Glück

Einen einzigen Brief aus Cabo Blanco schreibt Ernest Hemingway.
An die Fotografin Modeste von Unruh, am 21. Mai 1956

Es geht voran mit Hollywood in Cabo Blanco. Der letzte Drehtag auf dem peruanischen Pazifik beschert den Filmern aus den USA die bislang besten Aufnahmen. Die Kameramänner der Second Unit nehmen von den beiden Booten einige Minuten auf mit einem wild umher hüpfenden schwarzen Marlin. Aufnahmeleiter Allen Miner und die Kollegen zeigen sich am Abend im Fishing Club mit der Ausbeute ihres fünfwöchigen Aufenthaltes in Cabo Blanco zufrieden.

Nachdem in den letzten Tagen einige Großfische erlegt oder aufgenommen worden sind, finden die Dreharbeiten der Angelszenen für den Hollywood-Streifen Der alte Mann und das Meer langsam ihr Ende. Die Kameraleute aus Los Angeles haben genügend Filmmaterial im Kasten, die amerikanische Filmcrew macht sich vorzeitig zurück auf den Weg in Richtung Kalifornien.

In den Cabo Blanco Fishing Club kehrt nach und nach wieder die gewohnte Ruhe ein. Auch die fünf Wochen des Aufenthaltes von Ernest Hemingway am Pazifik Perus nähern sich gleichermaßen einem harmonischen Ausklang. Der Nobelpreisträger blüht auf, es scheint so, als sei eine Last von seiner Schulter gefallen.

Der 56-jährige Amerikaner wirkt erschöpft, aber zufrieden. Der Nobelpreisträger zeigt sich seit den hollywoodreifen Marlin-Fängen erleichtert und glücklich, seine Umgebung ist es ebenfalls. Die letzten Tage auf dem Meer und im Fishing Club können heiter und vergnügt ausklingen. Die Ziele sind erreicht und so kann der berühmte Besucher die Episode Cabo Blanco als freudige Erinnerung in sein Herz packen.

Der Schriftsteller setzt sich im Klubhaus an einen Tisch und verfasst einen Brief an Modeste von Balás-Piry. Ernest Hemingway spricht die deutsche Fotografin mit ihrem ungarischen Ehenamen an, so wie er auf ihrer Visitenkarte steht. Auf dem gelbgrauen Briefpapier des Cabo Blanco Fishing Clubs schreibt der bärtige US-Amerikaner einen herzlichen Gruß an die junge Fotoreporterin nach Chaclacayo und übermittelt ihr nochmals seine Dankbarkeit.

Alleine wegen der Triumph-Fotos hat sich die Reise an den Pazifik gelohnt. Ein Hauch von Draufgängertum und Verwegenheit umweht ihn, genau so soll ihn die Welt sehen. Die packenden Aufnahmen aus Cabo Blanco frieren einen Moment ein, doch im Grunde erzählen

Weitere Leserstimmen zu ‚Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru‘

Hier weitere Stimmen zu Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru:

Wolfgang Stock: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. BoD über amazon.de

Hemingway, der letzte große Fang!
Ein hochinteressantes Buch sowohl für Hemingway-Fans, als auch interessierte Neueinsteiger! Geschickt untermalt Dr. Wolfgang Stock diese bisher kaum erwähnte Station in Hemingways Leben mit einer ausführlichen und aufschlussreichen Schilderung des Seelenlebens des Nobelpreisträgers, was sich gerade aufgrund des fortgeschrittenen Alters und der abnehmenden körperlichen Kraft Hemingways, als sehr spannend erweist.“
Michael Gotsch, Thalia-Buchhandlung DessauRoßlau

Ernest Hemingway in Nord Peru
Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise durch das karge, öde Nord Peru zu einem winzigen, völlig abgelegenen Ort, den er mit wenigen Worten treffend beschreibt: „Cabo Blanco, genügsam und arg verschlafen, ein vergessenes Kaff so ziemlich am Arsch der Welt. Ein kleines Paradies also.“ Die vielen, äußerst sorgfältig recherchierten Details fügt er professionell und kunstvoll zusammen. So entsteht ein hoch interessantes Bild über den großen Schriftsteller und Nobelpreisträger Ernest Hemingway und den alternden Menschen Hemingway mit all seinen Schwächen und Gebrechen. Ein äußerst lesenswertes Buch.“
Wolfram Schultze, auf hugendubel.de

Cabo Blanco
Wolfgang Stock im Kielwasser Ernest Hemingways. Der Autor Stock hat sich festgebissen. Er verfolgt den Schriftsteller, Abenteurer, Großwildjäger, Frauenheld und manches mehr, wie ein FBI-Special Agent einen Gangsterboss durch alle Kontinente. Kurios: Ernest fühlte sich tatsächlich vom FBI verfolgt, zumindest in seinen letzten Lebensjahren. Und Stock ist hinter ihm her, mit Hingabe und Notizblock hat er mehr als 60.000 Kilometer absolviert, um so gut wie alle Lebensstationen seines Idols auf dem Globus zu erkunden. Ein wahrer Fan, ein besonderer Kenner Hemingways, dieser Wolfgang Stock! Ja, er sprach sogar mit Personen, die Hemingway noch persönlich kannten: Gregorio Fuentes, der Kapitän „Papas“ Jacht PILAR, oder John Hemingway, einen seiner Söhne.
Der Spürsinn brachte Stock in den Fischerort Cabo Blanco, wo Szenen des Films „Der alte Mann und das Meer“ gedreht wurden. Hemingway war zwar am Drehort, verbrachte aber die meiste Zeit auf See, um einen riesigen Schwarzmarlin zu fischen. Gelang ihm das?
Kenntnisreich und detailreich beschreibt Wolfgang Stock Ereignisse des Aufenthalts an der Küste Perus und noch viel mehr in seinem Buch „Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru“ – ein Werk, dass man mit Freude und Interesse liest. Ich kann es nur empfehlen!“
Wolf-Ulrich Cropp, Hamburg
auf hugendubel.de

Ernest Hemingway: Marlin-Angeln in Cabo Blanco

Ernest Hemingway: Pescando Marlin

Die einzigartigen Filmaufnahmen aus Peru werden Jahrzehnte später als kurze Dokumentation von drei Minuten auf dem Videoportal YouTube veröffentlicht. In der Tat finden sich grandiose Aufnahmen in dem gerafften Werk unter der Überschrift Pescando Marlin. Szenen mit Ernest Hemingway auf der Miss Texas, mit den einheimischen Bootsleuten, mit Gregorio Fuentes und Elicio Argüelles, mit dem springenden Marlin.

Packende Sequenzen auf der hoher blauen See und reizvolle Ansichten im Hafen von Cabo Blanco, wo der erlegte Riesenfisch von allen Umstehenden, den Amerikanern und den Einheimischen aus Cabo Blanco, bestaunt wird. Genug atemberaubendes Material jedenfalls, das Hollywood ohne Probleme in den Film Der alte Mann und das Meer hätte einbauen können.

Die seltenen Filmaufzeichnungen des Ernest Hemingway aus dem fernen Peru verstauben in den Archiven der Warner Brothers und geraten über die Jahre in Vergessenheit. Ein Schatz, nicht nur für Hemingway-Fans, dessen Wert in den Studios nicht erkannt wird.

Als Allen H. Miner im Jahr 2004 verstirbt, findet sein Sohn in vergilbten Boxen die Aufnahmen aus Cabo Blanco. Zusammen mit dem TV-Produzent Terry Crowe aus dem kalifornischen Los Osos will er

Una vida con la muerte al hombro

Der 60. Geburtstag unter dem Kreuz. Mary Welsh schießt diesen Schnappschuss, zwei Jahre vor seinem Tod, auf dem andalusischen Landgut ‚La Cónsula‘. Málaga/Spanien, im Juli 1959. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Ernest Hemingway liegt nachts am Pazifik in seiner stickigen Kammer im Bett, mutterseelenalleine im Dunklen, und kann nicht einschlafen. Denn er muss immerzu nachdenken. Er grübelt über das Leben, über den Tod, über sich. Er liebt das Leben, doch genau genommen kann er nicht begreifen, was das Leben eigentlich ist. So viele Fragen treiben ihn um. Warum kommen wir auf diese Welt? Wieso kann ich denken und fühlen? Welche Kraft treibt uns an? Manchmal kommt ihm das Leben vor wie eine Illusion, wie ein tiefer Traum, aus dem man plötzlich erwacht. Für all seine Fragen kennt er keinen Empfänger und auch keine Antworten. Was bleibt, ist ein unergründliches Rätsel.

So wie er sich als Schriftsteller ebenfalls ein Rätsel bleibt. Wie schafft es ein Mensch, so gut zu schreiben wie er? Und wieso verblasst diese Fertigkeit mit der Zeit, warum entfliegen alle Gedanken und Erinnerungen, so als habe jemand den Dimmer einer Lampe nach unten gezogen? Und wie kann es sein, dass irgendwann das Licht ganz ausgeknipst wird? Ein Mensch, der tot umfällt, ist ja immer noch da, aber wo ist sein Leben hingegangen? Spielt sich die menschliche Existenz etwa nur im Kopf ab? Vielleicht, so denkt er, werden wir das Rätsel des Lebens niemals lösen, vielleicht ist der Mensch zu klein dazu.

Er vermag dem antiken Philosophen Epikur nicht zu folgen, der darauf hinweist, solange wir leben, sei der Tod ja abwesend. Und unseren eigenen Tod werden wir nicht überleben. Epikurs frohe Botschaft: So lange wir leben, ist unser Tod nicht da. Für Ernest Hemingway jedoch ist der Tod zu jeder Zeit und an jedem Ort gegenwärtig, er vermag den Gedanken an ihn nicht abzuschütteln. Der bärtige Amerikaner begreift nicht, was vor der Geburt war, und vor allem, was nach dem Ableben kommt. Der Tod gehört immer irgendwie dazu, wenn er nachdenkt, alles läuft auf ihn hinaus, der Tod steht als rot blinkendes Warnschild ständig an seinem Wegesrand.

Die Natur mündet im Tod, es gilt von Kindesbeinen an. We are all bitched from the start. Das Sterben beginnt mit der Stunde der Geburt. Ernest Hemingway weiß um die Zerbrechlichkeit der menschlichen Existenz, von dem Tag an, an dem wir auf die Welt kommen, klebt uns allen die Scheiße an den Hacken. Ihm schwant, wie schwer das Sterben für einen Mann wird, der voll im Leben steht. Man braucht viel

Wir alle hatten gute Tage

Ernest Hemingway macht sich Notizen im Gemeinschaftsraum
des ‚Cabo Blanco Fishing Clubs‘, im April 1956.
Foto: Modeste von Unruh.

Gut 3.000 Kilometer Luftlinie entfernt, in seiner Wahlheimat Kuba, werden die Filmarbeiten am peruanischen Pazifik aufmerksam verfolgt. Der Nobelpreisträger Ernest Hemingway und der kubanische Sportfischer Elián Argüelles halten sich mit einigen Kameraleuten vor der Küste Cabo Blancos in Peru auf, um einen tausend Pfund schweren Marlin vor die Kamera zu bekommen, berichtet der Diario Nacional aus Havanna. Mehrere Kameramänner filmen die Fangversuche der beiden Männer in peruanischen Gewässern. Hemingway und Argüelles haben bereits je zwei Schwertfische gefangen. Die Kamera lief, als Hemingway seinen zweiten Marlin am Haken hatte. Aber der Fisch widersetzte sich stark und verteidigte sein Leben. Wahrscheinlich werden jene Aufnahmen, die man von seinem Überlebenskampf filmte, auch in dem Spielfilm verwendet werden.

Ernest Hemingway wirkt von der Anspannung der letzten Wochen erschöpft, das trockene Klima mit seinen sengenden Sonnenstrahlen bereitet ihm an Armen und Beinen nun Schmerzen, die Pigmentflecken auf seiner Gesichtshaut haben sich entzündet. Zudem piesackt ihn ein unverfrorenes Bataillon aus Schmeißfliegen, Mosquitos und Zancudos, die jeden Abend unerbittlich sein winziges Hotelzimmer in Beschlag nehmen und nervtötend umher surren oder schmerzhaft zustechen. Sein Wohlbefinden wird in Cabo Blanco auf eine harte Probe gestellt.

Doch im Fishing Club und an Bord der Miss Texas lässt der Nobelpreisträger sich nicht groß etwas anmerken und er beklagt sich auch nicht. Bei einer der letzten Ausfahrten nimmt Ernest Hemingway den peruanischen Bootskapitän Jesús Ruiz More kumpelhaft zur Seite. Am liebsten würde ich noch sechs Tage länger bleiben, Jesús, bedeutet der Schriftsteller dem untersetzten Bootsmann aus Cabo Blanco. Vámonos, Don Ernesto, entgegnet Jesús Ruiz, nur zu, da draußen springen so viele Marline im Wasser, die nur auf uns warten.

In den Artikeln, die er nach seiner Abreise aus Nordperu auf der Finca Vigía verfasst, zieht der amerikanische Autor ein inspirierendes Resümee seiner Expedition nach Cabo Blanco. Wir alle hatten gute Tage, weil es dort rau und stürmisch war. Diese anregende Heimeligkeit entspricht nicht ganz der Wahrheit, denn in Wirklichkeit hat

‚Papa‘ geht so langsam das Benzin aus

Er ist erst Mitte fünfzig, sieht aber schon aus wie ein alter Mann.
Ernest Hemingway vor Cabo Blanco, im April 1956.

Foto: Modeste von Unruh

Das Schicksal hat ihm in der letzten Zeit arg mitgespielt. Zwei Jahre vor Cabo Blanco, das Jahr 1954, es ist der Einschnitt für ihn gewesen. Im Januar hat er die beiden Flugzeugunglücke in Afrika knapp überlebt, es hat nicht viel gefehlt. Sein Körper und die Geisteskraft haben schon vorher nach und nach abgebaut, doch die starken Verbrennungen, die schweren Kopfwunden und die zahlreichen inneren Verletzungen setzen ihm heftig zu.

So ganz sollte er sich von den Flugzeugunfällen nicht mehr erholen. Und am 10. Dezember erhält er in Stockholm den Nobelpreis für Literatur verliehen. Auch davon sollte Ernest Hemingway sich nicht mehr erholen. Der entkräftete Schriftsteller in seinem tropischen Inselidyll auf Kuba kann sich nicht aufraffen, über den Atlantik in den schwedischen Winter zu fliegen. Er sieht sich körperlich und mental nicht in der Lage, überhaupt zu verreisen. Die Unfallverletzungen aus Ostafrika schmerzen noch, er fühlt sich elend und ausgebrannt. Und große Lust auf den ganzen Rummel verspürt er eh nicht.

Die Verleihung in der schwedischen Hauptstadt findet ohne ihn statt. Der US-amerikanische Botschafter in Stockholm, John M. Cabot, verliest seine kurze Dankesrede. Das Schreiben, im günstigsten Fall, ist ein einsames Geschäft. Ein Schriftsteller schreibt sein Werk zurückgezogen, und wenn er gut genug ist, muss er sich jeden Tag der Ewigkeit stellen, oder der Ermangelung davon. Das Preisgeld von 36.000 Dollar wird auf sein Konto überwiesen und die Goldmedaille nach Kuba geschickt, wo sie ihm auf der Finca Vigía vom schwedischen Geschäftsträger überreicht wird.

Kurz nach Verkündung der Nobel-Ehre kreuzt das kubanische Fernsehen auf Finca Vigía auf. Der Reporter Juan Manuel Martínez, der sich etwas windig hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt, fragt im gestelzten Duktus nach dem Befinden des Schriftstellers ob der guten Neuigkeit. Und Ernest Hemingway stimmt im Sender CMQ, in den 1950er Jahren eine große Radio- und TV-Station auf der Insel, einen Lobgesang auf sein Gastland Kuba an.

Der amerikanische Autor streut in seinem auf Spanisch gebrummelten Statement gar Begriffe aus dem kubanischen Spanisch ein, er sei ein cubano sato, sagt er, er sei ein kubanischer Straßenköter, eine Promenadenmischung aus USA und Kuba. Und Cojímar, wo sein Roman Der alte Mann und das Meer spielt, sei más o menos sein pueblo, sein Dorf, sein Volk, seine Heimat. Und so erweckt der US-amerikanische Schriftsteller den Eindruck, hier habe eigentlich ein Kubaner diesen Nobelpreis erhalten. Und dann sagt Ernest Hemingway es wortwörtlich: Soy el primer cubano que consigue un Premio Nobel, ich bin der erste Kubaner, der einen Nobelpreis erhält.

Die Gratulanten stehen Schlange auf seiner Farm und in den Kneipen von Havanna. Glückwunsch-Telefonate kommen aus aller Welt, Präsidenten, Schauspieler und Kollegen freuen sich mit. Das kleine Postamt von San Francisco de Paula versinkt unter einem Berg von Briefen, mehrmals am Tag kommt der alte Postbote Mancebo mit neuen Telegrammen auf die Finca Vigía. Den schönsten Glückwunsch schickt

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