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Schlagwort: Antonio Ordóñez

Im Herzen von Ronda: Ernest Hemingway, Orson Welles und der Chronist Miguel Martín

Miguel Martín
Ronda
Ernest Hemingway 1959 vor der Stierkampf-Arena in Ronda. Eingerahmt von Cayetano Ordóñez und seinem Sohn Antonio. Foto: Miguel Martín. By courtesy of L. Loro Martín.

Es ist die Welt des Ernest Hemingway: Ronda, die magische Stadt im andalusischen Hinterland. Sie gilt als eine der Wiegen des modernen Stierkampfs. Der Nobelpreisträger ist eng mit der Torero-Dynastie Ordóñez aus Ronda befreundet. Besonders mit Antonio Ordóñez, dem Sohn von Cayetano Ordóñez. Hemingway bewundert Cayetano bereits seit den 1920er-Jahren, in seiner Zeit geht ihm der Ruf als elegantester Matador Spaniens voraus.

Am liebsten schaut sich Ernest Hemingway die Kämpfe in Ronda an. Die dortige Plaza de Toros gilt als eine der schönsten weit und breit. Die kreisrunde Anlage dient zahlreichen Stierkampf-Arenen weltweit als Vorbild. Die Plaza in Ronda wurde im 18. Jahrhundert von dem Architekten José Martín de Aldehuela erbaut, als Sandsteinbau mit einer auf Säulen ruhenden Bogengalerie. Außerdem wurden in Ronda vor über zweihundert Jahren die bis heute geltenden Regeln des Stierkampfs festgelegt.

Zwischen dem kleinen Ronda und dem großen Sevilla besteht seit jeher ein Konkurrenzverhältnis. Die Rondeños stehen für einen nüchternen und statischen Stil. Die Sevillanos hingegen setzen auf Eleganz und Ästhetik. Mit Sevilla ist der Nobelpreisträger nie warm geworden, obwohl die dortige Arena direkt am Guadalquivir als Prunkstück gilt. Für Ernest bleibt das bodenständige Ronda die Nummer eins.

Das wohl berühmteste Hemingway-Foto aus Ronda datiert vom 10. September 1959. Es zeigt ein historisches Treffen in Ronda: Ernest Hemingway gemeinsam mit dem legendären Torero Antonio Ordóñez und dessen Vater Cayetano. Der Vater, in der Stierkampfwelt als Niño de la Palma bekannt, dient als reales Vorbild für den 19-jährigen Torero Pedro Romero in Hemingways Roman Fiesta.

Im Umfeld der berühmten Plaza de Toros de Ronda entsteht das Foto. Im Hintergrund sind ein großes Tor und ein Reiter auf einem Pferd zu sehen, was auf den Einzug oder die Vorbereitungen zu einer Corrida hindeutet. Um den US-Amerikaner herum stehen mehrere Männer in der traditionellen Tracht der Toreros, dem Traje de Luces, dem sogenannten Lichterkleid.

Der 60-jährige Ernest verbringt den Sommer und Frühherbst 1959 in Spanien, um die Rivalität zwischen den beiden Spitzen-Toreros der Epoche zu dokumentieren: Antonio Ordóñez und Luis Miguel Dominguín. Es ist ein eindruckvolles Foto, das Hemingways Liebe zu Andalusien erahnen lässt. Der Nobelpreisträger, umringt von Spaniern, taucht ein in die Volkskultur seines Gastlandes. Der Fotograf des wunderbaren Bildes heißt

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Ernest Hemingway und der Torero Antonio Ordóñez

Ernest Hemingway
Antonio Ordóñez
Sevilla
Der junge Antonio Ordóñez und ein gealterter Ernest Hemingway freizügig auf La Cónsula, Málaga, im Sommer 1959. Credit Line: Ernest Hemingway Photograph Collection, John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Der Nobelpreisträger aus Chicago ist ganz vernarrt in diesen Torero. An dem jungen Matador, er ist vom Jahrgang 1932, bewundert Ernest Hemingway vor allem dessen Draufgängertum, sein Geschick und die Grazie. „Antonio erinnert mich sehr an seinen Vater“, verkündet der Schriftsteller seinem Freund José Luis Castillo-Puche. „Nur, dass er in jeder Hinsicht besser ist als Cayetano: Er ist ein besserer Stierkämpfer und ein besserer Mensch. Und außerdem ist er überaus attraktiv.“

Oh lala. Überaus attraktiv. Die Freundschaft zwischen dem Torero aus Ronda und dem bärtigen Autor aus Übersee gibt hier und da Anlass zu überspannten Gerüchten und pikantem Geflüster. Der Kolumnist einer spanischen Tageszeitung hat Antonio Ordóñez gar als die „Liebe des senilen Hemingway“ bezeichnet. In der Tat wird der Schriftsteller von Antonios Ausstrahlung magisch angezogen.

Ernest besucht ihn während der Temporada im Hotel Yoldi von Pamplona, der Matador ist ausgelaugt nach einem aufreibendem Stierkampf. Antonio lag nackt auf dem Bett; ein Handtuch diente ihm als Feigenblatt. Als erstes fielen mir seine Augen auf, die dunkelsten, glänzendsten, heitersten Augen, in die ich je geblickt hatte. 

Kommt da wirklich Homo-Erotik ins Spiel bei Hemingway? José Luis Castillo-Puche, ein enger Gefährte in Spanien, ist sich sicher: Da ist nichts gewesen. Für den Schriftsteller ist der Bezwinger der Bullen keine Liebelei oder das Objekt irgendeiner sinnlichen Begierde. Zuallererst ist der Matador aus Ronda für Ernest eine literarische Ambition. Sein ganzes Leben lang hat der Amerikaner nach dem perfekten Stierkämpfer gesucht und ihn letzten Endes in Südspanien gefunden: Antonio Ordóñez.

Wenn im Gespräch die Toreros verglichen werden, gibt sich Hemingway apodiktisch. „Er ist besser“, antwortet der Schriftsteller kurz. Er, das ist natürlich Antonio Ordóñez. Der junge Andalusier ist eine Person ganz nach Hemingways Gusto. Ein gut aussehender Kerl, jemand, der vor Publikum tapfer dem Tod ins Auge sieht und aus dem Kampf als Sieger hervorgeht.

„Ich werde von der Vorstellung gequält, dass Antonio etwas Schreckliches zustoßen wird“, gesteht Hemingway gegenüber Castillo-Puche. „Ich habe schreckliche Albträume, dämonische Träume, in denen ein Stier ihn in der Stierkampfarena tötet. Aber das kann Antonio doch nicht passieren, oder?“ Und der US-Amerikaner wartet darauf, dass jemand, in diesem Fall Castillo-Puche, ihm zusichert, Antonio werde niemals sterben. Weder im noch außerhalb des Rings.

Im Laufe der Jahre vertieft Ernest Hemingway die Freundschaft mit der Familie Ordóñez. Oft weilt er zu Besuch auf deren Hacienda bei Medina-Sidonia. Andalusien verbirgt für den Nobelpreisträger etwas ganz besonderes. Es ist sein Freund Antonio Ordóñez, der den US-Amerikaner für die Schönheit und Eigenheit Südspaniens sensibilisiert. Als er starb, meint der Stierkämpfer, hat Hemingway etwas von uns mitgenommen.

Castillo-Puche beschreibt Antonio als einen Mann, der durch den Verlust seines Freundes am Boden zerstört ist, zumal der Vater im gleichen Jahr stirbt, nur drei Monate nach dem Schriftsteller. Häufig bricht Antonio in Tränen aus und will das Wort Selbstmord nicht aussprechen. „Ich werde nicht zu seiner Beerdigung gehen“, antwortet der Stierkämpfer im Juli 1961 trotzig. „Die Saison geht weiter, und ich fahre nach Pamplona“. Papa habe dies so gewollt.

Im November 1962, sechzehn Monate nach Hemingways Suizid, zieht sich Antonio Ordóñez von allen Corridas zurück. Obwohl er 1965 als Stierkämpfer zurückkehrt, tritt er erst zwei Jahre später, während der Feria im April, in der Plaza de Toros de la Real Maestranza auf. Über ein halbes Jahrzehnt ist vergangen, seit er in Sevilla letztmalig unter Hemingways wachem und erbaulichem Blick gekämpft hat.

Doch nun ist der Schriftsteller nicht mehr auf seinem Platz an der Barrera. Er fehlt und nichts ist so, wie es einmal gewesen ist. An seinen zwei Nachmittagen in Sevilla liefert Antonio eindrucksvolle Kämpfe ab und darf

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Sterben an einem kleinen Ort in Spanien

Ronda Spanien
Das Recreo San Cayetano, das ehemalige Landgut der Familie Ordóñez, liegt wenige Kilometer im Osten vor der andalusischen Stadt Ronda. Foto by W. Stock 2019

Ernest Hemingway und Orson Welles haben sich gut gekannt, sind fast so etwas wie Freunde gewesen, wenn auch keine engen Kumpel. Dazu sind sie sich zu ähnlich gewesen. Revolutionäre und Klassiker zugleich. Der eine in der Literatur, der andere beim Film. Orson Welles, dieser geniale Regisseur, ist zudem als ein wunderbarer Schauspieler aufgefallen. Er ist kein Hollywood-Schwätzer, sondern ein Enfant terrible, kein Mainstream-Leichtgewicht, vielmehr der brillante Kopf für die ausgefallenen Projekte.

Ähnlich sind auch ihre Vorlieben. Spanien an erster Stelle. España es el último buen país, diktiert Ernest Hemingway einem Reporter der Tageszeitung Dario de Navarra in den 1950er, in seinen letzten Lebensjahren, ins Notizbuch. Spanien sei das letzte gute Land weit und breit. Vielleicht meint der Schriftsteller damit auch, Spanien sei ein gutes Land, um zu sterben.

Orson Welles, dieser standhafte Haudegen, hat es rigoros durchgezogen. Zum Teil jedenfalls. Der Schauspieler Joseph Cotten schrieb nach dem Tod des Kollegen 1985 über den genialen Regisseur: „Orson will kein Begräbnis. Er möchte leise beerdigt werden an einem kleinen Ort in Spanien.“ Leise beerdigt werden an einem kleinen Ort in Spanien. So kann man sich den Abgang vorstellen, wenn man Romantiker ist und ein Landstrich im Herzen verankert ist, die Idee hat etwas Tröstliches.

Dieser Teufelskerl Orson Welles, der in so vielem Ernest Hemingway ähnelt, hat es jedenfalls vorgemacht. Nach seinem Tod in Los Angeles und einer abenteuerlichen Irrfahrt seiner Urne findet sich eine letzte Ruhestätte in der Nähe von Ronda. In Andalusien, unweit von diesem magischen weißen Dorf im gebirgigen Hinterland der Costa del Sol. Im El Recreo de San Cayetano, auf dem Landgut des Freundes Antonio Ordóñez, ist seine Asche und die seiner Witwe Paola Mori in einem Gartenbrunnen beigesetzt. Seine jüngste Tochter hat den letzten Wunsch des Vaters erfüllt und im Jahr 1987 die Asche verstreut. 

El Recreo de San Cayetano. Die Finca der Stierkämpfer-Familie Ordóñez ist die letzte Ruhestätte von Orson Welles. Dieser Lustgarten des San Cayetano, ein Ort der Muße und Erholung, befindet sich fünf Kilometer außerhalb von Ronda an der A-367, Richtung Cuevas del Becerro. Cayetano ist nicht nur der Name des heiligen Kajetan, sondern zudem der Vorname des Familienoberhauptes der Ordóñez, eines ruhmreichen Stierkämpfers in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts. Sowohl Cayetano Ordóñez als auch sein Sohn Antonio Ordóñez werden zu engen Freunden des Orson Welles.

Das Farmhaus befindet sich auf einem 10 Hektar großen Gelände, mit Olivenhainen, Obstbäumen, Garten und Swimmingpool. Das geräumige Herrenhaus mit den fünf Schlafzimmern, dem Wohnzimmer mit Kamin, der Bibliothek ist angelegt für

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