Die forsche Mary Welsh kommt Mitte 1945 nach Kuba auf die Finca Vigía und räumt im Leben des Ernest Hemingway erstmal kräftig auf. Foto: George Leavens.

Der Kriegsreporter, von der Brutalität der Kämpfe im Hürtgenwald schwer erschüttert, seine Ehe mit Martha Gellhorn in Trümmern, steht im Winter 1944 hilflos wie ein Kind an den Kriegsgräben Europas. Fernab von seiner Finca Vigía sehnt er sich zurück in sein warmes kubanisches Refugium. Noch vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 verlässt Ernest Hemingway den alten Kontinent.

Im März 1945 fliegt ein ernüchterter Kriegsberichterstatter von Paris über London nach New York, und beeilt sich, nach Havanna zu gelangen. Ernest Hemingway kehrt alleine zurück in sein kleines privates Paradies, wie er sein tropisches Heim in der Karibik bezeichnet. Der Schriftsteller, krank und desillusioniert, fällt auf Kuba in ein tiefes Loch. 

Auf Finca Vigía plagt den gefeierten Schriftsteller alsbald eine schwere Depression, vor allem der Einsamkeit wegen. Er fühlt sich verloren und von Gott und der Welt im Stich gelassen. Der Autor vernachlässigt sich, er ist außer Stande zu Schreiben, er streunt durch Havanna, säuft sich bis zum Morgengrauen durch die Kneipen, alles um seine innere Vereinsamung wegzutrinken.

Jeden Tag schreibt er seiner neuen Liebe Mary Welsh einen Brief nach London und fleht sie an, zu ihm auf die Insel zu kommen. Ich bin nicht ungeduldig, offenbart er sich kleinmütig, ich bin nur verzweifelt. Nach drei gescheiterten Ehen findet der Weltautor sich einsam und verlassen in seinem Tropengarten wieder, es ist niemand da, der ihn trösten und aufbauen kann.

Anfang Mai 1945 erscheint dann endlich Mary Welsh auf der Finca Vigía und findet nicht nur das Anwesen durch den Hurrikan des vergangenen Herbstes heftig geschädigt vor. Noch mehr fällt ihr der verwahrloste Zustand von Ernest auf. Die resolute Mary bringt zunächst Ordnung in die Finca Vigía, ebenso wie in den Alltag des Schriftstellers. Sie sorgt für die Instandsetzung des Hauses, kümmert sich um neues Personal und hebt ihren Geliebten wieder in die Spur.

Von Anfang an baut Mary das Anwesen nach ihren Vorstellungen um. Sie packt Martha Gellhorns Garderobe und Utensilien in Kisten und lagert diese aus, sie lässt neue Möbel schreinern und dekoriert die Räumlichkeiten um. Ihre Bemühungen tragen rasch Früchte. Das Haus wird wohnlich wie nie und auch Ernest kommt wieder gut in Form. Er nimmt an Gewicht ab, zeigt überall stolz seinen flachen Bauch, die Kopfschmerzen und Hörprobleme, die von dem Autounfall in London herrühren, verschwinden allmählich.

Die Partnerschaft von Mary Welsh und Ernest Hemingway lässt sich verheißungsvoll an. Sie kann im Haus schalten und walten wie sie will, er ist froh, wieder in aller Ruhe schreiben zu können. Das Liebesleben zwischen ihnen ist neu und aufregend, man versteht sich prächtig, in jeder Beziehung, und vergnügt sich. Die Wärme der Tropen tut nach all der Eiseskälte des Kriegs in Europa den beiden gut.

Stück für Stück freundet sich die blonde Amerikanerin mit dem Gedanken an, ganz auf Kuba zu bleiben. Der Autor bestärkt sie, er zeigt seine besten Manieren, bemüht sich um Harmonie. Der Schriftsteller ist froh, nach dem schlimmen Krieg und all den Scharmützeln mit Martha Gellhorn aufs Neue jemanden an seiner Seite zu wissen. Ernest möchte, dass Mary Welsh die Mrs. Hemingway Numero vier wird.