Auf den Fersen von Ernest Hemingway

Schlagwort: Florida

Von Key West blickt Ernest Hemingway hinaus aufs Meer

Ernest Hemingway und ein kapitaler Thunfisch. Mit dabei die beiden Söhne Patrick und John. Bimini, um 1933. Credit Line: Ernest Hemingway Collection. John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston.

Ernest Hemingway und Pauline Pfeiffer bleiben nach ihrer Hochzeit in Paris noch ein knappes Jahr in der französischen Hauptstadt, brechen dann Ende März 1928 die Zelte in Europa ab und verlegen den Hausstand in die heimatlichen USA. Pauline hält an ihrer Wohnung in Paris als Feriendomizil noch eine Zeit lang fest. Doch der Blick des Ehepaares ist nach Amerika gerichtet, die neue Mrs. Hemingway ist schwanger und möchte mit dem Nachwuchs näher an die Familie rücken.

Pauline und Ernest nehmen am 17. März 1928 von La Rochelle den Ozeanliner Orita mit Ziel Havanna, wo sich die beiden im Hotel Ambos Mundos einquartieren. Zwei Tage bleiben Mr. und Mrs. Hemingway in Kubas Hauptstadt und buchen dann Anfang April die Fähre nach Key West, wo sie ein Appartement in der Simonton Street mieten. Das Ehepaar schaut bei Paulines wohlhabender Familie in Arkansas vorbei und reist in den ersten Monaten kreuz und quer umher, unentschlossen in der Wahl eines festen Wohnsitzes.

In Kansas City wird im Juni 1928 der Sohn Patrick geboren, auch mit dem kleinen Patrick setzen Pauline und Ernest ihr Nomadenleben fort. Immer nur wenige Tage oder Wochen halten sie sich auf in Wyoming, in Saint Louis, in Chicago, in Massachusetts oder in Manhattan. Des Umherreisens überdrüssig, beschließt das Ehepaar, sesshaft zu werden. Sie mieten für die dreiköpfige Familie ein Haus in Key West, an der 1425 Pearl Street für 100 Dollar im Monat.

Key West ist damals eine Kleinstadt von 12.000 Bewohnern, sie gilt als lebensfrohes Fleckchen mit einer geerdeten und hemdsärmeligen Bevölkerung. Das Städtchen mit dem ewigen Hochsommer, das Saint-Tropez für Arme, wie Hemingway gegenüber Freunden scherzhaft anmerkt, ist vom Meer umgeben. Das Idyll liegt an der Spitze der Keys. Südlicher kann man in den USA nicht leben, nach Kuba ist es ein Katzensprung.

Die Hemingways, unter der ganzjährigen Tropensonne und an dem blauen Meer, beginnen sich schnell heimisch zu fühlen in Südflorida und planen, in Key West Wurzeln zu schlagen. Die Familie wohnt ab April 1931 in einem gewaltigen Kolonialhaus an der Whitehead Street, Nummer 907, das Paulines Onkel Gustavus Adolphus Pfeiffer, der Bruder ihres Vaters, für die beiden gekauft hat. Uncle Gus finanziert dem Ehepaar die edle Immobilie, ein verzögertes Hochzeitsgeschenk, wie er gönnerhaft anmerkt. 

Im November 1931 wird Gregory Hancock Hemingway, Ernest dritter Sohn, in Kansas City geboren. Das Ehepaar, nun mit zwei Kindern, lebt fortan in dem neuerworbenen Haus in Key West. Das prachtvolle Anwesen liegt in der historischen Altstadt, ganz in der Nähe des Leuchtturms. Das Haupthaus ist im Jahr 1851 von einem reichen Reeder erbaut worden und dem französischen Kolonialstil nachempfunden. 

Zum Grundstück gehört eine Remise, deren obere Etage als Schreibstube für den Schriftsteller ausgebaut wird. In dieser umgebauten Scheune kann der Autor in Ruhe an seinen nächsten Romanprojekten tüfteln. Zwar ist Ernest Hemingway in den 1930er Jahren bereits ein renommierter Schreiber, jedoch noch nicht der Mann von Weltruhm und der Haudegen späterer Jahre.

Von Key West aus blickt Ernest Hemingway hinaus aufs Meer. Mit dem Boot seines Freundes Joe Russell, später mit der eigenen Pilar, erkundet er das ewig blaue Meer vor den Keys. Der Autor sonnt sich in seinem Ruhm, und man trifft in Key West auf einen scheinbar beschwingten und selbstgewissen Mann, dessen Name auf den Umschlägen gut verkäuflicher Bücher glänzt und über den Portalen der Filmtheater leuchtet. 

Das Matrosenleben in Südflorida beflügelt

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Hemingway was here

Und auch dies.. Hemingway pissed here.
Key West, im Februar 2018
Foto: Heller

Wenn man diesem Ernest Hemingway auf der Fährte bleibt, dann kriegt man über die Jahre hinweg nicht wenige Sachen zu sehen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen: Wanduhren mit seinem Portrait, massenweise T-Shirts, Kaffeebecher, Spazierstöcke mit Hemingway als Knauf, iPhone-Hüllen mit seinem Antlitz, Sonnenbrillen auf seinen Namen, Zigarettenetuis, Hemingway-Seife mit Tabak-, Rum- oder Zedernduft, Body Lotion, Schlüsselanhänger, Manschettenknöpfe, Schuhe, auf denen die Marke ‚Hemingway‘ steht, Hotels, Gasthäuser und natürlich Kneipen, die so heißen wie er, Rum-Sorten und Schnaps-Variationen, Sonnen-Caps mit Hemingway-Zitat, Küchenschürzen oder gleich eine ganze Küchenzeile, alles mit Ernest Hemingway dran, drin oder drauf. Dazu Münzen, Geldscheine, Briefmarken, aus aller Welt, ungezählt.

Dieser Kerl, der sich am Ende selbst erschossen hat, dies gilt es festzustellen, ist nicht kleinzukriegen. Ich vermute, dass

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