Hemingways Welt

An den Fersen von Ernest Hemingway

Kategorie: USA Seite 1 von 4

Ist Ernest Hemingway reich gewesen?

Die Bankmanager bei der First National Bank of Boston haben viel Spass an Ernest Hemingway.

Er entstammt aus dem gut situierten Mittelstand Chicagos. Der Vater ist ein angesehener Frauenarzt gewesen, die Mutter Opernsängerin. Die Familie besitzt ein dreistöckiges viktorianisches Herrschaftshaus aus dem 19. Jahrhundert an der North Oak Park Avenue, mit sechs Schlafzimmern, Turmzimmern und einer Bibliothek. Materiell fehlt es den Hemingways an nichts.

Doch Ernest will von den Eltern unabhängig sein. Mit 22 Jahren geht er im Dezember 1921 für sechs Jahre nach Paris, mit einem kleinen Vertrag als freier Europa-Korrespondent des Toronto Star. Das junge Ehepaar bewohnt eine muffige Wohnung im Quartier Latin, in der Rue du Cardinal Lemoine, Latrine im Treppenhaus. Ernests Ehefrau Hadley bringt eine kleine Erbschaft ein, man kommt im mondänen Paris gerade so über die Runden.

Im Februar 1926 unterzeichnet Ernest Hemingway einen lukrativen Vertrag bei Scribner’s and Sons, einem der besten Buchverlage weltweit, für die beiden Werke Torrents of Spring und The Sun Also Rises. Ernest wähnt sich am Ziel seiner Träume, mit dem vereinbarten Honorar rücken die Geldsorgen ganz nach hinten. Zusammen mit seiner zweiten Ehefrau, der vermögenden Pauline Pfeiffer, bewohnt er eine imposante Immobilie im Kolonialstil mit Swimmingpool und allem Schnickschnack in Key West.

Von jungen Jahren an ist Ernest Hemingway ein gut bezahlter Journalist und einer der bestbezahlten Schriftsteller überhaupt. Ein glücklicher Umstand lässt sein Vermögen rapide anwachsen, er braucht nichts zu tun: Viele seiner Romane werden groß von Hollywood verfilmt. Windfall Profits, würde ein Volkswirt sagen, mit den Filmrechten verdient er in manchen Jahren mehr als mit dem Schreiben.

Mit seiner dritten und vierten Ehefrau – nacheinander – wohnt Ernest Hemingway in den 1940er und 1950er Jahren am Stadtrand von Havanna, auf einem Landgut mit Namen Finca Vigía. Allein der Unterhalt des riesigen Anwesens kostet 4.000 Dollar im Monat, ein Vermögen in der damaligen Zeit. Das Dutzend Bedienstete will bezahlt werden, man pflegt einen bodenständigen, aber doch kostspieligen Lebensstil.

Der Nobelpreis im Jahr 1954 ist mit einem Scheck über 36.000 Dollar verbunden. Viel bleibt nicht davon über. Denn Ernest Hemingway ist ein großzügiger Charakter. Von dem Preisgeld schenkt er René Villarreal, dem jungen Majordomus der Finca, und den anderen Bediensteten eine Gratifikation von je zehn Monatsgehältern. Und Miss Mary stellt er einen Bankscheck der First National über 2.000 Dollar aus.

Es gibt nicht wenige klamme Kollegen, denen Ernest Hemingway generös unter die Arme gegriffen hat, ohne dies an die große Glocke zu hängen. Durch die Buchtantiemen in den USA, durch die Auslandsrechte und die Verfilmungen kommt genug herein, dass sich Ernest material keine Gedanken machen muss. Soweit man weiß, legt er sein Geld auf der Bank konventionell an, keine Aktien oder Anleihen, sein Reichtum wächst auch so. 

Als Ernest Hemingway aus eigenem Entschluss im Juli 1961 aus dem Leben scheidet, soll er ein Vermögen zwischen 6 und 8 Millionen Dollar hinterlassen haben. Will man eine solche Millionensumme in heutiger Kaufkraft darstellen, so muss man

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Salinger, Böll, Hemingway und der Hürtgenwald

The Catcher in The Rye, Jerome Salinger Meisterwerk. Zu Deutsch: Der Fänger im Roggen.

Jerome David Salinger wird in New York geboren, im Jahr 1919, als Spross einer jüdisch-litauischen Familie. Nach Schulabschluss und Militärdienst verdient er sich als Verfasser von Filmkritiken erste Meriten. Im Sommer 1941 dann der erste persönliche Tiefschlag: Er verliebt sich in die Tochter des Dramatikers Eugene O’Neill, durchlebt eine kurze Romanze mit dem Mädchen, doch Oona O’Neill verlässt den angehenden Autor und heiratet mit 18 Jahren den vierundfünfzigjährigen Charlie Chaplin.

Jerome D. Salinger schließt sich 1942 dem Counter Intelligence Corps an, dem militärischen Abwehrdienst der USA, und geht nach Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg nach Europa. Mit dem 12. Infanterieregiments nimmt er am 6. Juni 1944 an der Landung in der Normandie teil. Ernest Hemingway und Jerome David Salinger treffen sich im Herbst 1944 zum ersten Mal, in dem von den Nazis befreiten Paris. Sie verstehen sich gut, obwohl sie doch so grundverschieden sind. Etwas anderes eint sie: Beide Amerikaner kommen in den nächsten Wochen bis an die Front der Hürtgenwald-Schlacht, Salinger als Soldat, Hemingway als Kriegskorrespondent.

Nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht besucht Jerome Salinger das Konzentrationslager in Kaufering. Der Hürtgenwald ist schon schrecklich gewesen, doch was Salinger im Allgäu sieht, lässt sein Blut in den Adern gefrieren. Im Lager Kaufering IV sind kurz vor der Befreiung durch die Alliierten die invaliden Häftlinge bei lebendigem Leib verbrannt worden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitet Jerome Salinger, der gut Deutsch spricht, als Zivilist für eine Abteilung des US-Nachrichtendienstes in Gunzenhausen. Er heiratet die deutsche Ärztin Sylvia Welter, später siedelt das Ehepaar in die USA über.

In den Schützengräben des Hürtgenwaldes soll J. D. Salinger die ersten Kapitel seiner grandiosen Novelle The Catcher in the Rye geschrieben haben. Der Fänger im Roggen, ein Entwicklungsroman über das Erwachsenwerden, begründet Salingers Weltruf. In dieser Erzählung schildert der 16-jährige Protagonist Holden Caulfield die zwiespältige Gefühlslage der Jugend und den schwierigen Weg, das eigene Ich zu finden. Der erste Übersetzer der deutschen Ausgabe von The Catcher in the Rye ist kurioserweise Heinrich Böll, der bis zu seinem Tod in Langenbroich gewohnt hat, keine acht Kilometer vom Hürtgenwald entfernt. 

Ernest Hemingway, J. D. Salinger und Heinrich Böll – die Lebenslinien dieser drei Weltautoren schneiden sich im Hürtgenwald. Obwohl keiner der drei Großmeister einen Roman über den Hürtgenwald schreibt, verarbeiten sie die Erlebnisse in der Schlacht, jeder auf seine Weise. 

Der Haudegen Hemingway stürzt sich bekanntlich in jedes Getümmel, je lauter geballert wird, desto besser. Doch das Gemetzel im Hürtgenwald sprengt – selbst für Hartgesottene wie ihn – alle bisher erlebte Grausamkeit. Zuerst flüchtet der bärtige Amerikaner sich in seinen üblichen Sarkasmus und den gewohnten Zynismus. Doch was Ernest Hemingway in der Voreifel Ende 1944 gesehen hat, lässt sich nicht mehr wegdrücken. Mit dem Säbelrasseln ist er nach Hürtgen ein für alle Mal durch.

Heinrich Böll, der zwar nicht an der deutschen Westfreund kämpfen muss, sondern von der Wehrmacht zu Auslandseinsätzen abkommandiert wird, verzweifelt ebenfalls am Krieg. Über die Feldpost bittet er seine Eltern um Pervitin, unter Soldaten Panzerschokolade tituliert, denn nur mit dieser synthetisch hergestellten Droge lassen sich die Angstzustände und das Erschöpfungsgefühl im Krieg aushalten. Als Autor schreibt Heinrich Böll in den Adenauer-Jahren dann tapfer gegen Militarismus und Aufrüstung an, vielleicht ein wenig arglos, dennoch mit einem einnehmenden sympathischen katholischen Ethos. 

Der Horror und die Rohheit im Hürtgenwald, 37.000 Soldaten fallen auf beiden Seiten, lassen sich auch für den anderen Amerikaner nicht aushalten. Die Unbarmherzigkeit, die Jerome David Salinger in der Schnee-Eifel erlebt hat, führen bei ihm zu

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Ernest Hemingway und Jane Mason haben viel Spass

Das Antlitz der Jane Kendall Mason wirkt so lieblich, dass sie in den USA für Pond’s Creme Werbung machen darf.

Zu Anfang zeigt sich Ernest Hemingway hellauf begeistert. Diese Frau, so triumphiert der routinierte Frauenheld, sei die hemmungsloseste Person, die ich jemals getroffen habe. In der Tat ist Jane Kendall Mason eine atemberaubend aussehende Frau. Hochgewachsen, athletisch, gertenschlank, blond leuchtendes Haar, ein ebenmäßiges Gesicht, dazu tritt sie weltgewandt auf, sie liebt das Leben, ihr Körper zuckt voller Energie. Vielleicht ist Jane die Allerschönste, der Hemingway jemals den Hof gemacht hat. Auf alle Fälle nimmt Ernest die Fährte auf.

Jane Kendall Mason erweist sich auf Anhieb als eine Frau ganz nach Hemingways Gusto: Sie mag auf Safari gehen und die großen Tiere jagen, sie kann treffsicher Tontauben schießen, sie ist eine versierte Reiterin, sie liebt das Tiefsee-Angeln und sie kann den Rum, den Whiskey und den Champagner runterschlucken als sei es Heilwasser. Jane Kendall Mason teilt Ernest Hemingways Vorlieben wie keine andere Frau, der Schriftsteller zeigt sich beeindruckt, in den wichtigen Dingen kann sie mithalten, in manchen ihn sogar übertrumpfen.

Als Ernest Hemingway im September 1931 Jane Kendall Mason kennenlernt, da ist sie 22 Jahre alt und seit vier Jahren mit George Grant Mason verheiratet, dem Präsidenten der PanAm auf Kuba. Der Schriftsteller befindet sich auf der Île de France auf der Rückkehr von Cherbourg nach New York, zusammen mit der im siebten Monat schwangeren Ehefrau Pauline, Sohn Gregory wird im November zur Welt kommen. Auf diesem Ozeanliner lernen die Hemingways dann Jane und Grant Mason kennen und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Der Autor wird mit dem gut aussehenden Grant nicht so recht warm, dafür verstehen sich Pauline und Jane umso besser.

Jane Mason ist eine Frau, das merkt Ernest Hemingway nach wenigen Treffen, die sich in ihrem Ehealltag langweilt und auf der Suche ist nach sexuellen Abenteuern. Zunächst entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem Autor und der jungen Frau. Im April 1932 werden Ernest und Jane dann ein Liebespaar. Der Schriftsteller lebt

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Ernest Hemingway in der Sun Valley Lodge

Im oberen Stockwerk des Sun Valley Lodge, in einer Suite mit eigener Terrasse, residierte Ernest Hemingway. Foto: W. Stock, 2018

Nach dem Spanischen Bürgerkrieg kommt Ernest Hemingway das erste Mal ins Sun Valley. Im September 1939, an der Seite seiner neuen Liebe, der attraktiven Journalistin Martha Gellhorn. In jenen Jahren ist Ketchum noch ein schläfriges Bergarbeiternest in Idaho von gerade einmal 100 Bewohnern, die überwiegend in den Silberminen arbeiten.

In der oberhalb des Dorfes gelegenen Sun Valley Lodge wohnt das junge Liebespärchen in Room 206 im oberen Stockwerk, in einer plüschigen Suite mit zwei Schlafzimmern und eigenen Bädern, mit einem großen Schreibtisch im Living Room und einer zimmergroßen Eckterrasse mit Blick auf die Berge. Nach einigen Renovierungen und Änderungen trägt die Suite heute die Nummer 338.

Vormittags schreibt Ernest Hemingway an der Endfassung von Wem die Stunde schlägt, nachmittags zieht der Autor mit Martha zum Jagen und Fischen durch die naturbelassene Berglandschaft der Rocky Mountains. Schnell hat der Schriftsteller sich in das Tal verliebt, es erinnert ihn an seine unbekümmerten Jugendausflüge an die Seen in Michigan. Drei Monate bleiben die Turteltäubchen im Sun Valley.

Schnell schließt Ernest Hemingway Freundschaft mit Einheimischen. Mit Lloyd Arnold, der als Fotograf in der Sun Valley Lodge arbeitet und wo seine Frau Tillie den Souvenirshop betreut. Mit Pappy, wie Lloyd von Freunden genannt wird, geht der Schriftsteller häufig auf Jagd am Silver Creek, ebenso wie mit dem Manager der Lodge, Taylor Williams.

Die meisten Hemingway-Fotos aus Ketchum und dem Sun Valley stammen von Lloyd Arnold, die Beziehung zwischen Ernest und Lloyd, so erinnert sich Tillie, „ist eine Verbundenheit gewesen mit viel Lachen, mit Scherzen, mit Veralbern und mit freundschaftlichem Necken.“ Als Pappy im Jahr 1970 stirbt, zieht Tillie Arnold für zwei Jahre in das Ketchumer Hemingway House zu Mary, der Witwe von Ernest.

Vom Zentrum Ketchums bis zur vornehmen Sun Valley Lodge sind es zwei Kilometer Richtung Nordosten in die Berge. In dem viergeschossigen Haupthaus im Landhaus-Stil mit seinen Nebenhäusern, Geschäften und Restaurants fühlt man sich sogleich in die Tiroler Bergwelt zurückversetzt, vielleicht ein wenig zu amerikanisiert. Einerlei, America is great, wer es begreifen will, muss hierher.

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Die Tiroler Bergwelt in den Rocky Mountains. Die Sun Valley Lodge in Ketchum, Idaho. Foto: W. Stock

Die Sun Valley Lodge gipfelt noch heute in dem elitären Anspruch von damals: exklusive Suiten, gehobene Restaurants, Leseräume mit Kamin, aufmerksame Pagen. Alles vorhanden, was der Tourist für gute Dollars erwarten darf. Fotos mit Ernest Hemingway finden sich dezent, aber unüberschaubar, auf den langen Fluren der Lodge. Der Eigentümer Averell Harriman, ein Marketing-Genie, ließ den Schriftsteller zwei Saisons hintereinander kostenlos beherbergen. Man spricht noch heute darüber.

Das Sun Valley Resort gilt als das Prachtstück eines exklusiven Tourismus in der Region. Im Winter fallen

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Trail Creek Cabin, wo Ernest Hemingway feierte

An der Trail Creek Road, dort wo der Wald anfängt, liegt die Trail Creek Cabin. Auch Ernest Hemingway hat hier gerne gefeiert. Foto: W. Stock, 2018

Zwei, drei Kilometer oberhalb des kleinen Ortes Ketchum, gegenüber vom Sun Valley Gun Club, befindet sich am Waldrand die Trail Creek Cabin. Wenn wohlhabende Bewohner des Tals und kaufkräftige Winterurlauber feiern wollen, wenn ein Geburtstag oder eine Hochzeit ansteht, dann wird dieses erlesene Restaurant gewählt. 

Illustre Persönlichkeiten kommen in die entlegene Region des Sun Valley nach Idaho, eine Art Kitzbühel in den Rocky Mountains. Prominente wie Lucille Ball, Gary Cooper, Jane Russell oder Clark Gable, eine dezente Party-Location darf aus diesem Grund nicht fehlen. Die Cabin, nicht weit vom heutigen Hemingway Memorial entfernt, liegt fernab vom Zentrum des Dorfes im Tal, hier kann man lange und laut feiern, und man bleibt unter sich.

Auch Ernest Hemingway hat fleißig mitgemischt. Es gibt Fotos von ihm in der Trail Creek Cabin, tanzend mit seiner dritten Ehefrau Martha Gellhorn oder trinkend an der Bar mit seinem Freund, dem Fotografen Robert Capa. Er ist zu sehen mit Gray Cooper und Ingrid Bergman, ausgelassen bei einer guten Flasche Wein. Der Tag des Schriftstellers folgt meist einem festen Schema im Sun Valley: vormittags schreiben, nachmittags jagen in den Wäldern und Auen und abends ausgelassen feiern.

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Zwei Jahre nach der Eröffnung, im Jahr 1939, besucht Ernest Hemingway erstmals die Trail Creek Cabin.  Foto: W. Stock, 2018

An der Trail Creek Road oberhalb von Ketchum, fußläufig von der Sun Valley Lodge entfernt, wird die exklusive Lokalität im Jahr 1937 errichtet, im edlen Landhaus-Stil mit viel Holz und wenig Zement. Das Anwesen liegt oberhalb des Bachs Trail Creek und bietet eine wunderbare Aussicht auf die Bald Mountain, einen Ausläufer der Rocky Mountains.

Und in der Partyhütte oberhalb der Sun Valley Lodge wird noch

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Ernest Hemingways letzter Weg

Die Natur schafft neues Leben. Und am Ende bleibt dem Menschen bloß, sich der Natur zurückzugeben. Ketchum, am 7. Juli 1961.

Die Beerdigung des Ernest Hemingway findet an einem Freitag in Ketchum statt, am 7. Juli 1961, an den Ausläufern der Rocky Mountains. Man hat auf den Sohn Patrick warten wollen, der sich zusammen mit seiner Frau Henrietta im westafrikanischen Tansania auf einer Safari befindet. Der älteste Sohn John kommt aus Oregon, wo er zum Fischen weilt, der jüngste Sohn Gregory hat sich auf den Weg aus Miami gemacht, wo er sich auf sein Examen in Medizin vorbereitet.

Auch die anderen Verwandten müssen von weit her anreisen, um in das Kaff in den Bergen Idahos zu gelangen. Sein jüngerer Bruder Leicester kommt aus Florida, die älteste Schwester Marcelline Sanford aus Michigan, ebenso wie die Schwester Madelaine Sunny Mainland, eine andere Schwester – Ursula Ura Jepson – fliegt aus Honolulu ein. Dazu gesellt sich die jüngste Schwester Carol Gardner aus Massachusetts. Alle sechs Hemingway-Kinder sind zum ersten Mal seit langem vereint, wobei ja nur noch fünf leben, der älteste Bruder wird heute zu Grabe getragen.

Miss Mary hat alle persönlich eingeladen, es soll eine familiäre Abschiedsstunde werden im handverlesenen Kreis, sie möchte kein großes Aufheben machen. Mary trägt ein einfaches dunkles Kleid und einen breiten schwarzen Hut. Eine Vielzahl von Beileidstelegrammen aus aller Welt sind im Haus der Hemingways am East Canyon Run Boulevard eingetroffen. Das Weiße Haus, der Kreml und auch der Vatikan haben ihre Kondolenz übermittelt.

Der Ketchum Cemetery liegt am nördlichen Stadtrand des Dorfes, Richtung Boulder Peak, am Rande der Landstraße. Es ist ein puristischer Friedhof ohne jedes Denkmal, lediglich mit flachen Grabplatten wird der Verstorbenen gedacht. Alle Freunde aus dem Sun Valley sind gekommen, Clara Spiegel, sein Hausarzt Dr. George Saviers, Tillie Arnold, Ruth Purdy. Journalisten sind nicht erwünscht und doch haben sich ein paar Fotografen und Berichterstatter eingeschlichen und schießen Fotos von der Trauerfeierlichkeit, ein kurzer Film für die Wochenschau wird aus der Entfernung gedreht.

Reverend Robert Waldemann, der katholische Pastor der St. Charles Church in Hailey, leitet die Zeremonie um 10 Uhr 30 am Vormittag. Es wird eine kleine Trauergemeinde, neben dem engen Familienkreis und den Freunden haben sich noch ein paar Jagdkameraden und Nachbarn eingefunden, dazu einige Bewohner von Ketchum, die ebenfalls an der Beisetzung teilnehmen möchten. Vierzig Menschen vielleicht, mehr nicht, dazu Pastor Waldemann und die drei Messdiener.

Die lange schwarze Limousine mit Ernests Leichnam kommt

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Ernest Hemingway fliegt mit Panagra

Panagra, eine Tochter der PanAm, hat sich auf Flüge nach Südamerika spezialisiert.

Am frühen Morgen des 16. April 1956, es ist ein Montag, landet die vierpropellerige Douglas DC-7B auf dem kleinen Flughafen von Talara. Um kurz vor halb acht Uhr rollt der silbergraue Flieger der Fluggesellschaft Panagra unter ohrenbetäubendem Gedröhne der Motoren und mit dem monotonen Klackern der Propellerblätter auf der kurzen Landebahn von Talara im Norden Perus aus.

Panagra, ein Tochterunternehmen der US-amerikanischen PanAm, hat sich auf Passagier- und Frachtflüge nach Südamerika spezialisiert und bedient viermal in der Woche die Route von Miami über Panama und Lima bis hinunter nach Santiago de Chile und Buenos Aires. Eine Verbindung, deren erste Etappe, von Florida nach Peru, über Nacht geflogen wird. Die Panagra fliegt auf dieser Südamerika-Route auch Provinzflughäfen wie jener von Talara an.

Talara ist eine Stadt im Norden Perus, sie liegt direkt an der Pazifikküste, nicht weit von der Grenze zu Ecuador entfernt. Beim Anflug auf Talara sieht man nur graue Wüste, soweit das Auge reicht. Eigentlich gehört der Flughafen, den die US-Marines gebaut haben und den die Einheimischen El Pato nennen, der International Petroleum Company, einem Ölmulti, der im Meer vor Talara ein riesiges Erdölfeld ausbeutet.

Ein paar Tage zuvor hat die US-amerikanische Nachrichtenagentur United Press die Visite des Nobelpreisträgers angekündigt. Mit Datum 13. April 1956 kabelt der UP-Korrespondent in Havanna eine ausführliche 40 Zeilen-Meldung an Zeitungen in alle Welt. „Der Schriftsteller Ernest Hemingway und seine Ehefrau Mary werden am Sonntagnachmittag nach Peru fliegen und dort auf die Jagd nach einem 700 Kilogramm Blaumarlin gehen, um die Filmaufnahmen davon in der Verfilmung seines Romans Der alte Mann und das Meer zu nutzen.“

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Die feine Menü-Karte auf Panagra-Flügen.

Und weiter heißt es in der Meldung der United Press: „Der Schriftsteller gab der Hoffnung Ausdruck, den Fisch in drei oder vier Wochen fangen zu können. In zahlreichen Monaten des vergangenen Jahres konnte

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Mein liebstes Starbucks: Ketchum, Idaho

Starbucks in Ketchum, Idaho. Das Dorf in den Bergen, wo Ernest Hemingway die letzten beiden Lebensjahre verbrachte. Foto: W. Stock, 2018

Starbucks halte ich für eine großartige Café-Kette, dort bin ich gerne Gast. Guter Kaffee, etwas Süßes, kostenloses WiFi. Wer will, kann kurz einen Espresso trinken. Wer’s länger mag, kann stundenlang vor seinem Notebook und einem Latte Macchiato dösen. Manchen dient Starbucks gar als ein externes Home Office, man wird jedenfalls nicht schief angesehen, wenn man den halben Tag im Café verbringt.

Die Kette aus Seattle mit dem kostenlosen Internet-Zugang wird nicht nur für seine unverwechselbaren Röstungen (mit phantasiereichen Namen) und für seine Snacks gerühmt, sondern vor allem für seine heimelige Atmosphäre. Der Standard ist weltweit ähnlich. Man weiß jedenfalls, was einen zu erwarten hat. Ob in Berlin, Paris, San Francisco oder Lima, ich bin selten enttäuscht worden.

Und oft positiv überrascht. Mein Geheimtipp: Starbucks in Ketchum, Idaho, United States of America. Ketchum, das ist der letzte Wohnort Ernest Hemingways. In dem kleinen Bergnest am Big Wood River lebte er mit seiner Ehefrau Mary von 1959 bis 1961. Hier brachte er sich um, und hier liegt er auf dem Ketchum Cemetery begraben.

Einen solch geräumigen Starbucks wie jenen an der Sun Valley Road habe ich selten gesehen. Es ist reichlich Platz vorhanden, dazu breite Sofas, bequeme Ledersessel. Mitten in Ketchum entdeckt man eine kleine Oase im modernen Landhaus-Stil. Alles fein und hochwertig mit edlem Holz gebaut, man fühlt sich augenblicklich wohl. Eine sehr freundliche Bedienung, aufmerksam und zuvorkommend, rundet das überaus positive Bild ab.  

Und wenn man dann in einen Nebenraum geht, rennt man direkt auf den Meister zu. In dem kleinen Raum trifft man einzig und allein auf Ernest Hemingway. Deckenhohe Fotos des Nobelpreisträgers, das berühmte Portrait von Yousuf Karsh, finden sich hier, dazu Schnappschüsse von seinem Leben im Sun Valley. Hier bleibt er präsent. Noch heute. In Ketchum. Übrigens, nicht nur im Starbucks

Und da wir schon bei den Tipps sind: Konditorei, oben in

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Ernest Hemingway als Schüler: so clever wie keiner

Die Schulzeitung über Ernest Hemingway: „Man wird keinen finden, der cleverer ist als Ernie.“

Von 1913 bis 1917 besucht Ernest Hemingway die Oak Park and River Forest High School in Oak Park, einem Vorort von Chicago. Ernest ist ein hochgewachsener Bursche, der schnell viele Sympathien auf sich zieht. Er begeistert sich für den Sport, fürs Schwimmen, Boxen und den Football vor allem, und spielt zwei Jahre im Schulorchester. 

Der junge Schüler schreibt erste Artikel für The Trapeze, die Schulzeitung, und für das Jahrbuch der Schule, mit Namen Tabula. Insgesamt veröffentlicht Ernest während seiner Schulzeit 18 Artikel in The Trapeze und drei Gedichte in Tabula. Im Impressum von The Trapeze steht – neben den schulischen Informationen – eine kurze Charakterisierung eines jeden Mitarbeiters. Bei dem jungen Ernest Hemingway kann man lesen: „Man wird keinen finden, der cleverer ist als Ernie.“

Seine besten Leistungen erzielt er im Englischunterricht, wo er mit den Werken der modernen Literatur und auch mit dem Journalismus in Berührung kommt. Angetan ist er besonders von dem volkstümlichen Schriftsteller Mark Twain, der zu seinem literarischen Idol werden sollte. Hinter den kurzweiligen Lausbubengeschichten von Tom Sawyer und Huckleberry Finn versteckt der in den USA viel gelesene Twain einen tiefen Humanismus.

Mit genauer Beobachtungsgabe entlarvt der scharfzüngige Mark Twain den alltäglichen Rassismus und die Bigotterie der weißen Mittelschicht im amerikanischen Süden. „Die gesamte amerikanische Literatur stammt von einem Buch von Mark Twain namens ‚Huckleberry Finn‘ ab. Vorher gab es nichts. Und seitdem gab es nichts, was dem gleichkommt“, würdigt Ernest Hemingway im Jahr 1935 das Vorbild.

An der High School wird Ernest schnell von den

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Ronald Reagan schlägt zu

Ronald Reagan schlägt Angie Dickinson. Nicht im wirklichen Leben, natürlich, sondern auf der Leinwand. In dem Film The Killers. Das Buch zu dieser Hollywood-Produktion geht auf eine Kurzgeschichte von Ernest Hemingway zurück. Seine Short Story The Killers hat der spätere Nobelpreisträger erstmals im März 1927 im Scribner’s Magazine veröffentlicht.

Die lakonische Erzählung handelt von zwei Berufsverbrechern, die Henry’s Lunch-Room, ein einfaches Restaurant in der Kleinstadt, heimsuchen und dort auf einen schwedischen Boxer namens Ole Andreson warten, den sie zu morden trachten. Die beiden Kriminellen bedrohen den Stammgast Nick, den Kneipenwirt George und den schwarzen Koch mit einer Schrotflinte und lauern ihrem Opfer auf, das allerdings nicht erscheint.

Ernest Hemingways Kurzgeschichte The Killers ist mehrfach fürs Kino und auch für das Fernsehen verfilmt worden. Die beste Fassung stammt vom Regisseur Robert Siodmak aus dem Jahr 1946, mit Burt Lancaster und Ava Gardner in den Hauptrollen. Der bärtige Schriftsteller aus Chicago mag diese schwarz-weiße Version sehr gerne, diese Produktion bringt in der Tat alles mit, was einen guten Film noir so auszeichnet. Zu Recht hat Ernest Hemingway Siodmaks The Killers stets als seinen besten Film bezeichnet.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist TheKillersReagan.jpgDon Siegel verfilmt den Stoff im Jahr 1964 erneut, mit Lee Marvin und John Cassavetes. Und mit Ronald Reagan. Der spätere US-Präsident spielt in dem Film den Räuber Jack Browning, einen schießwütigen Bankräuber. The Killers ist Ronald Reagans letzter Kinoauftritt und zudem seine einzige Rolle als Mordbube.

Danach zieht der Schauspieler sich aus Hollywood zurück und geht in die Politik. Seine weitere Karriere ist einzigartig: Von 1967 bis 1975 wird Ronald Reagan zunächst zum Gouverneur von Kalifornien gewählt und von 1981 bis 1989 amtiert er als der 40. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Noch heute ist Ronald Reagan seinen amerikanischen Landsleuten als einer der beliebtesten und erfolgreichsten Präsidenten in Erinnerung.

Allerdings hat Don Siegels The Killers nicht

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