Hemingways Welt

An den Fersen von Ernest Hemingway

Schlagwort: Hemingway

Ein ziemlich bunter Hund

Hemingway im Flughafen Düsseldorf
Photo by W. Stock

Auf Huldigungen an diesen amerikanischen Autoren stößt man in aller Welt, nicht nur an einem Ort wie bei manch anderen, sondern verstreut über die verschiedensten Länder und über alle Kontinente. In Pamplona und Andalusien, in Venedig, hoch in den Alpen oder im tiefen Schwarzwald, in Paris und in der Eifel, in der Karibik natürlich, am peruanischen Pazifik, in den Rocky Mountains oder auch in Afrika.

Auch wenn die Hommage oft nur an der Oberfläche kratzt, die Verehrung für diesen Mann bleibt ein Phänomen, dieser Schreiber aus Oak Park in Chicago hat sein Wirken weit und tief gestreut. Der fortwährende weltumspannende Radau um seine Person zeigt, Ernest Hemingway lebt, obwohl er doch schon so lange tot ist.

Wahrscheinlich ist dieser Mann deshalb nicht kaputtzukriegen, weil er nicht nur wie ein Titan schreiben kann und die Seele des Lesers erreicht, sondern weil er zudem ein ziemlich buntes Leben vorzuweisen hat. Ein eigentlich untypisches Literatenleben. Denn diesen Schriftsteller Ernest Hemingway findet man nicht nur in den Bücherregalen, sondern auch im richtigen Leben. 

An Gebäudewänden kann man lesen: Ernest Hemingway hat in diesem Hotel übernachtet oder in jenem Gasthof gegessen. Er hat diese Bar besucht und jenen Landstrich beehrt. Hemingway hier, Hemingway da. Der Mann ist scheinbar omnipräsent. In diesem Restaurant hat Ernest Hemingway nie gegessen, auch diese Notiz durfte ich in Spanien schon entdecken.

Der bärtige Macho tummelt sich überall und je entfernter sein Tod liegt, desto stärker scheint der Rummel an Wahnwitz zuzulegen. Wenn man Ernest Hemingway auf der Fährte bleibt, kriegt man Sachen zu Gesicht, die einem die Haare zu Berge stehen lassen:

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Das Gewehr, mit dem sich Ernest Hemingway erschoss

Mike Brooks, der Welder aus Ketchum, im April 2018.
Foto: W. Stock

Am 2. Juli 1961, an einem Sonntagmorgen im Sommer, um sieben Uhr dreißig, setzt ein völlig gebrochener und hoffnungsloser Ernest Hemingway seinem Leben ein jähes Ende. Der 61-jährige Nobelpreisträger erschießt sich mit einem zweiläufigen Jagdgewehr im Vestibül am Eingangsbereich seines Hauses in dem Dorf Ketchum, weit oben in den Bergen Idahos.

Ein paar Tage nach dem Schuss lässt Mary Hemingway das Gewehr zu einem Welding Shop bringen, zur örtlichen Schweißerei, mit der strikten Anweisung, die Waffe vollständig zu zerstören und anschließend unauffindbar zu vergraben. Ernest Hemingways Witwe möchte nicht, dass dieses Gewehr zu einer Devotionalie wird, sie möchte mit diesem trübseligen Kapitel wohl auch für sich einen Abschluss finden.

Der Welder aus Ketchum tut wie ihm aufgetragen. Jedoch nicht ganz. Er demoliert die Waffe, zerschneidet sie in drei Stücke. Der Schaft wird zerschlagen, die Stahlteile des Laufes mit dem Schweißgerät auseinander gebrannt. Die verstümmelten Reste des Gewehres werden dann auf freier Lichtung in dem kleinen Ort an den Ausläufern der Rocky Mountains vergraben.

Die Schweißerei gibt es heute noch in Ketchum, Brooks Welding. Das Geschäft liegt an der Warm Springs Road und wird in diesen Tagen von Mike Brooks, dem Enkel von Elvin Brooks geführt. Jener Elvin Brooks ist der Schweißer gewesen, dem damals Hemingways Gewehr übergeben worden ist. Elvin wiederum hat das Gewehr seinem 20-jährigen Sohn Allen überreicht mit dem Auftrag, es in Kleinteile zu zerschweißen.

Allens Sohn Michel, französisch ausgesprochen, den aber alle im Dorf Mike nennen, leitet heute den kleinen Laden, der abseits der Hauptstraße im Norden des Dorfes zu finden ist. Mike ist ein sympathischer Zeitgenosse vom Jahrgang 1958, der im Gespräch mit einer unglaublichen Überraschung aufwartet. Denn Mikes Vater Allen, er ist 2017 verstorben, hat damals zwar das ganze Gewehr zerstört und dann vergraben, jedoch

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