Auch der Sport kommt nicht ohne Ernest Hemingway aus. Und für eine Pointe ist
der Nobelpreisträger immer gut, auch wenn sie nicht stimmt.

Beim Ryder Cup geht es hoch her. Ein Golf-Spieler tritt gar derart voller Selbstvertrauen auf, dass er eine dicke Zigarre schmaucht, als sei er Ernest Hemingway. So schreibt es Ende September 2021 jedenfalls die Süddeutsche Zeitung:

Reden wir also über den Zigarren-Raucher Ernest Hemingway! Eine gute Havanna und der Wahl-Kubaner Hemingway – das würde passen. Eine Montecristo oder eine Partagas, man sieht den qualmenden Schriftsteller bildlich vor sich, im El Floridita auf einen Daiquirí, im Sessel auf der Finca Vigía oder an Bord seiner Pilar im Golfstrom.

Bekanntlich hing dieser Windbeutel Ernest Hemingway Tausenden Lastern nach. Saufen, Frauen, Angeben, Poltern – die Sündenliste ist lang. Das Tabakrauchen allerdings gehörte nicht dazu. Das Bild vom schmauchenden Hemingway ist also falsch.

In sehr jungen Jahren hat er es mit Zigaretten versucht, es hat ihm nichts gegeben. Wenige Jahre später, in Paris, hat er kurz an der Pfeife geschnuppert. Ohne Gewinn. Im Gegenteil: Fortan fürchtete er, sich durch den Tabak seine feinen Geschmacksnerven zu zerstören. 

Also: An der Zigarre hing Ernest Hemingway nie. Vielleicht verwechselt ihn der SZ-Autor mit Orson Welles, es kommt des Öfteren vor, die Physiognomie fällt ähnlich aus. Der exzentrische Hollywood-Regisseur jedenfalls hing stundenlang am Stumpen. 

Aber eben nicht Ernest Hemingway. Womit sich wiederum zeigt: Das Image, das diesen Nobelpreisträger ummantelt, ist in einer Weise ausgeprägt, dass man ihm so gut wie alle Missetaten zutraut. Auch dies ist eine beachtliche Leistung. 

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