Hemingways Welt

An den Fersen von Ernest Hemingway

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Ernest Hemingway und die Magie des Ostens

Die Eyüp-Sultan-Moschee, auf Türkisch Eyüp Sultan Camii, befindet sich Stadtteil Eyüp am nördlichen Ende des Goldenen Horns. Foto: W. Stock, Februar 2020.

Es bleibt eine seltsame Welt für Ernest Hemingway, ungewohnt sicherlich, aber nicht ohne Reiz. Old Constant lautet die Überschrift eines der schönsten Artikel im The Toronto Daily Star, er wird am 28. Oktober 1922 in der kanadischen Tageszeitung veröffentlicht: Wenn Sie am Morgen aufwachen und über dem Goldenen Horn einen Nebel sehen, aus dem die Minarette schmal und glatt zur Sonne hochwachsen und der Muezzin die Gläubigen zum Gebet ruft, in einer Stimme, die sich hebt und senkt wie die Arie einer russischen Oper, dann begrüßt Sie die Magie des Ostens.

Der türkische Name für das Goldene Horn lautet Haliç, was schlicht Mündung bedeutet. Die Bezeichnung führt sich zurück auf den goldenen Glanz, der sich in der Abendsonne über das Wasserbett legt. Doch das Goldene Horn ist mehr als ein sieben Kilometer langer Meeresarm, der wie ein Horn in gebogener Form dem Bosporus zufließt. Das Gewässer vor Istanbul symbolisiert den Reichtum und die Pracht des byzantinischen und osmanischen Konstantinopels.

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Der sieben Kilometer lange Wasserarm, Goldenes Horn genannt, liegt auf der europäischen Seite des Bosporus, kurz vor dessen Ausgang in das Marmarameer. Foto: W. Stock, Februar 2020

Am Goldenen Horn schlägt das Herz dieser Metropole, denn bei den einfachen Handwerkern, den kleinen Händlern und in den Restaurants am Flussufer lässt sich der Pulsschlag dieser Stadt messen. Ob es der Nation gelingt, obenauf zu sein oder vom Mahlstrom der Politik ins Desaster gezogen zu werden, man kann es an der Betriebsamkeit zu beiden Seiten des Goldenen Horns besser ablesen als in den Aktienspalten der Wirtschaftszeitungen.

Auch Ernest Hemingway wird überwältigt von der Stadt zwischen Europa und Asien, im Guten wie im Schlechten. Die staubigen Strassen, der Schlamm, die Lautstärke, die Straßenhunde, die Ratten. Alles kommt ihm merkwürdig bis chaotisch vor, beklagt er sich in seinen Depeschen. Der Verkehr, die Straßen, das Essen, alles unvertraut. Konstantinopel, das erst seit 1930 Istanbul heißt, wird als Sündenpfuhl dargestellt, der Dekadenz anheimgefallen. Konstantinopel führt eine Art Todestanz auf, bevor Kemal Pascha kommt, der geschworen hat mit all den Sauftouren, Glücksspiel, Tanzen und Nachtklubs kurzen Prozess zu machen.

Der junge US-Amerikaner betrachtet die Welt des Orients mit seinen Augen. Was in der Heimat gut funktioniert, stösst in der Fremde an seine Grenzen. Vielleicht, um Kant etwas abzuwandeln, weil es das Gute an sich nicht gibt, bestenfalls das Gute für sich. Und so bleibt dem bodenständigen Schreiber aus Amerika nichts weiter übrig, als in der Kuriositätenkiste dieser Stadt zu wühlen.

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Die Yeni Cami aus dem Jahr 1663, zu Deutsch Neue Moschee, befindet sich im Stadtteil Eminönü, in der Nähe des Gewürzbasars, am südlichen Ende des Goldenen Horns. Foto: W. Stock, Februar 2020.

Als aufgekratzter Melting Pot der islamischen, jüdischen und christlichen Kultur kommt diese Metropole daher.  Es gibt 160 gesetzliche Feiertage in Konstantinopel. Jeder Freitag ist ein muslimischer Feiertag, jeden Samstag ein jüdischer Feiertag und jeder Sonntag ein christlicher Feiertag. Dazu finden sich katholische, muslimische und griechische Feiertage innerhalb der Woche, von Yom Kippur und anderen jüdischen Feiertagen gar nicht zu reden. Kein Wunder, das Lebensziel eines jeden jungen Menschen in Konstantinopel ist, in einer Bank zu arbeiten.

Nicht überraschend erschließt sich diese Stadt dem Mann aus dem Mittleren Westen der USA nur sehr schwer. Für einen 23-Jährigen, der aus dem gut situierten Idyll der Vorstädte Chicagos kommt, muss die Begegnung mit dem Orient ein Kulturschock gewesen sein. Paris ist auch die Fremde für ihn, aber eine Fremde, die er immer erträumt und vermisst hat. Konstantinopel hingegen verklärt sich bei Hemingway poetisch als die Magie des Ostens.

Zwei Momente jedoch trösten ihn. Die Tatsache, dass

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Ernest Hemingway, der Rolex-Mann

Ernest Hemingway im Cabo Blanco Fishing Club, im April 1956, mit dem peruanischen Journalisten Mario Saavedra. Am linken Arm des Autors unübersehbar seine Rolex. Foto: Guillermo Alias.

Ernest Hemingway soll drei verschiedene Rolex-Modelle besessen haben: eine Bubble Back aus den 1940er Jahren und zwei Oyster Perpetuals aus den 1950ern. Seinen Armbanduhren ist Ernest Hemingway treuer geblieben als seinen vier Ehefrauen. Er hat der Uhr sogar ein literarisches Denkmal gesetzt. In seiner Erzählung Über den Fluss und in die Wälder bringt der spätere Nobelpreisträger im Jahr 1950 einen hübschen Absatz zu Papier, in dem er das menschliche Herz mit einem Uhrwerk gleichsetzt. 

Der alte Colonel Richard Cantwell sitzt mit seinem blutjungen Schwarm, der schönen Contessa Renata, im Gritti Palace von Venedig und speist. Der Offizier fabuliert über den Krieg und über die Liebe. Sowohl der Krieg als auch die Liebe, so sagt er, können ihm das Herz zerstören. Vor allem die Liebe könne sein Herz brechen. Aber, sinniert der sterbenskranke Oberst, was ist eigentlich das Herz? 

„Es ist ja nur ein Muskel“, sagte der Colonel. „Nur daß es der Hauptmuskel ist. Er arbeitet so vollkommen, wie eine Rolex Oyster Perpetual. Hat nur den Fehler, daß man ihn nicht an die Repräsentanz von Rolex schicken kann, wenn er reparaturbedürftig ist. Wenn er stehenbleibt, weißt du nicht mehr, wieviel Uhr es ist. Du bist tot.“

In der Tat passt die Rolex wunderbar zu Ernest Hemingway, sie ist ein Zeitmesser wie für ihn gemacht. Sein abenteuerlicher Lebensstil verlangt nach einer Uhr, die kraftvoll, zuverlässig und unverwüstlich ist. Die Uhren haben ihn auf seinen weiten Reisen begleitet, von den Safaris in Ostafrika bis zum Hochseeangeln in Cabo Blanco vor der peruanischen Pazifikküste. Die Rolex ist eine robuste Armbanduhr, wunderbar geeignet für Herausforderungen aller Art. 

Gerade die Oyster Perpetual verkörpert in Form und Funktion eine klassische Uhr, zeitlos über alle Generationen, mit einer präzisen Anzeige der Stunden, Minuten und Sekunden. Sie verzichtet auf allen überflüssigen Firlefanz wie Mondphase oder Stoppfunktion, sie ist im klassischen Sinne einfach und schlicht. Damit steht sie in der Tradition der ursprünglichen Oyster, der ersten wasserdichten Armbanduhr der Welt, die den Ruf der Marke Rolex im Jahr 1926 begründet hat.

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Ein ähnliches Modell der Rolex Oyster Perpetual hat Ernest Hemingway getragen.

Eine Rolex ist weit mehr als ein Zeitmesser. Sie ist ein hochwertiges Kleinod, gerade für Männer, die es ja sonst nicht einfach haben, Schmuckstücke zu tragen. Solides Metall, Edelsteine, Silber und Gold – eine Rolex wird aus hochwertigsten Materialien hergestellt. Denn eine Rolex ist für die Ewigkeit gebaut. 

Eine solche Pretiose Schweizer Uhrmacherkunst durchläuft einen strengen Herstellungsprozess. Jede Brücke des Uhrwerks, jedes Rädchen, jede Komponente des Gehäuses, des Armbandes oder des Zifferblattes wird so hergestellt, als müsse es ewig leben. Und jedes Exemplar wird

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Hemingways Turm für das Schreiben und für die Liebe

Ein lockerer Ernest Hemingway auf der obersten Etage seines Schreib- und Liebesturms. Die Aussicht reicht bis nach Havanna. Foto: George Leavens

Hinter dem Haupthaus der Finca Vigía findet sich, neben der großen Garage für die Autos, ein kleines Gästehaus, dort kommen Gäste unter, Freunde aus Übersee oder die Söhne, wenn sie in den Schulferien den Vater auf Kuba besuchen. Blickfang des gesamten Anwesens ist schon vom weitem ein rechteckiger Turmbau, etwas versetzt vom Haus. Der Autor hat diesen im Jahr 1947 anbauen lassen, um hier in aller Abgeschiedenheit schreiben zu können.

Hoch oben im vierten Stockwerk des weißen Turms hat Ernest Hemingway sich ein Schreibstudio eingerichtet, hier sitzt er meist den Vormittag über an seinen Manuskripten. Der Ausblick ist atemberaubend, von dort oben hat er einen weiten Blick nach Havanna und bis zum Meer, das etwa zehn Kilometer im Norden liegt.

In diesem weißen Turm hat er sein Meisterwerk Der alte Mann und das Meer geschrieben. Bei seiner Arbeit setzt er sich hinter den Schreibtisch oder er steht vor einem Pult, meist barfuß auf dem abgeschabten Fell einer von ihm erlegten Kudu-Antilope. Auf dem Anwesen läuft Ernest Hemingway am liebsten mit nackten Füßen herum, mit einer kurzen Shorts und mit freiem Oberkörper.

Doch in diesem Turm wird nicht nur hohe Literatur erzeugt, der abgetrennte hohe Bau dient zudem als sein Liebesnest. Hierhin zieht Ernest Hemingway sich zurück, um, wie er den Bediensteten zu verstehen gibt, „zu arbeiten“. Dass er zu dieser Arbeit ab und an eine Frau mitnimmt, die nicht seine eigene ist, darüber schauen die Angestellten der Farm diskret hinweg.

Ernest Hemingway ist in dieser Hinsicht ein schlimmer Finger. Die Ehefrau im Haus, eine feste Geliebte in Havanna, dazu ein Techtelmechtel, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Und Verlockungen laufen einem kraftstrotzenden Mannskerl wie ihm tagtäglich über den Weg. Er braucht nur

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Ein Miró für Mrs. Hemingway

Ernest Hemingway, Ehefrau Miss Mary und Verwalter Roberto Herrera Sotolongo im Esszimmer der Finca Vigía. An der Wand: Der Bauernhof von Joan Miró. Foto: George Leavens.

Schon in frühen Jahren beginnt Ernest Hemingway, moderne Kunst zu sammeln. Anfang der 1920er Jahre lebt er mit seiner ersten Ehefrau Hadley in Paris, dort, wo junge Frauen und Männer mit neuen, wilden Ideen von sich reden machen. Die amerikanischen Expatriates in der französischen Metropole scharen sich in jenen Jahren um Gertrude Stein, eine wohlhabende Autorin und Kunstsammlerin. Die Frau aus Pittsburgh führt den Neuankömmling Ernest Hemingway in ihren avantgardistischen Zirkel ein und fördert den talentierten Autor.

In ihrem literarischen Salon in der Rue de Fleurus 27 sammelt Frau Stein die experimentierfreudigen Künstler jener Zeitepoche um sich, nicht nur Autoren und Komponisten, sondern auch zahlreiche Maler, so Pablo Picasso, Henri Matisse, Georges Braque und Juan Gris. Der junge Ernest Hemingway, ein Bauch- und Augen-Mensch, besitzt von früh an ein Gespür für gute Kunst. Ein Gemälde hat es ihm besonders angetan. Der Bauernhof, gemalt von dem Katalanen Joan Miró, der abwechselnd in seiner Heimat und in Paris lebt.

Der Maler aus Barcelona, Jahrgang 1893, er ist sechs Jahre älter als Hemingway, steht am holprigen Anfang seines Erfolgsweges. Der Bauernhof, auf Katalanisch La Masía, wurde von ihm 1921 und 1922 in neunmonatiger Fleißarbeit erstellt. Der 28-jährige Miró ist noch auf der Suche nach seinem eigenen Stil und mischt realistische, naive, phantastische und kubistische Elemente. Auf dem Bild ist der Bauernhof seiner Eltern in Mont-roig del Camp abgebildet, der im Landesinneren südlich von Tarragona liegt.

Das großformatige Bild wird von einem Eukalyptus-Baum beherrscht, der aus einem schwarzen Kreis ragt und im Abendhimmel vom Mondlicht erleuchtet wird. Die Tiere des Hofes – ein Hahn, ein Esel, eine Ziege, ein Hund, eine Taube – verteilen sich wild über das ganze Bild. Unter dem Baum befindet sich ein umgestürzter Blecheimer vor einer Gießkanne, rechts davon die französische Zeitung L’INTRANSIGEANT. Wegen der Faltung kann man nur L’INTR (hinein!) lesen, was der gesamten Komposition eine sexuelle Andeutung verleiht.

Nach diesem Schema versteckt Joan Miró in seinem Gemälde eine Vielzahl kleiner Anspielungen. Jedes Detail erzählt seine Botschaft, wie in Trance vereinen sich viele an sich realistische Eindrücke mit dezenter Kraft zu einem verrückten Traum. Man kann stundenlang vor diesem Gemälde weilen und stets etwas Neues entdecken. Eigentlich markiert dieses Schlüsselwerk Mirós den Beginn des Surrealismus in der Malerei. Man kann wunderbar beobachten, wie in diesem Bild die realistische Darstellung des Landlebens übergeht in abstrakte und dadaistische Motive.

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La Masía, von Joan Miró. Zu Deutsch: Der Bauernhof.

Ernest Hemingway, damals noch ein mehr oder weniger unbekannter amerikanischer Autor in Paris, kauft Mirós Gemälde im Herbst 1925 über den Kunsthändler Léonce Rosenberg. Er möchte das Bild seiner Frau Hadley zum Geburtstag schenken. Der 26-jährige Journalist aus Chicago, in den Anfangsjahren meist klamm, leiht sich den Kaufpreis von 5.000 Franc bei seinem wohlhabenden Freund und Kollegen John Dos Passos.

Als Ernest Hemingway – mit der zweiten Ehefrau Pauline – im Jahr 1928 nach Key West zurück in die USA übersiedelt, kommt Joan Mirós Bild mit. Nach einem weiteren Jahrzehnt und einer weiteren Ehefrau hängt das Gemälde seit 1939 im

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Der schönste Hemingway-Satz: Saufen

I drink to make other people more interesting.
Ich saufe, damit andere Leute interessanter werden.
Ernest Hemingway.

La Bodeguita schwindelt ein wenig mit Ernest Hemingway

La Bodeguita de Medio, eine Oase der Lebensfreude. Havanna, im April 1983. Foto: W. Stock

In der Nähe von Havannas barocker Kathedrale entdecken wir in der engen Gasse Calle Empedrado – Hausnummer 207 – die äußerlich unscheinbare Bodeguita del Medio. Hinter dem Eingang tritt der Gast in den Vorraum einer kleinen Bar, zur Linken befindet sich die dunkle Theke. Den Barraum hindurch  erreicht man das Speisegewölbe, wo an überfüllten Tischen das Beste einer einfachen kubanischen Küche geboten wird.

Wir gehen zunächst zur Bar und bestellen den ersten Mojito. Mojito. Weißer Rum mit Limonensaft und einem frischen Pfefferminzstängel. La Bodeguita del Medio. Die unsterbliche La B del M. Wer in der Bodeguita seinen Mojito trinkt, der spürt den Hauch des Ewigen. Bodeguita, du bleibst, ich gehe!, hat der kubanische Autor Leandro García an die weiße Wand gekritzelt.

Du bleibst, ich gehe. Die Bodeguita del Medio dient auf Kuba als heilige Basilika für den Rum. Ernest Hemingway, der eine halbe Stunde entfernt auf Finca Vigía im Vorort San Francisco de Paula wohnt, ist nicht gläubig im strengen Sinne, allzu oft macht er sich lustig über die Religion. Eher ist er ein Zweifler, der nach einer höheren Kraft sucht. Seine Kirchen sind die Kneipen. Und die schönsten Sätze von ihm sind seine Gebete an Gott.

Wer von der Revolution träumen will, für den ist Havanna wie gemacht. In dieser Kapitale der Träumer und Traumtänzer ist die Bodeguita ein feiner Ort. Für alle findet sich hier ein Plätzchen. Es treffen sich Künstler und Malocher, Feingeist und Stoffel, Eierkopf und Saufbruder. So unterschiedlich ihre Biografien auch ausfallen, vor dem Rumglas sind sie alle gleich. 

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My mojito in La Bodeguita, My daiquirí in El Floridita. Ernest Hemingway. Foto: W. Stock, 1983

Unter dünnem braunen Glasrahmen, direkt über dem Schanktisch, umgeben von Dutzenden Martini– und Cinzano-Flaschen, hängt ein Spruch, den man andächtig rezitieren muss, weil er so brillant formuliert ist. My mojito in La Bodeguita, My daiquirí in El Floridita. Darunter dann, schwungvoll die Unterschrift: Ernest Hemingway. Mehr Ideologie braucht es auf Kuba eigentlich nicht.

My mojito in La Bodeguita, My daiquirí in El Floridita. Aber, so ist der Fachmann geneigt zu fragen, hätte der von hohen Prozenten angetriebene Autor auf Kuba nicht wie sonst üblich mit

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Mary Welsh räumt auf, Ernest Hemingway inklusive

Die forsche Mary Welsh kommt Mitte 1945 nach Kuba auf die Finca Vigía und räumt im Leben des Ernest Hemingway erstmal kräftig auf. Foto: George Leavens.

Der Kriegsreporter, von der Brutalität der Kämpfe im Hürtgenwald schwer erschüttert, seine Ehe mit Martha Gellhorn in Trümmern, steht im Winter 1944 hilflos wie ein Kind an den Kriegsgräben Europas. Fernab von seiner Finca Vigía sehnt er sich zurück in sein warmes kubanisches Refugium. Noch vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 verlässt Ernest Hemingway den alten Kontinent.

Im März 1945 fliegt ein ernüchterter Kriegsberichterstatter von Paris über London nach New York, und beeilt sich, nach Havanna zu gelangen. Ernest Hemingway kehrt alleine zurück in sein kleines privates Paradies, wie er sein tropisches Heim in der Karibik bezeichnet. Der Schriftsteller, krank und desillusioniert, fällt auf Kuba in ein tiefes Loch. 

Auf Finca Vigía plagt den gefeierten Schriftsteller alsbald eine schwere Depression, vor allem der Einsamkeit wegen. Er fühlt sich verloren und von Gott und der Welt im Stich gelassen. Der Autor vernachlässigt sich, er ist außer Stande zu Schreiben, er streunt durch Havanna, säuft sich bis zum Morgengrauen durch die Kneipen, alles um seine innere Vereinsamung wegzutrinken.

Jeden Tag schreibt er seiner neuen Liebe Mary Welsh einen Brief nach London und fleht sie an, zu ihm auf die Insel zu kommen. Ich bin nicht ungeduldig, offenbart er sich kleinmütig, ich bin nur verzweifelt. Nach drei gescheiterten Ehen findet der Weltautor sich einsam und verlassen in seinem Tropengarten wieder, es ist niemand da, der ihn trösten und aufbauen kann.

Anfang Mai 1945 erscheint dann endlich Mary Welsh auf der Finca Vigía und findet nicht nur das Anwesen durch den Hurrikan des vergangenen Herbstes heftig geschädigt vor. Noch mehr fällt ihr der verwahrloste Zustand von Ernest auf. Die resolute Mary bringt zunächst Ordnung in die Finca Vigía, ebenso wie in den Alltag des Schriftstellers. Sie sorgt für

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Warum liebt Ernest Hemingway den Stierkampf?

Ernest Hemingways Original-Eintrittskarte zur Plaza de Toros in Valencia vom 27. Juli 1959. Barrera Número 34, dies sind die vorderen Plätze, direkt vor dem Callejón. Credit Line: Ernest Hemingway Papers Collection, Museum Ernest Hemingway, Finca Vigia, San Francisco de Paula, Cuba

Der Amerikaner Ernest Hemingway hat in Europa immer dem Tod ins Auge gesehen. Im Ersten Weltkrieg, im Spanischen Bürgerkrieg, im Zweiten Weltkrieg. Auch liebt er seither jene Sportarten, bei denen es um Leben und Tod geht oder wo zumindest das Blut in rauen Mengen fließt: den Stierkampf, das Boxen, den Kampf der Hähne, die Entenjagd, das Angeln großer Fische. Um Leben und Tod – es ist sein Thema.

Death in the Afternoon, in der deutschen Ausgabe als Tod am Nachmittag, erscheint im Jahr 1932, dies ist ein Essay über den Stierkampf und dessen Tradition auf der iberischen Halbinsel. In Spanien zeigt man sich überrascht, wie tiefsinnig sich ein Außenstehender in die Philosophie der arte torear à caballo y à pie, in die Kunst des Kampfes gegen den Stier, zu Pferd oder zu Fuß, einzufühlen vermag. Ernests Schilderungen von den Plazas de Toros und aus der Welt des Stierkampfes tragen in Spanien maßgeblich zur Popularität des Mannes aus Chicago bei.

Das Mysterium von Leben und Tod beschäftigt den Schriftsteller Tag und Nacht. Es fasziniert den US-Amerikaner, wie beim Stierkampf in Spanien mit dem Tod gespielt wird, wie der bunte Torero den wilden schwarzen Bullen neckt und vorführt, um ihm am Ende dann unter dem Gejohle der Zuschauer den Todesstoß zu verpassen.

Ernest Hemingway mag ein solches Spektakel, bei dem der Mensch als Todesbote auftritt, die Kollegen Dramatiker haben es allegorisch viele Jahrhunderte auf der Theaterbühne aufführen lassen. Doch Hemingways Tod kommt ohne lang gestrecktes Gewand und ohne dunkle Maske daher, im Stierkampf tritt der richtige Tod in die Arena und am Ende des dritten Tercios wird jemand wirklich tot sein.

Ernest Hemingway selbst tötet die wilden und schönen Tiere mit eigener Hand. Beim Hochseeangeln, auf seinen Safari-Reisen oder beim Schießen der Wildvögel im Sun Valley. Es macht ihm nichts aus, im Gegenteil, er empfindet Freude daran. Dabei liebt der Schriftsteller den Fisch, den er jagt und den er abschlachtet. Doch er kann nicht anders, denn ihn berauscht die Rolle des Jägers, der für einen Moment die Macht über Leben und Tod besitzt.

Das Tier ist sein Freund, doch die Entscheidung über sein Überleben oder über sein Sterben liegt beim Menschen. Darin besteht Hemingways Irrglaube und seine Verblendung: der Mensch als

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Hemingway ist ein Markenartikel

Hemingway-Zigarren. Obwohl er nicht geraucht hat.

Dieser bärtige Schriftsteller, so wird ein global aufgestellter Marketing-Fachmann früher oder später feststellen, this author is a brand. Der gute alte Hemingway ist ein Markenartikel. Und welch ein wertvoller Markenartikel! Ein Markenartikel jedenfalls, der im tagtäglichen Business auf Heller und Pfennig auszahlt.

Über Jahre bin ich an den Fersen von diesem Ernest Hemingway und musste in jener Zeit einiges in Sachen Merchandising erblicken, das bestenfalls um drei Ecken mit hoher Literatur zu tun hat: Hotels, die so heißen wie er, Ferienanlagen, Kneipen und Bars mit seinem Namen, tonnenweise T-Shirts, Flaschenkorken, Kaffeebecher, Poster, Postkarten, Sonnenbrillen auf seinen Namen, Zigarettenetuis, Hemingway-Seife, Briefbeschwerer mit seinem Bartgesicht.

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Briefmarken in aller Welt. Welcher Schriftsteller schafft mehr?

Und die Liste geht lustig weiter: Zigarren, Krawatten, Schlüsselanhänger, Manschettenknöpfe, Kappen mit Zitaten von ihm, Küchenschürzen, Schränke, Wohnzimmermöbel, Schuhe, Notizbücher, Software. Dazu Münzen und Briefmarken, aus aller Welt, auf allen Kontinenten.

Auch wenn der ganze Trubel bisweilen überstrapaziert wird, so beweist er doch eines: Der Name Hemingway, dieser kernige Bursche aus Amerikas Mittlerem Westen, steht als Synonym für Lebensfreude und Abenteuergeist. Und das, obwohl dieser Mann seit fast 60 Jahren tot ist. Oder doch nicht?

Ich vermute, dass auf der ganzen Welt kein

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Ernest Hemingway im Spanischen Bürgerkrieg

Ernest Hemingway mit dem deutschen Schriftsteller und Spanienkämpfer Gustav Regler hinter der Front im Spanischen Bürgerkrieg.

Dem Spanischen Bürgerkrieg steht Ernest Hemingway anfangs gespalten gegenüber. Er mag zunächst weder für die Putschisten noch für die Loyalisten Partei ergreifen, denn er besitzt Freunde in beiden Lagern. Doch dann sagt ihm sein Instinkt, wo in Spanien seine politische Heimat zu finden ist: auf der Seite der einfachen Menschen, bei den liberalen und linken Bürgern und an der Seite all jener, die sich aufrichtig zur gewählten Regierung verhalten.

Als ihm die North American Newspaper Alliance (NANA), ein Zeitungssyndikat von 50 großen Tageszeitungen, den Job als Berichterstatter in Spanien anbietet, ergreift Ernest Hemingway die Gelegenheit und lässt sich als Kriegskorrespondent akkreditieren. Insgesamt viermal wird er in den Bürgerkrieg nach Spanien reisen, meist bleibt er jeweils ein, zwei Monate. Der Schriftsteller wird in jener Zeit mehr als bloßer Beobachter sein, das Herz des Amerikaners pocht für die Seite der linken Republik. 

Im Frühjahr 1937 trifft der amerikanische Autor zum ersten Mal in Kriegsspanien ein. Die spanische Gesellschaft ist schon seit Jahrzehnten aufgewühlt und nun haben sich die sozialen und politischen Konflikte im Bürgerkrieg entladen. Die Putschisten massakrieren den politischen Gegner auf brutalste Weise und ein linker Mob zündet Klöster und Kirchen an und verbrennt Nonnen und Priester bei lebendigem Leib. Dieser von beiden Seiten gnadenlos geführte Bürgerkrieg ist der Kampf der zwei Spanien, der Riss geht durch viele Familien.

Das restaurative Militär unter dem General Francisco Franco, der katholische Klerus, andalusische Latifundistas, die monarchistischen Carlisten und das konservative Bürgertum finden sich auf der putschenden Seite zusammen. Die Republik wird verteidigt von fortschrittlichen Liberalen und von linken Kräften aller Couleur, von Sozialisten, Kommunisten, Trotzkisten und Anarchisten. Und von Separatisten, die zudem für die Unabhängigkeit ihrer Region kämpfen. 

Im Hotel Florida an Madrids Plaza de Callao hat Ernest Hemingway seit Mitte März 1937 das Zimmer 108 bezogen. Schon ein Autor von Weltruf, wird der NANA-Reporter in der spanischen Hauptstadt mit seltenen Privilegien hofiert. Hemingway kann über ein Auto mit Fahrer verfügen, er erhält trotz der Mangelwirtschaft ausreichend Benzin, und er darf ohne Einschränkungen die verschiedenen Frontabschnitte bereisen. Wie ein Feldherren beobachtet der Schriftsteller, hoch zu Pferd, die Frontlinie vor Madrid.

Im Hotel Florida tummeln sich die ausländischen Journalisten und Sympathisanten der Loyalisten. Antoine de Saint-Exupéry wohnt dort, man trifft dort den Maler Luis Quintanilla, der als Geheimdienstchef der Republik in Südfrankreich dient. Ebenso geht dessen Bruder Pepe Quintanilla, der Chef der Geheimpolizei in Madrid, in dem luxuriösen Hotelkomplex ein und aus. Hemingway trifft den Auslandskorrespondenten der New York Times, Herbert Matthews, die Schriftstellerin Lillian Hellman ebenfalls, so wie seinen Freund und Kollegen John Dos Passos.

Ernest Hemingway freundet sich

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