Horst Kleinert: Caporetto – Das Hemingway-Komplott. Foto: W. Stock

Ich mag Romane, die tatsächliche Ereignisse schwungvoll mit einer wohldosierten Portion Fiktion verweben. Leonardo Padura ist dies meisterlich mit Adiós Hemingway gelungen. Mit viel handwerklichem Können und etwas Glück und Spucke entsteht bei dieser Darstellungsform eine neue Wirklichkeit. Ähnliches gelingt Horst Kleinert mit dem Thriller Caporetto – Das Hemingway-Komplott

In der aufgewühlten Stimmung der untergehenden Weimarer Republik besucht der junge Autor Ernest Hemingway Anfang September 1931 die deutsche Hauptstadt Berlin. Der Zeitungs-Reporter Frank Hartung bekommt per Zufall mit, dass ein politischer Geheimbund ein Attentat auf den bekannten US-Schriftsteller plant. Und flugs findet sich der Journalist mitten drin in einer Räuberpistole aus politischen Grabenkämpfen, menschlichen Intrigen und aufkommendem Nazi-Terror.

In der Tat ist Ernest Hemingway am 1. September 1931 in Berlin gewesen, um der Uraufführung von Kat, der Theaterfassung seines Bestsellers In einem andern Land im Deutschen Theater beizuwohnen. Carl Zuckmayer und Heinz Hilpert haben den Roman für die Bühne adaptiert, Käthe Dorsch spielt die Hauptrolle. Zuckmayer schreibt in seinen Memoiren knapp über Hemingway: „Er war schon bei der Ankunft betrunken.“

Der amerikanische Autor wohnt im Hotel Eden in der Budapesterstraße. Nach der Premiere, den zweiten Akt verbringt der Amerikaner an der Theaterbar, wird Hemingway in ein Taxi verfrachtet, er säuft an der Hotelbar weiter. „Dann fuhr er, im gleichen Zustand, in dem er gekommen war, wieder nach Paris zurück“, schreibt Carl Zuckmayer naserümpfend in seinen Memoiren.

Vor diesem Hintergrund entwickelt Horst Kleinert seine packende Geschichte. Der Plot ist spannend, man muss in einem durchlesen, trotz wilder Handlung bleibt alles im Rahmen des Glaubwürdigen. Das historische Kolorit wird immer wieder durch verbürgte Ereignisse untermauert. Persönlich sympathisch: Einige Protagonisten bedeuten für mich ein Wiedersehen. Ernest Hemingway natürlich. Aber auch der Schweizer Bandleader Teddy Stauffer kommt vor, ein Swing-Musiker, den ich verehre und zudem gut gekannt habe.

Zwei kleine Korrekturen seien für die zweite Auflage angeregt: Hemingways Buch hieß bei seiner Erstausgabe 1930 in Deutschland In einem andern Land, erst viel später wurde es zu In einem anderen Land. Und Ernest Hemingway setzte seinem Leben nicht mit 62 Jahren ein Ende, sondern bereits mit 61 Jahren.

Alles in allem wird man hineingezogen in die Rasanz der Erzählung. Von Berlin geht es nach Paris, dann nach Miami, später nach Ostafrika. Horst Kleinert kann gut Spannungsbögen setzten und manchen Nerv kitzeln. Sein Stil ist – ähnlich wie jener von Hemingway – direkt und ohne Schnörkel. Insgesamt ist Caporetto – Das Hemingway-Komplott eine kurzweilige Lektüre, die – wie ich finde – nach einer Verfilmung schreit.

Horst Kleinert
Caporetto – Das Hemingway-Komplott
208 Seiten, 12,80 €
Thurm Verlag
ISBN: 978-3945216323

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