Das Portal zu Leben und Werk von Ernest Hemingway

Schlagwort: Hürtgen

Die Hölle von Hürtgen: Wie der Zweite Weltkrieg Ernest Hemingway desillusioniert

Hürtgenwald
Hürtgen ist ein blutiges Gemetzel, wo es Pferdescheiße satt zu essen gab. Foto: W. Stock, August 2026.

Im Hürtgenwald bekommt Ernest Hemingway Dutzende gefallene Soldaten zu Gesicht. Heranwachsende Kerle, so alt wie sein von der Wehrmacht inhaftierter Sohn Jack. Blutjunge Burschen, die ihr ganzes Leben vor sich gehabt hätten. Und nun liegen sie wie Eisblöcke auf dem Frostboden der Nordeifel. Entstellt, verstümmelt, gefroren. Tot in einem Krieg, mehr als 8.000 Kilometer fern der Heimat. Auf das schreckliche körperliche und mentale Leid vermag Ernest anfänglich nur mit Zynismus zu reagieren.

Wir bekamen viel Ersatz, aber ich dachte, es sei einfacher, sie dort, wo man sie auslud, zu erschießen, anstatt dass man später versuchen musste, sie von dort zurückzuholen, wo sie getötet worden waren.

Der Schriftsteller, der den Krieg bislang mit romantischer Verklärung betrachtet, gerät im Angesicht der brutalen Realität ins Wanken. Bis zu diesem Moment ist Ernest fest von der Existenz eines „guten Krieges“ überzeugt – von einem Kampf, der zwar hart, aber kurz, gerecht und von bedingungsloser Kameradschaft geprägt ist.

Die Schlacht in der Nordeifel bricht ganz und gar mit jedem seiner Idealbilder. Die schiere Wucht dieses endlosen Gemetzels hinterlässt bei ihm eine tief sitzende Abscheu vor den Absurditäten des Krieges. Die Kampfhandlungen um die Siegfried-Linie sind ein monatelanges Blutbad im frostigen Wald, nur um ein paar Quadratkilometer Bäume unter Kontrolle zu bringen. Hürtgen ist ein tiefblutiges Gemetzel, wo es Pferdescheiße satt zu essen gab, bis man schwer verwundet ist oder getötet wird oder verrückt.

Erst Mitte Januar 1945 gewinnen die US-Truppen merklich an Boden. In der Ardennenoffensive, von deutscher Seite als Entlastung angelegt, verliert die Wehrmacht zahlreiche Soldaten und schwere Geländefahrzeuge, die für die Unterstützung der Westfront fehlen. Den GIs gelingt es daraufhin, den Hürtgenwald zu durchqueren. Nach erneuten heftigen Kämpfen fällt die Ortschaft Schmidt Anfang Februar 1945 endgültig an die US-Truppen.

Im weiteren Verlauf brechen die Stellungen der Wehrmacht nacheinander ein, woraufhin den alliierten Kräften der Durchbruch bis kurz vor Schleiden gelingt. Am 4. Februar fällt die Urfttalsperre in amerikanische Hand. Die Schwammenauel-Talsperre, die große Rurtalsperre, wird sechs Tage später erreicht und eingenommen. Damit ist der deutsche Widerstand in diesem Abschnitt endgültig gebrochen.

Die erbitterten Kämpfe um den Westwall haben fast ein halbes Jahr gedauert, bis Februar 1945 wird in der Nordeifel gefochten. Acht Infanterie-Divisionen und zwei Panzer-Divisionen werden im Hürtgenwald aufgerieben. Die amerikanischen Truppen verlieren 24.000 Soldaten, auf deutscher Seite fallen 13.000 Wehrmachtsangehörige.

In der Nordeifel bleibt ein riesiges Trümmerfeld zurück. Jülich und Düren liegen in Schutt und Asche, ebenso wie die kleinen Dörfer in der Umgebung. In den Hürtgenwald haben sich Schneisen aus Brandbomben und Sprengkörpern eingekerbt, Tausende Tote sind zu bergen. In den USA hat sich die Schlacht im Hurtgen Forest viel stärker ins Bewusstsein gepresst als in Deutschland. Für die Amerikaner sind die Kämpfe im Hürtgenwald die längste und verlustreichste Schlacht auf deutschem Boden.

Fast einen ganzen Monat hat der Schriftsteller die Schlacht rund um Hürtgen im Winter 1944 beobachtet. Am 4. Dezember kehrt Ernest Hemingway, erschöpft und niedergedrückt, nach Paris zurück. Der 45-Jährige hat sich in der frostklirrenden Winterlandschaft der Eifel eine schwere Lungenentzündung eingefangen, dazu plagen ihn andauernde Kopfschmerzen.

Hemingway ist nach dem 4. Dezember nicht endgültig aus dem Kriegsgeschehen heraus. Am 17. Dezember 1944 fährt er nach Luxemburg, um über die Ardennenoffensive zu berichten. Doch er ist

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Salinger, Böll, Hemingway und der Hürtgenwald

The Catcher in The Rye, Jerome Salinger Meisterwerk. Zu Deutsch: Der Fänger im Roggen.

Jerome David Salinger wird in New York geboren, im Jahr 1919, als Spross einer jüdisch-litauischen Familie. Nach Schulabschluss und Militärdienst verdient er sich als Verfasser von Filmkritiken erste Meriten. Im Sommer 1941 dann der erste persönliche Tiefschlag: Er verliebt sich in die Tochter des Dramatikers Eugene O’Neill, durchlebt eine kurze Romanze mit dem Mädchen, doch Oona O’Neill verlässt den angehenden Autor und heiratet mit 18 Jahren den vierundfünfzigjährigen Charlie Chaplin.

Jerome D. Salinger schließt sich 1942 dem Counter Intelligence Corps an, dem militärischen Abwehrdienst der USA, und geht nach Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg nach Europa. Mit dem 12. Infanterieregiments nimmt er am 6. Juni 1944 an der Landung in der Normandie teil. Ernest Hemingway und Jerome David Salinger treffen sich im Herbst 1944 zum ersten Mal, in dem von den Nazis befreiten Paris. Sie verstehen sich gut, obwohl sie doch so grundverschieden sind. Etwas anderes eint sie: Beide Amerikaner kommen in den nächsten Wochen bis an die Front der Hürtgenwald-Schlacht, Salinger als Soldat, Hemingway als Kriegskorrespondent.

Nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht besucht Jerome Salinger das Konzentrationslager in Kaufering. Der Hürtgenwald ist schon schrecklich gewesen, doch was Salinger im Allgäu sieht, lässt sein Blut in den Adern gefrieren. Im Lager Kaufering IV sind kurz vor der Befreiung durch die Alliierten die invaliden Häftlinge bei lebendigem Leib verbrannt worden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitet Jerome Salinger, der gut Deutsch spricht, als Zivilist für eine Abteilung des US-Nachrichtendienstes in Gunzenhausen. Er heiratet die deutsche Ärztin Sylvia Welter, später siedelt das Ehepaar in die USA über.

In den Schützengräben des Hürtgenwaldes soll J. D. Salinger die ersten Kapitel seiner grandiosen Novelle The Catcher in the Rye geschrieben haben. Der Fänger im Roggen, ein Entwicklungsroman über das Erwachsenwerden, begründet Salingers Weltruf. In dieser Erzählung schildert der 16-jährige Protagonist Holden Caulfield die zwiespältige Gefühlslage der Jugend und den schwierigen Weg, das eigene Ich zu finden. Der erste Übersetzer der deutschen Ausgabe von The Catcher in the Rye ist kurioserweise Heinrich Böll, der bis zu seinem Tod in Langenbroich gewohnt hat, keine acht Kilometer vom Hürtgenwald entfernt. 

Ernest Hemingway, J. D. Salinger und Heinrich Böll – die Lebenslinien dieser drei Weltautoren schneiden sich im Hürtgenwald. Obwohl keiner der drei Großmeister einen Roman über den Hürtgenwald schreibt, verarbeiten sie die Erlebnisse in der Schlacht, jeder auf seine Weise. 

Der Haudegen Hemingway stürzt sich bekanntlich in jedes Getümmel, je lauter geballert wird, desto besser. Doch das Gemetzel im Hürtgenwald sprengt – selbst für Hartgesottene wie ihn – alle bisher erlebte Grausamkeit. Zuerst flüchtet der bärtige Amerikaner sich in seinen üblichen Sarkasmus und den gewohnten Zynismus. Doch was Ernest Hemingway in der Voreifel Ende 1944 gesehen hat, lässt sich nicht mehr wegdrücken. Mit dem Säbelrasseln ist er nach Hürtgen ein für alle Mal durch.

Heinrich Böll, der zwar nicht an der deutschen Westfreund kämpfen muss, sondern von der Wehrmacht zu Auslandseinsätzen abkommandiert wird, verzweifelt ebenfalls am Krieg. Über die Feldpost bittet er seine Eltern um Pervitin, unter Soldaten Panzerschokolade tituliert, denn nur mit dieser synthetisch hergestellten Droge lassen sich die Angstzustände und das Erschöpfungsgefühl im Krieg aushalten. Als Autor schreibt Heinrich Böll in den Adenauer-Jahren dann tapfer gegen Militarismus und Aufrüstung an, vielleicht ein wenig arglos, dennoch mit einem einnehmenden sympathischen katholischen Ethos. 

Der Horror und die Rohheit im Hürtgenwald, 37.000 Soldaten fallen auf beiden Seiten, lassen sich auch für den anderen Amerikaner nicht aushalten. Die Unbarmherzigkeit, die Jerome David Salinger in der Schnee-Eifel erlebt hat, führen bei ihm zu

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