An den Fersen von Ernest Hemingway

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Frei sein, wie ein kleiner Vogel

Auf der ‚Miss Texas‘: Ein barfüßiger Ernest Hemingway bereitet sich für den Angelstuhl und die Jagd auf den schwarzen Marlin vor. Cabo Blanco, im April 1956.

Am dritten Tag kommen die Filmleute aus Hollywood abermals mit auf den Pazifik. Aufnahmeleiter Allen Miner, die Kameramänner und Tontechniker Joe Barry, John Dany, William Classen und Stuart Higgs verteilen sich wiederum auf die Miss Texas und die Pescadores Dos. Aller guten Dinge sind drei, merkt Ernest Hemingway am Morgen voller Zuversicht in die Runde an.

Die Männer wollen sich auf der Jagd nach dem Schwarzmarlin, ebenso wie bei den Dreharbeiten, nicht ablenken lassen und deshalb hat der Schriftsteller auch an diesem Tag die Anordnung erlassen, dass keine Presse mit an Bord darf. Dabei wäre genau dies so sehr sein Wunsch gewesen, doch Manuel Jesús Orbegozo von der Tageszeitung La Crónica erhält nicht die Erlaubnis, mit auf Ernest Hemingways Boot zu kommen, auf die Miss Texas.

Der Mann aus der Hochlandregion von La Libertad jedoch lässt sich so schnell nicht abwimmeln, er ist ein gewiefter Reporter, der den Knaller seines Berufslebens nicht vermasseln will. Und so versucht der Journalist, es wenigstens auf das Schiff von Mrs. Hemingway zu schaffen, die an diesem Tag mit drei Filmleuten hinausfährt.

Am frühen Morgen des 18. April 1956 schleicht sich Manuel Jesús Orbegozo zur Landungsbrücke im Hafen. Dort schnappt er sich von der Tochter eines Fischers kurzerhand zwei Kühltaschen mit Vorräten und klettert frech an Bord der Pescadores Dos, so als sei er Teil des Teams. Auf dem Boot versteckt der La Crónica-Reporter sich dann in der winzigen Toilette. Eine halbe Stunde nach Auslaufen kommt Orbegozo aus dem WC und der urplötzliche Auftritt des blinden Passagiers löst auf dem kleinen Schiff sogleich eine gehörige Unruhe aus.

Kleinlaut erklärt der Journalist, zu Mary Welsh gewandt, dass er nichts Böses im Schilde führe. „Was würden Sie machen, gnädige Frau, wenn Ihr Vorgesetzter Ihnen die Anweisung gibt, einen Tag mit Ernest Hemingway auf dem Meer zu verbringen?“, versucht der Zeitungsmann ein paar Mitleidspunkte zu machen.

Miss Mary zeigt sich gnädig gestimmt. Ernest Hemingways Ehefrau, an Deck mit einem breiten sombrero aus Catacaos gegen die gleißende Sonne geschützt, erkennt Manuel Jesús Orbegozo als einen der Redakteure vom Flughafen. Mary Welsh hat selber lange als Journalistin gearbeitet, sie kennt den Druck, und so darf der Reporter zumindest an diesem Tag an Bord verbleiben.

Gegen 10 Uhr 30 gibt Ernest Hemingway von der Miss Texas aus ein Zeichen, dass endlich ein Fisch angebissen hat. Die Pescadores Dos nähert sich Hemingways Boot und die Kameramänner Joe Barry, William Classen und Stu Higgs bringen ihre schweren Handapparate in Stellung. Doch Fehlalarm. Als Gregorio Fuentes die Angelschnur zieht, kommt lediglich ein Tintenfisch zum Vorschein. Eine Stunde später gibt es erneut blinden Alarm. Und von Neuem ist die Enttäuschung riesengroß.

Der Journalist Manuel Jesús Orbegozo auf der Pescadores Dos nutzt die Gelegenheit, einige Sätze mit Mrs. Hemingway auf Englisch zu wechseln. Wie sich das Paar kennengelernt habe, fragt der Reporter neugierig. In London, bekommt er zur Antwort, als Ernest und ich Korrespondenten im Krieg gewesen sind. Es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Aber, fügt Mary schnell an, weil sie ahnt, welche Nachfrage jetzt kommen wird, ich habe einen Mann geheiratet, den ich liebe, und nicht einen Schriftsteller, den ich bewundere.

„Schön ist das Meer hier“, meint Mary Welsh ausgelassen zu Orbegozo. Und Miss Mary, einmal in Fahrt, plaudert munter drauf los aus dem Alltag des Ehepaares. Sie erzählt von London, von Kuba und der Finca Vigía, von Afrika, von den beiden Unfällen, die Ernest um Haaresbreite das Leben gekostet hätten. Die Folgeerscheinungen der Flugzeugunglücke, so sagt sie, machen ihrem Ehemann noch immer zu schaffen.

Der Nobelpreis? Mary Welsh wirkt bei diesem Stichwort leicht verschnupft. Ernest, meint sie spitz, ist stets so großzügig. Von den 36.000 Dollar hat er unserem Chauffeur Juan und den anderen Bediensteten auf der Finca Vigía zehn Monatsgehälter als Gratifikation gezahlt. Und mir wollte er ein Jagdgewehr in Paris kaufen, nun ja, aber dann hat er mir einen Scheck über zweitausend Dollar ausgestellt. (Anfang von Kapitel 13 der Neuerscheinung Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Eine weitere Leseprobe: hier klicken)

Mit der Hand den Himmel berühren

An der Bar des ‚Fishing Clubs‘ plaudert Ernest Hemingway, ein Glas Whiskey in der Hand, über Gott und die Welt. In der Hauptsache über seine Welt. Cabo Blanco, im April 1956.

Nach dem Abendessen kommt für Ernest Hemingway die Zeit, in der er sich mit Freunden an die kleine Bartheke des Cabo Blanco Fishing Clubs zurückzieht. Der berühmte Schriftsteller, diesmal sind die drei Reporter aus Lima dabei, trinkt fröhlich in die Nacht hinein und plaudert über alles, was einem Mann so auf der Seele liegt. Mario Saavedra, der Redakteur des braven El Comercio, versucht, beim Saufgelage an der Bar einigermaßen mitzuhalten. Gegen Ernesto jedoch scheint in dieser Disziplin kein Ankommen. Nach dem dritten Whiskey sieht der schlanke Peruaner zischende Sternchen und schlingert auf den Beinen, während der bärtige Amerikaner neben der Theke steht wie ein Eichenbaum.

Der junge Redakteur aus Lima hört dem Nobelpreisträger aufmerksam zu. Denn er möchte herausfinden, nicht nur für seine Leser, sondern auch für sich, was einen erstklassigen Schreiber ausmacht. Wisst ihr, sagt Ernest Hemingway, ich glaube nicht an eine Zauberkraft des Schreibens oder so ein Zeugs. Entweder hast du es drin in dir oder du hast es nicht. Einmal war ich in Madrid da drin so voll – und der Autor schlägt zweimal kräftig mit geballter Faust auf seinen Brustkorb -, da schrieb ich The Killers und zwei andere Kurzgeschichten an nur einem Tag.

Die Runde an der Bar fabuliert über den Journalismus. Als Erster erhält Manuel Jesús Orbegozo, der Redakteur von La Crónica, einen stilistischen Ratschlag: Schreib keinen Absatz mit mehr als 25 Wörtern, meint der Schriftsteller. Das sei der beste Tipp, den er in der Redaktion des Kansas City Star als Anfänger bekommen habe. Und Ernest Hemingway erzählt von seinen ersten Schritten als Journalist.

Wie er direkt nach der Oak Park High School im Jahr 1917 als Achtzehnjähriger auf Vermittlung eines Onkels eine Laufbahn als Lokalreporter bei der Tageszeitung in Kansas City begonnen hat, wo er dann sechs Monate geblieben ist. Kurze Sätze, Leute, kurze Sätze. Nur in der Genauigkeit liegt die Wahrheit. Geht achtsam mit der Sprache um, verkneift euch all die Schlenker und Abstecher.

Beim Kansas City Star hat man den Novizen am ersten Arbeitstag ein Style Book in die Hand gedrückt. Dies sei kein Stil-Buch gewesen, sondern ein bedrucktes Blatt Papier, auf dem die eisernen Regeln gestanden haben, wie man bei der Tageszeitung die Texte zu formulieren hat. Im ersten Abschnitt ist zu lesen: Schreibe ein kräftiges Englisch! Dann: Sei positiv, nicht negativ! Und: Lasse alles Überflüssige weg! Das war keine schlechte Schule, erklärt der Nobelpreisträger, es sei eine ausgezeichnete Anleitung gewesen, um sich einen guten Schreibstil anzueignen.

Sprachliche Knappheit, das ist wie eine blutige Revolution, sagt er zu den peruanischen Journalisten, denn das Unnütze muss abgesäbelt werden. Schreibt Sätze, als ob man sie Euch auf den Arsch tätowieren würde. Die Redakteure in Cabo Blanco schauen sich ungläubig an bei diesem deftigen Vergleich. Dann, ergänzt Hemingway, werden die Sätze kurz und kommen auf den Punkt.

Die einfachen Regeln, die dem unerfahrenen Reporter beim Kansas City Star eingebläut werden, dienen fortan als Grundierung von Hemingways Texten. Im Dezember 1921 siedelt Ernest mit Ehefrau Hadley nach Paris über, für sechs Jahre. Hier kommt der US-Amerikaner mit französischen Literaten in Berührung, die bei ihm einen tiefen Eindruck hinterlassen. Vor allem fasziniert ihn Charles Baudelaires Les Fleurs du Mal und Marcel Prousts mit seinem Großroman À la recherche du temps perdu. Die filigrane Kunstfertigkeit der französischen Prosa und Lyrik bestärkt ihn in der Wichtigkeit des le mot juste, des richtigen und treffenden Wortes.

In dem literarischen Salon von Gertrude Stein in der Rue de Fleurus 27 und unter dem Einfluss besonders von Sherwood Anderson und des britischen Romanciers Ford Madox Ford perfektioniert der wissbegierige Kerl aus den Vereinigten Staaten seinen journalistischen Romanstil. Vor allen Dingen vervollkommnet er in Paris den hochraffinierten Effekt seiner Handwerkskunst: Ernest Hemingways Wörter und Sätze klingen eingängig und nahezu harmlos, die tiefere Bedeutung hinter dem Geschriebenen erweist sich jedoch als komplex und vielschichtig. (Anfang von Kapitel 12 der Neuerscheinung Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Eine weitere Leseprobe: hier klicken)

Para el frio, gegen die Kälte

Der peruanische Maat Máximo Jacinto Fiestas präpariert für Ernest Hemingway den Köder. Cabo Blanco, im April 1956.

Hola Chico, begrüßt ein bestens gelaunter Ernest Hemingway den Kapitän der Miss Texas. Und Jesús Ruiz More aus Cabo Blanco antwortet: Buenos dias, Don Ernesto. Der capitán de barco sagt Don Ernesto, denn er traut sich nicht, ihn nur mit Ernesto anzusprechen, da ist zu viel Respekt. Ernest Hemingway mag diese Titulierung, wie er durchweg angetan ist von der spanischen Sprache mit ihren höflichen Anreden. So wie bei Don und Doña, eine Annäherung mit feinen Nuancen und zarten Unterschieden. Mein verehrter Herr Ernest, solch eine stilvolle Respektbekundung wie Don Ernesto lässt sich in anderen Sprachen nicht so recht abbilden.

Der Nobelpreisträger platzt vor Zuversicht an diesem Morgen. Heute werden wir unseren Marlin fangen, sagt der Schriftsteller selbstbewusst, koste es, was es wolle. Sicher, Don Ernesto, erwidert der Kapitän Ruiz More, ganz sicher werden wir ihn heute fangen. Jesús Ruiz More ist ein untersetzter, dicklicher Mann mit einem weißen Hemd und einer viel zu weiten Hose. Mitten in seinem Gesicht klebt die breiteste Ray Ban-Sonnenbrille von ganz Peru. Sein lautes Lachen ist weithin zu hören, die Fröhlichkeit des Peruaners wirkt ansteckend auf seine Umgebung. Während die meisten Männer auf der Miss Texas eine Baumwollkappe als Schutz vor den beißenden Sonnenstrahlen tragen, erkennt man Jesús Ruiz More auf Anhieb an seiner überdimensionierten Kapitänsmütze.

Como están ustedes?, begrüßt der aufgekratzte Nobelpreisträger die Crew in gutem Spanisch. Wie geht es Euch? Die gesamte peruanische Bordmannschaft erhält vom berühmten Schriftsteller einen Handshake oder zumindest einen aufmunternden Klaps auf die Schulter. Die Besatzung der Miss Texas besteht neben dem Kapitän Jesús Ruiz More aus den beiden Einheimischen Máximo Jacinto Fiestas und Miguel Custodio, einem Fischer mit ausgeleiertem Strohhut.

An Ernest Hemingways zweitem Tag in Cabo Blanco, der Kalender zeigt den 17. April 1956, legt die Miss Texas morgens um neun Uhr im Hafen ab. Die robusten Boote des Fishing Clubs erweisen sich als schnell und bringen die Truppe flott hinaus auf hohe See. Der Nobelpreisträger ist von der Schroffheit des Pazifiks überrascht, frische Winde und zahlreiche Wasserverwirbelungen sorgen für erheblichen Wellengang und unruhiges Fahrwasser. Der Große Ozean vor Cabo Blanco hat so nichts gemein mit dem Meer, das er auf der Pilar vor Kuba gewöhnt ist. Im warmen Golfstrom bleibt das Wasser meist ruhig und die Ausfahrten sind beschaulich.

Während Ernest Hemingway und seine Freunde auf der Miss Texas hinaus fahren, weilt Mary Welsh auf der Pescadores Dos, einem Klubboot, das unter dem Kommando des einheimischen Schiffsführers Rufino Tume steht. Die Pescadores Dos ist ein neues Motorboot des Cabo Blanco Fishing Clubs, es wird weniger für das Sportangeln genutzt, sondern dient mehr dem Sightseeing und für Exkursionen zur Beobachtung von Walen oder Delphinen. Die Pescadores Dos besitzt eine geräumige Kabine mit sechs Bullaugen, eine Kombüse, draußen einen breiten Sonnenschutz, der das Heck vollständig abdeckt. Der lange Vordermast, den man ohne Anstrengung auf halbe Höhe hochklettern kann, ermöglicht eine meilenweite Sicht über das Wasser. Die ganz Verwegenen hangeln sich auf der modernen Yacht bis an die Spitze des Mastbaumes.

Die Miss Texas und die Pescadores Dos fahren stets gemeinsam aufs offene Meer, meist in einem Abstand von wenigen hundert Metern und die Kapitäne beider Yachten sind bemüht, einander in Sichtweite zu halten. Denn das Filmmaterial soll abstimmt werden, auch wenn es aus unterschiedlicher Perspektive aufgenommen wird. Allzu weit fahren die zwei Fischerboote nicht hinaus, selbst unter normalen Wetterbedingungen und bei stillem Seegang bewegt man sich nicht mehr als zwanzig Meilen von der Küste weg.

Rufino Tume aus Cabo Blanco ist ein ausgelassener und immer zu einem Scherz aufgelegter Zeitgenosse, der sich in jungen Jahren zum Bootskapitän emporgearbeitet hat. Der 25-jährige Peruaner genießt die Ausfahrt mit Miss Mary und kann nur Positives berichten. Eine höfliche Person, urteilt Rufino Tume über die Ehefrau des Schriftstellers, sie hat sich überaus freundlich um die Crew gekümmert und um den Proviant. „Manchmal hat sie für uns in der Kombüse gekocht.“  (Anfang von Kapitel 11 der Neuerscheinung Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Eine weitere Leseprobe: hier klicken)

Ich werde Eure Tränen trinken

Ernest Hemingway schärft an Bord der ‚Miss Texas‘ seinen Blick für die Jagd nach dem schwarzen Marlin. Cabo Blanco, im April 1956.

An seinem zweiten Tag in Cabo Blanco erwacht Ernest Hemingway nach einer kurzen Nacht mit dem ersten Morgenlicht. Im Gemeinschaftsraum des Fishing Clubs trifft er auf Gregorio Fuentes, den kubanischen Kapitän seiner Yacht Pilar, der wie eh und je als Allererster auf den Beinen steht. Noch vor dem Frühstück zündet sich der hagere Skipper aus Cojímar eine lange Gloria Cubana an. Der Autor, der dem Rauchen wegen seiner empfindlichen Geschmacksnerven nichts abgewinnen kann, schaut dem Tagesauftakt seines Freundes amüsiert zu.

Nachdem auch Miss Mary aufgestanden ist, frühstückt das Ehepaar gut und kräftig, jeder zwei Spiegeleier, Toast mit Butter, dazu viel schwarzer Kaffee. Ohne Zucker, darauf achtet Mary, denn ihr Ehemann plagt sich seit Jahren mit einem leichten, aber hartnäckigen Diabetes herum. Der Schriftsteller wirft während des Frühstücks einen Blick in die Tageszeitungen, die im abgelegenen Klub nur vom Vortag ausliegen. Zuerst schnappt der Amerikaner sich El Comercio aus Lima und überfliegt die Seiten. Aus Miami werden ab und an mit der Panagra die New York Times und der Miami Herald mitgebracht.

Mittlerweile hat sich Ernest Hemingway im Cabo Blanco Fishing Club umsehen können. Ihm gefällt das entlegene Klubhotel, das durch und durch auf die Großfisch-Jagd ausgerichtet ist. Sicherlich fehlt der in den USA gewohnte Luxus, doch der Nobelpreisträger steht nicht auf stilistische Schaumschlägerei, sondern zieht – wie auf Finca Vigía – die karibische Ungezwungenheit vor. Von Prunk und Protz ist im Klubhaus am peruanischen Meer in der Tat wenig zu spüren. Das einzig Luxuriöse im Fishing Club sei die Bar gewesen, witzelt Mario Saavedra über das riesige Anwesen, und die ausgezeichnete Küche sollte man ebenfalls nicht vergessen.

Im Gemeinschaftsraum des Cabo Blanco Fishing Clubs betrachtet der Schriftsteller nach dem Frühstück die Stecktafel mit den Angelrekorden. Thousand Pound Club, der Klub der 1.000 Pfünder, steht dort als Überschrift in Englisch. Hinter einer dünnen Glasscheibe werden mit gesteckten weißen Lettern auf der schwarzen Pinnwand die Namen und die Rekorde chronologisch nach Jahren vermerkt. 1.000 Pfund Gewicht – so hoch liegt die Hürde des Ruhms. Auf dieser Tafel lässt sich die Liste jener Angler nachlesen, denen es in der Geschichte des Fishing Clubs gelungen ist, einen Marlin von mindestens 1.000 Pfund Gewicht zu fangen.

Unter dem Datum 4. April 1952 wird die erste Notiz auf der Siegertabelle geführt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Unternehmung auf dem Papier durch Enrique Pardo Heeren frisch begründet. Einen Monat zuvor, im März 1952, ist die Cabo Blanco Fishing Club S. A. als Aktiengesellschaft im Registro Mercantil de Lima, im peruanischen Handelsregister, eingetragen worden, mit einem Grundkapital von 100.000 Dollar. Firmenzweck: Dedicarse a fomentar la pesca amateur en todos sus aspectos. Tätigkeit zur Förderung des Amateur-Angelns in all seinen Ausprägungen.

Anfangs musste man die Sportangler in einem Hotel in Talara oder bei der International Petroleum unterbringen und jeden Tag die 45 Kilometer nach Cabo Blanco hin und her transportieren. Ab Januar 1953 existierte dann eine provisorische Unterkunft am jetzigen Standort, ein bescheidener Behelfsbau mit fünf Zimmern und zehn Betten. Erst als das glanzvolle Klubhaus im März 1954 fertiggestellt wird, können alle Sportangler unmittelbar sich in Cabo Blanco aufhalten.

Es ist der Texaner Alfred C. Glassell, der auf der Rekordtafel ganz oben steht, 1.025 libras. 1.025 Pfund. Gefangen am 4. April 1952. Auch Kip Farrington findet man auf der schwarzen Tafel, ebenso wie Enrique Pardo Heeren, Ted Bates oder den legendären H. L. Woodward. Pro Jahr werden etwa zwei Dutzend Rekordfänge verbucht. Die zahlreichen Männer und die vier Frauen auf der Liste des Thousand Pound Clubs zählen in Cabo Blanco als die Besten der Besten. Von der Leitung des Fishing Clubs erhalten diese Champions einen Anstecker in 14-karätigem Perugold mit der Gravur 1.000 LB – Black Marlin Club, mit einem silbernen Marlin vor goldenem Hintergrund.

Das angebrochene Jahr 1956 verzeichnet bereits 33 erlegte Marline und fügt die stolzen Bezwinger zur Liste des Thousand Pound Clubs hinzu. Ernest Hemingway steht neben der Stecktafel, begutachtet sie neugierig, sein Blick geht die Rekordzahlen rauf und runter. Und prompt wird der Ehrgeiz dieses Naturburschen geweckt, die Messlatte ist gelegt für ihn. Sein Wunsch ist, ebenfalls auf dieser Tafel verewigt zu werden.  (Anfang von Kapitel 10 der Neuerscheinung Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru. Eine weitere Leseprobe: hier klicken)

Novedad: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru

El 15 de abril de 1956, Ernest Hemingway y su esposa Mary Welsh parten desde su residencia cubana cerca de La Habana en un viaje de varias semanas a Cabo Blanco. En este pueblecito pesquero peruano van a rodarse algunas escenas de la película El viejo y el mar, basada en su novela homónima.

Casi todos los días, el barbudo norteamericano sale con unos amigos a pescar al Pacífico. ¿Por qué Ernest Hemingway está tan obsesionado por atrapar un marlín negro en la costa peruana? Este animal más grande que el ser humano puede doblegar con su propia fuerza.

La vida de Ernest Hemingway está documentada hasta el último de sus rincones, pero se sabe muy poco sobre los 36 días que el escritor pasó en el Perú. Sesenta años después de la visita del premio Nobel, Wolfgang Stock sigue el rastro de la expedición. Además de hallar numerosos indicios, como documentos y fotografías, el periodista alemán entrevistó a octogenarios que todavía recuerdan a Ernesto con tanta viveza como si lo hubieran visto ayer.

Wolfgang Stock desempolvó algunos archivos, contactó con escritores, buscó información en artículos de periódicos y revistas, fotografías y otras fuentes. También visitó con el ojo clínico de un investigador los lugares por los que pasó el escritor en el Perú, en Cuba, en Estados Unidos y en Europa.

Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru reconstruye el viaje de un simpático aventurero, con sus sueños y sus esperanzas. Pero también retrata la imagen de un hombre envejecido y cada vez más vencido por sus miedos y contradicciones.

Viajando por un Perú fascinante de la mano de Ernest Hemingway, acompañado de los pescadores locales y los reporteros insistentes, tal vez sea posible acercarse un poco a la fascinación y al secreto de este rey de la literatura moderna.

Wolfgang Stock
Cabo Blanco
Mit Ernest Hemingway in Peru
364 páginas, BoD
12,99 € (tapa blanda), 6,99 € (libro electrónico)
ISBN: 9783751972567
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New: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru

On April 15, 1956, Ernest Hemingway and his wife Mary set off from their home near Havana on a five-week trip to Cabo Blanco. The offshore filming for the Hollywood motion picture The Old Man and the Sea was to take place near this Peruvian fishing village. Almost every day Hemingway went out marlin fishing on the Pacific with friends.

Why was the author so eager to catch a marlin off the coast of Peru? Perhaps because this is the largest animal that humans can conquer with their own strength.

Ernest Hemingway’s life has been examined in great detail. Very little, though, is known about those days in Cabo Blanco. More than 60 years after the Nobel Prize winner’s visit to Peru, the German journalist Wolfgang Stock retraced Hemingway’s steps.

Stock searched through dusty archives, tracked down old newspaper articles and photos, but also found witnesses who remember Ernesto as vividly as if they had just met.

Determined to discover every detail of Hemingway’s stay in Cabo Blanco, Stock travelled to Peru, Cuba, the USA and around Europe. The result, in clear and concise language, is an account of Ernest Hemingway’s weeks in Cabo Blanco as well as a retrospective assessment of his frame of mind.

Hemingway was, at this time, still the big-hearted adventurer with hopes and dreams, but also a man no longer in the prime of life and increasingly crushed by fears and contradictions. In Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru we see him through the eyes of both local fishermen and savvy reporters and are given the chance to decode the fascination and the secrets of this literary giant just a little more.

Wolfgang Stock
Cabo Blanco
Mit Ernest Hemingway in Peru
364 pages, BoD
12,99 € (Paperback), 6,99 € (E-Book)
ISBN: 9783751972567
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Neu: Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru

Am 15. April 1956 brechen Ernest Hemingway und seine Ehefrau Mary von ihrem Wohnsitz nahe Havanna auf zu einer mehrwöchigen Reise nach Cabo Blanco. In dem abgelegenen peruanischen Fischerdorf sollen die Außenaufnahmen zur Hollywood-Verfilmung von Der alte Mann und das Meer stattfinden.

Fast jeden Tag, von früh bis spät, wird der bärtige US-Amerikaner mit einigen guten Freunden hinaus auf den Pazifik fahren. Warum ist Ernest Hemingway so versessen darauf, in Peru einen schwarzen Marlin zu fangen? Dieses größte Lebewesen, das der Mensch mit eigener Kraft zur Strecke bringen kann.

Auch wenn Ernest Hemingways Leben bis in kleinste Winkel ausgeleuchtet ist, so weiß man über seine 36 Tage in Peru recht wenig. Gut 60 Jahre nach dem Besuch des Nobelpreisträgers ist der deutsche Journalist Wolfgang Stock der Expedition nachgereist. Neben zahlreichen Dokumenten, Fotos und Spuren findet er Zeitzeugen, die sich so lebhaft an Ernesto erinnern, als sei er gestern um die Ecke gebogen.

Zusätzlich hat Wolfgang Stock Archive entstaubt, Kontakte aufgebaut, nach Zeitungsartikeln, Fotos und sonstigen Informationen gesucht. Er hat Schauplätze in Peru, auf Kuba, in den USA und in Europa sorgfältig in Augenschein genommen. Ernest Hemingways fünf Wochen in Cabo Blanco und die Seitenblicke sollen anschaulich und detailgenau in diese literarische Entdeckungsreise einfließen.

Das Buch Cabo Blanco – Mit Ernest Hemingway in Peru rekonstruiert den Aufenthalt eines sympathischen Abenteurers mit Träumen und Hoffnungen. Es zeichnet aber auch das Bild eines gealterten Mannes, der mehr und mehr zerrieben wird von seinen Ängsten und Widersprüchen.

Buch-Neuerscheinung

Wolfgang Stock
Cabo Blanco
Mit Ernest Hemingway in Peru

364 Seiten, BoD
12,99 € (Paperback), 6,99 € (E-Book)
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Der König in seinem Garten

Ernest Hemingways einsame Helden drücken das Lebensgefühl vieler Menschen im seelischen Daseinskampf aus, wo auch immer auf diesem weiten Globus.

In der gehetzten Großstadt oder bei der Konversation im intellektuellen Zirkel fühlt sich dieser Naturbursche nicht wohl. Nahe dem Meer hingegen findet er den Balsam für seine Seele, mitten unter bescheidenen Fischern, zünftigen Schankwirten und bodenständigen Handwerkern. Am Golf von Mexiko, vor Key West, auf den Bahamas. Hauptsache irgendwo nahe dem Ozean, dort wirkt dieser kernige Mann ausgeglichen und bei sich.

Das Meer hat es ihm seit jeher angetan, am Meer sucht Ernest Hemingway nach den Antworten auf seine Fragen an die Existenz. Er grübelt nach über die großen Themen seiner Welt: Über die Lust am Leben, über die wahre Liebe und hier macht er sich seine Gedanken über das Sterben. All dies sind die Fragen, die jedes Individuum umtreiben. Auch dieser Umstand mag erklären, warum dieser Nobelpreisträger solch tiefe Spuren hinterlassen hat, während man sich an die Namen anderer Nobelkollegen jener Jahre kaum mehr erinnern kann.

Dieser Schriftsteller ist nicht unbedingt ein Schreiber für die gebildete Hautevolee. Ernest Hemingway mag die einfachen Menschen, das ist unüblich in diesem distinguierten Gewerbe, und die einfachen Menschen mögen ihn. Wie ist die wechselseitige Nähe dieses Literaten zum gemeinen Volk zu erklären? Wohl zu allererst weil Ernest Hemingway seine Helden nahe der Wirklichkeit laufen lässt. Seine Plots wirken nicht konstruiert, dieser Autor greift voll hinein ins Leben, er holt den Leser ab in seiner Welt.

Die Gefühle von Hemingways Helden sind dem Leser nicht fremd, denn es ist das tatsächliche, das wirkliche Leben, über das hier geschrieben wird. Die Suche nach Liebe und Anerkennung, das Aufplustern vor der Bedrohung, der Kampf gegen mächtige Gegner, die Selbsttäuschung vom Sieg und dann doch wieder die Pleite. Es ist diesem Ernest Hemingway wie keinem anderen gelungen, den Zwiespalt der menschlichen Existenz zu erkennen und verständlich zwischen zwei Buchdeckel zu bringen.

Er schreibt über die hehren Ideale der Jugend und die kleinen und großen Wünsche an das Leben, vor allem über die Gier nach Liebe und das Verlangen nach Würde. Dieser Schriftsteller ist fasziniert vom Menschen und die Menschen von ihm. Das macht den Unterschied zu anderen aus, auch mit seiner Lebensgeschichte hat uns dieser Erzähler gepackt. Deshalb hat man ihn verstanden, nicht nur der Literaturprofessor, sondern auch Menschen wie du und ich. 

Ein Leser, der sich auf Ernest Hemingway einlässt, der spürt nach einer Weile, dass sich hinter der rauen Fassade des Boxers und Trunkenboldes, des Schwerenöters und Hasardeurs ein feinfühliger Schreiber allererster Güte verbirgt. Diese Mischung aus rabaukenhafter Oberfläche und humaner Tiefe spricht

Salinger, Böll, Hemingway und der Hürtgenwald

The Catcher in The Rye, Jerome Salinger Meisterwerk. Zu Deutsch: Der Fänger im Roggen.

Jerome David Salinger wird in New York geboren, im Jahr 1919, als Spross einer jüdisch-litauischen Familie. Nach Schulabschluss und Militärdienst verdient er sich als Verfasser von Filmkritiken erste Meriten. Im Sommer 1941 dann der erste persönliche Tiefschlag: Er verliebt sich in die Tochter des Dramatikers Eugene O’Neill, durchlebt eine kurze Romanze mit dem Mädchen, doch Oona O’Neill verlässt den angehenden Autor und heiratet mit 18 Jahren den vierundfünfzigjährigen Charlie Chaplin.

Jerome D. Salinger schließt sich 1942 dem Counter Intelligence Corps an, dem militärischen Abwehrdienst der USA, und geht nach Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg nach Europa. Mit dem 12. Infanterieregiments nimmt er am 6. Juni 1944 an der Landung in der Normandie teil. Ernest Hemingway und Jerome David Salinger treffen sich im Herbst 1944 zum ersten Mal, in dem von den Nazis befreiten Paris. Sie verstehen sich gut, obwohl sie doch so grundverschieden sind. Etwas anderes eint sie: Beide Amerikaner kommen in den nächsten Wochen bis an die Front der Hürtgenwald-Schlacht, Salinger als Soldat, Hemingway als Kriegskorrespondent.

Nach der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht besucht Jerome Salinger das Konzentrationslager in Kaufering. Der Hürtgenwald ist schon schrecklich gewesen, doch was Salinger im Allgäu sieht, lässt sein Blut in den Adern gefrieren. Im Lager Kaufering IV sind kurz vor der Befreiung durch die Alliierten die invaliden Häftlinge bei lebendigem Leib verbrannt worden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitet Jerome Salinger, der gut Deutsch spricht, als Zivilist für eine Abteilung des US-Nachrichtendienstes in Gunzenhausen. Er heiratet die deutsche Ärztin Sylvia Welter, später siedelt das Ehepaar in die USA über.

In den Schützengräben des Hürtgenwaldes soll J. D. Salinger die ersten Kapitel seiner grandiosen Novelle The Catcher in the Rye geschrieben haben. Der Fänger im Roggen, ein Entwicklungsroman über das Erwachsenwerden, begründet Salingers Weltruf. In dieser Erzählung schildert der 16-jährige Protagonist Holden Caulfield die zwiespältige Gefühlslage der Jugend und den schwierigen Weg, das eigene Ich zu finden. Der erste Übersetzer der deutschen Ausgabe von The Catcher in the Rye ist kurioserweise Heinrich Böll, der bis zu seinem Tod in Langenbroich gewohnt hat, keine acht Kilometer vom Hürtgenwald entfernt. 

Ernest Hemingway, J. D. Salinger und Heinrich Böll – die Lebenslinien dieser drei Weltautoren schneiden sich im Hürtgenwald. Obwohl keiner der drei Großmeister einen Roman über den Hürtgenwald schreibt, verarbeiten sie die Erlebnisse in der Schlacht, jeder auf seine Weise. 

Der Haudegen Hemingway stürzt sich bekanntlich in jedes Getümmel, je lauter geballert wird, desto besser. Doch das Gemetzel im Hürtgenwald sprengt – selbst für Hartgesottene wie ihn – alle bisher erlebte Grausamkeit. Zuerst flüchtet der bärtige Amerikaner sich in seinen üblichen Sarkasmus und den gewohnten Zynismus. Doch was Ernest Hemingway in der Voreifel Ende 1944 gesehen hat, lässt sich nicht mehr wegdrücken. Mit dem Säbelrasseln ist er nach Hürtgen ein für alle Mal durch.

Heinrich Böll, der zwar nicht an der deutschen Westfreund kämpfen muss, sondern von der Wehrmacht zu Auslandseinsätzen abkommandiert wird, verzweifelt ebenfalls am Krieg. Über die Feldpost bittet er seine Eltern um Pervitin, unter Soldaten Panzerschokolade tituliert, denn nur mit dieser synthetisch hergestellten Droge lassen sich die Angstzustände und das Erschöpfungsgefühl im Krieg aushalten. Als Autor schreibt Heinrich Böll in den Adenauer-Jahren dann tapfer gegen Militarismus und Aufrüstung an, vielleicht ein wenig arglos, dennoch mit einem einnehmenden sympathischen katholischen Ethos. 

Der Horror und die Rohheit im Hürtgenwald, 37.000 Soldaten fallen auf beiden Seiten, lassen sich auch für den anderen Amerikaner nicht aushalten. Die Unbarmherzigkeit, die Jerome David Salinger in der Schnee-Eifel erlebt hat, führen bei ihm zu

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