Auf den Fersen von Ernest Hemingway

Schlagwort: Jack Kerouac

Ernest Hemingways bezaubernde Perlenkette

The Paris Review, Summer 1968

Hemingway was fascinating, the pearls of words on a white page giving you an exact picture…
Jack Kerouac,
The Paris Review,
Summer 1968

Hemingway war bezaubernd. Diese Perlenkette aus Wörtern auf dem weißen Blatt Papier, die dir ein so genaues Bild ermöglichten…
Jack Kerouac,
The Paris Review,
Sommer 1968

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Jack Kerouac: Ernest Hemingway holt vor Schmerz Luft

Jack Kerouac, Desolation Angels, 1964

Manchmal sah ich nachts meine arme Mutter im Schlaf an, die dort in der amerikanischen Nacht grausam ans Kreuz genagelt war, weil es kein Geld gab, keine Hoffnung auf Geld, keine Familie, kein nichts, nur ich selbst, der dumme Sohn mit Hoffnungen, alles zusammengepresst zu einer schlussendlichen Düsterwelt. Mein Gott, wie recht Hemingway doch hatte, als er sagte, es gebe kein Heilmittel für das Leben – und daran zu denken, dass kleine Zettel-Spießer herablassende Nachrufe über einen Mann schreiben würden, der die Wahrheit sagte, nein, der vor Schmerzen Luft holte, um solch eine Geschichte zu erzählen! 

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Ernest Hemingway, Jack Kerouac und das magische Land am Ende der Strasse

Jack Kerouac: On the Road. Ein Geniestreich aus dem Jahr 1957.

Mit ein wenig Nonchalance kann man sich Jack Kerouac als rebellischen Erbsohn des Ernest Hemingway vorstellen, literarisch zumindest. Von Jack Kerouac – er wird am 12. März 1922 in Lowell, in Massachusetts, geboren und ist damit 22 Jahre jünger als Ernest Hemingway – gibt es ein wahnsinniges Buch. On the Road, zu Deutsch Unterwegs, ist ein nachhallender Donnerschlag und so etwas wie die heilige Schrift der Beat Generation.

On the Road, das Werk erscheint erstmals im Jahr 1957, verkörpert den Protest der Jungen gegen die brave Welt der Eltern. Eine neue Generation, kopflos herumirrend, begehrt auf gegen die satte Spießigkeit der Mittelschicht, sie ist auf der Suche nach Sinn und einem neuen Lebensgefühl. Rock ’n‘ Roll, James Dean, die Hippies, der Bebop, sie alle werden im Laufe der Jahre zu den Identifikatoren des Protestes der Halbstarken gegen den biederen Alltag der Alten.

Allerdings finden sich in On the Road auch anerkennende Rückbesinnungen auf’s Althergebrachte und allerlei Anker-Begegnungen, beim Jazz, der Philosophie und in der Literatur. Natürlich kriegt Ernest Hemingway seinen Passus, wie sollte es anders sein? Hast Du Green Hills of Africa gelesen?, fragt Major in Denver seinen Freund Sal, es ist das Beste von Hemingway. Auf der Suche zu sich, zu den Werten und zur Identität spielt Ernest Hemingway für Jack Kerouac eine bedeutsame Rolle. Die eines gütigen Ahnvaters.

Der Erzähler Sal Paradise – der Protagonist mit dem verräterischen Namen ist das Alter Ego von Kerouac – und sein Freund Dean reisen durch die Vereinigten Staaten. Die zwei Freunde trampen, sie kapern Güterzüge, sie klauen Autos, es geht die USA rauf und runter, kreuz und quer. Ohne Ziel und ohne Plan. Am bitteren Ende jeder Reise bleibt nach der Rückkehr die Leere, die vergebliche Suche nach dem Ich, nach einem Platz in der Gesellschaft, nach den eigenen Idealen und Werten, die sich doch von denen der Eltern-Generation unterscheiden müssen. 

Die Freunde wohnen schäbig in Spanish Harlem, sie wühlen und kruscheln in Chicago und New Orleans, sie lassen sich treiben in Arizona, sie kiffen sich durch San Francisco, jeder Schritt ohne Sinn und Verstand, immer gehetzt. Und so erweist sich der Rhythmus dieses 380 Seiten-Buches ebenfalls als rasant, ganz wie die Jazzmusik der damaligen Jahre, die zuckerigen Swing-Girlanden fallen aus der Zeit, schneller Bebop Jazz formiert sich, schrill und atemlos.

Auch Ernest Hemingway ist bekanntlich viel unterwegs gewesen. Frankreich, Spanien, Italien, Asien und Afrika, allerdings stets mit dem feinen Gepäck eines Großbürgers. Mit Chauffeur und als Gast in den teuersten Hotels. Jack Kerouac hingegen reist als underdog, säuft sich durch die billigen Kneipen der Vororte, fällt hinein in die abgetakelten Bretterbuden des roten Lichtes bei Nacht, schrammt haarscharf an den Gefängnistoren vorbei, tigert munter durch die Ghettos der Großstadt.

Der Schreibstil Kerouacs ist dem Hemingways ähnlich, nur ganz anders. Beide schreiben lakonisch, karg und trocken, aus dem Bauch heraus. Doch während Ernest Hemingway jedes Wort überlegt und abwägt, rotzt Jack Kerouac all seine Sätze schmerzfrei heraus. Der Jüngere schert sich nicht groß um grammatikalische Korrektheit und stilistische Konvention, die Sätze sprudeln wild heraus wie ein stürmisches Quellwasser.

Beide haben eines gemeinsam: Sie suchen das Ziel ihrer Träume. In On the Road findet Jack Kerouac ganz zum Ende der Reisen schließlich seinen Garten Eden. Hinter uns lag das ganze Amerika und alles, was Dean und ich bisher vom Leben gekannt hatten, auch vom Leben unterwegs. Endlich hatten wir das magische Land am Ende der Straße gefunden, und nie hätten wir uns träumen lassen, wie magisch es war.

Es ist das Land, wo nicht Milch und Honig, sondern

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