Mary Welsh fährt gerne mit ihrem Ehemann Ernest Hemingway auf der Pilar hinaus in den Golfstrom vor Kuba.

Ernest Hemingway und Mary Welsh lernen sich während des Zweiten Weltkriegs in London kennen. Beide sind anderweitig verheiratet, doch sogleich spüren beide Seiten eine magische Anziehung. Die Journalistin, sie arbeitet für das Nachrichtenmagazin TIME in der englischen Hauptstadt, ist eine starke Frau, die überaus erfolgreich im Berufsleben steht. Andererseits gefällt der neun Jahre jüngeren Frau das Werben des berühmten Schriftstellers.

Auch Ernest ist von der selbstbewussten blonden Frau begeistert und wirft den Flirt-Turbo an. Es dauert nicht lange und er macht ihr einen Heiratsantrag. Mary denkt im ersten Augenblick, er sei betrunken. Das ist er tatsächlich, doch der bärtige Autor meint es ernst mit seiner Heiratsabsicht. Sie ziert sich noch ein wenig, die Eskapaden des Schriftstellers sind gemeinhin bekannt, doch schon bald ist von einer gemeinsamen Zukunft auf Kuba die Rede.

Nach Ende des Krieges besucht Mary Welsh ihren Schwarm auf seinem Anwesen in San Francisco de Paula, er hat ihr zuvor fast täglich feurige Liebesbriefe geschrieben. Sie kommt in eine für sie fremde Welt, es ist ihr erster Besuch auf der karibischen Insel, sie ist des Spanischen nicht mächtig. Doch die kecke US-Amerikanerin ist sogleich angetan von Ernests kubanischem Garten Eden und von dem lässigen Leben auf der Finca Vigía.

Nach wenigen Wochen auf Kuba ist sie bereit, ihren Beruf in London aufzugeben und zu Ernest Hemingway in das tropische Abenteuerambiente zu ziehen. „Es hat viele Vorteile“, erklärt sie Lucy Moorehead, einer Freundin, „einfach eine Ehefrau zu sein und nicht eine gehetzte Karrierefrau im Konkurrenzkampf.“

Im Sommer fliegt die 37-Jährige zu ihren Eltern nach Minnesota und leitet die Scheidung von Ehemann Noel Monks ein. Das Ehe-Aus von Ernest mit Martha Gellhorn wird am 21. Dezember 1945 beurkundet, die Partnerschaft der beiden war schon während des Krieges gescheitert. Der Schriftsteller ist bereit für ein neues Abenteuer, seine vierte Ehe.

In einer schlichten Zeremonie heiraten Ernest Hemingway und Mary Welsh am 14. März 1946 im Büro seines Rechtsanwaltes im Vedado, einem vornehmen Stadtteil der kubanischen Hauptstadt. Der Jurist rattert die Heiratsurkunde in schnellem Spanisch herunter, die beiden jüngeren Söhne des Schriftstellers sind Trauzeugen, dazu gesellen sich einige einheimische Freunde.

Die Hochzeitsformalitäten gehen in ein langes Mittagessen im El Floridita über, in den Abendstunden wird auf der Finca Vigía munter weitergefeiert. Während der feuchtfröhlichen Hochzeitsfeier mit den Freunden auf der Farm, es ist bereits lange nach Mitternacht, geraten sich Ernest und Mary wegen einer Bagatelle heftig in die Haare.

Die frisch vermählten Ehepartner, alle zwei erheblich angetrunken, zetern herum und brüllen sich vor den Gästen ohne Ende an, Mary droht, ihre Koffer zu packen. Nach ein paar weiteren Whiskeys fallen beide Eheleute in ihrer Hochzeitsnacht todmüde ins Bett, der erbitterte Streit ist am nächsten Morgen vergessen.

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