An den Fersen von Ernest Hemingway

Schlagwort: Marlene Dietrich

Marlenes Stimme bricht das Herz des Ernest Hemingway

Ernest Hemingway ist in Marlene Dietrich verschossen, in diese Frau mit den endlos schlanken Beinen. Der arme Mann wird überwältigt von ihrer Ausstrahlung. Über Jahre und Jahrzehnte bleibt sie seine Geliebte, wenn auch nur platonisch. Ernest dreht voll auf, wenn er an die blonde Schauspielerin aus Deutschland denkt. Du bist wunderschön, und ich bin hässlich, schreibt der sonst so selbstbewusste Schriftsteller der Schauspielerin im Jahr 1952.

Marlene Dietrich erwidert die Gefühle. „Der faszinierendste Mann, den ich kenne“, lässt die Hollywood-Schauspielerin über ihn verlauten und es klingt ganz so, als wüsste sie, wovon sie redet. Die beiden sind Bruder und Schwester im Geiste. Denn Papa, wie Ernest Hemingway sich von Freunden am liebsten rufen lässt, und die attraktive Berlinerin teilen eine verwandte Auffassung vom Leben.

Genauso wie der Mann aus Chicago liebt Marlene Dietrich die Unabhängigkeit, das Eigenwillige und das Abenteuer. Der Schriftsteller und auch die Schauspielerin benehmen sich ein wenig selbstverliebt, weil jeder im anderen wohl auch ein wenig sein Alter Ego sieht. Möglicherweise möchte Ernest sich über Marlene auch ein wenig mehr selbst lieben.

Die 1950er Jahre, der Höhepunkt ihrer Liebelei, werden zu einer triumphalen Dekade für Marlene. Nachdem ihre Karriere in Hollywood einen Knick erhalten hat, tritt die Berlinerin nun als Entertainerin im Sahara von Las Vegas auf. Sie beginnt die Zusammenarbeit mit dem jungen Burt Bacharach, einem genialen Komponisten und Arrangeur, der aus der Schauspielerin einen umjubelten Gesangsstar formt. 

Obwohl Marlene in Wirklichkeit gar nicht singen kann, sie besitzt eine nicht sehr tragende Stimme, die gerade einmal eine magere Halboktave ausfüllen kann. Wenn die Dietrich Moon River oder Ne me quitte pas singt, klingt es ähnlich wie bei der Weihnachtsfeier im Seniorenstift. Eine Stimme ohne Stimme, spotten die Musikkritiker. Das stimmt, doch es ist nur die halbe Wahrheit.

Ernest Hemingway, ein Gefühlsmensch durch und durch, ist entflammt von ihrer Stimme. Wer wäre das nicht? Ihre ganze Erscheinung, das grazile Auftreten, die betont laszive Garderobe und erst recht diese zerbrechliche Raucherstimme, ummanteln die Dietrich mit einer Aura, die in der Musikwelt ihresgleichen sucht. Als sie Pete Seegers Antikriegslied Where Have all the Flowers Gone mehr flüsternd und flehend als singend darbietet, läuft es selbst den Deutschen eiskalt über den Rücken.

Go ´Way from my Window, eigentlich ein mittelprächtiger alter Folksong von John Jacob Niles, singt Marlene Dietrich so hingebungsvoll, dass man

Paul Radkai und das Raubein, das eine Katze krault

Paul Radkai, auf Finca Vigía im Herbst 1949, fotografiert Ernest Hemingway.
Foto: Karen Radkai, by courtesy of Marton Radkai

Paul Radkai, als Pal Laszlo Ratkai 1915 in Budapest geboren, reiht sich ein in die Riege erstklassiger ungarischer Fotografen wie Robert und Cornell Capa, Brassaï oder André Kertész. Wie die meisten seiner Kollegen findet er sein künstlerisches Glück jedoch erst in der Ferne. Als 19-Jähriger wandert Radkai in die USA aus, wo er sich als Journalist und insbesondere als Fotograf einen guten Namen macht.

Zusammen mit seiner Ehefrau Karen schaut Paul Radkai im Herbst 1949 bei den Hemingways auf Kuba vorbei. Eigentlich arbeitet Radkai überwiegend in der Modefotografie, er hat aber auch mit einer Artikelserie für Furore gesorgt, in der er Berühmtheiten wie Virgil Thomson, José Limón oder Rex Harrison in deren Domizil porträtiert. Nun kommt also Ernest Hemingway an die Reihe. Die Chemie zwischen dem Ungar und dem Schriftsteller stimmt von Anfang an.

You have the only lens that shows how many times my nose was broken. Also you have a lovely wife, dankt Hemingway in einem Brief dem Fotografen. Radkais Leica sei so fein, das nur deren Linse zeige, wie oft seine Nase gebrochen worden sei. Und, übrigens, er habe eine liebenswerte Frau. So ist es: Karen Radkai, 1919 geboren und ebenfalls eine bekannte Modefotografin, in den 1950er Jahren für Vogue, beeindruckt als fachkundige und aparte Frau neben ihrem Ehemann.

Ernest Hemingway weiß die Arbeit von Paul und Karen Radkai zu schätzen und er stapelt mal wieder tief. I am not fascinated by my own face but I love to look at Mary’s, schreibt Ernest Tage nach ihrem Treffen an den Fotografen. Von seinem eigenen Gesicht sei er nicht groß fasziniert, aber er schaue jenes von Miss Mary gerne an. Der Artikel mit den Fotos erscheint in Harper’s Bazaar im März 1950 unter dem Titel The Hemingways in Cuba auf den Seiten 172 und 173.

Paul Radkai kitzelt auf seinen Fotografien besonders Ernest Hemingways liebevoller Umgang mit seinen Katzen und den Hunden heraus. An seinem Hund Black Dog hängt Ernests Herz. Der schwarzzottelige Spaniel Black Dog ist ihm zugelaufen in einer Skihütte im Sun Valley in Idaho, halb verhungert und menschenscheu. Der Schriftsteller hat sich des malträtierten Tieres angenommen, den Jagdhund aufgepäppelt und ihn dann mit nach Kuba genommen.

Black Dog kratzt sich, hat der grauhaarige Schriftsteller im September 1956 zu einem Foto in der Zeitschrift LOOK räsoniert, das ihn und seinen schwarzen Hund zeigt, er ist alt geworden und kann weder gut sehen noch gut hören. Aber er hat einen gesunden Appetit und liebt das Leben. Der treue Freund weicht nicht mehr von seiner Seite.

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Den Umschlag von Across the River and into the Trees hat Hemingways Schwarm, die junge Italienerin Adriana Ivancich, gestaltet. Auf dem Rückumschlag findet sich ein Foto von Paul Radkai. Das Raubein Hemingway mit einer kleinen Katze im Arm.

Die Hunde liebt Ernest Hemingway abgöttisch. Als im Jahr 1958 ein Militärkommando des Diktators Batista mitten in der Nacht die Finca Vigía durchkämmt, auf der Suche nach Waffen der Rebellen, und sein Hund Machakos am Tor Wache hält, da wird der gutmütige Hund von einem Soldaten mit dem Gewehrkolben erschlagen. Der Verlust von Machakos trifft den Schriftsteller tief, er fällt in eine schwere Depression.

Wie keinem anderen Fotografen gelingt es Paul Radkai, die Liebe des Ernest Hemingway zu seinen Tieren festzuhalten. Dieser Charakterzug ist

Alphonse Lévêque erhält den Gruß eines Nobelpreisträgers

Tout le monde travaille. Jedermann arbeitet kräftig. Denn ein schwerer Marlin wird aus dem Ozean auf ein kleines Boot gezogen. In Cabo Blanco, im Norden Perus, wo Ernest Hemingway die Dreharbeiten für die Hollywood-Verfilmung von Der alte Mann und Meer überwacht. Acht Männer befinden sich auf der Miss Texas, um mit Hilfe einer Seilwinde einen wuchtigen Fang aus dem Pazifik zu hieven. Inmitten des Männertrupps: Ernest Hemingway, Sportfischer, Buchautor und Nobelpreisträger.

Der Marlin am Haken ist als schwarz-weißes Foto von dem Begleitboot Pescadores Dos aufgenommen worden und wird später von dem stolzen Schriftsteller auf Französisch signiert. Tout le monde travaille. Ernest Hemingway. Peru. Mai 1956. Der Gruß geht an Alphonse Lévêque, einen Barkeeper auf dem Ozeandampfer Īle de France

Sieben Mal hat Ernest Hemingway auf der Īle de France den Atlantik überquert, auf dem Schiff hat er Marlene Dietrich kennengelernt und mit Humphrey Bogart gefachsimpelt. Abends hat man den prominenten Autor meist an seinem Lieblingsplatz finden können, an der Bartheke des Dampfers. Und dort hat er sich mit dem Barmann Lévêque, einem Franzose vom Jahrgang 1902, angefreundet.

Alphonse Lévêque hat fast sein ganzes Berufsleben auf dem gigantischen Ozeankreuzer gearbeitet, der ab 1927 regelmäßig Le Havre mit New York verbunden hat. Die Īle de France ist ein moderner Liner, in luxuriösem Art déco ausgestattet, das vielleicht schönste Passagierschiff seiner Tage. Lévêque selbst stammt aus einem kleinen Fischerdorf nahe Saint-Nazaire, direkt an der Loire-Mündung. 

Aus dem fernen Cabo Blanco schreibt der Nobelpreisträger nicht an die Großen und Schönen, nicht an die gepriesenen Kollegen oder die hochmögenden Verleger, sondern an

Hemingways Liebe, ewig und länger

DietrichTaschenErnest Hemingway bewundert Marlene Dietrich. Ihre Unverblümtheit, ihren Mut, das Unkonventionelle, ihre freche Berliner Schnauze, die Angriffslust. Sie ist der Typ Frau, den er mag.

Hemingways Frauen ähneln dem Abbild seiner männlichen Bedürfnisse. Einmal, Ernest Hemingway weilt mit seiner Frau zu Besuch bei ihr, da läuft Marlene durch ihr Apartment, pudelnackig, so wie Gott sie erschuf, als sei es das natürlichste auf der Welt. Später bügelt sie die Wäsche und da hat sie immer noch nichts an. Hemingway gefällt es sehr, seiner Frau weniger.

Marlene hat einen großen Männerverschleiß: Gary Cooper, James Stewart, Erich Maria Remarque, Jean Gabin, Orson Welles, George Raft, Ray Milland, Fritz Lang, Michael Wilding, wahrscheinlich ist die Liste länger. Nur Männer? Marlene deutet an, dass sie zwischen Männlein und Weiblein als Partner nun keinen großen Unterschied macht. Auch das gefällt Hemingway.

Von der androgynen Aura der Dietrich fühlt Ernest sich magisch angezogen. Dieses Verschwimmen von Maskulinität und Feminität bei Marlene, das mag er. Ob er sie darum beneidet? Ob Hemingway die eigene Neigung mit seinem Macho-Gedöns zukleistert? Oder ob er sich selbst vielleicht mehr liebt als andere?

Nun schätzt es Ernest Hemingway nicht gerade, wenn eine Frau ihm Kontra gibt. Doch bei Marlene ist er da an der Richtigen. Oft leidet er

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