Auf den Fersen von Ernest Hemingway

Vor genau 100 Jahren: Ernest Hemingway urlaubt im Schwarzwald

Eine Schiefertafel an den Triberger Wasserfällen erinnert an den Besuch des Ernest Hemingway im Schwarzwald. Foto: W. Stock.

Der US-Journalist, er ist vor wenigen Wochen 23 Jahre alt geworden, geht in der französischen Hauptstadt in das Büro der CFRNA – der Compaignie franco-roumaine de navigation aérienne und kauft zwei Tickets nach Straßburg, one-way für 120 Francs. Ernest Hemingway und seine Ehefrau Hadley nehmen einem Doppeldecker von Paris nach Straßburg. Zwei Stunden dauert der Flug, anstatt acht Stunden im Zug sitzen zu müssen. Für Hadley ist es die erste Flugreise überhaupt.

Am 4. August 1922 treffen sich die Hemingways mit zwei befreundeten Ehepaaren in Straßburg und überqueren die Rhein-Grenze nach Kehl. Gut drei Wochen werden der Europa-Korrespondent des Toronto Star, seine Ehefrau und die Freunde im Schwarzwald verbleiben. Ihr Ziel ist das Elztal, eine ländliche Region im Schwarzwald, gut 30 Kilometer nordöstlich von Freiburg.

Die Reisegruppe will der stickigen Pariser Sommerhitze entfliehen und in den Bergen des Black Forest ausgiebig wandern und an den fischreichen Flüssen angeln. Die Journalisten wollen zudem Deutschland kennenlernen, das einen schrecklichen Krieg verloren hat und sich nun in heftigen wirtschaftlichen Turbulenzen befindet. Erst am 2. September werden die US-Amerikaner zurück in ihrer französischen Wahlheimat erwartet. 

Zusammen mit ihren Freunden, dem Journalisten Bill Bird, er arbeitet für die Agentur Consolidated Press in Paris, dessen Ehefrau Sally Bird sowie mit dem Schriftsteller Lewis Galantière und dessen Verlobten Dorothy Butler machen die Urlauber in diesen Augustferien des Jahres 1922 schnell unschöne Erfahrungen im krisengeschüttelten Deutschland. Der Empfang für die US-Amerikaner fällt alles andere als freundlich aus.

Auf einen Sympathiebonus darf Ernest Hemingway nicht hoffen, der verlorene Krieg steckt den Deutschen noch kräftig in den Knochen. Bitte, Herr Burgomeister. We wollen der fishkartenWe wollen to gefischen goen, radebricht der Autor aus Übersee im Rathaus, als er um einen Angelschein nachfragt. Nix, nein, erwidert der Bürgermeister brüsk, und zeigt den Amerikanern die Türe.

Zu den Menschen findet der junge Autor keinen Draht. Das Bier jedoch sei gut, notiert er. Und auch die Speisen munden hervorragend. Besonders die Süßspeisen haben es Hadley und Ernest angetan. Die Deutschen backen guten Kuchen, wunderbaren Kuchen. Die Inflation allerdings mache das Geschäft des Konditors kaputt. The mark was falling faster than they could bake. So schnell wie die Mark fällt, komme kein Konditor nach.

Seine Leser im fernen Kanada unterrichtet der junge Ernest Hemingway mit zwiespältigen Impressionen aus dem Schwarzwald. Die Bewohner beschreibt er als verhärmte Kriegsverlierer, zu oft stösst der junge Kerl auf Ablehnung und Zurückweisung. In der Nähe von Triberg werden er und seine Freunde vom Bauern mit einer Mistgabel vom Feld vertrieben, nur weil sie Auslanders sind.

Auch wenn Ernest Hemingway mit den Bewohnern fremdelt, die wundervolle Natur bewundert der Mann aus dem Mittleren Westen über alles. Dem US-Amerikaner gefallen die kristallklaren Gebirgsgewässer des Schwarzwaldes. Die Gutach und der zufließende Nußbach bei Triberg, oder die Elz, allesamt Bäche, in denen der Naturliebhaber etliche Forellen fängt, denn sie bissen an, sobald die Schnur im Wasser war.

Schon in jenen Tagen ist sein Talent zu erkennen, detailgenau zu beobachten und alles auf den Punkt und ohne jeden Schnörkel niederzuschreiben. Alles Eigenschaften, die dem 23-Jährigen aus Chicago Jahrzehnte später zu Weltruhm verhelfen werden. Mit der lieblichen Natur schließt der hochgewachsene Mann schnell seinen Frieden, er ist an den Gewässern des Michigan-Sees groß geworden. In Schnee auf dem Kilimandscharo wird der Autor seiner süddeutschen Urlaubsregion später eine versöhnliche Passage widmen.

Nach dem Krieg pachteten wir einen Forellenbach im Schwarzwald, und es gab zwei Wege, die dorthin führten. Einer ging durch das Triberger Tal hinab und schlängelte sich an der Talstraße entlang im Schatten der Bäume, die die staubige Straße einsäumten, und dann eine Seitenstraße hinauf, die durch die Hügel führte, an einer Menge kleiner Gehöfte mit großen Schwarzwaldhäusern vorbei, bis zu jener Straße, die den Bach überquerte. Hier begann unser Fischwasser.

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Fantastisch: Schnee auf dem Kilimandscharo

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  1. Heinz Scholz

    Sehr guter Bericht über Hemingway im Schwarzwald. Würden Sie mir mitteilen, wo die Artikel publiziert wurden? Ich würde die Artikel unter Literatur in meinen Blog einfügen. Sie können aber auch Blogs im Schweizer Testatelier (www.textatelier.com) publizieren. Die Autoren schreiben ohne Honorar, dafür sind diese im Archiv immer nachzulesen. Die Blogs werden in deutschsprachigen Ländern gerne gelesen.
    Viele herzliche Grüße von Heinz Scholz

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